Zawisch-Ossenitz Carla, Histologin

Geb. Znaim, 15. 4. 1888
Gest. Graz, 21. 6. 1961

Emigrationspfad:
1938 F,1941 E,1943 USA,1947 A

Herkunft, Verwandtschaften:
Als jüngstes von fünf Kindern geboren. Ihr Vater Paul Freiherr von Zawisch-Ossenitz, zur Zeit ihrer Geburt Beamter beim Znaimer Bezirksgericht, war der Sohn des schlesischen Gutsbesitzers Anton Emmanuel Freiherr von Zawisch-Ossenitz, und hatte im Jahre 1872 die Gräfin Marie Montecuccoli degli Erri geheiratet. Bald nach ihrer Geburt wurde der Vater nach Brünn versetzt, wo er bis zu seinem Tod im Jahre 1922 als pensionierter Obergerichtsrat lebte. Ausbildungen: Sie wurde in einem Adeligen-Pensionat in Wien erzogen, wo sie einen kaiserlichen Stiftungsplatz innehatte und Volks-, Bürgerschule und zahlreiche Fortbildungsklassen absolvierte.
Nach ihrer Rückkehr nach Brünn begann sie das Musikstudium, absolvierte mehrere Konservatoriumsklassen für Violine mit sämtlichen Nebenfächern (Klavier, Bratsche, Kammermusik- und Orchesterspiel, Musikgeschichte, Harmonielehre, Kontrapunkt etc.) und legte im Jahre 1913 nach einigen Monaten privaten Studiums die Lyzeal-Reifeprüfung ab, um in die Dirigentenschule aufgenommen werden zu können. Eine Erkrankung machte ein weiteres Musikstudium unmöglich.
Zu Beginn des Weltkrieges meldete sie sich zum Pflegedienst, den sie aber infolge ihrer Erkrankung nur kurze Zeit ausüben konnte. So legte sie 1916 die beiden staatlichen Lehrbefähigungsprüfungen aus Englisch und Französisch ab und betrieb das Studium des Lateinischen. Im Jahre 1917, nach der Absolvierung eines einjährigen Ergänzungskurses an einer Wiener Lehranstalt, legte sie in Brünn die Gymnasial-Reifeprüfung (Typus Real-Reformgymnasium mit Darstellender Geometrie und Französisch anstelle Griechisch) ab. Im Herbst 1917 immatrikulierte sie sich an der philosophischen Fakultät der Universität Wien, besuchte naturwissenschaftliche, auch humanistische und kunsthistorische Vorlesungen. Mit Beginn des Sommersemesters 1918 wechselte sie an die medizinische Fakultät und schloss das Studium am 5. Juni 1923 mit der Promotion ab. Die beiden ersten Rigorosen hatte sie mit Auszeichnung, das dritte mit genügendem Erfolg bestanden.
Nach der Ratifikation des Friedensvertrages von St. Germain optierte sie für Österreich, führte ab diesem Zeitpunkt den Doppelnamen Zawisch-Ossenitz und erwarb im Jahre 1924 die Heimatberechtigung in Wien. Schon während ihrer Studienzeit war sie im Universitätsdienst tätig: nach Absolvierung des ersten Rigorosums wurde sie für das Sommersemester 1920 zur Demonstratorin am histologischen Institut der Universität Wien bestellt und verblieb in dieser Stellung bis Ende September 1923. Laufbahn: Nach ihrer Promotion im Juni 1923 nützte sie die Sommerferien für einen Tuberkulose-Kurs in Davos und trat mit Oktober 1923 in die Wiener Kinderklinik als Demonstratorin (für Impfkunde) ein. Von Oktober 1924 bis Ende Februar 1926 war sie dort als Hilfsärztin tätig; von Mai 1926 bis Ende Oktober 1929 arbeitete sie als Aspirantin und Sekundarärztin am Krankenhaus Rudolfstiftung in Wien. Im November 1929 ging sie nach Würzburg, um sich als Missionsärztin auszubilden, arbeitete dort als Hilfsärztin am Julius-Spital, konnte aber diese Laufbahn wegen Kränklichkeit nicht weiter verfolgen. So ging sie an die Universität Innsbruck, wo sie sich in praktischer Geburtshilfe ausbildete und am histologischen Institut arbeitete. Ab 1. Juni 1930 war sie Assistentin an dem von Josef Schaffer geleiteten histologischen Institut der Universität Wien und hatte in dieser Stellung die Demonstrationen für die Hauptvorlesung vorzubereiten und den studentischen Unterricht bei den praktischen Übungen zu betreue.
Am 2. Mai 1933 stellte sie den Antrag auf Habilitation für das Fach Histologie und legte ihrem Ansuchen zwanzig einschlägige Publikationen bei, die zum Teil in den zwanziger Jahren während der spitalsfreien Zeit am histologischen Institut entstanden waren. Als Habilitationsschrift bezeichnete sie ihre Studie "Das Talgdrüsenorgan im äußeren Gehörgang von Nagern und Insektivoren". Ausgehend von der Beschreibung einer auffallend großen, zusammengesetzten Talgdrüse an der vorderen Gehörgangswand beim Maulwurf in der Literatur, in der auch festgestellt wurde, dass eine solche Drüse allen anderen bisher untersuchten Säugetieren fehle, wies sie das Vorkommen einer solchen Drüse bei verschiedenen Mäusearten und der weißen Ratte nach und beschrieb die Lagebeziehungen genau. Der besondere Wert der Arbeit bestand in der Untersuchung der Ontogenese dieser Drüse. Sie erbrachte den Nachweis des viel bestrittenen Entstehens einer freien, also von einer Haaranlage unabhängigen Talgdrüse, was auch für die phylogenetische Stellung der Talgdrüsen von Bedeutung ist. Schaffer urteilte zusammenfassend in seinem Habilitationsgutachten: "Die im Vorstehenden besprochenen Arbeiten der Habilitationswerberin geben deutlich Zeugnis für deren wissenschaftlichen Geist; jede dieser Arbeiten hat eine Bereicherung unseres Wissens gebracht, so dass an der Eignung der Verf. für das Lehr- und Forscheramt nicht gezweifelt werden kann. Sie ist eine logisch-kritische Denkerin, unermüdliche Arbeiterin, spricht gut und lebhaft und ist als Charakter von idealem Altruismus". Das Habilitationsverfahren wurde mit der ministeriellen Bestätigung vom 6. März 1934 abgeschlossen (interessant ist in diesem Zusammenhang das Abstimmungsverhalten: Die Medizinische Fakultät beschloss in ihrer Sitzung vom 13. Dezember 1933 mit 18 Ja- und 10 Nein-Stimmen die Zulassung zu den weiteren Schritten der Habilitation. Das Kolloquium fand am 17. Jänner 1934, der Probevortrag am 20. Jänner statt. Das Fakultätskollegium verlieh ihr in der Sitzung vom 24. Jänner 1934 mit 29 Stimmen, also einstimmig, die Lehrbefugnis. In der zweiten Hälfte der zwanziger Jahre hatte sie über die Forschungstätigkeit hinaus Rundfunkvorträge über histologische und andere wissenschaftliche Fragen gehalten; im Jahre 1927 hatte sie ferner ein Buch mit dem Titel "Die richtige Ernährung" veröffentlicht. In ihren wissenschaftlichen Untersuchungen beschäftigte sie sich mit „Knochenwachstum und seine Beeinflussung durch Fermentwirkung“, veröffentlichte „Historisch-kritisches und Neues zur Frage der Ostoklasten, ihrer Entstehung und der Resorption im Knochen“. Auf dem in der Zwischenkriegszeit vielbearbeitetem Gebiet der Erforschung des Knochenwachstums konnte sie auf der Grundlage zahlreicher Tierversuche wesentliche Beiträge leisten, die auch von praktischer Bedeutung waren. So hat sie die Streitfrage, ob die durchbohrenden Kanäle im Knochen durch aktive resorptive Tätigkeit von Gefäßen entstehen in positivem Sinn erledigt und gegen Angriffe in ihrer Publikation „Über Begriff und Bedeutung der durchbohrenden Gefäßkanäle“ verteidigt. In der umfangreichen Untersuchung „Über Inseln basophiler Substanz in den Diaphysen langer Röhrenknochen“ untersuchte sie die von ihr gefundene, eigenartige basophile Einschlüsse in Knochengewebe langer Röhrenknochen verschiedener Tiere auf ihr Wesen, ihre Bedeutung, ihr Entstehen und Verschwinden hin. In einer weiteren Untersuchung beschäftigte sie sich mit dem Flimmerstrom „in den ductuli efferentes des Hodens und die Bewegung der Spermien“.

Am 23. März 1938 wurde Zawisch-Ossenitz nach einer Hausdurchsuchung verhaftet. Vierzehn Tage später erfolgte ein Verhör, in dessen Mittelpunkt die im Jahr 1932 erfolgte Gründung der St. Lukas-Gilde (der katholischen Ärzte) stand, an der sie beteiligt gewesen war und in der sie in der Folge tätig gewesen war. Von besonderem Interesse war auch der im Frühjahr 1936 abgehaltene internationale Kongress katholischer Ärzte, den sie wissenschaftlich vorbereitet hatte. Nun war die St. Lukas-Gilde entsprechend den Statuten unpolitisch, doch war eines der auf dem internationalen Kongress abgehandelten Themen "Eugenik und Sterilisierung" gewesen. Zawisch-Ossenitz führte in einem Schreiben vom 8. Mai 1938 aus: "Es wurde in den Referaten - die aus allen Kulturstaaten kamen - einer positiven Eugenik das Wort geredet, die negative aber verworfen, und zwar nicht nur selbstverständlich die Geburtenbeschränkung (Birth Controll), sondern auch die Sterilisierung, letztere aus sehr eingehenden erbbiologischen, statistisch-mathematischen und bevölkerungspolitischen Erwägungen heraus, aber auch vom Standpunkt des Naturrechtes und der christlichen Moral. Dass dies den heutigen Ideologien nicht genehm sein konnte, ist klar. Ich habe, wie es mir oblag, in der von mir gegründeten und geleiteten Zeitschrift sämtliche Referate (auch die der anderen Themen) publiziert, war allerdings streng darauf bedacht, jede Spitze zu vermeiden und auf dem Boden reiner Sachlichkeit zu bleiben. Ich war darauf gefasst, dass unsere Zeitschrift daraufhin in Deutschland verboten werden würde und dass man mich selbst nicht hineinlassen würde. Keines von beiden geschah!" Im Verlauf eines weiteren Verhörs, bei dem sie mit dem Vorwurf, eine "prominente Legitimistenführerin" gewesen zu sein, konfrontiert wurde, wurde ihr vorgehalten, vor Studenten missbilligende Äußerungen über die NSDAP gemacht zu haben. Die Antwort Zawischs lautete: "Ich antwortete, dass ich es immer als unter meiner Würde betrachtet hätte, mit Studenten zu politisieren. In der Zwischenzeit war dem Institutsvorstand Strasser mitgeteilt worden, dass Zawisch-Ossenitz beurlaubt sei und dass ihr ihre Venia legendi aus "besonderen Gründen des öffentlichen Wohles" aberkannt worden sei. Ihre Anstellung, die mit Ende Juni auslief, sollte nicht mehr erneuert werden. Nach sechswöchiger Haft wurde sie am 3. Mai 1938 entlassen. In einem an einen ihr bekannten, an der Universität Göttingen tätigen Mediziner gerichteten Schreiben vom 8. Mai 1938 nahm Zawisch-Ossenitz zu den Vorgängen Stellung, wohl auch um zugleich Hilfe zu erbitten: "Mein Chef legte natürlich die ganze Sache dem Dekan, Prof. Pernkopf vor, und der sagte, ich solle ein Gesuch an das Unterrichtsministerium richten, das über die Dozentenvereinigung und das Dekanat dahin geleitet werden würde. Prof. Pernkopf aber ist nicht optimistisch bezüglich des Erfolges. Ich muss sagen, dass ich die Sache nicht ganz verstehe; dass ich positiv katholisch sei, wusste jedermann, ich habe nie ein Hehl daraus gemacht und es wird jetzt überall gesagt, dass diese Einstellung kein Hindernis sei. Ich war vaterländisch eingestellt, weil ich mit ganzer Seele an Österreich hing; es war der Rest der alten, größeren Heimat, für den ich gleich nach dem Versailler Vertrag als Sudetendeutsche optierte. Ich erklärte aber nach dem Umschwung meinem Chef spontan, dass ich mich loyal verhalten und den Eid leisten würde, stellte mich somit auf den Boden des Bestehenden, wenngleich ich natürlich nicht von heute auf morgen Gefühle wechseln kann wie ein altes Kleid. Anderseits liegt mir aber auch das Revolutionmachen in gar keiner Weise, und Politik überlasse ich gerne den Männern. Warum ich also so 'gefährlich' bin, weiß ich nicht. Ich kann sogar darauf verweisen, dass ich, immer streng kollegial und gerecht denkend, niemals jemand am Institut wegen 'illegaler' Gesinnung angefeindet habe, sondern im Gegenteil sogar für die Leute eintrat, wenn es sich um Stellenbesetzungen handelte und die Betreffenden geeignet waren und sich gut geführt hatten. Ich habe mich auch z.B. noch im vergangenen Jahr kräftig für Prof. Plenk wegen der Besetzung des Innsbrucker histologischen Institutes eingesetzt, weil ich dies für absolut gerecht hielt, trotz seiner politischen Einstellung. Es dünkt mich nun wohl ein bisschen bitter, dass man mir jetzt mit ganz gegenteiliger Münze heimzahlt; allerdings nicht vom Institut selbst aus, den dort verhält man sich im Rahmen der Möglichkeiten kollegial und nett zu mir." Zu dieser Zeit liefen seitens ehemaliger "Illegaler" Interventionen zugunsten Zawisch-Ossenitz', die auf ihren gesundheitlichen Zustand hinwiesen - Zawisch litt an Tuberkulose und als Folge permanent unter erhöhter Körpertemperatur - und die darauf verwiesen, dass sie völlig mittellos sei, keine Angehörigen habe und sich in den letzten Jahren politisch nicht betätigt habe. Doch innerhalb des Parteiapparates wurden diese Interventionen nur halbherzig an den damaligen Dekan der Wiener Medizinischen Fakultät Pernkopf herangetragen. Am 10. Mai 1938 richtete Zawisch-Ossenitz einen Brief an das Unterrichtsministerium, in dem sie ihr Unverständnis über die Entziehung der Lehrbefugnis und über die bevorstehende Entlassung aussprach. Die Angelegenheit wurde schließlich durch ein Schreiben des NS-Dozentenbundes vom 16. Mai 1938 entschieden: "Frau Dr. Zawisch war nicht nur Mitglied, sondern auch Gründerin der 'österr. Lukas-Gilde', einer Vereinigung, deren Gegnerschaft zur nationalsozialistischen Weltanschauung besonders ausgeprägt war. Es ist mit den Zielen des NS-Dozentenbundes, eine nationalsozialistische Hochschule zu schaffen, unvereinbar, Dr. Zawisch mit der Heranbildung zukünftiger nationalsozialistischer Ärzte betrauen zu wollen." Zawisch floh in der Folgezeit vor weiteren Verfolgungen durch die Gestapo nach Frankreich, wurde in absentia zu 'Nacht und Nebel' verurteilt, konnte sich während der Zeit der Besetzung Frankreichs im Süden des Landes eine Zeitlang verborgen halten, ehe es ihr gelang, die Grenze zu Spanien zu überschreiten und in die U.S.A. zu emigrieren, wo sie neben ihrer wissenschaftlichen Tätigkeit auch als Sekretärin der österreichischen Universitäts-Liga tätig war. Im Jahre 1946 kehrte sie nach Österreich zurück. Am 15. April 1947 übernahm sie die Supplierung der außerordentlichen Lehrkanzel für Histologie und Embryologie an der Medizinischen Fakultät der Universität Graz und zugleich auch die Leitung des Histologisch-Embryologischen Instituts. Da es an Wohnungen fehlte, fand sie fürs erste in einem Zimmer des Instituts für Pathologie notdürftig Unterkunft. Noch im selben Jahr, mit Entschließung des Bundespräsidenten vom 13. August 1947, wurde sie zur außerordentlichen Professorin ernannt. Am 4. April 1949 wurde ihr der Titel einer ordentlichen Professorin verliehen, die Ernennung zur wirklichen ordentlichen Professorin erfolgt am 21. Jänner 1956. Zawisch-Ossenitz ging in ihrer Lehrtätigkeit in mancherlei Hinsicht neue Wege. So hielt sie ab Herbst 1949 in jedem Wintersemester eine zweistündige Vorlesung über "Medizinische Ethik". Im Jahre 1951 weitete sie den Vorlesungsumfang ihres eigenen Faches um drei Stunden auf das jeweilige Sommersemester aus, sodass sie in jedem Wintersemester die Gewebelehre, also die eigentliche Histologie, und im jeweiligen Sommersemester die Organlehre, also die "mikroskopische Anatomie", vortrug. Sie war jahrelang Referentin der Medizinischen Fakultät für die Bearbeitung der Studentengesuche. Schon zu Anfang der fünfziger Jahre begann sie mit dem Ausbau des Instituts in personeller wie in räumlicher Hinsicht und hatte dabei so manchen Widerstand zu überwinden. Als im Jahre 1952 feststand, dass die Telefonzentrale im Gebäude Universitätsplatz 4 untergebracht werden sollte, protestierte sie auf das heftigste gegen diese Beschränkung: "Ich möchte darauf aufmerksam machen, dass ein Institutsbetrieb wie der unsrige ohne entsprechende Tierhaltung einfach eine Lächerlichkeit ist. Die medizinische Fakultät der Universität Graz würde in den Vereinigten Staaten aus diesem einzigen Grund niemals die Approbation bekommen und könnte nicht einmal Doktordiplome ausstellen!! Die in meinem letzten Brief als sehr zweitrangig bezeichnete Rudgers University ist uns als staatlich approbiert also sogar überlegen. Ich weiß dies aus eigener Erfahrung, weil ich drüben zuerst an einer Medical School unterrichtete, die, um ihre Approbation zu erhalten, sofort eine Tierhaltung bauen mußte."Im Jahre 1955 erfolgten Umbauarbeiten am Institut, die im folgenden Jahr abgeschlossen werden konnten. Sie stellte den neuen, wohlgelungenen Hörsaal ebenso wie den neuen Mikroskopiersaal der Fachwelt in einem eigenen Aufsatz vor. Wiederholt äußerte sie ihre Meinung zur Stellung ihres Faches im Rahmen der Medizinischen Fakultäten Österreichs und trat immer wieder gegen eine Zusammenlegung von Histologie und Embryologie mit der Anatomie auf, wie dies in Deutschland der Fall war und was stets auf Kosten des Faches Histologie ging. Als Professorin war sie bemüht, ihr Fach international zu vertreten. Ab Herbst 1949 unternahm sie eine sechsmonatige Studienreise in die U.S.A.; während der Zeit ihrer Abwesenheit leitete die Titularextraordinaria und Dozentin des Faches Dora Boerner das Institut und hielt im Wintersemester 1949/50 auch die Lehrveranstaltungen ab. - Im Juli 1951 nahm sie am 4. internationalen Kongress katholischer Ärzte in Paris teil. - Sie vertrat Österreich als einzige Histologin auf dem 6. internationalen Anatomenkongress des Jahres 1955 in Paris (25.-30. Juli), an dem über 800 Teilnehmer aus 43 Nationen beteiligt waren. - Im Jahre 1958 nahm sie an der Tagung der Deutschen Anatomischen Gesellschaft in Frankfurt a. M. (6.-8. April) und an der Tagung der Freien Vereinigung der Schweizer Anatomen in Bern (25.-26. September) teil. In Bern hielt sie einen Vortrag über embryonale Blutbildung unter dem Titel "Mesenchymale Blutbildung im Kopf eines menschlichen Embryo von 105 mm SSL". - Im April 1959 (8. - 11.) beteiligte sie sich an der Tagung der anatomischen Gesellschaft in Zürich.
Im März 1958 beschloss die Medizinische Fakultät die Antragstellung auf Emeritierung Zawisch' anlässlich der Vollendung ihres 70. Lebensjahres und zugleich auf Gewährung des "Ehrenjahres". Am 1. Oktober 1959 erfolgte die Emeritierung, doch leitete sie auch im nachfolgenden Wintersemester das Institut als Supplentin. Sie war Mitglied des International Association of Medical Museums und gehörte der Gesellschaft der Ärzte in Wien an. Ihre namhaftesten Grazer Schüler sind die Professoren Walther Lipp und Heinz Mayersbach. Von Jugend auf war Zawisch-Ossenitz kränklich gewesen. Im Jahre 1948 musste sie sich in Wien einer Operation unterziehen, sodass sie zu einem vierwöchigen Krankenstand gezwungen war. Im April 1953 musste sie infolge schwerer Erschöpfungs- und Unterernährungszustände das Krankenhaus aufsuchen. Am 21. Juni 1961 - zwei Jahre nach dem Übertritt in den Ruhestand - starb sie im Landeskrankenhaus in Graz.

Nachlaß, Archive, Quellen:
Österreichisches Staatsarchiv. Archiv der Republik. Personalakt Carla; Austrian University League of America Zawisch-Ossenitz.Universitätsarchiv Graz. Med. Fak. Zl 1797 ex 1951/52. Universitätsarchiv Wien. Personalakt Carla Zawisch-Ossenitz. Literaturhaus/Exilbibliothek Deutsches Biographisches Archiv Literatur: IWK-EMIGRATION Feikes, Renate, Emigration jüdischer Wiener Ärzte ab 1938 in die USA, speziell nach New York., 1999, Band 2/ Teil 3, Wien Kernbauer, Alois: Carla Zawisch-Ossenitz. In: Keintzel, Brigitta / Korotin, Ilse (Hg.): Wissenschafterinnen in und aus Österreich. Wien, Böhlau 2002. Stadler, Friedrich (Hg.):, Vertriebene Vernunft II. Emigration und Exil österreichischer Wissenschaft. Internationales Symposion 19. bis 23. Oktober 1987 in Wien., 1988, Wien, München

Autor der Biografie: Alois Kernbauer