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Geschichte
der Universität Wien im Überblick
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DIE BAUENTWICKLUNG 1365–1784
Im Zuge der großen Reform Herzog Albrechts III. (1384)
hatte die Universität ihr erstes eigenes Haus erhalten: das Collegium ducale
(Herzogskolleg) gegenüber dem Dominikanerkloster (heute Postgasse 7-9).
Im Laufe der Zeit kamen noch andere Bauten hinzu, wie die "Juristenschule"
in der Schulerstraße (1385) oder das "Haus der Ärzte" (1419)
in der Weihburggasse. Der steigende Raumbedarf im 15. Jahrhundert veranlaßte
die Universität zu einem repräsentativen Neubau, der das Herzogskolleg
zur Wollzeile hin erweiterte (1423–1425): die "Neue Schul" (Bäckerstraße
13). In diesem Gebäude, das im Jahre 1998 durch eine archäologische
Grabung teilweise freigelegt wurde, befanden sich eine festliche Aula, zwei
Refektorien, eine Bibliothek und Hörsäle für alle Fakultäten.
1492 wurde ein weiteres Haus in der unmittelbaren Nachbarschaft angekauft, das
als Studentenspital und Bibliothek (alte "Libreye") Verwendung fand.
Rund um das Herzogskolleg siedelten sich Studentenhäuser – "Bursen"
oder "Kodreien" – an, so daß bald eine stattliche Zahl von universitären
Gebäuden in Streulage versammelt war, die bis in das 17. Jahrhundert das
Universitätsviertel beim Stubentor in der unmittelbaren Nachbarschaft zahlreicher
Kaufleute, Handwerker, Kirchen und Klöster prägten.
Kaiser Ferdinand II. übertrug 1623 den Lehrbetrieb weitgehend
dem Jesuitenorden, der zugleich die Verpflichtung für den Neubau eines
"Akademischen Kollegs" (auch "Jesuitenkolleg") übernahm.
Bis etwa 1650 entstand an der Stelle des mittelalterlichen Herzogskollegs und
mehrerer Studenten- und Bürgerhäuser jene weitläufige frühbarocke
Anlage, die bis heute als "Alte Universität" bekannt und weitgehend
erhalten geblieben ist. Der Komplex umfaßte neben der den hl. Ignatius
und Franz Xaver 1631 geweihten Universitätskirche eine große Bibliothek,
ein Observatorium, einen Theatersaal, das Akademische Gymnasium, Hörsaal-,
Wohn- und Wirtschaftsgebäude und sogar einen Weinkeller. Nebenan wurde
ein separates Verwaltungsgebäude als Sitz des Rektors adaptiert, in dem
auch der große Senatssitzungssaal, die vom Syndikus geführte Universitätskanzlei,
das Archiv und der Karzer untergebracht waren (Sonnenfelsgasse 19).
Unter Maria Theresia wurde dann ein weiterer großer Neubau
im Stile eines spätbarocken Schlosses errichtet, die "Neuen Aula"
(1756), die seit 1857 Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
ist. Schließlich wurde unter Kaiser Joseph II. das "Allgemeine Krankenhaus"
(1784) eröffnet, in dem sich nach und nach die Universitätskliniken
etablierten. Es wurde zum Zentrum und Ausgangspunkt der Wiener Medizinischen
Schule.
Lit.: Das Alte Universitätsviertel in Wien,
1385–1985, ed. Günther Hamann, Kurt Mühlberger, Franz Skacel (= Schriftenreihe
des Universitätsarchivs, Universität Wien, 2. Band, Wien 1985); ¾
Kurt Mühlberger, Das Collegium Academicum Viennense. In: "schafft wissen".
Lese-Buch, ed. Präsidium der Österreichischen Akademie der Wissenschaften
(Wien 1997) 255-262; ¾ Universitätscampus
Wien, Band 1-2, ed. Alfred Ebenbauer, Wolfgang Greisenegger, Kurt Mühlberger
(Wien 1998).
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Collegium
ducale
Aus
einer Handschrift des "Rationale divinorum officiorum" von Guilhelmus
Durandus stammt dieses reich verzierte Blatt, welches die Universitätsreform
Herzog Albrechts III. als Programm der künstlerischen Ausstattung aufweist.
Vier Medaillons am Fußende nehmen direkten Bezug auf die Universitätsreformen.
Hier abgebildet: Albrecht III. stiftet das "Collegium ducale", die erste
Heimstatt der Wiener Universität; (Orig.: Österreichische Nationalbibliothek,
Cod. 2765)
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Das "Collegium
ducale" neben dem "Predigerkloster", 1609.
Die Alte Universität
mit dem Herzogskolleg in der Vogelschau des Jacob Hoefnagel aus dem Jahr
1609. Diese Darstellung ist ein Ausschnitt eines Planes, der als erste
genauere topographische Stadtansicht Wiens gilt. Im Zentrum sieht man
den Gebäudekomplex des Herzogskollegs, das auf die Stiftung Herzog Albrechts
III. zurückgeht. Links davon die gotische Kirche des Dominikanerklosters.
Der Plan läßt die mittelalterliche Bausubstanz deutlich erkennen. Die
späteren baulichen Umgestaltungen der Barockzeit veränderten das Erscheinungsbild
der Stadt und des alten Universitätsviertels radikal. (Orig.: Wiener
Stadt- und Landesarchiv)
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Die mittelalterlichen
Universitätsgebäude und Bursen.
Der Plan zeigt die
mittelalterliche Situation des Viertels beim Stubentor, wo sich rund um
das "Collegium ducale" die Bursen und Kodreien (studentischen Armenhäuser)
befanden. Die Universitätsgebäude sind schraffiert, die Bursen gerahmt.
Die Haus-Numerierung entspricht jener des Hofquartierbuches von 1566.
(Orig.-Planzeichnung von Richard Perger und Friedmund Hueber: Archiv der
Universität Wien)
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Der Universitätsplatz
(Stich nach S. Kleiner, 1724)
Der Universitätsplatz
(heute Dr. Ignaz Seipel-Platz) war das wichtigste Forum der Universität.
Er diente als Kommunikationszentrum, war Ort von Versammlungen und bis
zur Aufhebung der Akademischen Gerichtsbarkeit Richtstätte. Er wird von
der 1631 den Hll. Ignatius und Franz Xaver geweihten Jesuitenkirche dominiert,
die 1703 durch Andrea Pozzo ihre heutige Gestalt erhielt.
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Das Allgemeine
Krankenhaus in Wien um 1784.
An der Stelle des
Armen- und Invalidenhauses in der Alserstraße wurde im Auftrag Kaiser
Josefs II. 1783/84 das Allgemeine Krankenhaus eingerichtet. Als Vorbild
diente das Pariser Zentralspital, das Hôtel Dieu. Die Geschichte des Allgemeinen
Krankenhauses ist in institutioneller und personeller Hinsicht eng mit
der Wiener Medizinischen Fakultät verbunden. Hier befand sich die Keimzelle
der berühmten Wiener Medizinischen Schule. (Foto: Archiv der Universität
Wien. Orig. Stich von Joseph und Peter Schaffer: Institut für Geschiche
der Medizin).
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Das "Anatomische
Theater" in Wien, 1786.
Im theresianischen
Aulagebäude ("Neue Aula", heute Akademie der Wissenschaften) befand sich
im Parterre das "Anatomische Theater", das 1784 vollständig umgebaut wurde.
Die Mittel dafür stiftete Kaiser Josef II. als Dank für die Heilung eines
Augenleidens durch den Anatomen und Augenarzt Josef Barth. Das Bild zeigt
den amphitheaterartigen Hörsaal, in der Mitte den Tisch, auf dem die Leichen
seziert wurden; oben das Porträt Kaiser Josefs II., auf dessen Spende
das Spruchband daneben verweist. Im Vordergrund hält Pallas Athene ein
beschriebenes Blatt: "Hoc mortis causas inspecta cadavera monstrant. Hic
inimica sibi mors vetat ipsa mori". (Orig. lavierte Zeichnung von Josef
Eisner.: Archiv der Universität Wien, Cod. M 11, zu fol. 45).
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