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Wechsel zur Steyrermühl

Dass Bahr bei der "Zeit" kündigte, weil er bereits ein Folgeangebot hatte, geht aus einem Brief an seine Mutter hervor. Am 3. Juli 1899 schreibt er ihr,dass er zum Medienhaus "Steyrermühl" wechselt, das das "Wiener Tagblatt" und die "Österreichische Volkszeitung" herausgibt. Er begründet das damit, dass er mehr verdienen soll und durch die gedruckten 70-80.000 Exemplare eine deutlich größere Leserschaft erreichen werde.
Ab 1. Oktober und bis ins Frühjahr 1906 wird der Großteil von Bahrs journalistischer Tätigkeit in den beiden Blättern veröffentlicht.

Alois Bahr ✝

Am 5. September 1898 Tod des Vaters, Alois Bahr, in Salzburg.

Secessionisten

Im Mai 1897 lösten sich die "Secessionisten" vom Künstlerhaus. Aus Anlass der ersten Ausstellungseröffnung blickt Bahr in einem Brief an seinen Vater auf seinen Anteil an dem Auszug zurück:

als ich vor einem Jahre die jungen Maler aus der Genossenschaft hinaus hetzte, hieß ich in ganz Wien ein Narr und wie diese Ausstellung angekündigt wurde, hofften meine Feinde, dass ich mich damit einmal gründlich blamieren würde.

Im Herbst intensivierte Bahr seine Beratertätigkeit, die auch durch seinen programmatischen Einfluss in "Ver Sacrum" Ausdruck fand.

Scheidung

Am 14. Mai 1909 werden Bahr und Rosa Jokl im Wiener Landesgericht geschieden. Bahr wird aber weiterhin mit ihr in Kontakt stehen. Möglicherweise einen Grund für die Scheidung verzeichnet das Tagebuch Josef Redlichs am 30. April 1909:

Frau Bahr hat vor zwei Jahren ein Kind geboren, obgleich Hermann Bahr seit acht Jahren nicht mehr mit ihr lebt. Dennoch hat er zu diesem Kind sich als Vater bekannt.

Heirat mit Rosa Jokl

Am 5. Mai 1895 Zivilehe mit Rosa Jokl, in Wien[1]. Da sie Jüdin war, trat Bahr aus der katholischen Kirche aus und wird als "O. B.", ohne Bekenntnis geführt. Rosa Jokl selbst trat in Vorbereitung der Hochzeit 1895 aus der IKG (Isrealischen Kultusgemeinde) aus. In der Austrittsmeldung[2] wird sie als Rosalia Jokl, Schauspielerin, geführt, geboren 1872 in Prag, Alter 23. (Traditionell wird in der Bahr-Forschung ihr Geburtsjahr mit 1871 angeführt.) - Trauzeugen waren Adalbert von Goldschmidt und Dr. Heinrich Müller, Advokat.[3]

Russische Reise

Zusammen mit Lotte Witt und Emanuel Reicher und ihrer Theatertruppe reist Bahr von Berlin aus im März (Ankunft 19.) nach St. Petersburg. Dort sieht er "die Duse" zum ersten Mal und schreibt ein euphorisches Feuilleton in der Frankfurter Zeitung. Die Reiseerfahrungen erscheinen gesammelt als "Russische Reise",

ein russisches Tagebuch, das wol ein bischen verrückt, aber den Feinschmeckern eine Freude werden wird.[1]

Auf dem Rückweg bleibt er in Warschau stehen und geht nach Wien, wo er am 26. April ankommt und im Hotel Elisabeth in der Weyburggasse absteigt.

Freie Bühne, Berlin

Am 30. April 1890 reist Bahr nach Berlin, um mit Otto Brahm und Arno Holz in der Redaktion der von seinem neuen Verleger Samuel Fischer gegründeten Wochenschrift "Die Freie Bühne für modernes Leben" zu arbeiten. Schon am 23. Juli, nachdem er vergeblich versuchte, die Leitung des Blattes zu übernehmen, erscheint sein letzter Artikel und er verlässt mit anderen die Redaktion unter (in Zeitungen publiziertem) Protest. 1892, nach Brahms Ausscheiden aus der Redaktion, nimmt Bahr für kurze Zeit seine Tätigkeit als Autor noch einmal auf.

Südfrankreich, Spanien und Marokko

Im Abschluss seines Aufenthalts in Paris finanziert ihm sein Vater eine Reise in den Süden. Sie beginnt am 20. September 1889. Stationen: Blois, 21.-22.9.; Tours, 23.9., Bordeaux, 24.9., weiter über Toulouse nach Pau, 5.10, Biarritz, 6. (mehrtägiger Aufenthalt); Valladolid, 20.10; Madrid, 26.10. (nimmt sich ein Zimmer in der Calle Ciudad Rodrigo 9). Weiterreise um den 10. Dezember, über Cordoba und Toledo nach Sevilla. Den Jahreswechsel verbringt er in Cadix. Am 20. Jänner 1890 ist er in Tanger, am 12.

Paris

Der Aufenthalt in Paris von 16. November 1888 bis zum August 1889 löst bei Bahr nach eigener Darstellung die Wandlung vom Sozialisten zum Ästheten aus. Seinen Wohnsitz hat er auf dem Boulevard Saint Michel, Nummer 31, im Hôtel de Suez.

Militärdienst

Vom 1. Oktober 1887 bis Oktober 1888 Militärdienst beim 84. Linzer Regiment in Wien. Bahr wird, seiner politischen Vergangenheit wegen, zwar zum Korporal, aber weder zum Feldwebel noch Offizier befördert.

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