Zusammenfassung: Der Aufsatz gibt einen Überblick über die Geschichte der historischen Bildungsforschung seit dem Ende des 19. Jahrhunderts. Er stellt anhand der drei zentralen Etappen die jeweiligen Hauptakteure, zentralen Werke, institutionellen Kontexte und theoretisch-methodischen Debatten vor. Diesem historiographiegeschichtlichen Teil schließt sich die Darstellung des aktuellen Standes und wichtiger Trends an, wobei die Analyse auf der Auswertung der bildungshistorisch relevanten Fachzeitschriften aus aller Welt beruht. Der zentrale Befund besteht darin, dass die historische Bildungsforschung gegenwärtig einen anerkannten Bereich historischer Forschung darstellt, sich aber in einer institutionellen Krise befindet und nach einer neuen disziplinären Identität sucht.
Zusammenfassung: In der Auseinandersetzung mit der Kritik Theodor Litts an der Vereinseitigung sowohl des humanistischen Bildungsideals als auch der wirtschaftlichen Forderung nach Führungspersönlichkeiten wird im Text vorgeschlagen, pädagogische Aufforderungen nicht einseitig als soziale Anforderungen zu lesen. In Anschluss an eine bereichslogische Lesart des pädagogischen Aufforderns wird deutlich gemacht, dass das auch von den „Gouvernementalitätsstudien“ kritisierte Problem in der Unnachgiebigkeit der sozialen Anforderung zu verorten ist. Eine mögliche Umdeutung in eine Anforderung besteht aber auch für die häufig formulierte Aufforderung, kritisch zu sein oder strategisch in den Diskurs einzugreifen. Der im Text angedeutete Vorschlag lautet demgegenüber, wachsam zu bleiben gegenüber der technizistischen Denkart und der Forderung „produktiv-zu-sein“, ohne in Anschluss an den gegenwärtigen Risikodiskurs „paranoid“ in jeder Aufforderung eine unbedingte Anforderung zu sehen.
Zusammenfassung: Finland has been remarkably successful in the OECD Programme for International Student Assessment (PISA) Studies conducted in the first years of the new millennium. The variation in achievement is low and the educational level of Finnish young people is high in an international comparison. Also, dropout rates are lower in Finland than in many other countries. In this article, the main patterns of post-compulsory graduation and dropping out of education, as well as aspects of social exclusion of Finnish youth are examined. While the overwhelming majority of young people in Finland manage to cope well, an increasing minority seems to be at risk of educational and social exclusion. Establishing educational equality has been at the centre of educational policy in Finland since World War II. However, the current tendency revolves around expediting efficiency and, more generally, serving the economy. These steps towards a neo-liberalistic educational policy threaten to marginalise an ever-growing number of young people from disadvantaged backgrounds and increase the risk of exclusion.
Zusammenfassung: Ausgehend von Problemen bei der Anwendung wissenschaftlichen Wissens, die sich bei Lehramtsstudierenden zeigen, wurden zwei Seminarkonzeptionen in einem Hauptseminar zum Thema Lehrerkompetenzen implementiert. Die Seminarinhalte wurden im einen Fall problembasiert aufbereitet (n = 17) und im anderen Fall hauptsächlich instruktionsorientiert vermittelt (n = 27). Die Lernleistung (Wissensreproduktion und Wissensanwendung) wurde anhand von Wissenstests erhoben, außerdem wurden metakognitive und motivationale Dimensionen mittels Ratingskalen erfasst. Die problembasierte Konzeption war deutlich überlegen, v.a. hinsichtlich der Förderung komplexer Wissensanwendung und der Vernetztheit und Wissenschaftlichkeit des erworbenen Wissens. Zudem wurden die Reflexion im Lernprozess und mehrere motivationale Dimensionen, die mit dem Lernerfolg assoziiert wurden, durch die problembasierte Konzeption gefördert.
Zusammenfassung: Der folgende Beitrag beschäftigt sich mit dem Verhältnis von Erwachsenenbildung und Zeit. Dabei geht er von der These aus, dass der zunehmenden Extensivierung freier Zeit eine zunehmende Intensivierung didaktischer Zeitformate und infrastrukturelle Zugangsmöglichkeiten für das Lernen Erwachsener entsprach. Diese Temporalisierung von Erwachsenenbildung korrespondierte zudem mit einer dramatischen Begriffsverschiebung, die den Adressatenbezug des Lernens (Volksbildung, Erwachsenenbildung) durch den Zeitbezug (Weiterbildung, Lebenslanges Lernen) ersetzte. Die altersspezifischen Adressierungen, die mit diesen unterschiedlichen Begrifflichkeiten verbunden waren, standen ihrerseits in einem engen Entsprechungsverhältnis zu den Sterblichkeitsmustern, wie sie die historische Demographie herausgearbeitet hat.
Zusammenfassung: Based on findings from a large-scale longitudinal study into the learning biographies of adults, this paper focuses on the different representations of time in the interview data. The paper discusses three such representations: chronological time, narrative time, and generational time. The authors show how different notions of time operate within the construction of life stories. They also analyse the ways in which different representations of time impact upon and serve as resources for reflection on and learning from life, thus contributing to understanding the complex relationships between biography, life and time.
Zusammenfassung: Das bildungspolitische und wissenschaftliche Konzept des Lebenslangen Lernens thematisiert den Erwachsenen aus einer lebenslaufbezogenen Entwicklungsperspektive, die einerseits bildungsbereichsübergreifende Zusammenhänge in den Blick nimmt und sich andererseits für den breiten Variantenreichtum informeller Lernorte und Lernpraktiken interessiert. Der Beitrag begründet, dass sich die damit verbundenen Entwicklungen von Erwachsenen in ihrer Dynamik nur von einer Theorie der Bildungsbiographie her begreifen lassen, die den Lebenslauf mit dem Lernverlauf über ein zeitbezogenes Konzept des Bildungssubjekts verknüpft. Bildungsprozesse Erwachsener sind danach Serien biographischer Momentaufnahmen. Die methodologisch-methodische Konsequenz eines solchen Ansatzes sind qualitative Längsschnittstudien. Sie setzen anders als quantitative Studien nicht die Kontinuität Lebenslangen Lernens theoretisch voraus, wodurch sie zu einem methodischen Artefakt würde, sondern rekonstruieren sie, ausgehend von der Diskontinuität von individuell differenten Bildungsprozessen. Konkretisiert wird der Gewinn einer solchen (neuen) Forschungsperspektive an Befunden aus einem DFG-Projekt über serielle Bildungsbiographien.
Zusammenfassung: Partizipationsmöglichkeiten in der Schule sind mit der Hoffnung verbunden, Schülerinnen und Schülern soziales und demokratisches Lernen zu ermöglichen. Allerdings zeigt sich bei einem empirischen Blick auf sozialkompetenzvermittelnde und demokratiepädagogische Projekte, dass sich die erhofften Effekte nicht immer einstellen, sondern Momente der Brechung existieren. Anhand der Aushandlung von Klassenregeln diskutiert der Beitrag, dass wesentliche Blockaden für demokratisches und soziales Lernen einerseits im Widerspruch zwischen Gleichheit und Hierarchie und andererseits im Widerspruch zwischen Autonomie und Heteronomie liegen. Schülerinnen und Schüler reagieren häufig mit unterrichtsüblichen Praktiken, während sich die Lehrkräfte oftmals zwischen positiv ermöglichenden und einengenden schulisch-normativen Vorgaben bewegen. Die gesteigerte Selbstverantwortung der Lernenden erweist sich somit nicht nur als Möglichkeit zur Mitbestimmung, sondern ebenso als Aufforderung zur Selbstregulierung.
Zusammenfassung: Der vorliegende Beitrag beschäftigt sich mit der Systemfrage, die spätestens seit dem 18. Jahrhundert in der Pädagogik thematisiert wird und bis heute zu einer ihrer zentralen Fragen gehört. Aufbauend auf terminologischen Vorüberlegungen wird erstens untersucht, ob Systementwürfe eine Wende von der Sache hin zur Erkenntnis, vom „Weltsystem“ hin zum „Erkenntnissystem“ vollzogen haben. Zweitens werden die damit verbundenen Stimmen verschiedener Systemkritiker erläutert und in zwei Klassen, einem subjekt-orientierten und einem objekt-orientierten Argument, zusammengefasst. Drittens werden diese Gegenargumente einer kritisch-konstruktiven Betrachtung unterzogen, um den Schluss zu ziehen, dass sie zwar Ernst zu nehmen sind, ein Systemdenken deshalb aber nicht unmöglich ist. Daran anknüpfend wird abschließend der Frage nachgegangen, was eine Pädagogik als System leisten kann und soll.
Zusammenfassung: Der Beitrag referiert und diskutiert das vorliegende Wissen zu Fragen der Professionalisierung und der Professionalität von pädagogischen MitarbeiterInnen in den Handlungsfeldern der frühkindlichen Pädagogik. Der empirische Kenntnisstand zu Fragen der Professionalität und Professionalisierung in den Institutionen der frühkindlichen Pädagogik ist, so wird begründet ausgeführt, trotz einiger nationaler und internationaler Studien diffus, unsicher und letztendlich als unbefriedigend anzusehen. Beispielsweise scheint zwar akademisch qualifiziertes Personal den pädagogischen Alltag fachlich fundierter und in einer höher symbolischen Sprache zu reflektieren als pädagogische Fachkräfte mit einem berufsqualifizierenden Abschluss. Aber Befunde, dass höhere schulische und akademische Qualifizierungen die Qualität des beruflichen Engagements der MitarbeiterInnen nachweislich fördern, werden durch andere Studien angezweifelt. Resümierend wird festgehalten, dass aussagekräftige und belastbare Studien zu fast allen professionstheoretischen und -politischen Fragen fehlen. Parallel zur gegenwärtigen Konzentration auf die Entwicklung von neuen Studienprogrammen ist vor dem Hintergrund dieser Diagnose der Aufbau einer auf die Pädagogik der frühen Kindheit fokussierten Forschungslandschaft wünschenswert.
Zusammenfassung: Die Suche nach einem spezifischen Gegenstandsbezug und die damit verbundene Frage nach dem, was für die Soziale Arbeit als ‚Fall‘ zu betrachten ist, beschäftigt die sozialpädagogische Theoriebildung seit langem. Im folgenden Artikel interessiert vor allem die Frage, welche Rolle Organisationen in Prozessen der Fallkonstitution spielen. Für eine erste Klärung wurden wichtige Ergebnisse vorliegender Arbeiten zu Form und Wirkung professioneller Problemdefinition, Diagnose und Hilfeplanung, zur institutionellen Kommunikation in sozialpädagogischen Settings und zur Analyse sozialpädagogischer Organisationsformen gesichtet. Vor diesem Hintergrund lassen sich einige zentrale Anknüpfungspunkte für weitere Forschungen benennen.
Zusammenfassung: Dass Bildungsungleichgewicht in den letzten Jahren zunehmende Aufmerksamkeit erfährt, erscheint auf Grund der zentralen Bedeutung, die Bildung für gesellschaftliche Teilhabe in modernen Demokratien hat, nicht überraschend. Dennoch stellt sich die Frage, worauf unterschiedliche Zyklen in der Intensität des politischen und öffentlichen Problembewusstseins zurückzuführen sein könnten. Es wird argumentiert, dass das Thema in einem umfassenderen gesellschaftlichen Gesamtzusammenhang gesehen werden muss. Von daher erscheinen auch die gegenwärtigen Hoffnungen, durch spezifische bildungspolitische Reformen gravierende Veränderungen bewirken zu können, nicht zwangsläufig überzeugend.
Zusammenfassung: Der Erfahrungsbegriff ist in erziehungswissenschaftlichen Diskursen omnipräsent. Trotzdem fehlt es bis dato an einer einheitlichen Theorie der Erfahrung, die allgemeinverbindliche Grundlage einer erfahrungsorientierten Unterrichtspraxis wäre. Es existiert i.d.S. eine merkwürdige Diskrepanz zwischen der prosperierenden Verwendung des Begriffs und seiner theoretischen bzw. unterrichtsrelevanten Aufarbeitung. Ohne – mit der Struktur des Basisphänomens inkommensurablen – erfahrungsorientierten Machbarkeitsillusionen das Wort zu reden, soll gezeigt werden, wie eine semiotische Analyse der Erfahrung helfen kann, eine konsistente und vor allem anthropologisch fundierte Theorie der Erfahrung zu formulieren, die auch die Frage nach der Genese von Erfahrungen beantwortet. Erfahrung wird dazu als überdauernde Bewusstseinsleistung Schwemmerscher Leseart verstanden.
Zusammenfassung: Ausgehend von de Annahme, dass es ein internationales Grundmuster testbasierter Rechenschaftslegung gibt, werden in diesem Artikel internationale Befunde empirischer Forschung zu Effekten zentraler Tests zusammengefasst und geordnet. Die Literaturübersicht zeigt, dass extrem negative Konsequenzen vor allem mit der funktionellen Einbettung testbasierter Rechenschaftslegung in Ländern wie den USA oder England zusammenhängen. Darüber hinaus gibt es allerdings auch Studien, die auf die relative Bedeutungslosigkeit innovativer, zentraler Tests für die Unterrichtsentwicklung aufmerksam machen. Auch internationale Forschungsberichte zur Rezeption und Nutzung zentraler Leistungsrückmeldungen auf Schulebene könnten instruktiv für die Implementation von Vergleichsarbeiten sein. Abschließend wir erörtert, welche Forschungsmethodologischen Implikationen sich für Wirkungs- und Rezeptionsstudien ergeben.