Heinz von Foerster Festschrift

Drei Episoden aus der Begegnung von Heinz von Foerster im Rahmen der Werbewirtschaftlichen Tagung 1994 in Villach/Österreich


Unser gemeinsames Universum

Unser "gemeinsames Universum" entstand und ich verdanke es dem Zufall, weil die WWT (Werbewissenschaftliche Tagung) im Jahre 1994 in Villach stattfand, der liebe Heinz tatsächlich zu einem Vortrag angeflogen kam. Just zu diesem Zeitpunkt arbeitete ich genau bei der Werbeagentur, die sich für die organisation der Internationalen Tagung verantwortlich zeichnete. Ich hatte die Ehre, als Referentenbetreuerin auf die werten Herren Professor Heinz von Foerster und Doktor Hermann Haken ein besonders wachsames Auge zu werfen!

Die erste Begegnung fand in Klagenfurt statt, wo ich mit Herzklopfen den berühmten Professor mit meinem kleinen japanischen Auto abholen durfte. Ich hatte zwar schon einige Gespräche telefonischer Art mit Heinz bestanden, doch war ich sehr aufgeregt! Dann kam Heinz durch die Zollkontrolle am Flughafen und ein lautes "Hallo Stefaniiiiiiie!" ertönte durch die Halle—und weg war die Angst!

Es war mir sofort ein besonderes Vergnügen den lieben Heinz durch die Kärntner Lande zu chauffieren. Im Hotel angekommen, bekam ich wieder seine liebenswürdige, achtsame Art zu spüren, als ein verdutzter Kellner, der mich kannte, uns etwas verlegen grüßte und Heinz streckte ihm die Hand entgegen und sagte vergnüglich: "Guten Tag, Heinz von Foerster!" Vermutlich war das erste mal, dass ein Servicepersonal als Mensch derart respektvoll behandelt wurde!

Der Vortrag

Am Tag, als Heinz seinen Vortrag hielt, war eine erwartungsvolle, sehr ruhige Stimmung im Konferenzsaal. Heinz ging zum Pult, sprach, erklärte, brachte Beispiele und bald hatte er die Menschen regelrecht wachgerüttelt durch seine liebenswürdige, kompetente und humorvolle Art. Sein Vortrag war das reinste Vergnügen—auch in rhetorischer Hinsicht! Es gab keinen einzigen Vortragenden, der so lebendig und authentisch gesprochen hatte! Er war sehr überzeugend. Dann kam Heinz zum Platz in der ersten Reihe zu mir zurück und fragte mit leisem, schelmischen Lächeln: "Hat es Ihnen wohl gefallen?" (später wandelte das Sie zum Du)

Im Casino

Das Abendprogramm sah einen Empfang im Casino Velden vor. Also fuhr ich mit Heinz, Hermann Haken und einer weiteren Begleiterin von Villach nach Velden. Es gab Reden, Ansprachen, TV-Interviews—es waren ja so viele Berühmtheiten vor Ort! Weiters umrahmte ein herrliches Buffet die Veranstaltung. Nach dem Essen durften wir alle ins Casino. An der Kassa erhielten wir pro Person ein paar Chips für das Roulette—wohl um uns zu verführen! Wir gingen zu viert zum Spieltisch. Einer nach dem anderen verspielte seinen Einsatz. Nur Heinz wartete noch etwas—dann setzte er alles auf die Zahl 13 (später erfuhren wir, dass es die Zahl seines Geburtstages war)—lächelte siegesgewiss—und es kam die 13! Wir staunten nicht schlecht! Wenn man Heinz etwas näher kennt, weiß man auch um seine Großzügigkeit. So lud er uns drei in die gegenüberliegende Konditorei ein, wo wir bei Champagner, süßem Gebäck und äußerst guter Laune Heinzschen Glückstreffer feierten. Ich war tief gerührt, als er mir währenddessen das "Du-Wort" anbot. Heinz war derartig guter Laune, ein geistreicher Wortwitz nach dem anderen verhalf uns, den Abend in tiefster, schönster Erinnerung zu behalten. (Daher auch sein "zweideutiger" Eintrag als Widmung in einem Buch, welches er mir danach zusandte)

Nachsatz

Ich bin dem Schicksal wirklich dankbar, dass ich diesen wertvollen, liebenswürdigen, toleranten, hochgeistigen Menschen Heinz von Foerster kennen und schätzen lernen durfte. Seit September 1994 hielten wir unseren Kontakt durch Briefe und Telefonate aufrecht. Da ich Künstlerin bin, schickte ich ihm öfters Fotos oder die neuesten Kataloge von meinen Werken—vorwiegend aus der Malerei. Seine Feedbacks dazu waren mir sehr wertvoll! Heinz war zwar örtlich weit weg von mir—jedoch nicht in seelischer, geistiger Hinsicht!

Als Heinz zu seinem 90. Geburtstag eine große Ehrung im Wiener Rathaus vor über 800 Festgästen erfuhr, konnte ich ihm noch einmal die Hand schütteln, ihn kurz umarmen. Wir hatten beide Tränen in den Augen—er, weil er so gerührt war von der Veranstaltung, und ich weil ich wohl spürte, dass es das letzte mal sein wird, dass ich ihn sehen konnte....

Heinz von Foerster bleibt ein unvergesslicher Mensch!

Stefanie Grüssl

Heinz von Foerster Festschrift