Bön. Geister aus Butter – Kunst und Ritual des alten Tibet

Die Ausstellung „Bön. Geister aus Butter – Kunst und Ritual des alten Tibet“, die von 1.2. bis 1.3.2013 im Museum für Völkerkunde stattgefunden hat, befasste sich mit der Ritualkunst der tibetischen Bön-Religion. Die Bön-Religion ist weit weniger bekannt als der Buddhismus, obwohl sie bereits vor der Verbreitung des Buddhismus in Tibet praktiziert wurde. Ritualkunst und Liturgie der Bön Religion werden seit über einem Jahrtausend in einer durchgehenden Tradition bis hin in das 21. Jahrhundert praktiziert. Seit den 1950er Jahren emigrierten Tausende Bön Praktizierende aus Tibet und trugen damit ihre Traditionen weit über die Grenzen des tibetischen Kulturraums hinaus. Neue Klöster wurden nicht nur in Nepal, an den tibetischen Grenzen, sondern auch in westlichen Ländern gegründet.

Die Ausstellung präsentierte zum ersten Mal in Europa die Ritualkunst der lebenden Bön Tradition. Die ausgestellten Objekte stammten vom 11. bis in das 20. Jahrhundert. Der lebende Kontext für die Ritualobjekte wurde in der Ausstellung mittels Fotodokumentation, Dokumentarfilm und einer einmonatigen Ritualserie gezeigt. Authentische Rollbilder aus dem Kloster Shenten Dargye Ling (http://shenten.org/) aus Frankreich waren Teil der wichtigsten ausgestellten Objekte. Viele davon waren Malereien von Bönkyab, der von vielen als der wichtigste heute arbeitende Bön Künstler betrachtet wird. Diese sakralen Malereien wurden um den eindrucksvollen Altar der „Geister aus Butter“, welcher im Museum für die Ausstellung konstruiert wurde, platziert. Zusammen mit den verschiedenen Medien verschafften sie einen realen Eindruck der Bön-Tradition. Diese Ritualkunst bot zudem den Rahmen für die Bön Liturgien und Rezitationen, sowie Gesang, Tanz und Musik.

Ein einzigartiges, tibetisches Manuskript eines Bestattungsrituals für Frauen aus dem 11.-12. Jahrhundert bildete den Höhepunkt der Ausstellung. Objekte des 1957 verstorbenen international bekannten, österreichischen Wissenschaftlers René de Nebesky-Wojkowitz aus dem Besitz des Museums für Völkerkunde, Wien wurden ebenfalls gezeigt. Fotos, Filmmaterial sowie weitere Gegenstände zu René de Nebesky-Wojkowitz ehrten ihn und seine Sammlertätigkeit.

Im Rahmen der Ausstellung wurden in Wien erstmals eine Vielzahl authentischer Rituale vom bedeutenden Bön Tantriker Sherab Tenzin aus dem Kloster Samling (Nepal) durchgeführt. Damit wurde den Museumsbesuchern die einmalige Möglichkeit geboten, diese Rituale hautnah mitzuerleben. Da der Zeitpunkt der Ausstellung mit den Neujahrsfeierlichkeiten der Bön zusammenfiel, wurde u. a. das mehrtägige Neujahrsritual der Bön, das sogenannte Dögyab (mDos rgyab) im Museum vollzogen.

Für den genauen Ablauf der Rituale siehe http://www.ethno-museum.ac.at/boen/

Die Ausstellung wurde von Dr. Christian Schicklgruber, dem Kurator der Asien Sammlung des Museums für Völkerkunde, Wien, Univ.-Prof. Dr. Deborah Klimburg-Salter und Prof. Charles Ramble kuratiert. Sie ist eine Kooperation zwischen dem Museum für Völkerkunde, Wien, dem vom FWF finanzierten Forschungsnetzwerk „The Cultural History of the Western Himalaya from the 8th century“ (http://www.univie.ac.at/chwh), dem Forschungsprojekt „Text, Art and Performance in Bon Ritual“, der „Interfakultären Forschungsplattform und Dokumentationsstelle für die Kulturgeschichte Inner- und Südasiens“ (IFD/CIRDIS, http://www.univie.ac.at/cirdis) und der Universität Wien. Die Vorbereitung der Ausstellung fand unter aktiver Mitwirkung von Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte der Universität Wien statt.

Führungen wurden von Studierenden des Instituts für Kunstgeschichte an folgenden Tagen jeweils um 14.00 angeboten:
So, 03.02.2013 Anja Franzmeyer
Sa, 09.02.2013 Victoria Posch
So, 10.02.2013 Marlene Riethus (insb. für Kinder)
Sa, 16.02.2013 Anja Franzmeyer
Sa, 23.02.2013 Victoria Posch
Do, 28.02.2013 Marlene Riethus (insb. für Kinder)