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Szepter der
Evangelisch-theologischen Fakultät, 1859
Die Evangelisch-theologische
Fakultät hatte seit 1821 als Lehranstalt und seit 1850 als selbständige
Fakultät bestanden, die 1922 in den Verband der Universität Wien aufgenommen
wurde. Der silberne, teileweise vergoldete, 156 cm lange, zylindrische
Stab wurde 1859 angeschafft und besteht aus drei zusammenschraubbaren
Stücken mit schlichten Schaftringen. Als Bekrönung dient ein oblong-kugeliger
Knauf, an dem zwei Roßstirnschilde mit Kreuz, Anker, Buch und Kelch angebracht
sind. Dazwischen befinden sich in je zwei übereinander angeordneten Medaillons
Darstellungen der vier Evangelisten. Über dem Knauf liegt die österreichische
Kaiserkrone auf einem an den vier Ecken mit Quasten verzierten Polster.
Szepter der
Rechtswissenschaftlichen Fakultät, 1615
Das Wiener Juristenszepter
wurde 1615 angefertigt und ebenso wie jenes der Medizinischen Fakultät
mit einzelnen Bestandteilen eines älteren, spätmittelalterlichen Stabes
geschmückt. Der sechsseitige, teilweise vergoldete, 150 cm lange Silberstab
ist mit gravierten Rauten verziert und mit vier Schaftknäufen untergliedert.
Die Bekrönung wird durch zwei Blattkränze gebildet, darüber befindet sich
ein sechsseitiger Sockel mit der Statuette der Justitia, die Schwert und
Waage trägt. Am Schaft befindet sich die Inschrift: "SCEPTRVM FACVLTATIS
JVRIDICAE IN ARCHIGYMNASIO VIENNENSI DE NOVO CONFECTVM ANNO SALVTIS MDCXV"
neben verschiedenen Renovierungsvermerken.
Szepter der
Medizinischen Fakultät, 1615
Der sechsseitige
mit einem Rautenmuster gravierte Silberstab, dessen Knäufe vergoldet sind,
erinnert an das Rektorszepter von 1558. Er wurde 1615 von dem Mediziner
und Rektor Sigismund Geisler gestiftet. Bei der Herstellung wurden einzelne
Teile älterer Vorgänger verwendet. Die Bekrönung bildet ein zweiteiliger
Blattkranz unter einer Konsole, auf der sich die Figurine des Hl. Evangelisten
Lukas (Patron der Mediziner) befindet, der in der Rechten ein aufgeschlagenes
Buch trägt und die Linke auf den Kopf des neben ihm liegenden Stieres
legt. Das Szepter hat eine Länge von 139,8 cm und trägt mehre gravierte
Inschriften, darunter Hinweise auf die Heiligen Cosmas und Damian sowie
auf die Stiftung des Szepters: "SIGISMVND GEISLER D. SCEPTRVM HOC IMPENSIS
PROPRIIS FIERI FECIT AC FACVLTATI MEDICAE VN[IVERSITA]TIS VIENN. IN SUI
MEMORIAM DONAVIT ANNO SALVTIS MDCXV".
Szepter der
Philosophischen Fakultät, 1666
Im Jahre 1666 schaffte
der Rektor Dr. Balthasar Nolaren von Nolenstein das neue Szepter an, da
der bisher verwendete gotische Stab aus dem Jahre 1401 schadhaft geworden
war. Der sechsseitige, glatte, teilweise vergoldete, 143,5 cm lange Silberstab
erinnert an das Rektorsszepter von 1558 und wird durch fünf Schaftknäufe
unterteilt. Die Bekrönung wird von zwei Blattkränzen gebildet, auf denen
eine sechsseitige Standplatte befestigt ist. Die darauf befindliche vergoldete
Figurine stellt die Schutzpatronin der Fakultät, die hl. Katharina mit
dem Rad dar. Sie gilt als das älteste Detail der Wiener Szepter, da sie
schon als Bekrönung des nicht mehr erhaltenen gotischen Stabes von 1401
gedient hatte, und gehört dem sogenannten "weichen Stil" an. Zum Vergleich
bietet sich eine zeitgenössische steinerne Marienstatue vom Südturm der
Stiftskirche in Klosterneuburg an. Auch die prunkvollen Blattkränze und
die Knäufe werden neuerdings der Zeit um 1400 zugerechnet.
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