Universität WienGeschichte der Universität Wien im Überblick

 
Archiv der Universität Wien

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INSIGNIEN DER UNIVERSITÄT WIEN

Im Sinne der Idee von den drei Universalmächten "imperium, sacerdotium, studium" enstanden akademische Hoheitszeichen, die zweifellos eine Imitation päpstlicher oder kaiserlicher Insignien darstellen, wie z.B. das Szepter. Als besonderes Zeichen der Würde erwähnt der Stiftbrief einen Ring, der dem Rektor bei Amtsantritt gemeinsam mit den übrigen Zeichen seines Amtes übergeben werden sollte. Dazu gehörten unter anderem auch die Universitätssiegel und das Matrikelbuch. Erst im 19. Jahrhundert trat die Rektorskette hinzu.

Entsprechend der korporativen Struktur der Universität besaßen auch die Fakultäten und Akademischen Nationen eigene Insignien und Siegel. Anders als die Gesamtuniversität, die im Mittelalter kein eigenes Wappen besaß, legten die Akademischen Nationen Wert auf eigene heraldische Symbole.

Lit.: Franz Gall, Die Insignien der Universität Wien (= Studien zur Geschichte der Universität Wien im Überblick 4, Graz-Köln 1965);

 

Szepter des Rektors der Universität Wien, 1558

In Analogie zu den Herrscher- und Amtssstäben führen Rektoren der Universitäten Szepter als Insignien ihres hohen Amtes und ihrer Würde. Das Hoheitszeichen des in früherer Zeit auch mit richterlicher Gewalt ausgestatteten höchsten Amtsrägers und Repräsentanten der gesamten Universität gewann allmählich den Charakter eines Symbols der gemeinsamen Geschichte und Identität aller Universitätsmitglieder und wird als sichtbares Zeichen der universitären Selbständigkeit und damit auch als Sinnbild für die Freiheit und die Einheit von Forschung und Lehre gesehen. Das Wiener Universitäts- oder Rektorsszepter stammt aus dem Jahre 1558. Der silberne, teilweise vergoldete, sechsseitige Schaft wird von vier Knäufen untergliedert und von der mit zwei Amethysten geschmückten Kaiserkrone auf einem zweiteiligen Blattkranz bekrönt. Knäufe und Blattkranz mögen schon von einem älteren, spätgotischen Stab übernommen worden sein. Das 137,4 cm lange Szepter trägt am Schaft die Inschrift: "SCEPTRVM RECTORATVS VNIVERSITATIS VIENNENSIS 1558".

 

Die Amtskette des Rektors, 1805

Die mittelalterliche und frühneuzeitliche Universität Wien kannte zunächst keine Amtsketten für akademische Dignitäre. Ihr Ursprung dürfte in den von Fürsten vielfach verliehenen Ehren- und Gnadenketten zu suchen sein, die fast immer das Porträt des Monarchen trugen, und oft auch an Gelehrte verliehen wurden. Die Abschaffung der akademischen Amtstracht im Jahre 1784 erzeugte den Wunsch nach einem "unterscheidenden Zeichen", sodaß die Universität selbst um die Verleihung "goldener Medaillen" ansuchte. Kaiser Leopold II. verlieh der Universität 1792 fünf Medaillen mit seinem Porträt an violetten und roten Bändern, die ihre Träger aber bald mit Beamten "von unterem Range" gleichsetzte. Auf ein neuerliches Gesuch der Universität unter dem Rektor Franz Anton von Zeiller bewilligte Kaiser Franz II. am 29. Dezember 1804 die neuen fünf Ehrenzeichen für Rektor und Dekane. Anstelle des angestrebten Rektorsszepters sollte jedoch die Kaiserkrone sichtbar werden, als Avers-Umschrift wurde festgelegt: "FRANCISCUS ROM. ET AUST. IMP.". Für die Rückseite wurde folgender Text gewünscht: "MVNIFICENTIA AVGVSTI RECTORI VNIVERSITATIS VINDOBONENSIS, FACVLTATI THEOLOGORVM, FACVLTATI JVRECONSVLTORVM, FACVLTATI MEDICORVM, FACVLTATI PHILOSOPHORVM" darunter die Jahreszahl "MDCCCIV". Die runde Goldmedaille mit dem Porträt des Kaisers Franz I. (II.) wurde im Mittelfeld zweier übereinandergelegter purpurroter Malteserkreuze plaziert, darüber befindet sich die österreichische Kaiserkrone. Die Rektorskette hat 49 Glieder gegenüber den kleineren 62 Gliedern der Dekansketten.

 

Szepter der Katholisch-theologischen Fakultät, 1601

Das im Jahre 1601 von einem Augsburger Goldschmied um 150 Gulden angefertigte Szepter hatte mehrere, teilweise hölzerne, heute verlorene mittelalterliche Vorgänger, von denen vielleicht einzelne Zierteile übernommen wurden. Es gilt als die "feinste künstlerische Leistung unter den erhaltenen Szeptern der Wiener Universität". Der 126 cm lange zylindrische Silberstab, dessen fünf Knäufe vergoldet sind, ist mit einem gravierten Rautenmuster mit darin integrierten Lilien und Blüten überzogen. Die Bekrönung bildet ein kelchförmiger Sockel, auf dem der "walzenförmige" Bekrönungskörper ruht. In vier rundbogigen Muschelnischen befindet sich je ein Evangelistensymbol (Engel, Stier, Adler, Löwe) mit einem aufgeschlagenen Buch davor. Über der oberen kreisrunden Deckplatte befindet sich auf einer Konsole die Statuette des Hl. Evangelisten Johannes, des Patrons der Fakultät, mit einem Kelch.

 

Szepter der Evangelisch-theologischen Fakultät, 1859

Die Evangelisch-theologische Fakultät hatte seit 1821 als Lehranstalt und seit 1850 als selbständige Fakultät bestanden, die 1922 in den Verband der Universität Wien aufgenommen wurde. Der silberne, teileweise vergoldete, 156 cm lange, zylindrische Stab wurde 1859 angeschafft und besteht aus drei zusammenschraubbaren Stücken mit schlichten Schaftringen. Als Bekrönung dient ein oblong-kugeliger Knauf, an dem zwei Roßstirnschilde mit Kreuz, Anker, Buch und Kelch angebracht sind. Dazwischen befinden sich in je zwei übereinander angeordneten Medaillons Darstellungen der vier Evangelisten. Über dem Knauf liegt die österreichische Kaiserkrone auf einem an den vier Ecken mit Quasten verzierten Polster.

Szepter der Rechtswissenschaftlichen Fakultät, 1615

Das Wiener Juristenszepter wurde 1615 angefertigt und ebenso wie jenes der Medizinischen Fakultät mit einzelnen Bestandteilen eines älteren, spätmittelalterlichen Stabes geschmückt. Der sechsseitige, teilweise vergoldete, 150 cm lange Silberstab ist mit gravierten Rauten verziert und mit vier Schaftknäufen untergliedert. Die Bekrönung wird durch zwei Blattkränze gebildet, darüber befindet sich ein sechsseitiger Sockel mit der Statuette der Justitia, die Schwert und Waage trägt. Am Schaft befindet sich die Inschrift: "SCEPTRVM FACVLTATIS JVRIDICAE IN ARCHIGYMNASIO VIENNENSI DE NOVO CONFECTVM ANNO SALVTIS MDCXV" neben verschiedenen Renovierungsvermerken.

Szepter der Medizinischen Fakultät, 1615

Der sechsseitige mit einem Rautenmuster gravierte Silberstab, dessen Knäufe vergoldet sind, erinnert an das Rektorszepter von 1558. Er wurde 1615 von dem Mediziner und Rektor Sigismund Geisler gestiftet. Bei der Herstellung wurden einzelne Teile älterer Vorgänger verwendet. Die Bekrönung bildet ein zweiteiliger Blattkranz unter einer Konsole, auf der sich die Figurine des Hl. Evangelisten Lukas (Patron der Mediziner) befindet, der in der Rechten ein aufgeschlagenes Buch trägt und die Linke auf den Kopf des neben ihm liegenden Stieres legt. Das Szepter hat eine Länge von 139,8 cm und trägt mehre gravierte Inschriften, darunter Hinweise auf die Heiligen Cosmas und Damian sowie auf die Stiftung des Szepters: "SIGISMVND GEISLER D. SCEPTRVM HOC IMPENSIS PROPRIIS FIERI FECIT AC FACVLTATI MEDICAE VN[IVERSITA]TIS VIENN. IN SUI MEMORIAM DONAVIT ANNO SALVTIS MDCXV".

Szepter der Philosophischen Fakultät, 1666

Im Jahre 1666 schaffte der Rektor Dr. Balthasar Nolaren von Nolenstein das neue Szepter an, da der bisher verwendete gotische Stab aus dem Jahre 1401 schadhaft geworden war. Der sechsseitige, glatte, teilweise vergoldete, 143,5 cm lange Silberstab erinnert an das Rektorsszepter von 1558 und wird durch fünf Schaftknäufe unterteilt. Die Bekrönung wird von zwei Blattkränzen gebildet, auf denen eine sechsseitige Standplatte befestigt ist. Die darauf befindliche vergoldete Figurine stellt die Schutzpatronin der Fakultät, die hl. Katharina mit dem Rad dar. Sie gilt als das älteste Detail der Wiener Szepter, da sie schon als Bekrönung des nicht mehr erhaltenen gotischen Stabes von 1401 gedient hatte, und gehört dem sogenannten "weichen Stil" an. Zum Vergleich bietet sich eine zeitgenössische steinerne Marienstatue vom Südturm der Stiftskirche in Klosterneuburg an. Auch die prunkvollen Blattkränze und die Knäufe werden neuerdings der Zeit um 1400 zugerechnet.

 

Das Universitätsbanner, 1892

Seit 1382 ist die Verwendung von Fahnen an der Universität Wien bezeugt. Ursprünglich trugen sie das Bild des hl. Gregor, des Schutzpatrons der Lehrer, und des hl. Nikolaus, des Schutzpatrons der Schüler, später wurden auch Marienfahnen an der Universität verwendet. Das heutige im Makartstil gehaltene Universitätsbanner wurde erstmals bei einer Feier zu Ehren des Chirurgen Theodor Billroth am 11. Oktober 1892 verwendet. Es zeigt auf dem Avers das Porträt Rudolfs des Stifters umgeben von Schriftbändern mit den Jahreszahlen 1365 (Universitätsgründung), 1384 (Große Reform durch Albrecht III.), 1884 (Eröffnung des Ringgebäudes) und 1892 (Stiftung des Banners), daneben befinden sich Symbole der Theologie (Palme, Kreuz, Auge Gottes) und der Philosophie (Säule, Schriftrolle). Die Reversseite trägt in einem gotischen Dreipaß das Wappen der Universität (Hand mit Buch), daneben Symbole der Juristen (Liktorenbündel) und der Mediziner (Äskulapschlange). Der obere Wimpelstreifen zeigt die Aufschrift "UNIVERSITAS" neben dem kaiserlichen Wappen (avers) und "VINDOBONENSIS" neben dem Wappen der Stadt Wien. Das Banner ist bis zum heutigen Tag bei akademischen Feiern in Verwendung.