STUDIUM IM MITTELALTER
Der mittelalterliche Student war wesentlich jünger als der heutige. Er konnte bereits als Vierzehn- bis Sechszehnjähriger an der Artistenfakultät immatrikulieren. Voraussetzung war die Kenntnis der lateinischen Sprache, deren Gebrauch an der Universität vorgeschrieben war. Die Aneignung der Grundlagen in den Freien Künsten war Bedingung für das Weiterstudium an einer der höheren Fakultäten. Diese Möglichkeit wurde nur von einem geringen Teil der Studenten ergriffen, nur wenige erwarben einen akademischen Grad. Die Ursachen dafür waren sicherlich die hohen Kosten des Studiums – zu den Lebenshaltungskosten kamen noch die Kollegiengelder und die Prüfungstaxen – sowie die Tatsache, daß einige Scholaren ihre Studien an einer anderen Universität fortsetzten. Die meisten der Graduierten begnügten sich mit der niedrigsten Stufe, dem Bakkalariat an der Artistenfakultät. Dieser Grad war die Voraussetzung für das Magisterium der Freien Künste. Die Magister besaßen nicht nur die Berechtigung, sondern sogar die Verpflichtung, zumindest zwei Jahre lang das Lehramt an ihrer Fakultät auszuüben. Gleichzeitig konnten sie an einer der höheren Fakultäten studieren, manche erwarben dort auch die akademischen Grade eines Bakkalars, Lizentiaten oder Doktors.
Lit.: Paul Uiblein, Mittelalterliches Studium an der Wiener Artistenfakultät. Kommentar zu den Acta Facultatis Artium universitatis Vindobonensis 1385–1416 (=Schriftenreihe des Universitätsarchivs, Universität Wien, Bd. 4, 2. Aufl., Wien 1995); – Thomas Maisel, Der "Lateinische Krieg". Eine studentische Revolte des frühen 16. Jahrhunderts in Wien. In: Historische Anthropologie 3 (1995) S. 389–411.