Die Rolle des Geistes in den Kognitionswissenschaften, Neurowissenschaften und der Psychologie
Mentale Verursachung
Stand: 15. Mai 2004
Version 1.2
4.Ð5. Juni 2004 (Fr & Sa)
Hšrsaal 2G
Inst.f.Philosophie,
UniversitŠt Wien
2. Stock
UniversitŠtsstra§e 7
1010 Wien
My Way Stiftung
fŸr den wissenschaftlichen Inhalt verantwortlich:
ao.Univ.Prof. Dr.
Markus Peschl
Inst.f.
Wissenschaftstheorie
UniverstŠt Wien
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Zeit |
Name |
Institution |
Titel |
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Freitag 4.6.2004 |
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13.00 |
Markus Peschl |
UniversitŠt Wien, Wissenschaftstheorie |
Begr٤ung |
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13.15Ð14.00 |
LŸder Deecke |
AKH Wien |
Ist Geist neurophysiologisch fassbar? |
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14.00Ð14.45 |
Franz Mechsner |
Institut fŸr Arbeitsphysiologie, Dortmund |
Psyche und Naturprozess |
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14.45Ð15.15 |
Pause |
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15.15Ð16.00 |
Erhard Oeser |
UniversitŠt Wien, Institut fŸr Wissenschaftstheorie & -forschung |
Die beiden Grundprobleme der Neurophilosophie: Bewusstsein und freier Wille |
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Samstag 5.6.2004 |
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9.00Ð9.45 |
Michael Pauen |
Otto-von-Guericke- UniversitŠt Magdeburg, Institut fŸr Philosophie |
Willensfreiheit und mentale Verursachung |
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9.45Ð10.30 |
Ansgar Beckermann |
UniversitŠt Bielefeld, Inst.f.Philosophie |
Mentale Verursachung in einer natŸrlichen Welt |
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10.30Ð11.00 |
Pause |
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11.00Ð11.45 |
Uwe Meixner |
Univ. Regensburg, Inst. f. Philosophie |
Perspektiven fŸr nichtphysische KausalitŠt |
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11.45Ð12.30 |
Joseph Quitterer |
Univ. Innsbruck, Institut fŸr Christliche Philosophie |
Gibt es geistige Ursachen? Ein PlŠdoyer fŸr eine alternative Konzeption von HandlungskausalitŠt |
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12.30 |
Abschlussdiskussion |
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UniversitŠt Bielefeld
Mentale Verursachung in einer natŸrlichen Welt
Das Problem der mentalen Verursachung stellt sich in besonders scharfer Form fŸr alle dualistischen Positionen in der Philosophie des Geistes. Wenn man wie Descartes annimmt, dass der Geist eine immaterielle Substanz ist, die nur fŸr die Zeit ihres irdischen Lebens mit dem Kšrper zusammen gespannt ist, lŠsst sich in der Tat nicht verstehen, wie eine kausale psycho-physische Interaktion zustande kommen kann. Zu viele Fragen, die mit dieser Konzeption verbunden sind, lassen sich einfach nicht beantworten.
Aber auch fŸr Philosophen, die DescartesÕ Dualismus ablehnen, ist das Problem nicht erledigt. Vertreter dieser Position bestreiten zwar, dass der Geist eine eigenstŠndige immaterielle Substanz ist, aber sie leugnen im allgemeinen doch nicht, dass es spezifisch geistige Eigenschaften und FŠhigkeiten gibt. Und auch hier kann man die Frage stellen, wie es einen kausalen Unterschied in einer natŸrlichen Welt machen kann, dass bestimmte natŸrliche Wesen geistige Eigenschaften haben.
Besonders virulent ist diese Frage fŸr Philosophen, die glauben, dass geistige Eigenschaften und FŠhigkeiten nicht auf physische Eigenschaften reduziert werden kšnnen. Doch auch, wenn geistige Eigenschaften durch physische Eigenschaft realisiert sind, ist immer noch offen, wie sie selbst eine kausale Relevanz haben kšnnen Ð im Gegensatz zu den physischen Eigenschaften, die sie realisieren.
Ansgar Beckermann, geb. 1945. Studium der Philosophie, Mathematik und Soziologie in Hamburg und Frankfurt/M.; 1974 Promotion in Frankfurt/M.; 1978 Habilitation in OsnabrŸck; von 1982 bis 1992 Professor fŸr Philosophie an der UniversitŠt Gšttingen, von 1992 bis 1995 Professor fŸr Philosophie an der UniversitŠt Mannheim, seit 1995 Professor fŸr Philosophie an der UniversitŠt Bielefeld. Prof. Beckermann war von 1988 bis 1994 einer der drei Koor-di-na-toren des DFG-Schwerpunktprogramms Kognition und Gehirn. Seit September 2000 ist er PrŠsident der Gesellschaft fŸr Analytische Philosophie e.V.
Veršffentlichungen: GrŸnde und Ursachen, Kronberg/Ts. 1977; Descartes' metaphysischer Beweis fŸr den Dualismus Ð Analyse und Kritik, Freiburg/MŸnchen 1986; EinfŸhrung in die Logik, 2. Aufl., Berlin/New York 2003; Analytische EinfŸhrung in die Philosophie des Geistes, 2. Aufl., Berlin/New York 2001; Herausgeber: Analytische Handlungstheorie, Band 2, HandlungserklŠrungen, 2. Aufl., 1985; Emergence or Reduction? Ð Essays on the Prospects of Nonreductive Physicalism (zusammen mit H. Flohr und J. Kim), Berlin/New York 1992. AufsŠtze in Fachzeitschriften und SammelbŠnden, besonders zur Handlungstheorie, zum Leib-Seele-Problem und zur Erkenntnistheorie.
Institut fŸr Arbeitsphysiologie, Dortmund
Psyche und Naturprozess
Ich werde Experimente vorstellen, die plausibel machen, da§
schon einfachste Bewegungen von Wahrnehmungen und antizipierenden
Vorstellungen geleitet werden. Hierarchien von solchen Wahrnehmungen und
antizipierenden Vorstellungen liegen unseren PlŠnen und Handlungen
zugrunde.
Da das psychologische System nur eine begrenzte RŸckbezŸglickeit hat,
entsteht
auf einer bestimmten Stufe die Vorstellung der Autonomie und der mentalen
Verursachung. Diese Vorstellung schlicht eine Illusion zu nennen, da sie mit
einer durchgehenden NaturkausalitŠt unvereinbar sei, wird jedoch der
Beziehung von Naturprozess und Erleben nicht gerecht, wie mir scheint. Legt
man als leitende Wissenschaft nicht die Physik sondern die Biologie zugrunde,
dann lassen sich handlungsleitende Vorstellungen inklusive die der Autonomie
und der mentalen Verursachung auf Systemeigenschaften des Lebendigen und
besonders des Gehirns in plausibler Weise beziehen.
Dr. Franz Mechsner ist Neurobiologe und erforscht am Institut fŸr Arbeitsphysiologie in Dortmund die Steuerung menschlicher Bewegungen
UniversitŠt Regensburg
Perspektiven fŸr nichtphysische KausalitŠt
Ich diskutiere das VerhŠltnis nichtphysischer Verursachung zu den
physikalischen ErhaltungssŠtzen und den Prinzipien der kausalen
Geschlossenheit des Physischen. DarŸber hinaus versuche ich, eine
befriedigende Konzeption des VerhŠltnisses von nichtphysischer mentaler und
physischer neuronaler Verursachung zu umrei§en. Mein Ziel ist es vor allem,
die Vorstellung zu erschŸttern, (a) nichtphysische Verursachung sei
vollkommen unverstŠndlich oder stŸnde im Widerspruch zu den physikalischen
ErhaltungssŠtzen, (b) die Prinzipien der kausalen Geschlossenheit des
Physischen seien unumstš§liche Prinzipien naturwissenschaftlicher
RationalitŠt, (c) es gŠbe keinerlei wissenschaftliche Perspektive fŸr
nichtphysische KausalitŠt.
Apl. Prof. Dr. Uwe Meixner, geb. 1956, Promotion 1986, Habilitation 1990,
lehrt Philosophie an der UniversitŠt Regensburg. Diverse Vertretungs- und
Gastprofessuren. Hauptveršffentlichungen: die Monographien "Ereignis und
Substanz" (mentis 1997), "Axiomatic Formal Ontology" (Kluwer 1997), "Theorie
der KausalitŠt" (mentis 2001), "The Two Sides of Being" (mentis 2004),
"EinfŸhrung in die Ontologie" (Wissenschaftliche Buchgesellschaft 2004); die
AufsŠtze "Causation in a New Old Key" (Studia Logica, 2004) und "Die
AktualitŠt Husserls fŸr die moderne Philosophie des Geistes" (in
Meixner/Newen, "Seele, Denken, Bewusstsein", DeGruyter 2003). Mitherausgeber
der Zeitschrift "Metaphysica" und des Jahrbuchs "Philosophiegeschichte und
logische Analyse".
UniversitŠt Wien
Die beiden Grundprobleme der Neurophilosophie: Bewusstsein und freier Wille
Seit der EinfŸhrung des Begriffes "Neurophilosophy" durch P.S. Churchland hat sich ein geradezu inflationŠrer Gebrauch dieses Begriffes ergeben. "Neurophilosophie" ist jedoch nur ein neuer Name fŸr ein altes Problem. Denn die experimentelle Hirnforschung war seit ihrem Beginn in der Antike bis zum 19.Jh. von philosophisch-theoretischen Spekulationen geleitet. So wurden nicht nur die Untersuchung kognitiver sondern auch emotionaler FŠhigkeiten durch spekulative Konzepte wie Einbildungskraft, Verstand, Vernunft, Wille etc. bestimmt. Nach dem Auseinanderdriften von Philosophie und Neurowissenschaften in der ersten HŠlfte des 20. Jahrhunderts, was sich vor allem auch heute noch durch ineinander nicht mehr Ÿbersetzbare Teminologien (z.b. IntentionalitŠt, Qualia) zeigt, ergibt sich die Forderung nach einer intermediŠren Beschreibungssprache, die eine nicht nur interdisziplinŠre sondern transdisziplinŠre Betrachtungsweise ermšglicht und damit der Neurophilosopie zumindest eine integrative Funktion verleiht.
WŠhrend es bei Churchland lediglich um eine Vereinigung der Neurobiologie mit der Kognitionspsychologie und der funktionalistischen KŸnstlichen -Intelligenzforschung ging, hat man sich im deutschen Sprachraum nicht nur mit der alten Frage nach der AbhŠngigkeit des menschlichen Bewu§tseins oder Geistes von neuronalen Prozessen oder Strukturen beschŠftigt, sondern auch mit der "Neurophilosophie der Willensfreiheit" (z. B. Walter), die das eigentliche philosophische Kernproblem der sog. "mentalen Verursachung" ist.
In diesem Referat soll sowohl der systematische Zusammenhang zwischen dem Bewu§seinsproblem und der Frage nach dem freien Willen als auch die Methoden und Grenzen der experimentellen Hirnforschung zur Lšsung dieser Probleme aufgezeigt werden.
Erhard OESER
1938 in Prag geboren, studierte in MŸnchen und Wien Philosophie und Psychologie. 1962-65 war er an der UniversitŠt Freiburg in Breisgau als Lehrbeauftragter fŸr Erkenntnistheorie tŠtig. Habilitierte sich 1968 an der UniversitŠt Wien. Seit 1972 ist er als o. Prof. fŸr Philosophie und Wissenschaftstheorie an der UniversitŠt Wien tŠtig. Buchveršffentlichungen u.a.: "Geschichte der Hirnforschung" 2002
"Gehirn, Bewu§tsein und Erkenntnis" (mit F. Seitelberger) 2. Aufl.1995
Willensfreiheit und mentale Verursachung
Freiheit scheint nicht denkbar ohne mentale Verursachung z.B. durch einen Willensakt. Vielfach wird sogar vorausgesetzt, dass der Willensakt nicht naturgesetzlich determiniert sein dŸrfe. Gleichzeitig ist es alles andere als sicher, dass es in unserer Welt nicht determinierte Willensakte gibt; au§erdem werfen neuere neurobiologische Experimente die Frage auf, ob geistige Prozesse, die wir als Willensakte erleben, nicht blo§e Begleiterscheinungen unbewusster Hirnprozesse sind, die in Wirklichkeit unser Handeln steuern.
Im Gegensatz zu diesen Annahmen soll auf der Basis einer philosophischen Theorie von Willensfreiheit und mentaler Verursachung gezeigt werden:
1. dass Freiheit und Determination mit einander vereinbar sind
2. dass menschliche Handlungen auch dann einer Person zugerechnet werden kšnnen, wenn sie sich nicht direkt auf einen bewussten Willensakt zurŸckfŸhren lassen
3. dass die Ÿblicherweise genannten psychologischen Experimente (Libet, Haggard & Eimer, Wegner) aus begrifflichen und methodischen GrŸnden keine EinwŠnde gegen die Existenz willensfreier Handlungen begrŸnden.
Gibt es
geistige Ursachen?
Ein PlŠdoyer fŸr eine alternative Konzeption von HandlungskausalitŠt Abstract:
Nach dem
klassischen Paradigma der mentalen Verursachung sind Willensakte, Absichten
oder andere mentale ZustŠnde geistige Ursachen von Kšrperbewegungen. Die
Relation zwischen Handelndem und Handlung wird sowohl in physikalistischen als
auch in dualistischen Theorien als kausale Beziehung zwischen zeitlich
aufeinander folgenden Ereignissen verstanden.
Das klassische Paradigma der HandlungskausalitŠt sieht sich heute mit einer Reihe von Schwierigkeiten konfrontiert. Vor allem Befunde aus dem Bereich der empirischen Psychologie und der Neurowissenschaften stellen die Theorie von der kausalen Wirksamkeit mentaler Ereignisse massiv in Frage. Im Vortrag zeige ich, dass die Ergebnisse der positiven Wissenschaften nicht dazu nštigen, den Begriff der HandlungskausalitŠt ganz aufzugeben. Sie kšnnen vielmehr zum Anlass genommen werden, um eine alternative Konzeption der HandlungskausalitŠt ins Spiel zu bringen, in welcher das handelnde Subjekt und nicht ein verursachendes mentales Ereignis die zentrale Rolle spielt.
Josef Quitterer, geb. 1962; Philosophiestudium in Regensburg und Rom. Gastprofessuren in Frankfurt, Rom und New Orleans. Seit 2001 Ao. Univ. Prof. am Institut fŸr Christliche Philosophie der UniversitŠt Innsbruck. Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Philosophische Anthropologie (Philosophy of Mind) und Wissenschaftstheorie.