Geschichtlicher Hintergrund und heutige politische Lage Guineas

Einleitend möchten wir einige wichtige Hintergrundinformationen über die Geschichte der Malinke und der Geschichte des heutigen Guineas geben:

Die Djembe Tradition hat ihren Ursprung im Gebiet des heutigen Guinea und Mali, und hat mit ziemlicher Sicherheit Maninka und Susu Ursprung. Das Ursprungsgebiet der Maninka wird Mande genannt und liegt etwa in dem Gebiet zwischen Kankan in Guinea und Bamako in Mali. "Mande-ka", was einfach "Person aus Mande" bedeutet, wird lokal teilweise als "Maninka" ausgesprochen. Der Ausdruck "Mali" ist nur eine Abänderung von "Mande"- auch ist "Malinke" gleichbedeutend mit "Maninka". Die Susu sind eine in der selben Gegend lebende Volksgruppe, die von dem Mande- Herrscher Sunjata Keita im Dreizehnten Jahrhundert besiegt wurden, dadurch in Richtung Küste des heutigen Guineas emigrierten, und sich mit den Menschen dort vermischten.

Die Malinke gehören zu der sogenannten Manding - Sprachgruppe, zu der unter anderem auch die Mandingo im Senegal, die Mandinka in Gambia, die Bambara in Mali und die Djula in Elfenbeinküste gehören. Außerdem leben in Sierra Leone, im Süden von Guinea und in Liberia die Manding sprechenden Tomamania und Koniaka. Sie unterscheiden sich in ihrer Lebensweise, in ihrem sprachlichen und kulturellen Ausdruck etwa so wie sich Bayern, Schwaben und Ostfriesen unterscheiden – d.h., daß hauptsächlich feine, für Außenstehende vermutlich kaum wahrnehmbare Unterschiede, bestehen. Es gibt zwar keine niedergeschriebene Geschichte der Djembe, aber es wird angenommen, daß sie ihren Ursprung in einer Klasse von professionellen Schmieden hat, die numu genannt werden. Als Erzeuger von bestimmten Eisengegenständen waren und sind die numus Wächter bestimmter Mächte. Numus fertigen mächtige Holzmasken an, die zu den Geheimgesellschaften gehören, die sie auch anführen. Außerdem schnitzen sie die hölzernen Djembenkörper und spielen sie auch. (Der Name Jembe kommt von den Materialien aus denen die Jembe besteht –sie wurde aus dem Stamm des Jem-Baum, ein sehr kräftiges Holz, geschnitzt und mit der Haut einer Ziege bespannt. "Ziege" heißt in den Manding-Sprachen "Be". Beide Wörter zusammengesetzt ergeben das Wort "JEM-BE". )

Die Schmiede führen beispielsweise auch die Beschneidungen durch, die dazu dienen "gefährliche Energien" aus den Körpern von Jungen und Mädchen zu entfernen und deren Eintritt ins Erwachsenenalter zu kennzeichnen. Sie arbeiten dabei mit einer anderen "Außenseiter"-kaste, den jeli (franz. Griot ) zusammen: die Zirkumzision (Entfernung der Penisvorhaut) der Burschen erfolgt durch den männlichen Schmied numukè, während die Excision (Klitoriedektomie, Abschneiden der Klitoris) der Mädchen durch die Frau des Schmieds, numumuso, durchgeführt wird. Die Jelis, die "Barden", sind bei den Zeremonien dabei, um Chronisten des Mutes der Novizen und Novizinnen zu sein. (vgl.: Zobel, Clemens, 1997, S.295)

Die weite Verbreitung der Djembe in Westafrika könnte auf die Numu-Migrationen ab dem ersten Jahrhundert nach Christus zurückzuführen sein. Die numu–Familien Camara, Doumbia und Kante sind wichtiger Bestandteil des Sunjata Epos – die Geschichte der Gründung des Mali- oder Mande-Reiches durch Sunjata Keita im frühen dreizehnten Jahrhundert. Nach der Legende waren diese Familien Verbündete von Sunjata und halfen ihm den tyrannischen Susu-König Sumanguru Kante zu besiegen. (vgl.: http:www.weysleyan.ed/~echarry/jembearticle/article.html):

Nachdem das Ghana–Reich irreparablen Schaden durch die Invasion moslemischer Truppen unter dem Feldherrn Almoravid genommen hatte und die Macht des Reiches mehr und mehr zurückging, versuchten viele Provinzen Ghanas Ihre Unabhängigkeit zu erlangen.

Einer davon war ein Mandingo-Staat – das Königreich Mali. Vor dem dreizehnten Jahrhundert war Mali eher ein unwichtiger Kleinstaat. Während verwandte Bevölkerungsgruppen wie die Soso oder die Soninke ihren alten Glauben behielten, ließ sich ein Großteil der Bevölkerung Malis relativ rasch zum Islam "bekehren". Ein großer Teil des Mandingo Landes wurde von den Susu, deren König Sumanguru war, kontrolliert. Es sollte eines starken und guten Herrschers bedürfen, um der legendär grausamen Herrschaft des Sumanguru ein Ende zu setzen. Sunjata Keita sollte dieser "Retter" werden und wurde sowohl zu seiner Zeit als auch heute als ein großer Nationalheld gefeiert. Trotz Sunjatas Bedeutung für die afrikanische Geschichte sind aber keine schriftlichen Quellen überliefert worden. Da die Geschichte nur mündlich tradiert wurde, existieren viele verschiedene Versionen davon. Sunjatas Geschichte ist zur Legende geworden, die nun die Griots – die jeli - erzählen, in ihrer wichtigen Funktion als Überlieferer der Geschichte, als " kollektives Gedächtnis" des Volkes. Aber obwohl die verschiedenen Versionen der Legende in den Details oft sehr unterschiedlich sind, gibt es einen Kern der Geschichte, den alle gemeinsam haben. Er erzählt von Sunjatas Bemühungen ein Mandingo Reich zu etablieren:

Sunjatas Vater war der König von Mali. Da er zu einem Zeitpunkt starb, wo Sunjata noch ein Kind war, fiel die Herrschaft an Sumanguru Kante. Sumanguru hätte ihn töten können um einen unmittelbaren Gegner auszuschalten. Da aber Sunjata, dessen Name "hungriger Löwe" bedeutet, in seiner Kindheit lahm gewesen sein soll, hatte Sumanguru, wie die Legende erzählt, Mitleid mit dem verkrüppelten Kind und verschonte es. Sunjata erholte sich im Laufe der Zeit von seiner Krankheit, und schaffte es durch seine Intelligenz wettzumachen, was ihm an körperlicher Kraft fehlte. Die Mandingos sahen den Prinzen bald als denjenigen an, der sie aus der Tyrannei der Soso retten würde. So wurde Sunjata 1230 zum König von Mali ausgerufen und praktisch alle Mandingo- Fürsten und viele der benachbarten Gruppen schlossen sich ihm an. Im Jahre 1235 kam es zu der großen Entscheidungsschlacht zwischen den Truppen von Mali und den Susu. Sumangurus Armee wurde schwer geschlagen. Der Sieger Sunjata machte weiter, um auch noch den Rest des Susu – Reiches zu besetzen. 1240 wurde der Feldzug mit der Besetzung Koumbis, der ehemaligen Hauptstadt Ghanas beendet. Der Sieg über die Susu machte Mali zu einem der mächtigsten Staaten im westlichen Sudangebiet, der immer weiter wuchs. Viele benachbarte Gebiete wurden zu Provinzen des Mali Imperiums. Nach einer gewissen Zeit kontrollierte Mali auch die Goldfelder in Wangara, die schon dem Großreich Ghana zu Reichtum verhalfen. Außerdem wurde durch eine durchdachte Agrarpolitik rasch zu einem der fruchtbarsten und reichsten Anbaugebiete in West Afrikas. Sunjata Keita starb schließlich im Jahre 1255 ohne die Blütezeit der Macht und des Einfluß seines Reichs noch mitzuerleben. Einer von Sunjatas Söhnen, Mansa Wali, übernahm die Herrschaft und arbeitete gewissenhaft daran das Reich noch weiter zu vergrößern. Sein Nachfolger, Mansa Karifa, wurde leider verrückt und lebte seinen Irrsinn an seinen Untertanen aus. Bis schließlich Mansa Musa, der wohl berühmteste Herrscher in der Geschichte des westlichen Sudan, 1307 an die Macht kam, erlebte Mali einige sehr schwache Herrscher . Mansa Musa herrschte 25 Jahre lang über das Reich seines Vorfahren und machte es zu einer weithin berühmten und reichen Großmacht. Auf der Höhe seiner Macht hatte Mali eine Fläche in etwa der Größe Westeuropas. Mansa Musa starb 1332 und hinterließ seinen Söhnen ein Reich, das diese nicht zu verwalten wußten. Es zerbrach im Laufe der Zeit Stück für Stück, bis das Reich Songhay 1475 das Malireich in Macht und Stärke weit überholte. Um 1481 plante Mali noch einen letzten Rückschlag gegen Songhay, indem es versuchte eine Allianz mit den ersten Europäern einzugehen, die an Malis Atlantikküste landeten. Die Allianz kam nie zustande und somit existierte Mali zwar noch zweihundert Jahre weiter, aber als kleiner unwichtiger Staat. ( vgl.: Skinner; Chu, 1995)

Im heutigen Guinea, das einmal Teil des Mali Reichs war, leben Malinke, Ful ( 40%) und Susu (20%); die Malinke machen etwa 34% der Bevölkerung aus. 85-95% der Bevölkerung bekennen sich zum Islam. (vgl.: Konate; Ott, 1997, S.26) Guinea wurde in seiner jüngeren Geschichte weitgehend von den Malinke dominiert. Das Land war französische Kolonie, und obwohl die Kolonialregierung versuchte eine ethnisch repräsentative und integrierte Armee aufzustellen, war ein großer Teil der Rekruten Malinke Abstammung. Nach 60 Jahren der Fremdherrschaft erlangte Guinea als erste französische Kolonie 1958 die Unabhängigkeit. Guinea entwickelte sich zu einem Einparteien Staat unter der Führung von Ahmed Sekou Toure. Er baute erfolgreich ein von Malinke dominiertes bürgerliches Regime auf, indem er die Opposition unterdrückte und der Vorgehensweise der Sozialistischen Revolution nachahmte. Nach dem Tod von Toure im Jahre 1984 folgte ihm General Lansana Conte nach einem Putsch nach. General Conte erlaubte schließlich einige demokratische Reformen, da er mit einer wachsenden Opposition und zunehmendem internationalen Druck konfrontiert war. Im Dezember 1993 wurde Conte schließlich zum Präsidenten gewählt – die Wahlen waren von einer Reihe von Unruhen bestimmt, und die Opposition warf ihm vor, das Wahlergebnis manipuliert zu haben. (vgl.:http://www.bsos.umd.edu/cidcm/mar/guinea.htm) Auch die Wahlen 1995 endeten mit einem Sieg Contes – "...die Diktatur von Militär und Bürokratie wurde verlängert. Sie hat die Unterstützung von Weltbank und IMF" ( aus: Schicho: Skript zu " Länder Westafrikas") Im Dezember 1998 kam es zu Demonstrationen der politisch engagierten Bevölkerung; Autos wurden zerstört und es kam zu Plünderungen.

In Guinea sind Korruption und Bestechung an der Tagesordnung.......

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