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Bahr an Alfred Holzbock

Hermann Bahr an Alfred Holzbock

Edith Wack

Die Staatsbibliothek zu Berlin – Preussischer Kulturbesitz bewahrt im Nachlass Alfred Holzbock (1857-1927) fünfzehn Objekte der Korrespondenz Bahrs auf. Die hier dargebotenen Regesten erheben nicht den Anspruch, alle im Brief behandelten Themen wiederzugeben. Stattdessen zeigen sie Zeitraum und das Umfeld der Entstehung. Die kleine Kommentierung soll Hilfestellung bei der Einordnung bieten.

Signatur: Nachlass Alfred Holzbock: Bahr, Hermann

16.10.1895 aus Wien. Brief, 1 S. (Bl. 12)

Dankt für die liebenswürdige Sendung, die er aber leider zurücksenden muss. Über Mascagni als Dirigent ist während der Theaterausstellung schon so viel geschrieben worden, dass er es wirklich nicht bringen kann.

Der Komponist Pietro Mascagni war einer der Stars der Internationalen Musik- und Theaterausstellung in Wien im Jahr 1892. Im Jahr 1895 war Bahr Herausgeber und Zuständiger des Kulturteils der Wochenschrift "Die Zeit".

4.11.[1895?-1899?] Brief, 3 S. (Bl. 4, 5)

Versteht weder H.s Brief, noch warum er nicht aus Frankfurt berichtet hat, nachdem er ihn am 25. 10. telegraphisch darum gebeten hatte. Nach H.s Zusage hatte B. durch Claar einen Platz reservieren lassen und auch Mamroth verständigt. Vermutlich hat H. eine nachträgliche Mitteilung des Redakteurs Frey falsch verstanden, vielleicht war H. auch aus irgendeinem Grund verletzt – jedenfalls kam nichts. Peinlich. Bittet um Nachricht über die tatsächliche Ursache, um solche Pannen künftig vermeiden zu können. Dankt abschließend für die freundlichen Bemühungen bei Putlitz.

Datierung offen. Fedor Mamroth, Redakteur bei der Frankfurter Zeitung, starb 1907, weswegen es sich nicht auf eine Inszenierung eines Stückes Bahrs unter der Intendanz von Claar am Schauspielhaus beziehen dürfte, da erst 1910 zwei Stücke gegeben wurden. Als Mutmaßung deswegen in den Jahren verortet, als Bahr für das Feuilleton der »Zeit« zuständig war.

30.9.[1901] Brief, 3 S. (Bl. 8, 9)

Übersendet die Aushängebögen des »Krampus«, der Ende Oktober im Deutschen Volkstheater zur Aufführung gelangen soll. Erinnert H. an sein in München gegebenes Versprechen, es dem Königlichen Schauspielhaus in Berlin einzureichen und seinen Einfluss für ihn geltend zu machen. Schlägt für die Hauptrolle, den Hofrath Negrelli, Arthur Vollmer vor.

Die Österreichische Volkszeitung kündigt den Krampus am 25. August 1901 für Anfang November als Erstaufführung im Deutschen Volkstheater an. (Ö.V.Z., 47 (1901) #232, 13 (2 Kreuzer-Ausgabe: 18). Die Première fand aber dann doch nicht in Wien, sondern am 23. November in Linz statt.

15.10.[1901] 1 S. (Bl. 1)

Will wissen, ob H. sich beim Königlichen Schauspielhaus für B.s »Krampus« verwendet hat, der noch in dieser Saison herauskommen soll.

Am 23. November 1901 hat Bahrs Stück in Linz Uraufführung, im Jänner 1902 wird es in Hamburg inszeniert, am 24. Oktober 1902 folgt die Inszenierung des Vereins »Moderne Bühne« in Berlin.

23.10.[1901] Brief, 3 S. (Bl. 6, 7)

Hat nun selbst an Grube geschrieben, bittet H. aber, seinerseits noch etwas nachzuhelfen, denn ein Wort von ihm habe in Berlin sicher mehr Gewicht als ein ganzes Stück von B. Vermutet, man habe sich über den »Boycott« gehörig lustig gemacht, will bei Gelegenheit die näheren Details erzählen, damit H. »Sa Majesté le Cabotin« richtig kennen lerne.

Zwischen 16. und 20. Oktober 1901 beschäftigte sich das (Wiener) Feuilleton damit, dass von den SchauspielerInnen des Deutschen Volkstheaters ein Boykott, in Bahrs Stücken aufzutreten, ausgerufen worden war. Grund war, dass der Kritiker Bahr bei einer Kritik der Réjane abfällig über das Dt. Volkstheater gesprochen hat.

15.12.[1903?] Brief, 2 S. (Bl. 2, 3)

Bedauert, H. neulich um drei Minuten verpasst zu haben, da B. länger als gedacht im Theater aufgehalten wurde. Den ärgerlichen Ton von H.s gereiztem Brief will er ihm nicht nachtragen, da das nur seine dankbare Freude an der reizenden Premierenglosse stören würde. Hofft auf baldiges ungestörtes und behagliches Beisammensein.

Vermutlich 1903, da am 12. Dezember »Der Meister« von Bahr am Berliner Deutschen Theater zur Erstaufführung gelangte. Andere Premièren in Anwesenheit Bahrs im Dezember in Deutschland lassen sich nicht nachweisen.

13.2.06 aus Wien. Postkarte (Bl. 13)

Hat gehört, H. habe über den »Fall Bahr« geschrieben und bittet um Zusendung der betreffenden Nummer.

Nicht nachgewiesene Besprechung, mutmaßlich über den in Folge politischer Intrige aufgelösten Vertrag als Oberregisseur in München.

2.10.[1907] Brief, 1 S. (Bl. 11)

War gerade in der Redaktion, um sich bei H. zu melden. Möchte gerne mal wieder mit ihm plaudern.

Am 30. September 1907 begann Bahrs dritter mehrmonatiger Aufenthalt als Regisseur an Max Reinhardts Deutschem Theater. Der erste hatte ein Jahr zuvor stattgefunden, der zweite im Frühjahr.

7.8.09 aus Nürnberg. Kartenbrief (Bl. 14)

Dankt für die wunderschönen Worte im Lokalanzeiger, die der Mildenburg und ihm eine große Freude bereitet haben. H. habe mit seinen Ausführungen in allem so recht, würden sie nur in Wahnfried gehört werden. Hat Fischer gebeten, B.s beiden letzten Romane an H. zu senden.

Bahr war den August über in Bayreuth, wo seine zukünftige Gattin, die Wagner-Interpretin Anna Mildenburg, ein Engagement hatte. 1908 erschien Bahrs Roman »Die Rahl«, 1909 »Drut«, die die Reihe Bahrs österreichischer Romane eröffneten, bei Samuel Fischer in Berlin.

20.8.[1909] Brief, 1 S. (Bl. 10)

Berichtet über Reise- und Hochzeitspläne: Zunächst geht es ins Zillertal, unterwegs wird geheiratet, am 1. September wollen sie nach Wien zurückkehren. Die Mildenburg wird bei der Aufführung der »Elektra« nicht mitwirken können, da Weingartner seine Zustimmung versagt hat. Nach der am Vorabend stattgefundenen letzten Aufführung des »Lohengrin« hätte H. den Bayreuther Enthusiasmus einmal wieder aufflackern sehen können. Im Festspielrestaurant ist die Mildenburg mit Hochrufen, Jauchzen und Applaus begrüßt worden, sodass sie kaum den Tisch von Sigfried Wagner mit Thodis und Schweninger erreichen konnte. Fragt, ob H. seine zwei Romane bekommen hat..

Bahr heiratete, nachdem seine erste Ehe geschieden worden war, am 22. August 1909 in Aigen/Salzburg Anna Mildenburg. Zu diesem Zeitpunkt war sie noch an der Wiener Hofoper (Direktor Felix Weingartner) angestellt.

6.3.[1910] aus London. Bildpostkarte (Bl. 15)

Herzliche Grüße von A. B.-M. und B. in Erinnerung an die schönen Bayreuther Tage

Bahr begleitete Anna Bahr-Mildenburg im Frühjahr 1910 zu ihrem Engagement nach London.

11.2.1911 aus Berlin. Briefkarte (Bl. 16)

Hat versucht, H. telefonisch für den Artikel im heutigen Lokalanzeiger zu danken, konnte ihn aber nicht erreichen; da B. zu müde ist, um zu den »Bösen Buben« zu kommen, muss er seinen Dank nun schriftlich zum Ausdruck bringen.

Alfred Holzbock: Bahr über Wien und die Wiener. In: Berliner Lokal-Anzeiger, 11.2.1911, 1. Beiblatt, [1-2].

5.7.1912 aus Bayreuth. Postkarte (Bl. 18)
Sendet mit gleicher Post den Niehrenheimschen Wegweiser für die Bayreuther Festspiele, einmal mit der Bitte, eine kleine Notiz darüber im Lokalanzeiger zu bringen, zum anderen in der Hoffnung, H. damit Lust auf Bayreuth zu machen.

Hermann Bahr: Bayreuth. In: Georg Niehrenheim, Hg.: Wegweiser für Besucher der Bayreuther Festspiele 1912. Bayreuth: Georg Niehrenheim 1912, 65-67.

29.2.12 aus Salzburg. Briefkarte (Bl. 17)

Informiert H. darüber, dass sie in dem der Herzogin von Arenberg gehörenden Schloss Bürglstein eine Wohnung genommen haben, in die sie hoffentlich bereits im Herbst übersiedeln werden. A. B.-M. wird auch weiterhin der Wiener Hofoper verbunden bleiben, und wird dort 15 mal im Jahr auftreten, zudem gelegentlich im Ausland. Hoffentlich sieht man sich in Bayreuth wieder.

Bahr und seine Frau übersiedelten im Februar 1912 nach Salzburg, wo Bahr das Gymasium besucht hatte und seine Eltern begraben waren. Sie wohnten im Schloß Arenberg/Bürglstein bis zur Übersiedlung nach München 10 Jahre später.

25.2.1913 aus Salzburg. Brief, 1 S. (Bl. 19)
Berichtet, dass A. B.-M. ein Angebot, im Januar 1914 in Paris die Rolle der Kundry zu übernehmen, abgesagt hat. Begründet habe sie ihre Ablehnung damit, dass sie auch künftig nur in den Bayreuther Erstaufführungen des »Parsifal« mitwirken wolle. B. würde diese Erklärung gerne auch in den deutschen Blättern verbreitet wissen. Hat H. im Januar einmal besuchen wollen, ihn aber zu seinem Bedauern nicht angetroffen.