Thema Lehre und Forschung

Positionen der BaGru zur ÖH-Wahl 2017

Im Sinne unseres emanzipatorischen Grundsatzes ist es für uns wichtig, dass der Ablauf von Lehre und Lehrveranstaltungen so geregelt ist, dass möglichst wenige Hürden für Studierende
mit verschiedenen Lebenssituationen entstehen.Jeder Mensch hat unserer Ansicht nach ein Recht auf (Aus-)Bildung, da diese es ermöglicht, das eigene Leben selbstständig und unabhängig von den Interessen anderer zu gestalten. Daher halten wir es für sinnvoll, die Hemmschwellen zur Teilnahme an Lehrveranstaltungen der Uni Wien so gering wie möglich zu halten. 

Zeit ist Geld – und vielen fehlt beides
Was sind das für Hemmschwellen? Da viele Studierende nur über relative niedrige und unsichere Einkommen verfügen, ist es zum Beispiel ein Hindernis, wenn der private Kauf von (Lehr-)Büchern oder gar kostenpflichtige Nachhilfestunden nötig sind, um eine Lehrveranstaltung bewältigen zu können. Lehrangebot, Materialien und Literatur sollten wo immer möglich von der Universität zur Verfügung gestellt werden. Auch der zeitliche Aspekt kann für Studierende zur Hürde werden: Wer neben der Uni Verpflichtungen hat, kann nicht zu jeder beliebigen Zeit Kurse besuchen. Daher ist es unterstützenswert, wenn Lehrveranstaltungen auch Nachmittags, Abends und am Wochenende angeboten werden und Vorlesungen aufgezeichnet und online verfügbar gemacht werden. 

Länger Studieren heißt nicht schlechter Studieren
Im Licht der verschiedenen Lebenssituationen von Studierenden darf aber ebenso wenig erwartet werden, dass alle in der Mindeststudienzeit ihr Studium abschließen. An der Uni Wien sollte die zuverlässige (Aus-)Bildung und Vermittlung von Wissen im Vordergrund stehen, und nicht das möglichst schnelle „produzieren“ von fertig studierten Arbeitskräften. Die in Bachelor- und Masterstudiengängen oft verankerte Mindest- oder Regelstudienzeit kann als Orientierung für die kürzest mögliche Studiendauer gesehen werden, aber nicht als Norm, die von möglichst vielen Studierenden erfüllt werden muss. 
Leider wird die Tatsache, dass Menschen unterschiedlich lang für gleiche Studiengänge brauchen, immer wieder mit Klischees wie „Faulheit/mangelnder Fleiß der Studierenden“ oder auch „Bummelstudenten“ (so im Programm des RFS) in Verbindung gebracht. Das ist nicht nur respektlos gegenüber Menschen, die z.B. neben dem Studium einen Beruf haben, Kinder betreuen, sich gesellschaftspolitisch oder kulturell engagieren, Ehrenämter ausüben u.v.m., sondern auch eine willkürliche Unterstellung, die Vorurteile fördert. Wir lehnen solche Stereotypisierungen entschieden ab.

Kompetente Dozierende sind entscheidend
Die Qualität von Lehre bemisst sich aber nicht nur an organisatorischen, sondern v.a. an inhaltlichen Aspekten. Dazu sind motivierte Dozierende erforderlich, die Lehre nicht nur als lästiges Anhängsel ihrer Forschungsarbeit sehen. Stattdessen ist die Verflechtung von Forschung und Lehre, wie sie am Institut für Soziologie z.B. schon durch Forschungspraktika und Forschungslabors vorhanden ist, ein guter Ansatz. Bei Berufungen und Einstellungen würden wir es unterstützen, wenn didaktischen Fähigkeiten von Dozierenden (gute Präsentations- und Wissensvermittlungskompetenzen) ein hoher Stellenwert beigemessen wird. Auch Sozialkompetenz ist dabei wichtig: Leider hatten wir in der jüngeren Vergangenheit oft Beschwerden, die sich auf herablassende und respektlose Bemerkungen einzelner Dozenten über Studierende bezogen. Solche Verhaltensweisen können Hemmnisse für Studierende sein, notwendige Fragen und Diskussionsbeiträge in Seminaren beizusteuern. Auch in Hinblick auf die Forschung sind unserer Meinung nach Berufungen, die interessante und vielfältige wissenschaftliche Felder abdecken, wichtig. Leider etabliert sich die Eigenschaft, möglichst viele Gelder aus der Privatwirtschaft für die Universität einwerben zu können (Drittmittelakquise), immer mehr als zentrales Einstellungskriterium, was wir kritisch betrachten.