CEPA eprint 1511 (EVG-224)

Der unbehagliche Blick aufs Wissen [The unsettling look at knowledge]. Book review of “Die Zähmung des Blicks” by S. J. Schmidt

Glasersfeld E. von (1999) Der unbehagliche Blick aufs Wissen [The unsettling look at knowledge]. Book review of “Die Zähmung des Blicks” by S. J. Schmidt. Soziologische Revue 22(3): 287–292. Available at http://cepa.info/1511
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Resümee
Literatur
Essay über: Siegfried J. Schmidt, Die Zähmung des Blicks. Konstruktivismus – Empirie – Wissenschaft. Frankfurt a.M.: Suhrkamp 1998, 226 S., kt., DM 19, 80
In seiner kurzen “Vorbemerkung” erklärt der Autor, es gehe ihm nicht um “Wahrheit,” sondern um das Problem, wie ein plausibler konstruktivistischer Empiriebegriff konzipiert werden könne. Seine Lösungsmethode, warnt er, sei “Dekontextualisierung und Sampling.” In der Tat ist das Buch ein reichhaltiges Potpourri von Argumenten, Erklärungen, Zitaten und kritischen Bemerkungen über Realität, Wirklichkeit, Wissen, Erfahrung, Erkenntnis und eben Empirie. Zudem enthält es 29 Illustrationen, deren Interpretation in einigen Fällen nicht weniger Überlegung verlangt als viele der Textstellen. Einige der Kapitel enden mit einer Auswahl der Aphorismen von Franz Josef Czernin und die letzten 30 Seiten enthalten vier Anhänge – “Bio-bibliographische Notiz über Czernin, Auszüge aus Schriften von Josef Mitterer, Frank Pasemann, William James und eine reichhaltige Literaturliste. Angesichts solcher Vielfalt fühlt sich auch der Rezensent zum Sampling berechtigt. Doch da das Thema eben Konstruktivismus ist, will ich versuchen, einiges aus den zehn Kapiteln für mich zu “rekontextualisieren” – in dem Sinn, daß ich es so klar wie möglich mit meiner Auffassung von Konstruktivismus in Verbindung bringe.
1. Der Titel des ersten Kapitels wirft “Die Frage nach der Realität” auf und zeigt an Hand von Zitaten (Luhmann, Pasternak, Janich) auf knapp fünf Seiten die geradezu unheimlichen gegenwärtigen Verwicklungen und Verwirrungen, zu denen die Frage geführt hat. Die Antwort ist in dem Motto unter dem Titel bereits vorweggenommen: “Die Welt ist alles, was für den Beobachter der Fall ist.” Wie etwas dazu kommt, “der Fall zu sein,” ist das Hauptthema des Buches.
2. Schmidt beginnt den zweiten Abschnitt mit der Erklärung, daß aus seiner Perspektive “Fragen nach Wirklichkeit, Realität, Empirie, Objektivität und Wahrheit … typische Fragen von Beobachtern zweiter Ordnung” sind. Das entspricht nur ungefähr den beiden Ordnungen, die Heinz von Foerster in der Kybernetik eingeführt hat, und kann darum zu Mißverständnissen führen. Sämtliche Philosophen haben sich mit Fragen der erwähnten Sorte beschäftigt, doch nur wenige haben die Einsicht des Protagoras ernst genommen, daß sie selber das Maß aller Dinge sind. Die zweite Ordnung der Kybernetik ist eben dadurch cha‑rakterisiert, daß sie das Handeln, Denken und Begreifen des Beobachters untersucht, nicht Dinge, die als gegeben vorausgesetzt werden. Die zweite Ordnung von Beobachter ergibt sich auch erst, wenn, wie Schmidt anschließend sagt, “lebensweltlich Handelnde” über das, was sie selbst als Beobachter tun, nachzudenken oder zu “reflektieren” beginnen.
Von meinem Gesichtspunkt aus entspringt auch der Beobachter erster Ordnung nicht von selbst aus der Erlebenswelt. Von der Katze, die gespannt auf das Loch schaut, in das die Maus geflüchtet ist, sagt man zuweilen, sie beobachte das Loch. Ich glaube nicht, daß sie das tut. Sie wartet lediglich auf eine Wahrnehmung, die sie weiter verfolgen kann. Auch während sie der Maus nachjagt, beobachtet sie nicht, sondern reagiert auf Wahrnehmungen von Bewegungen. Kurz, wer nur lebensweltlich handelt, ist kein Beobachter, denn dieser muß sich erst durch einen Akt der Reflexion als Beobachter vom Fluß des Wahrnehmens und Handelns absetzen. Dieser Schritt, der Bewußtsein impliziert, wird in den wissenstheoretischen Auseinandersetzungen, die Schmidt in diesem Buch behandelt, als selbstverständlich vorausgesetzt.
In einer Fußnote verweist Schmidt auf George Spencer Brown, dessen Logik der Unterscheidungen ein Modell für die Sorte der Selbstreferenz liefert, die den Beobachterbegriff hervorbringt. Da Spencer Browns Logik-Kalkül aber mit der Anweisung “Mach eine Unterscheidung” beginnt, ist es klar, daß auch er den Akteur des Unterscheidens als gegeben voraussetzt (Spencer Brown 1973, 3). Bei Silvio Ceccato, den Schmidt durch ein Zitat von Zitterbarth heranzieht, um die Subjekt / Objekt- Dichotomie aufzulösen, ist die “mentale Aktivität,” die alle begrifflichen Konstrukte schafft, schon als solche gegeben, bevor eines ihrer Produkte als “Subjekt” und andere als “Objekte” bezeichnet werden können. Das Ziel von Ceccatos weitverzweigter sechzigjähriger Arbeit zur Begriffsanalyse war ja durchwegs dasselbe: Consapevolezza operativa – d.h. das Sich-gewahrwerden des eigenen mentalen Operierens. Als Beispiele von Parallelen zum radikalen Konstruktivismus interpretiert Schmidt die Positionen von H. Stachowiak, L. Fleck und N Luhmann. Aus dieser Gegenüberstellung zeigt sich, daß auch die Behauptung, kollektives Wissen, Kommunikation und Kultur seien letzten Endes die Schiedsrichter in Fragen der Wahrheit (25), nicht so einfach ist, wie sie aussieht; denn: “Jede Referenz,” so erklärt Luhmann, “ob auf das System oder auf Umwelt, ist ein Konstrukt des Beobachters” (29). Es bleibt also die Frage, wie Beobachter sich Gesellschaft, Kommunikation und Kultur konstruieren.
3. In herkömmlichen Denkweisen impliziert “Erfahrung” ebenso wie “Erkenntnis” etwas, das bereits vorhanden ist bevor das wissensfähige Subjekt es berührt. Schmidt zeigt, daß der Begriff der Erfahrung schon bei Aristoteles nicht völlig passiv war, sondern zumindest die Aktivität des Ausprobierens oder Prüfens enthielt. Doch erst in unserem Jahrhundert wird er von ontischen Gegebenheiten gelöst und ausschließlich auf die Ergebnisse von Operationen des Segmentierens, Kategorisierens, Beschreibens und Bewertens gegründet, die von dem “erfahrenden” Subjekt selbst ausgeführt werden. Dieser Umbruch wird mit ausführlichen Zitaten von Feyerabend, Rusch und Luhmann, sowie Hinweisen auf Systemtheoretiker belegt, die alle den Bezug auf eine vom erfahrenden Subjekt unabhängige Welt aufgegeben haben, obschon sie andere Dinge recht unterschiedlich sehen.
4. Daß Erkenntnis (ich würde lieber sagen “Wissen”) nicht Repräsentationen einer Realität produziert, sondern eher Art und Weisen des Handelns, wird zunächst aus Piagets Biologie et Connaissance übernommen und dann als Grundprinzip der instrumentalistischen Orientierungen in der Philosophie und schließlich auch der Theorie von Peter Janich aufgezeigt. Mit Recht bemerkt Schmidt, daß Janichs Bemühen, in seinen Analysen mentale Prozesse und vor allem Absichten zu vermeiden, ein zweifelhaftes Vorhaben ist, denn wer vom Gelingen oder Mißlingen von Handlungen spricht, setzt Werte, Präferenzen und somit Intentionen implizit voraus.
5. “Es hat sich herausgestellt, daß dies [die Entwicklung operativer Erkenntniskonzepte] ein schwieriges Vorhaben ist, das vor allem gegen tiefsitzende Alltagsintuitionen sowie gegen eine lange philosophische Tradition angehen muß” (93). Wer jahrzehntelang die Auffassung verfochten hat, daß Wissen vom Erlebenden nicht entdeckt sondern konstruiert wird, wird angesichts der Widerstände, auf die man da stößt, die Bezeichnung “schwierig” als etwas fahl empfinden. Denn abgesehen von theoretischen Physikern und einigen wenigen Anthropologen erweckt dieses Vorhaben zumeist spontane Ablehnung und Entrüstung.
Wie es zu dieser Form von Konservatismus kam, erforscht Schmidt in einem faszinierenden Panorama der Mediengeschichte. Einführung und Erfolg der Schrift führten zur “Entsubjektivisierung des Wissens” und verhalfen der Wissenschaft zur Bindung an eine “Objektivität und Wahrheit, die von der Kommunikation und lebensweltlichen Erfahrung mit Problemlösungen abgekoppelt und ins Sein selbst verlegt werden [konnte]” (100). Ebenso wie gedruckte Sprache den Ausdruck begrifflicher Verbindungen zu fixieren schien, konnte die Camera obscura und dann die fotografische Kamera als Mittel der eindeutigen Objektivierung visueller Wahrnehmungen betrachtet werden. Die konstruktive Tätigkeit des Erlebenden wurde dadurch eliminiert, daß man so tat, als müßten sprachliche Ausdrücke nicht stets von Sprechern interpretiert und Bilder von Beschauern gebildet werden.
6. Unterscheidungen wie empirisch / theoretisch, empirisch / spekulativ, äußere / innere Erfahrung usw. müssen aus der konstruktivistischen Perspektive anders definiert und verstanden werden als bisher, weil Wissen nicht mehr als Abbild einer Realität, sondern als Repertoire erfolgreicher Handlungs- und Denkweisen gesehen wird. Diese Umstellung verwässert auch die Unterscheidung zwischen Natur- und Geisteswissenschaften und wirkt sich, wie Schmidt auf den letzten Seiten des kurzen Abschnitts erklärt, unter anderem in neuen Ansätzen in der Medienforschung aus.
7. Die Einsicht, daß auch die Wissenschaft keine von intellektuellem Klima und kulturellem Kontext unabhängige “Wahrheiten” liefern kann, heißt keineswegs, daß ihre Methoden und Resultate beliebig sind. Anders als in Kunst, Politik oder Religion “gibt es in der Wissenschaft bewährte Kriterien gegen Beliebigkeit, angefangen von der logischen Konsistenz der Argumentation, der Einfachheit und Widerspruchsfreiheit der Theorie bis zur, empirischen Überprüfung’, bei der all das an Plausibilisierungsinstrumenten herangezogen wird, was zum Zeitpunkt der Prüfung als unproblematisch gilt” (123-124). Empirische Untersuchungen können, wie es in einem Zitat aus Stadler / Kruse (1990) heißt, “im Denken eines Konstruktivisten eher Hinweise als Beweise erzeugen; Hinweise nämlich auf eine in sich stimmige, konsistente Sichtweise von nach bestimmten Regeln erzeugten Daten” (126).
Theoretischer Pluralismus, wie etwa Feyerabend ihn so eindrücklich verfochten hat, ist unerläßlich, nicht nur um unterschiedliche Lösungsversuche voranzutreiben, sondern auch um der stets untragbaren Annahme endgültiger, absoluter Problemlösungen vorzubeugen. Diese allgemeine wissenschaftsphilosophische Orientierung wird in den restlichen 25 Seiten des Kapitels in ihren Einzelheiten ausgearbeitet und durch zahlreiche Zitate von Wissenschatstheoretikern wie A. Ros, G.Pasternak, J. Kriz und anderen belegt.
8. Wenn man die Aufgabe der Wissenschaft, anstatt in der Erkenntnis objektiver Wahrheit in der Lösung von praktischen wie theoretischen Problemen sieht, ist man nicht mehr versucht, ihre Theorien als Repräsentation einer vom Forscher unabhängigen Realität zu beurteilen, sondern als mehr oder weniger erfolgreiche Strategien. “Wissenschaft als Problemlösungssystem ist vital auf solche Formen der Kommunikation angewiesen, die kooperatives Handeln erlauben” (160). Da diese Kommunikation hauptsächlich in Form von Sprache geschieht, ist Eindeutigkeit wichtig. Doch, wie Schmidt erklärt, geht es nicht so sehr um die Eindeutigkeit von Wörtern als um die Durchsichtigkeit der kommunikativen Konventionen der einzelnen wissenschaftlichen Sparten. Da jede von ihnen Fachausdrücke formt und verwendet, darf “Verständlichkeit” nicht mit “Allgemeinverständlichkeit” gleichgesetzt werden. Das führt zu disziplinspezifischen Kommunikationsbereichen, und eben diese sind es, aus denen unterschiedliche Beschreibungen einzelner Kulturen abgeleitet werden können.
9. Der vorletzte Abschnitt behandelt Fragen der Wahrheit. Unterschiedliche Autoren verbinden Begriffe mit diesem Wort, die nicht nur unvereinbar sind, sondern auf einander entgegengesetzten Grundannahmen beruhen. Wahrheitstheorien haben nur das eine gemein, daß sie gewissen Aussagen apodiktische Kraft verleihen sollen.
Die Poppersche “Annäherungstheorie” kann auf Grund eines inneren Widerspruchs schnell verabschiedet werden. Sie gibt unverblümt zu, daß Realität unerkennbar bleibt, behauptet dann aber doch, feststellen zu können, daß man ihr durch die planmäßige empirische Widerlegung von Annahmen näher komme. Sie schmuggelt also genau das Argument ein, das die Pragmatisten verwendeten, um den ontischen Bezug des Wahrheitsbegriffs loszuwerden.
Von “Kohäherenztheorien” sagt Schmidt mit Recht, daß ihre Wahrheit nie als Repräsentation einer ontischen Realität ausgelegt werden darf, da Kohärenz nur im Rahmen der gewählten theoretischen Grundprinzipien ermessen werden kann.
Ein wichtiger Zusatz ist die Feststellung: “Nach Piaget wird Korrespondenz als Relation zwischen dem Denken und der von uns konstruierten Realität verstanden” (167). Es handelt sich also um Kohärenz auf zwei Operationsebenen – und diese Kohärenz ist, was Piaget als Äquilibrium bezeichnet und als Hauptmotiv allen Handelns und Denkens vorschlägt. Im Raum von vier Seiten versucht Schmidt, Luhmanns Auffassung von Wahrheit darzulegen, doch da mich Zitate wie “es [gibt] wahre und unwahre Wahrheiten” (174) oder “es gibt keine Wahrheit außerhalb der Wahrheit” (175) völlig verstören, kann ich die Luhmannsche Auffassung nicht beurteilen.
Was ich diesem Abschnitt hinzufügen würde, ist eine kurze Liste der Bedeutungen, die dem Wort “Wahrheit” zugeschrieben werden.
Realisten möchten etwas “wahr” nennen, wenn es mit der Realität übereinstimmt;Pragmatisten, wenn es sich bewährt;Kohärenztheoretiker, wenn es mit der umfassenden Theorie vereinbar ist;und Konstruktivisten sollten das Wort vermeiden, es sei denn in alltäglichen Kontexten, wo es nicht mehr und nicht weniger bedeutet, als daß etwas gestern Gesagtes heute ohne wesentliche Änderung wiederholt wird.
10. In einigen Abschnitten, insbesondere Abschnitt 7, hat Schmidt die eigentlich Rolle des Wissens und der Wissenschaft als das Lösen von Problemen hervorgehoben. Der letzte Abschnitt trägt nun den Titel “Wissenschaftsphilosophie,” und so erwartete ich eine Übersicht über die Begriffe und Begriffsverbindungen, die als philosophische Grundlage einer derartigen Wissenschaft gelten können. Schmidt jedoch bespricht vor allem Luhmanns Position, dernach Theorien den Zweck haben, “etwas zu erklären” und Methoden “Entscheidungen zwischen wahr und falsch herbeiführen” sollen (184). Auch das ist freilich interessant, doch von meinem Gesichtspunkt aus wäre es für ein tieferes Verständnis des radikalen Konstruktivismus wichtiger, Quellen anzuführen, die konstruktivistische Aspekte der Wissenschaft erhellen. Da wären in erster Linie der Physiker Percy Bridgman, der durch seine operationellen Definitionen gezeigt hat, wie Forscher die Begriffe ihrer Theorien bauen und belegen, und meines Erachtens dann auch Hans Vaihinger, dessen Unterscheidung von Hypothesen und heuristischen Fiktionen unerläßlich ist, wenn man wissenschaftliche Theorien nicht als Beschreibungen der Realität, sondern als “Modelle” betrachten will, die ihren Wert im Lösen von Problemen erweisen müssen.
Resümee
Angesichts dessen, was in Abschnitt 2 über Beobachter gesagt wurde, scheint mir einer der zitierten Aphorismen von Czernin (1992) besonders einschlägig:
4.1.9.3: was das, was es gibt, zu dingen macht, das bin ich selbst: ich bin das einzige unding unter nichts als dingen (zitiert auf S. 91).
Im Deutschen haben wir den Vorteil, daß man nicht unbedingt auf die Wörter “Sein” und “Existieren” angewiesen ist, denn man hat den Ausdruck “es gibt” zur Verfügung, der es wie einige andere Formulierungen möglich macht, von Vorgängen zu sprechen, ohne ein Subjekt zu nennen. Ich schaue zum Fenster hinaus – “Es schneit!.” Man sagt nicht wer schneit – etwa der Himmel, die Atmosphäre oder das Tiefdruckgebiet. Daß es schneit, ergibt sich sozusagen von selbst, ohne daß ein handelndes Subjekt erwähnt und somit bestimmt wird.
Im Fall der Dinge ist dieses Sich-von-selbst-ergeben eine Ausflucht, die verbergen hilft, daß es unsere eigene Art und Weise des Wahrnehmens und Begreifens ist, die die Dinge aus dem Strom des Erlebens und Handelns schneidet und konserviert. So ergeben sich Beobachter, und dann gibt es sie und man kann von ihnen reden und sie in Klassen einteilen, ohne an das unergründliche Geheimnis zu rühren, wie es dazu kommt, daß wir uns unserer selbst und des Erlebens bewußt werden.
Der Blick, den Schmidt in diesem Buch zu zähmen, d.h unschädlich zu machen sucht, ist auch der Blick, der die Richtung der abendländischen Erkenntnistheorien von Anfang an bestimmt hat. Ceccato nannte die Geschichte dieser grundlegenden philosophischen Disziplin “ein verblüffendes Abenteuer” und lieferte die m.E. treffendste Beschreibung. Es ist, schrieb er, die Geschichte des Versuchs, “das zu machen, was bereits gemacht worden ist, ohne zu wissen, wie es gemacht wird, und darum ohne jemals wissen zu können, daß man es gemacht hat” (Ceccato 1966, S. 258).
Dank der Vielfalt der gebotenen Perspektiven ist Schmidts Buch ein ungemein anregendes. Wer auch nur das geringste Interesse an den eingangs erwähnten Fragen nach Wirklichkeit, Realität, Empirie, Objektivität und Wahrheit hat, wird hier zu einer Reihe von ungewohnten Überlegungen geführt und bewogen, sich ein einigermaßen kohärentes Weltbild zurechtzulegen. Wem das zumindest annähernd gelingt, wird fortan leichter leben und dem Autor darob dankbar sein.
Literatur
Ceccato S. (1966) Un tecnico fra i filosofi. Bd.2. Padova
Czernin F. J. (1992) Die Aphorismen. Eine Einführung in die Mechanik. 8 Bände. Wien
Spencer Brown G. (1973) Laws of form. Toronto/New York/London
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