DIE FREQUENZENTWICKLUNG IM 20. JAHRHUNDERT
Als das Hauptgebäude der Universität Wien im Jahre 1884 eröffnet wurde, verkündete Rektor Hermann Zschokke eine Zahl von 5.721 Hörern – "die höchste Zahl, welche unsere Alma Mater seit ihrem Bestande erreicht hat". Diese Frequenz steigerte sich bis zum Ersten Weltkrieg bis auf rund 9.000 Hörer (Studienjahr 1913/14), wobei der Frauenanteil (Zulassung ab 1897) damals bei rund 7% lag. Nach der kriegsbedingten Halbierung der Hörerzahlen gab es ab 1918 einen Anstieg auf über 10.000 Hörer. Im Studienjahr 1930/31 verzeichnete die amtliche Statistik sogar 12.006 Studierende (Frauenanteil 25%). Nach dem Anschluß 1938 nahm diese Zahl rapide ab. Im Studienjahr 1940/41 gab es noch 5092 Hörer (Frauenanteil 29%). Diese Zahl ging während des Krieges bis auf 3446 zurück, wobei der Frauenanteil kurfristig auf über 50% stieg. Nach dem Krieg stiegen die Zahlen rasch wieder auf etwa 10.000 Studierende an (1950/51: 9.051 Hörer, Frauenanteil 30%), um in den frühen fünfziger Jahren wieder bis auf etwa 6.000 zurückzugehen (1953/54: 6141 Hörer). Danach folgte ein zunächst rasantes, später explosionsartiges Wachstum der Studentenzahlen hin zur Massenuniversität. Der Anteil der weiblichen Studierenden stieg weiterhin kontinuierlich. Seit dem Beginn der achtziger Jahre lag die Zahl der Studentinnen über der 50%-Marke. Die Frequenzentwicklung zeigt in aufgerundeten Zahlen folgendes Bild: 1960/61: 14.000 Hörer (Frauenanteil 35%), 1970/71: 19.000 Hörer (Frauenanteil 37%), 1980/81: 40.000 Hörer (Frauenanteil 50%), 1990/91: 85.000 Hörer (Frauenanteil 56%) und 1998/99: 90.000 Hörer (Frauenanteil 59% [Quelle: Studienabteilung der Universität Wien]). Der Anteil der ausländischen Hörer bewegt sich um 10%. Die Zahl der Absolventen beträgt gegenwärtig rund 4.600 pro Jahr. Das Universitätspersonal umfaßt rund 5.500 Mitarbeiter, darunter sind rund 520 Professoren, 2600 Assistenten, 2300 Verwaltungsbedienstete, die an 200 Instituten, Kliniken und Verwaltungsstellen tätig sind. Die Universitätseinrichtungen verteilen sich auf 103 Objekte mit insgesamt 400.000 m2 in und außerhalb Wiens.
Lit.: Irma Völlmecke, Österreichische Hochschulstatistik 1829 bis 1979. In: Geschichte und Ergebnisse der zentralen amtlichen Statistik in Österreich 1829–1979 (= Beiträge zur österreichischen Statistik, Heft 550, 550A, Wien 1979). Quelle (neueste Zahlen): Studienabteilung der Universität Wien.
Die Grafik zeigt die Entwicklung der Studentenfrequenzen im Zeitraum von 1910 bis 1990 in Zehnjahresschritten. Frauen waren zunächst an der Philosophischen Fakultät ab 1897 zum Studium zugelassen. Danach folgten die Medizinische Fakultät (1900), die Rechts- und Staatswissenschaftliche (1922), die Evangelisch-theologische Fakultät (1928) und die Katholisch-theologische Fakultät (1946). Der Frauenanteil stieg in der Studentenschaft in den achtziger Jahren auf über 50 Prozent. Bei den Professoren beträgt er gegenwärtig rund 7%, bei den Assistenten 28%.