Im
Rahmen einer Special-Session der österreichischen Computergesellschaft
(OCG) auf der internationalen Konferenz "Interactive
Computer Aided Learning 2006" (ICL) präsentierten
am 27. September 2006 Herr Kiesling und Mag. Günther einen
mit Prof. Stummer gestalteten Vortrag zu den bisherigen Erfahrungen
und zum aktuellen Stand des Projekts zur Entwicklung eines neuen Unternehmensplanspiels
im Innovations- und Technologiemanagement.
Unternehmensplanspiele werden in der betriebswirtschaftlichen Ausbildung
bereits seit längerem eingesetzt. Im Gegensatz zu klassischen
Lernformen, bei denen primär Theoriewissen „auf Vorrat“ angesammelt
wird, ermöglichen Planspiele praxisnahes "learning-by-doing".
Dabei werden neuartige Situationen erforscht
und situationsbedingt erforderliches Theoriewissen
angeeignet. So verfolgen Planspiele einen aktionsbasierten
Lernansatz, der den Lernenden Handlungsentscheidungen
abverlangt, deren Auswirkungen unmittelbar analysiert werden können.
Diese Schleife aus Entscheidung, Analyse der Auswirkungen auf das System
und erneuter Entscheidung führt
zu unmittelbaren Erfahrungen, durch die die TeilnehmerInnen Wirkungszusammenhänge
nicht nur theoretisch, sondern unmittelbar durch eigenes Agieren
erfahren können. Die damit verbundene hohe kognitive und emotionale
Intensität zeichnet die Methode aus.
Der Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement setzt
Unternehmensplanspiele daher seit Mitte der 1990er Jahre in der Lehre
sehr erfolgreich ein. Das am Lehrstuhl entwickelte Simulationsmodell
MERLIN, das
über die Jahre sukzessive weiterentwickelt und verbessert wurde,
befasst sich mit (strategischen) Investitionen in Forschung und Entwicklung
basierend auf dem S-Kurven-Konzept von McKinsey. Die TeilnehmerInnen
müssen neben Entscheidungen über Investitionen in verschiedene
Technologien etwa auch den Umstiegszeitpunkt auf eine neue Technologie
festlegen oder Entscheidungen über Verkaufspreis, Werbeaufwand,
Produktionsmenge, Investitionen in Produktionsanlagen und andere Entscheidungen
treffen.
Durch die derzeit letzte Erweiterung ist seit 2005 der Online-Einsatz
des Unternehmensplanspiels möglich, wodurch die Lehrveranstaltung
in einem Blended-Learning-Modus abgehalten werden kann. Über die Vor-
und Nachteile des Einsatzes eines Unternehmensplanspiels
im Rahmen einer e-learning-Veranstaltung wurde im Vortrag berichtet.
Aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen wurden weiters die Motivationsgründe
für die Initiierung der Gestaltung eines neuen Unternehmensplanspiels
dargelegt. In dem aktuellen Projekt, an dem Herr
Kiesling, Diplomand am Lehrstuhl für Innovations- und Technologiemanagement,
sowie Prof. Stummer und Mag. Günther beteiligt sind, wird ein
komplett
überarbeitetes Unternehmensplanspiel entwickelt, das sowohl inhaltlich
als auch technisch einen neuen Ansatz gegenüber dem bisherigen
System bietet. Dabei steht etwa die Modellierungsflexibilität,
Interaktivität, verbesserte Rückinformationen, Skalierbarkeit,
Sicherheit, hoher Automatisationsgrad und die Erweiterbarkeit im
Vordergrund.
Die erfolgreiche Zusammenarbeit
mit Herrn Kiesling zeigt einmal mehr die enge Verzahnung
zwischen Forschung und Lehre am Institut für Betriebswirtschaftslehre
der Universität Wien. Darüber hinaus wird mit dem Projekt
ein Beitrag zur Schwerpunktsetzung
"Unternehmensplanspiele" in der fakultären e-learning-Strategie
geleistet.