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Canetti
Veza (Venetiana), geb. Taubner-Calderon, Ps. Veza Magd, Veronika Knecht,
Martha (Martina, Marina, Martin) Murner,
Schriftstellerin
Geb.
Wien, 21.11. 1897 Gest. London, Großbritannien, 1. 5. 1963 Emigrationspfad:
1938 F, 1939 GB Herkunft,
Verwandtschaften: Vater: Hermann Taubner (geb. in Ungarn), Kaufmann; Mutter:
Rachel, geb. Calderon, deren Familie - jüdische Spaniolen - aus Bosnien stammte.V.
C. wuchs in Wien auf. LebenspartnerInnen,
Kinder: Heirat 1934 mit Elias Canetti, litt unter seinen zahlreichen Affären.
Ausbildungen:
vermutlich Matura Laufbahn: zahlreiche Englandbesuche bei Verwandten. Autodidaktin
in Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch; prägende Autoren: Heinrich Heine,
William Shakespeare, Leo Tolstoj, Isaak Babel, Maxim Gorki, Guy de Maupassant.
1918 Lehrerin an einem Privatgymnasium sowie Privatunterricht für Englisch. 1924
Bekanntschaft mit Elias Canetti bei Vorlesung von Karl Kraus (literarisches Vorbild
für beide). Beginn ihrer literarischen Tätigkeit Anfang 30er Jahre, während Elias
C. am ersten Roman arbeitete. Über Vermittlung ihres "Englisch-Schülers" Ernst
Fischer erste Publikation von Kurzgeschichten unter verschiedenen Pseudonymen
vor allem in der Arbeiter-Zeitung, Wien. 1932 wurde ihre Erzählung "Geduld
bringt Rosen" (Ps. Veza Magd) in der von Wieland Herzfelde hg. Anthologie "Dreißig
neue Erzähler des neuen Deutschland. Junge deutsche Prosa" veröffentlicht. (1983
wurde das Buch bei Röderberg neu aufgelegt), 1933 Lesung aus eigenen Werken, VHS
Zirkusgasse. Im Februar 1934 fanden Ernst Fischer und seine Ehefrau Ruth v. Mayenburg
kurzfristig Unterschlupf bei den Canettis. 1934 verhinderten die politischen Verhältnisse
in Österreich die Publikation des Romans "Die gelbe Straße". Nach der Motivik
der Figur des Herrn Iger schrieb sie das Theaterstück "Der Oger". In W. Herfeldes
Prager Exilzeitschrift "Neue Deutsche Blätter" erschien 1934 die Erzählung "Drei
Helden und eine Frau". Zwei Romane aus jener Zeit, "Kaspar Hauser" und "Die Genießer",
dürften verschollen sein. Im
Nov. 1938 flüchtete sie gemeinsam mit E. Canetti nach Paris. Dort zweiMonate Aufenthalt
bei Elias Cs. Bruder Georges. Im Januar 1919 Emigration nach London. Entstehung
des unveröffentlichten Romans "Die Schildkröten". Lange Zeit verdient V. C. den
gemeinsamen Lebensunterhalt durch Übersetzungen (meist unter Pseudonymen) und
andere Verlagsarbeiten, u. a. "The Power and the Glory" (Die Kraft und die Herrlichkeit)
von Graham Greene, Vasco Pratolini. Nach Angaben von E. Canetti scheiterten
seine sowie V.C.s Bemühungen um eine Veröffentlichung ihrer Werke. Ab 1956 schrieb
sie nicht mehr. Auszeichnungen,
Mitgliedschaften, Kooperationen: Free Austrian P.E.N.-Mitglied 1932 erhielt
sie bei einem Preisausschreiben den 2. Preis für ihre Kurzgeschichte "Ein Kind
rollt Geld". Spezieller
Wirkungsbereich: Veza Canettis Werke sind im Wien der Ersten Österreichischen
Republik angesiedelt und zeigen die von Arbeitslosigkeit und Armut geprägte Zwischenkriegszeit
voller innerpolitischer Spannungen. Ihr Beitrag zur Weltliteratur wirft unter
anderem Fragen von Klasse, Geschlecht und Kolonialismus auf (aus dem Verlagstext
Peter Lang). Als Ehefrau von Elias Canetti wurde sie erst durch die Publikation
des Romans "Die gelbe Straße" entdeckt. Nachlaß,
Archive, Quellen: Literaturhaus/Exilbibliothek; Judaica-Projekt; Elfriede
Engelmayer, Instituto de Estudos Alemáes, Coimbra, Portugal; IK Wien,
Tagblattarchiv/AK (Personenmappe). Nachlaß befindet sich im NL von E.
Canetti, Zentralbibliothek Zürich, Kantons-, Stadt- und Universitätsbibliothek,
Handschriftenabteilung Vor seinem Tod verbrannte Elias Canetti sämtliche Briefe
zwischen ihm und ihr.
Werkangaben: Erzählungen in der Arbeiter-Zeitung, u. a. Geduld bringt
Rosen, Der Sieger, Der Verbrecher; Drei Helden und eine Frau, in: Neue deutsche
Blätter. Monatszeitschrift für Literatur und Kritik. Wien 1934. Die gelbe
Straße. Roman. Mit einem Vorwort von Elias Canetti. München-Wien: Hanser 1990,
Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag 1993, 1995, Hameln: Niemeyer 1993,
München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2000. Der Oger. Theaterstück. Mit einem
Nachwort von Elias Canetti. München, Wien: Hanser 1991, Frankfurt am Main: Fischer-Taschenbuch-Verlag
1993. Uraufführung in Zürich 1992. Geduld bringt Rosen. Erzählungen. München,
Wien: Hanser 1992, Frankfurt am Main: Fischer Taschenbuch 1994. Die Schildkröten.
Roman. Mit Nachwort von Fritz Arnold und Lebenschronik. München, Wien: Hanser
1999, München: Deutscher Taschenbuch Verlag 2002. Der Fund. Erzählungen und
Stücke. München, Wien: Hanser 2001 Literatur: www.aeiou.at Blumesberger,
Susanne / Doppelhofer, Michael / Mauthe, Gabriele (Bearb.), Handbuch österreichischer
Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft. 18. bis 20. Jahrhundert, Hg. Österr.
Nationalbibliothek, 2002, München, Verlag: K. G. Saur Bolbecher, Siglinde
/ Kaiser, Konstantin, Lexikon der österreichischen Exilliteratur., 2000, S. 135-136,
Wien-München, Verlag: Deuticke Gelbenegger, U., V. Canetti. Die Gelbe Straße.,
1993, Wien, Verlag: Dipl. Gürtler, Christa; Sigrid Schmid-Bortenschlager,
Erfolg und Verfolgung. Österreichische Schriftstellerinnen 1918-1945, 2002, S.
229-244, Wien, Verlag: Residenz Kratzer, Hertha, Die großen Österreicherinnen.
90 außergewöhnliche Frauen im Porträt., 2001, Wien, Verlag: Ueberreuter Laher,
G., V. Canetti., 1993, Wien, Verlag: Dipl. Lorenz, Dagmar C.G., Keepers of
the Motherland. German Texts by Jewish Women Writers, 1997, S. 84f, Lincoln, London,
Verlag: University of Nebraska Press Meidl, Eva M., Veza Canettis Sozialkritik
in der revolutionären Nachkriegszeit. Sozialkritische, feministische und postkoloniale
Aspekte in ihrem Werk. In: Historisch-kritische Arbeiten zur deutschen Literatur,
Bd. 24., 1998, 140, Frankfurt/M. u. a., Verlag: Peter Lang Spreitzer, Brigitte,
Texturen. Die österreichische Moderne der Frauen., 1999, Wien, Verlag: Passagen
- Verlag (Studien zur Moderne 8) Wall, Renate, Lexikon deutschsprachiger Schriftstellerinnen
im Exil 1933 bis 1945. 2 Bde., 1995, 1. Bd., S.62-64, Freiburg i. Br., Verlag:
Kore Verlag
Autorin
der Biografie::
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