Thema Zugangsbeschränkungen

Positionen der BaGru zur ÖH-Wahl 2017
Das Thema „Zugangsbeschränkungen“ ist auch zur Zeit wieder in aller Munde [1][2]. Es existieren verschiedene explizite und implizite Formen von Zugangsbeschränkungen. Alle haben Eins gemeinsam: Sie schrecken ab und das vor allem Studierende aus sozial schwachen bzw. bildungsfernen Schichten. Darüber hinaus dienen sie in den meisten Fällen nur der Bekämpfung von Symptomen eines chronisch unterfinanzierten Hochschulsystems. Zu den expliziten Formen von Zugangsbeschränkungen zählen – zahlungspflichtige – Eingangs- beziehungsweise Aufnahmeprüfungen sowie bestimmte Vorqualifikationen. Weiterhin existieren viele Formen der impliziten Zugangsbeschränkung, die Studierende meistens auf finanzieller Basis exkludieren. Dazu gehören Studiengebühren, egal ob nachgelagert oder unmittelbar zu zahlen, aber auch etwaige Varianten einer aktuell geplanten Studienplatzfinanzierung.

Eingangs- bzw. Aufnahmeprüfungen
An zahlreichen Universitäten sind Aufnahmeprüfungen Vorraussetzung für die Zulassung zu bestimmten Studiengängen (Medizin, Psychologie, etc.). Diese Aufnahmetests sind in der Regel kostenpflichtig [3]. Zu den Teilnahmegebühren kommen die Kosten für etwaige Skripte und Vorbereitungskurse, ohne welche manche Aufnahmetests nicht mehr zu schaffen sind. Der finanzielle Druck auf Studieninteressierte ist somit extrem hoch (Die Kosten für Vorbereitungskurse liegen meistens weit über 250€ [4]). Wer sich zunächst Gedanken über die Finanzierung derartiger Gebühren machen muss wird zwangsläufig abgeschreckt! 

Weiterhin erstaunt die Praxis von Aufnahmeprüfungen in Bezug auf einen anderen Aspekt: Den „freien“ Hochschulzugang. Die Notwendigkeit VOR Studienbeginn bereits massives Wissen über ein Studienfach anzuhäufen, um eine Aufnahmeprüfung bestehen zu können, entspricht nicht diesem Prinzip. Hochschulen sollten Ort der Wissensvermittlung sein und nicht bereits vorab Interessierte abschrecken und selektieren.

„Studienrelevante Kriterien“
Die JUNOS fordern die Einführung von Aufnahmeprüfungen. Dabei werden immer wieder „studienrelevante Kriterien“ genannt, die auch in die Studienplatzvergabe einfließen sollen [5]. Das sollen je nach Bereich beispielsweise Praktika oder Sprachkurse sein. 
Zwar sollen Studierendenvertreter*innen mitentscheiden auf Basis welcher „studienrelevanter Kriterien“ Studierende aufgenommen werden sollen. Wir als Studienvertreter*innen sehen uns jedoch nicht in der Position zu bestimmen, welchen Interessent*innen studieren dürfen sollen.
Aber egal, welche Kriterien jetzt als studienrelevant definiert würden, es widerspricht jedenfalls einem offenen Hochschulzugang, wenn Studieninteressierte sich teure Sprach- oder sonstige fachliche Kurse oder schlecht bezahlte Praktika leisten können müssen, um schließlich die gewünschte Studienrichtung studieren zu können. Aus diesem Grund stellt auch diese Form von Zugangsbeschränkungen für uns keine Alternative dar.

Studiengebühren
Durch die Erhebung von Studiengebühren wird die Reproduktion einer bestimmten Elitengruppe gefördert. Studierende aus sozial und ökonomisch schwachen Hintergründen werden dabei doppelt benachteiligt: Einmal durch die Notwendigkeit die Studiengebühren (durch regelmäßige Erwerbsarbeit neben dem Studium) zu erbringen und daraus folgend einer Verzögerung des Studiums auf Grund der Erwerbsarbeit, welche es den Studierenden nicht erlaubt sich voll auf das Studium zu konzentrieren. Durch die Forderung nach nachgelagerten Studiengebühren sehen wir den Versuch einer Annäherung an das untragbare amerikanische bzw. britische „Hochschulsystem der Verschuldung“. Studierende sollten sich keine Gedanken darüber machen müssen, wie sie die angehäuften Schulden nach dem Studium zurückzahlen können. Studiengebühren – und somit die bewusste Inkaufnahme von sozialer Selektion – sind aus unserer Sicht der falsche Ansatz, um das Betreuungsverhältnis und Wartezeiten zu verbessern. Bildung muss endlich wieder als Investitionsfaktor wahrgenommen werden und das Hochschulsystem muss ausfinanziert werden.

Studienplatzfinanzierung
Eine spezielle Form der impliziten Zugangesbeschränkungen sehen wir aktuell auf uns zukommen: Die Studienplatzfinanzierung [6]. Das aktuell debattierte Modell würde zu einer verschärften Unterfinanzierung aller Studienrichtungen führen [7]. Durch die Berechnung des Universitäts-Budgets auf Grund bestimmter Kriterien würden die Studienprogrammleitungen deutlich weniger Geld zur Verfügung haben, als es jetzt schon der Fall ist. Diese Situation wird die Studienprogrammleitungen dazu zwingen, individuelle Zugangsbeschränkungen einzuführen. Wir lehnen eine solche Form der Studienplatfinanzierung ab. Bildung ist ein hohes Gut, dass nicht auf Basis ökonomischer Effizienzkriterien bewertet werden kann. 

[1] http://salzburg.orf.at/news/stories/2839453/
[2] https://kurier.at/politik/inland/mit-der-studienplatzfinanzierung-will-mitterlehner-neue-zugangsbeschraenkungen-fuer-studenten/260.347.200
[3] http://wien.orf.at/news/stories/2755359
[4] http://www.studentenkurse.at/standorte/wien/kurse/psychologie/vorbereitung-fuer-die-aufnahmepruefung-psychologie/uebersicht
[5] http://studierende.junos.at/fairen-zugang/
[6] http://science.orf.at/stories/2839123/
[7] https://studienplatzfinanzierung.at/