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Geschichte
der Universität Wien im Überblick
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DIE KONFESSIONELLE ZEIT
In der beginnenden Reformationszeit kam es zu einem rapiden
Verfall des Studiums. Die Universität hatte als "päpstliche Einrichtung"
einen bedeutenden Prestigeverlust erlitten. Die konfessionellen Konflikte waren
zudem von äußeren negativen Einflüssen begleitet: die türkische
Belagerung Wiens (1529), immer wiederkehrende Seuchen, ein verheerender Stadtbrand
(1525), der wirtschaftliche Rückgang der Stadt verbunden mit der Verteuerung
der Lebenserhaltungskosten, die vermehrte Konkurrenz der Universitäten
untereinander. Ferdinand I. stellte die materielle Basis sicher und versuchte,
die Universität Wien als katholisches Bollwerk auszubauen und seinen politischen
Zielen dienstbar zu machen. Der vermehrte Bedarf an katholischen Priestern,
Ärzten und Beamten im Zuge des frühabsolutistischen Landesausbaues
sollte gedeckt werden. Der Fürst berief 1551 den Jesuitenorden nach Wien
und übergab ihm zwei theologische Lehrkanzeln an der Universität.
Bald kam es zu heftigen Auseinandersetzungen zwischen der teilweise protestantischen
"Alma Mater", die ihre Privilegien gefährdet sah, und den im
Schulbereich erfolgreicheren Jesuiten. Der Streit wogte bis 1623, als Kaiser
Ferdinand II. das Wiener Jesuitenkolleg in die Universität inkorporierte,
und die Patres damit die Oberhand für die nächsten 150 Jahre gewannen.
Den katholischen Charakter der Universität hatte schon der spätere
Kardinal Melchior Khlesl als Kanzler der Universität sichergestellt. Seit
1579 mußten alle Graduanden den Eid auf das Tridentinische Glaubensbekenntnis
ablegen.
Lit.: Kurt Mühlberger, Zu den Krisen der Universität
Wien im Zeitalter der konfessionellen Auseinandersetzungen In: Bericht über
den achtzehnten österreichischen Historikertag in Linz vom 24. bis 29.
September 1990 (=Veröffentlichungen des Verbandes Österreichischer
Geschichtsvereine 27, Wien 1991) 269-277; Ders., Bildung und Wissenschaft. Kaiser
Maximilian II. und die Universität Wien. In: Kaiser Maximilian II. Kultur
und Politik im 16. Jahrhundert, hg. v. Friedrich Edelmayer und Alfred Kohler
(= Wiener Beiträge zur Geschichte der Neuzeit 19, Wien 1992) 203-230.
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König Ferdinand
I., 1556
Dieses Porträt zeigt
Ferdinand I. (1503-1564) als römisch-deutschen König vor einer Ansicht
der Stadt Wien. Zu Beginn seiner Herrschaft in Österreich wies er die
ständische Oppositionsbewegung durch drakonische Gerichtsurteile (1522)
in die Schranken. Die von einer Frequenzkrise in ihrer Existenz bedrohte
Wiener Universität betrachtete er als Instrument im Kampf gegen den Protestantismus.
Mehrere Reformgesetze, deren Abschluß die "Reformatio nova" von 1554 bildet,
konnten den Fortbestand der Wiener Universität sicherstellen. (Orig.:
Kupferstich von H. S. Lautensack, Wien, Albertina)
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Der Jesuitenpater
Wilhelm Lamormaini, 1570-1648.
Nach dem Eintritt
in den Orden (1590) studierte er 1593-97 Theologie in Wien, lehrte anschließend
in Ungarn, Prag und Graz, kam 1622 wieder nach Wien, wo er Rektor des
Wiener Jesuitenkollegs wurde. Er wirkte entscheidend an der Inkorporation
des Jesuitenkollegs in die Universität und an der baulichen Neugestaltung
des Universitätsviertels mit. Als Beichtvater genoß er das besondere Vertrauen
Kaiser Ferdinands II. (Foto: Archiv der Universität Wien)
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Petrus Canisius
S. J. (Pieter Kanijs), 1521-1597.
Der aus Nimwegen
(Niederlande) stammende Theologe war einer der einflußreichsten Vorkämpfer
der Gegenreformation im deutschen Sprachraum. 1552-1556 wirkte er in
Wien als Prediger im Dom zu St. Stephan und in vielen anderen Kirchen,
als Lehrer an der Universität, als Beichtvater der habsburgischen Fürsten,
als Jugenderzieher und als Administrator der Wiener Diözese. Er gab dem
Wiener Jesuitenkolleg eine feste Gestalt. Scharf ging er gegen "häretische"
Gelehrte vor. Großen Einfluß gewannen seine drei Katechismen: die "Summa
doctrinae christianae" (1555) für Studenten, der "Catechismus minimus"
(1556) für Kinder, der "Parvus catechismus catholicorum" (1558) für Gymnasialschüler.
1925 wurde Canisius heiliggesprochen und zum Kirchenlehrer proklamiert.
(Foto: Archiv der Universität Wien).
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Eid des Rektors
auf die Immaculata im Dom zu St. Stephan
Kaiser
Ferdinand III. hatte 1647 die "unbefleckte Gottesmutter" zur Schutzpatronin
des Erzherzogtums Österreich unter der Enns erklärt und der Universität
die Errichtung eines Statuts befohlen, wonach niemand in die Universität
aufgenommen, graduiert werden bzw. ein akademisches Amt übernehmen solle,
ehe er nicht einen Glaubenseid auf die unbefleckte Empfängnis Mariens
abgelegt hätte. Nach diesem Statut legten der Rektor und die Dekane alljährlich
diesen Eid im Dom zu St. Stephan in die Hände des Universitskanzlers und
Dompropstes ab. 1782 wurde dieser Eid auf Anordnung Kaiser Josefs II.
abgeschafft. (Orig.-Stich von Theodor Bonnano: Archiv der Universität
Wien)
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