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Allacher, Susanna
(Susanne), geborene Wurm,
Kleinbäuerin und Widerstandskämpferin
Geb. Gols 21.9.1900
Gest. 1976
Mutter: Susanna Wurm,
geborene Gleichtheil
Vater: Georg Wurm, geb. Gols 29.4.1877, gest. Straubing, Deutschland Ende
April 1945, Kleinbauer und Gemeinderatsmitglied
Schwester: Theresia Spieß, geborene Wurm, Kleinbäuerin, geb. Gols 30.4.1906
Bruder: Georg Wurm jun., Bauer, geb. Gols 23.12.1901, gest. 19.5.1944
(hingerichtet)
Onkel: Gregor Wurm, Bauer, geb. Gols 30.7.1880, gest. Straubing, Deutschland
29.5.1945
Ehemann: Matthias Allacher, Bauer
vier Kinder
Susanna Wurm war das älteste von zehn Kindern des Golser Kleinbauernehepaars
Georg und Susanna Wurm. Georg Wurm achtete sorgfältig auf die Erziehung
seiner Kinder. Er hielt sie zum Kirchenbesuch an und erteilte ihnen –
selbst Leiter einer Musikkapelle – Musikunterricht. Die Familie lebte
in großer Armut. Während des Ersten Weltkriegs, als der Vater eingerückt
war, musste die Fünfzehnjährige zusammen mit ihrem jüngeren Bruder und
der Mutter bei einem Großbauern Erntearbeiten verrichten, da das Einkommen
aus der kleinen Landwirtschaft nicht zum Leben ausreichte. Die Erfahrung
des Krieges wirkte auf Georg Wurm derart nachhaltig, dass er zum Sozialisten
wurde. Nach der Ausrufung der ungarischen Räterepublik übernahm er die
Funktion eines Gemeindekassiers in Gols. Auch seinen Kindern vermittelte
er sozialistische Werthaltungen. Nach der Niederlage der Räterepublik
wurde die Familie Wurm von der Dorfgemeinschaft geächtet. So wurde ihr
die Nutzung der Dreschmaschine durch die lokalen Druschgesellschaften
untersagt, sodass sie die Ernte in mühevoller Handarbeit mit dem Dreschflegel
bearbeiten musste. Susanna Wurm und ihre Schwestern hatten keinen Zutritt
zu Tanzunterhaltungen. Nach dem Besuch der Schule war sie zunächst als
Hilfskraft bei einem Bauern beschäftigt und dann in der Landwirtschaft
ihrer Eltern. 1921 ehelichte sie den Bauernsohn Matthias Allacher. Der
Ehe entstammten vier Kinder.
Nach der Abtretung Westungarns an Österreich im November 1921 organisierte
Georg Wurm eine sozialdemokratische Parteigruppe und zog wieder in den
Golser Gemeinderat ein. Auch Susanna Allacher und ihr Mann schlossen sich
der Partei an. Nach den Ereignissen im Gefolge des Schattendorfer Arbeitermordes
1927 geriet die Familie Wurm mit der Sozialdemokratischen Partei zunehmend
in Konflikt. Georg Wurm wurde 1931 Gründer und Obmann der Ortsgruppe der
Kommunistischen Partei in seiner Heimatgemeinde. Auch während der austrofaschistischen
Diktatur und nach dem „Anschluss“ Österreichs an das nationalsozialistische
Deutschland blieb die Familie Wurm in der Arbeiterbewegung aktiv. 1939
formierte sich aus den Reihen der Golser und Mönchhofer Kommunisten unter
der Leitung von Susannas Bruder Georg Wurm jun. eine Widerstandsbewegung,
die Verbindung zur Wiener KPÖ herstellen konnte. Die Gruppe war bis 1943
aktiv, als sie von der Gestapo zerschlagen wurde.
Am 30. April 1943 wurde Susanna Allacher gemeinsam mit ihrer Schwester
Theresia Spieß festgenommen und zum Posten der Gestapo in Bruck an der
Leitha gebracht. Eine Hausdurchsuchung in ihrem Anwesen verlief negativ.
Ihre minderjährigen Kinder mussten die Frauen, deren Männer zu diesem
Zeitpunkt zur Wehrmacht eingerückt waren, zurücklassen. Eine junge jüdische
Frau aus Polen, die Susanna Allacher bei sich aufgenommen hatte und die
unter falscher Identität bis Kriegsende bei der Familie lebte, nahm sich
der Kinder an. Ihr Mann wurde im September 1943 bei seiner Einheit festgenommen
und vor ein Militärgericht gestellt, aus Mangel an Beweisen aber freigesprochen.
Gregor Wurm jun., an der russischen Front verhaftet, wurde vom Volksgerichtshof
zum Tod verurteilt.
Gemeinsam mit anderen Mitgliedern der Seewinkler Widerstandsgruppe wurde
Susanne Allacher wegen Vorbereitung zum Hochverrat angeklagt. Ihr wurde
vorgeworfen, Unterstützungszahlungen für die KPÖ geleistet zu haben. Am
14. Dezember 1943 wurde sie vom Oberlandesgericht Wien zu zweieinhalb
Jahren Zuchthaus und drei Jahren Ehrverlust verurteilt. Ihre Schwester
Theresia Spieß erhielt drei Jahre Zuchthaus, ihr Vater Georg Wurm und
ihr Onkel Gregor Wurm je sechs Jahre. Susanna Allacher sollte die Haft
im Zuchthaus Aichach verbüßen, verblieb jedoch im Wiener Landesgericht,
wo sie gemeinsam mit ihrer Schwester in der Schneiderei beschäftigt war.
In der Haft erfuhr sie von der Hinrichtung ihres Bruders Georg am 19.
Mai 1944. Im November 1944 fiel ihr ältester Sohn an der Front. Als die
Rote Armee sich Wien näherte und das Personal des Landesgerichts sich
absetzte, wurden Susanne Allacher und ihre Mitgefangenen durch Wärter
aus ihren Zellen befreit. Zusammen mit ihrer Schwester erreichte sie in
einem dreitägigen Fußmarsch ihre Heimatgemeinde Gols, wo sie am 15. April
1945 eintraf. Ihr Vater und ihr Onkel erlebten das Ende des NS-Regimes
im Zuchthaus Straubing. Georg Wurm starb jedoch bald darauf im Krankenrevier
der Anstalt infolge der erlittenen Entbehrungen, worauf sein Bruder Gregor
jeden Lebenswillen verlor und kurze Zeit später ebenfalls starb.
Nach 1945 war Susanna Allacher führend an der Reorganisation der Ortsgruppe
der KPÖ beteiligt, zu deren Obfrau sie gewählt wurde. Besonderes Augenmerk
legte sie auf die Jugend- und Kinderarbeit. Sie starb 1976.
Literatur, Quellen:
Dokumentationsarchiv des österreichischen Widerstandes (Hg.): Widerstand
und Verfolgung im Burgenland 1934-1945. Eine Dokumentation. Österreichischer
Bundesverlag, Wien 1983 (2. Aufl.), S. 61
DÖW 12465, DÖW 9164, DÖW 8322 (Familienbiografie, verfasst von Susanne
Allacher im November 1972)
Tagesbericht Nr. 1 vom 1. - 3. Mai 1943. In: Tagesrapporte der Gestapoleitstelle
Wien 1938-1945. Online-Datenbank. De Gruyter. 16.12.2009 (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=TRAP-430501)
Anklage 7J 378/43. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und
Exil 1933-1945. Online-Datenbank. De Gruyter. 16.12.2009 (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wh1736)
Verfahren OJs 513/43. In: Nationalsozialismus, Holocaust, Widerstand und
Exil 1933-1945. Online-Datenbank. De Gruyter. 16.12.2009. (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wo1635)
Urteil 5H 130/43 , 5H 133/43 -- 7J 378/43 , 7J 458/43. In: Nationalsozialismus,
Holocaust, Widerstand und Exil 1933-1945. Online-Datenbank. DeGruyter.
16.12.2009 (http://db.saur.de/DG20/basicFullCitationView.jsf?documentId=wh675)
Datenbank Nicht mehr anonym. Fotos aus der Erkennungsdienstlichen Kartei
der Gestapo Wien, www.doew.at
Bearbeiterin der Biografie: Christine Kanzler
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