Thema Finanzierung der Unis

Positionen der BaGru zur ÖH-Wahl 2017

 

Als Studienvertretung konnten wir in den vergangenen Jahren beobachten, dass am Institut für Soziologie und der Uni Wien knappe Resourcen den Studien- und Forschungsalltag prägen. Vorlesungen sind oft überlaufen, nicht immer ist ein Seminarplatz sicher, die Personaldecke ist dünn. Die Folge ist oftmals, dass selbst die engagiertestens Dozierenden ihre Studierenden nur begrenzt betreuen können und Angestellte oft Teile ihrer Freizeit opfern, um den Unibetrieb am laufen zu halten. Für Studierende sind die Folgen daneben auch ein knappes Angebot an Lern- und Arbeitsplätzen sowie von der Uni gestellten Materialen.

Studiengebühren
Wir vertreten einen antikapitalistischen Grundsatz und lehnen es daher ab, den Zugang zur universitären Bildung durch Studiengebühren einzuschränken. Dies sehen die meisten ÖH-Fraktionen ähnlich.  Bereits jetzt müssen viele Studierende neben der Uni arbeiten, um allein ihren Lebensunterhalt finanzieren zu können. Eine Zusatzbelastung durch Studiengebühren würde das Risiko mit sich bringen, die Betroffenen in eine extrem prekäre Lage zu bringen, da sie noch mehr Zeit in Erwerbstätigkeiten intvestieren und gleichzeitig flexibel Job(s) und Uni vereinbaren müssten, wodurch sich auch die Studiendauer ausweiten würde.Trotzdem fordert der RFS Studiengebühren für nichtösterreichische Studierende[1], was besonders abwegig ist, da gerade diese Gruppe schon jetzt weniger Möglichkeiten hat, ihr Studium und ihren Lebensunterhalt zu finanzieren. Auch nachgelagerte Studiengebühren, wie sie z.B. von den JUNOS gefordert werden [2], halten wir für kontraproduktiv, da sie die Benachteiligung von Menschen mit geringen Vermögen, Einkommen und Unterstützungsleistungen von außen nicht aufhebt, sondern nur zeitlich verschiebt. Auch einkommensgebundene Gebührenmodelle können Menschen abschrecken, allgemein verstärken Gebühren immer den Bildungszugang (und damit auch die Hilfe zur Selbsthilfe) derjenigen, die sich in einer sozial schwachen Position befinden.

Drittmittel
Lehre und Forschung sollten frei und unabhängig sein. Natürlich sind Forschungsgelder aus der Privatwirtschaft – sogenannte Drittmittel – nicht kategorisch schlecht, aber besonders, wenn in der Forschung Drittmittelprojekte an der Uni Wien stattfinden, muss gesichert sein, dass die Forschung unabhängig und inhaltlich korrekt stattfindet und sich nicht den Interessen von Unternehmen oder Personen unterordnet, die Drittmittel zur Verfügung stellen. Wenn Drittmittel genutzt werden sollen, dann muss das in einem kontrollierten Rahmen ablaufen. Zum Teil werden aber – zum Beispiel von Aktionsgemeinschafts (AG) und JUNOS unhinterfragt die Ausweitung der Drittmittelfinanzierung bei gleichzeitigem Abbau von rechtlichen Regulationsmechanismen gefordert [2][3]. Das erleichtert den Missbrauch von drittmittelfinanzierter Forschung, wenn der finanzielle Einfluss Außenstehender genutzt wird, um Forschungsergebnisse unsachgemäß so anzupassen, dass sie Image und Interessen von Unternehmen oder Einzelnen unterstützen. Wenn neue WissenschaftlerInnen an der Universität eingestellt werden, sollte weder im Bezug auf Lehre noch auf Forschung allein die Erfahrung mit dem Einwerben von Drittmittel zählen.  

Wie dann die Unis finanzieren?
Staatliche Mittel für die Universitäten müssen ausreichend zur Verfügung gestellt werden, um qualitativ hochwertige Lehre und Forschung zu finanzieren. Uns ist es dabei wichtig, dass Bildung als Grundrecht und Forschung als gesellschaftlich bedeutsame Kompetenz von Universitäten anerkannt werden. Wir setzen uns für ein Verständnis ein, in dem Bildung als hohes Gut angesehen wird und Investitionen in diese nicht unzutreffend als „Almosen für Studierende“ o.ä. verunglimpft werden. Diese Positionen sehen wir in ähnlicher Form bei den Fraktionen z.B. durch die KSV-LiLi vertreten, die für eine freie Studienwahl ohne Gebühren einstehen, oder durch die GRAS, die eine verstärkte staatliche Finanzierung der Hochschulen fordern.