CEPA eprint 3871

Die Freiheit des Gegenstandes: Von der Identität zur Differenz. Perspektivenwechsel in den Wissenschaften

Baecker D. (1985) Die Freiheit des Gegenstandes: Von der Identität zur Differenz. Perspektivenwechsel in den Wissenschaften. Delfin V: 76–88. Available at http://cepa.info/3871
Table of Contents
I
II
III
IV
V
“… a universe comes into being when a space is severed or taken apart.” (George Spencer-Brown, Laws of Form, New York 1972, S. xxix)
Differenzen organisieren unser Bild von der Welt, Differenzen motivieren die Fragen der Wissenschaften. Was keinen Unterschied macht, bleibt unerkennbar. Jede Information erfordert, nein: ist “a difference that makes a difference” (Gregory Bateson). Was ist ein Unterschied? Sicher nichts, was sofort auf Versöhnung hin zu überschreiten wäre. Ein Unterschied etabliert eine Asymmetrie, er sperrt sich dem Symmetrieverlangen der Versöhnung. Auch die Versöhnung setzt die Asymmetrie, den Unterschied voraus. Was wäre noch zu versöhnen, wenn alles im Einerlei übereinkäme? Die Überwindung des Unterschiedes wäre das Verschwinden derer, die durch Differenz zu ihrem Eigensten kamen.
Und doch ist immer wieder Protest formuliert worden gegen Maxwells Dämon, dem die Entdeckung der Bedeutung der Differenz zuzuschreiben ist. Die Geschichte seiner Entdeckung in Physik und Kybernetik ist zugleich die Geschichte einer Auseinandersetzung mit der Sehnsucht nach der verlorenen Einheit. Und doch wurde für die Wissenschaft die Erkenntnis unumgänglich: ihr Gegenstand ist frei, er definiert sich selbst, er erschafft sich durch den Unterschied.
I
Zwei Dämonen beherrschen die Hoffnungen und Verzweiflung, die Träume und Ängste, die-Phantasien und Kalküle der Wissenschaftler im 19. Jahrhundert. Der Dämon von Laplace, eine “Instanz der Welterkenntnis”, und der Dämon von Maxwell, ein “sortierender Intellekt”, wie sie Hans Blumenberg[Note 1] genannt hat.
Als der französische Physiker, Mathematiker und Astronom Pierre Simon Laplace seinen Dämon erfand, hatte die Welt, die europäische und die von Europa heimgesuchte Welt, gerade die französische Revolution erlebt. Es wurde deutlich, daß die alte Welt auseinandergefallen und die Veränderung selbst zum Schicksal der Welt geworden war. Die Ordnung der aristokratischen Welt wich der Unordnung des industriellen Aufbruchs. Aus der Ferne erschien die Revolution als “Explosion in der Kathedrale” (Alejo Carpentier), “mit welcher Exaltation das äußere zuschauende Publikum dann, ohne die mindeste Absicht der Mitwirkung, sympathisierte.”[Note 2] Im Herd der neuen Unruhe aber musste man sich umstellen, waren neue Vorkehrungen zur Sicherung der Welt erforderlich. Wie konnte ein Wissenschaftler wie Laplace sein Vertrauen in die vollständige Erklärbarkeit der Welt aufrechterhalten? Als Napoleon ihn fragte, ob und wo in seinem Weltensystem Gott vorkommt, antwortete ihm Laplace: “Ich bedarf dieser Hypothese nicht”. Galt denn noch die Hoffnung, mit Hilfe kausaler Gesetze das Labyrinth des Lebens zu entschlüsseln? War wirklich jedem Phänomen seine Ursache und seine Wirkung zu garantieren? Wie konnte man sich wappnen vor den Überraschungen kommender Veränderungen, die zu erwarten man nun nicht mehr umhin konnte? Der Ausweg in die Mythologie, die einen Teil der Welt ausgrenzt als Bezirk, in dem, mit grenzüberschreitenden Effekten, die Geheimnisse walten dürfen, war dem Wissenschaftler versagt. Stand er auch vor Rätseln, so durften doch diese Rätsel allenfalls vorläufigen, niemals aber systematischen Status haben. Für die Intelligenz darf es keine Rätsel geben. Und das heißt nichts anderes als: es darf keine Wirkungen ohne Ursache geben. Tritt eine Wirkung ohne Ursache auf, dann wäre die Welt nicht mehr die alte, dann wäre ihre Ordnung gefährdet.
Der Mensch, auf ewig unvollkommen sogar als Wissenschaftler, kann dann die Intelligenz nur postulieren, die jede Wirkung auf eine Ursache zurückrechnen und jeden zukünftigen Zustand der Welt als bewirkt durch ihren gegenwärtigen Zustand erkennen kann. Diese Intelligenz ist ein Dämon: er garantiert durch seine Allwissenheit die Ordnung der Welt. Laplace beschwört ihn 1814 in seinem Essai philosophique sur les probabilités:
“Wir müssen also den gegenwärtigen Zustand des Universums ansehen als die Wirkung seines vorherigen Zustands und als die Ursache des Zustands, der folgen wird. Ein Intellekt, der in einem gegebenen Augenblick alle Kräfte kennt, von denen die Natur belebt wird, und die jeweilige Situation der Lebewesen, aus denen sie besteht, könnte – wenn er denn umfassend genug ist, um alle Daten in die Analyse einzubeziehen – in einer einzigen Formel die Bewegungen der größten Körper des Universums und der leichtesten Atome beschreiben: nichts wäre ungewiss für diesen Intellekt und die Zukunft wie die Vergangenheit wären seinem Blick erkennbar.”[Note 3]
Dem Wissenschaftler bleiben nur die Wahrscheinlichkeiten, unter deren Schutz man die Formeln der Welterkenntnis immer genauen an den Fluss der Ereignisse adjustieren zu können hofft. Der Wissenschaftler hat seine Ruhe verloren. Seit er auf der Vorläufigkeit der Rätsel insistiert, ist er zum unablässigen Streben nach Erkenntnis mehr verurteilt denn berufen. Und nur der Dämon garantiert ihm, dass da ein Ziel sei, dass das kausale Schema niemals scheitert. Der Wissenschaftler, der dem Fortschritt sich weiht und nur an diesen noch glaubt – glauben muss, denn die paradoxe Fundierung seiner Erkenntnis zwingt ihn dazu, das Paradox unschädlich zu machen durch die Inanspruchnahme von Zeit –, der legt seine Seele in die Hände eines Dämons. Möge der Dämon die Ordnung und Einheit der Welt sichern, der Wissenschaftler kann es nicht mehr!
Insgeheim aber hat sich vielleicht bereits bei Laplace dieses Nicht-mehr in ein Noch-nicht verwandelt. Ausgerechnet die Bescheidung in die Vorläufigkeit. der Erkenntnis, zusammen mit der realen Erfahrung von Fortschritten; ließ vorstellbar werden, was immer undenkbar, niemals unternommen worden war: nach dem Ziel nicht nur zu streben, sondern es. zu erreichen. Man setzte auf die Zeit, die aber setzt dem dämonischen Wahn der Allwissenheit keine Grenzen. Immer wieder spukt dieser Wahn des Wissenschaftlers durch die Träume der Menschen. Und doch war nach der französischen und in der industriellen Revolution die Erfahrung unausweichlich, dass die Welt nicht immer die gleiche ist, dass sie sich entwickelt, Neues bringt, sich verändert. Ihre Vergangenheit erklärt nicht ihre Gegenwart und diese sagt nichts über die Zukunft. Für die Entwicklung der Lebewesen wie für die Evolution der Gesellschaft gilt: sie differenzieren sich, sie werden komplizierter. Darin sind sich Hegel und Darwin, Marx und Spencer einig. Kein Kausalgesetz kann die Tendenz vom Einfachen zum Komplexen erklären – und “Tendenz” ist selbst noch ein Beruhigungsbegriff: er überlässt dem Wirken der Zeit, was als Wirkung nicht mehr kenntlich ist. Die Physiker und Astronomen aber ließen sich von Einsprüchen der Gesellschaftstheoretiker und Biologen nicht beeindrucken. Wie hätte man sie auch überzeugen können, die nur auf die regelmäßigen, gesetzmäßigen Bewegungen der Sterne zu weisen brauchten – auch wenn diese weit weg waren von allem, was auf der Erde geschah und bei Tage sichtbar war? Man vertraute weiter auf Kausalität. Die besten Argumente sind immer auf Seiten der Ordnung.
Der Angriff auf die Mechanik des Himmels und der Erde, auf die Ruhe und ewige Gleichheit der Kausalgesetze kam schließlich viel wirkungsvoller aus der Physik selbst. Ein zweiter Dämon taucht auf, um die Mitte des 19. Jahrhunderts, und beunruhigt seither dauerhafter noch die Phantasien der Gelehrten. Wahrscheinlich auch konnte es ihm erst gelingen, die Hoffnung in den Laplaceschen Dämon in den Wahn zu treiben: die Hoffnung steigert sich in den Wahn, seit und weil sie es besser weiß.
Der neue Dämon ist ebenso unmenschlich und unerreichbar wie der erste, doch garantiert er keine Allwissenheit mehr, die der Wissenschaftler sich anmaßen könnte. Vor seinem Blick liegt die Welt nicht offen und geheimnislos, sondern für ihn ist sie Unordnung, unaufhörlicher Verfall, und nur er kann, zeitweise und prekär, diesen Verfall zumindest verzögern. Er baut Ordnung auf, im Wissen um ihre Unwahrscheinlichkeit. Damit scheint uns dieser Dämon vertrauter, näher als jener von Laplace. Der Verfall, die Verwirrung, das Verwischen von Spuren, das Schwinden von Sinn ist uns alltäglicher als souveräne Weltenkenntnis. Der amerikanische Roman und die französische Philosophie, in einigen ihrer besten Momente,[Note 4] gestehen das ein.
Der englische Physiker James Clerk Maxwell, einer der Begründer der Thermodynamik, erfand seinen Dämon, um eine Ausnahme für den zweiten Hauptsatz der Thermodynamik zu formulieren, der damals, Mitte des 19. Jahrhunderts, alle Unwahrscheinlichkeitserfahrung in sich bündelte, die die industrielle Revolution wachrufen konnte. Dieser zweite Hauptsatz enthält den sogenannten Entropiesatz und postuliert: “Die Entropie der Welt strebt einem Maximum zu.”
Die Funktion der Entropie misst den Anteil der verwendeten, unumkehrbar verlorenen Energie an der Gesamtenergie der Welt. Wenn die Entropie steigt, so bedeutet dies, dass sich Temperaturunterschiede abbauen. Einzig aus Temperaturunterschieden aber, das ist eine der wesentlichen Entdeckungen der Thermodynamik, gewonnen aus der Erforschung der Dampfmaschine, lässt sich Arbeit, also Leben gewinnen. Irgendwann haben sich alle Temperaturunterschiede abgebaut, auch jene die wir neu erzeugen können aus den gespeicherten Energien von – wir greifen immer weiter zurück in die Zeitalter der Erde – Holz, Kohle, Öl und Uran. Dann sind Arbeit und Leben nicht mehr möglich, die Welt stirbt den Wärmetod.[Note 5]
Wäre dies das Ende? Hätte es dann nicht lange schon stattfinden können? Baut sich nicht immer wieder neue Ordnung auf? Ein Widerspruch zum zweiten Hauptsatz?
“Denken wir uns… ein Wesen, dessen Fähigkeiten so vollkommen sind, dass es jeder Molekel in ihrem Laufe folgen könnte, dessen Eigenschaften jedoch ebenso wesentlich endliche sind wie die unsrigen(!), so sehen wir, dass diesem das möglich wäre, was uns unmöglich ist. Denn wir haben gesehen, dass die Molekeln in einem mit Luft von gleichförmiger Temperatur gefüllten Gefäße sich mit keineswegs gleichförmigen Geschwindigkeiten bewegen… Denken wir uns nun, ein solches Gefäß werde in zwei Teile, A und B, geteilt, durch eine Trennungsfläche, in welcher eine kleine Öffnung ist, und dass ein Wesen, welches die einzelnen Molekeln sehen kann, diese Öffnung in der Weise öffnet und schließt, dass nur den schnell sich bewegenden Molekeln gestattet wird, von A nach B, und nur den langsam sich bewegenden, von B nach A zu-gelangen. Dieses Wesen ist auf solche Weise im Stande, ohne Verausgabung von Arbeit die Temperatur des Teiles B zu erhöhen und diejenige des Teiles A zu erniedrigen, was mit dem zweiten Hauptsatze im Widerspruch steht.”[Note 6]
Nur ein Dämon kann noch Unterschiede erzeugen, wenn uni ihn herum gleichförmige Temperaturen herrschen. Ein Mensch könnte nur aus Unterschieden Unterschiede gewinnen. Mittlerweile konnte man Maxwells Dämon nachweisen, dass auch er für sein Sortieren Energie verbraucht, und unklar ist, ob diese Energie größer oder kleiner ist als die gewonnene. Er muss dem Lauf der Moleküle folgen können, und vielleicht verbrauchen seine Beobachtungs- und Überwachungsapparaturen alle Energie, die er aus seinem Einschließen und Ausschließen von Elementen gewinnt. Aber wichtig ist zunächst nur folgendes: ohne jede Übersicht über das Ganze der Welt, ja, ohne jede Vorstellung von diesem Ganzen, gewinnt der Dämon Maxwells Leben aus zunächst marginalen Unterschieden. Er entdeckt, dass Unterschiede notwendig sind für den Aufbau der Welt, dass allein die Differenz Quelle einer Ordnung ist.
Der belgische Physiker und Chemiker Ilya Prigogine[Note 7] wurde 1977 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet für seine Forschungen zu den sogenannten dissipativen Strukturen, die darauf hindeuteten, dass die Entstehung des Lebens etwas mit der Arbeitsweise des Maxwellschen Dämons zu tun hat.[Note 8] Aus Unordnung lässt sich Ordnung gewinnen dank der Wahrnehmung von Differenzen. Die Unordnung ist fruchtbar, die Evolution bietet Chancen. Sie kann blockiert werden, wenn tradierte Differenzen beibehalten werden, deren Aufrechterhaltung und Beobachtung mehr Energien erfordert, als aus ihnen gewonnen werden kann.
II
Es fiel der Physik nicht leicht, die Konsequenzen aus den Entdeckungen der Thermodynamik, der Elektrizitätslehre und später der Quantenphysik zu ziehen.[Note 9] Wie Ernst Bloch in seinen Materialismusstudien 1936/37 festhielt, war deutlich zunächst nur:
“Mit Druck, Stoß und ähnlichem geht es nicht weiter. Auch nicht mit festen Klötzchen und der unveränderlichen Masse, auf die die Kräfte wirken. Lange genug hat man selbst so feine, nicht anfaßbare Erscheinungen wie das Licht mechanisch erklärt, nämlich nach Art des rüttelnden Schalls. Das wurde untunlich, je weiter man gerade ins Novum der strahlenden Materie eindrang, der elektrischen zunächst.”[Note 10]
Je weiter man die Erforschung der Atome trieb, desto unumgänglicher wurde die Erkenntnis, dass die Welt nach unten offen ist, dass keine letzten Elemente ihr sicheren Halt und Boden gewähren: nach unten wie nach oben franst sie aus, die mikro- wie. die makrophysikalische Forschung verliert sich im Unendlichen. Um so dringlicher wurde die Frage nach den Bedingungen der Möglichkeit des Aufbaus der Materie. Angesichts der Heisenbergschen Unschärferelation, nach der es unmöglich ist, Impuls und Koordinate eines Elementes zugleich zu bestimmen, angesichts der unentscheidbaren Frage, ob es sich bei den Elementen des Aufbaus der Atome um Partikel oder Wellen handelt - angesichts dieser Schwierigkeiten, musste man sich zunächst einmal fragen, wonach man eigentlich fragte. Erst von einer neuen Problemdefinition konnte man sich Antworten erhoffen. Wie, etwa, gelang Maxwells Dämon, was ihm gelang? Er sortiert Moleküle. Aber das ist noch nicht entscheidend. Wichtiger ist: er unterscheidet schnelle und langsame Moleküle. Letztlich unterscheidet er nicht Moleküle, sondern Geschwindigkeiten. Er appliziert den Molekülen die Differenz von langsam und schnell. Er hält sich nicht mit ihren Qualitäten auf, er kategorisiert und katalogisiert nicht und bestimmt auch keine Substanzen. Er unterscheidet das Ereignis eines langsamen Moleküls vom Ereignis eines schnellen Moleküls. Und er hat Glück, dass die Moleküle sich dieser Unterscheidung fügen. Anhand einer Differenz sortiert er Ereignisse. Das Ereignis ist die Einheit der Differenz. Ihm gilt die Aufmerksamkeit des Dämons.
Ist es das, wonach auch der Physiker fragen kann? Die Logik zumindest legt es ihm mit Bertrand Russel nahe:
“Elektronen und Protonen sind … nicht der Stoff der physischen Welt; sie sind verwickelte logische Strukturen, die aus Ereignissen … zusammengesetzt sind.”[Note 11]
Überlassen wir dieses Problem den Physikern! In unserer Erkundung einer Grundlegung der Freiheit des Gegenstandes genügt uns zunächst die Zusammenführung von Differenz und Ereignis.[Note 12] Allerdings, wen will es verwundern, war die dominierende Reaktion der Wissenschaft auf die Erfahrung der Eigenbedeutung des Ereignisses nicht: Fundierung seiner Autonomie, sondern: Versuch seiner Kontrolle. Hierfür steht die Kybernetik, deren Geburt aus dem praktischen Problem der radargesteuerten Flugzeugabwehr Norbert Wiener beschreibt:
“Bei Kriegsbeginn richteten das deutsche Luftwaffenpotential und die defensive Lage Englands die Aufmerksamkeit vieler Wissenschaftler auf die Entwicklung der Flugabwehrartillerie. Schon vor dem Krieg war es klargeworden, dass die Geschwindigkeit des Flugzeugs alle klassischen Methoden der Feuerleitung überwunden hatte und dass es nötig war, alle notwendigen Rechnungen in die Regelungsapparatur selbst einzubauen (der Dämon macht sich unabhängig! D.B.). Diese waren sehr schwierig geartet durch die Tatsache, dass … ein Flugzeug eine Geschwindigkeit hat, die ein sehr ansehnlicher Bruchteil der Geschwindigkeit des Geschosses ist, das zum Beschuss verwendet wird. Demgemäß ist es außerordentlich wichtig, das Geschoß nicht auf das Ziel abzuschießen, sondern so, dass Geschoß und Ziel im Raum zu einem späteren Zeitpunkt zusammentreffen. Wir mussten deshalb eine Methode finden, die zukünftige Position des Flugzeuges vorherzusagen.”[Note 13]
Aber es galt nicht nur, die deutsche Luftwaffe abzuwehren. Viel entscheidender war es, des Angriffes des deutschen Faschismus auf die westliche Demokratie (und Zivilisation) Herr zu werden, Die wildgewordene instrumentelle Vernunft der Blitzkriege und Konzentrationslager brachte die industriellen und politischen Kalküle aus-ihrem Rhythmus.[Note 14] Die Geschwindigkeit der Bomber ist nur ein Teil der explosiven Geschwindigkeit der Gewalt. Dieser Gewalt zu begegnen, war die Herausforderung an die Zivilisation. Und sie konnte ihr nur begegnen, indem sie ihren eigenen Kontrollsystemen zu einer der Herausforderung angemessenen Schnelligkeit und Präzision verhalf. Und dies gelang: Dies gelang so gut, dass die Schnelligkeit und Präzision dieser Systeme die Gewalt der Menschen nicht mehr als die dominierende Gefahr für die Gesellschaft erscheinen lässt: die Handlungen der Menschen sind in fast jedem Fall – einzig der Terrorismus versucht, den Gegenbeweis anzutreten – zu langsam, um entscheidende Unterbrechungen, Störungen bewirken zu können. Nun wird genau dies zum Problem!
All das beschreibt die Situation, in die die Kybernetik hineingewachsen ist, aber nicht, das muss betont werden, ihre ursprüngliche Reichweite als interdisziplinäre Theorie wissenschaftlicher Konzepte.[Note 15] Vielleicht ist schuld am Ausbau der Kybernetik zur Kontrollwissenschaft nur ein Missverständnis, das allerdings auch ihr eigenes ist: das Missverständnis des wesentlichen und schwierigen Begriffs der Information, mithilfe dessen es der Kybernetik gelang, sich von aller materiellen oder energetischen Fundierung abzukoppeln. Die Information ist jedoch letztlich nur durch ihr Gegenteil zu definieren:
“Wir finden oft eine Nachricht durch fremde Störungen verfälscht, die wir ‘Rauschen’ nennen: Wir betrachten dann das Problem der Wiederherstellung der ursprünglichen Nachricht …, und zwar mit Hilfe eines Operators, der auf die verfälschte Nachricht angewendet wird. Die optimale Bestimmung dieses Operators und des Geräts, das ihn realisiert, hängt von der statistischen Natur der Nachricht und des Rauschens … ab. Im Falle der Nachrichtentechnik … ist die Bedeutung der statistischen Einflüsse sofort augenscheinlich. Die Übertragung von Informationen ist nur als Übertragung von Alternativen möglich … Der Telegraf und das Telefon können ihre Funktion nur ausfüllen, wenn die Nachrichten, die sie übermitteln, sich fortlaufend ändern, und zwar so, dass diese nicht vollständig durch ihre Vergangenheit bestimmt sind, und beide können tatsächlich nur gebaut werden, wenn die Änderungen dieser Nachrichten sich in irgendeine Art statistischen Regeln fügen.“[Note 16]
Erst spät wurde man darauf aufmerksam, dass mit der Formulierung der Information als Alternative postuliert war, die Information als Prozedieren von Differenzen zu verstehen. Für die Kybernetik und die mathematische Informationstheorie schien sich zunächst nur die Forderung zu stellen, ihre Schaltungen und Systeme so zu konzipieren, dass sie störungsfrei funktionieren können, dass jedes “Rauschen”, “noise”, ausgeschlossen bleibt und die Information klar und präzise übermittelt werden kann. Man informierte sich über das Problem der Information anhand der Unterscheidung von Information und Störung. Das hatte den Vorteil, dass man das Problem der Übermittlung einer Information formulie‑ren konnte als Notwendigkeit der Vermeidung von Störungen, als Kontrolle möglicher Abweichungen. Jedes System, das Informationen verarbeiten sollte, konnte dann störungsfrei gehalten werden, indem ihm ein Operator eingebaut wurde, der mögliche Abweichungen von einer Norm zunächst wahrnimmt und dann korrigiert. Das ist das Prinzip des negativen Feedback, der negativen Rückkopplung: das System vergleicht seinen aktuellen Zustand fortwährend mit einer Norm und verwirklicht diese Norm, indem es Störungen eliminiert. Unter der Hand pervertierte sich der. Kybernetik die Bestimmung der Information anhand der Differenz von Informationen und Störung zur Eliminationder Differenz. Die Folgen wurden oft notiert, zum Beispiel für die Politik:
“Wenn jedes Problem auf dem Feld der internationalen Politik von den ‘besten und intelligentesten’ Problemlösern als bloß technisches Problem diagnostiziert wird, dann werden Kriege wie der in Vietnam wirklich unvermeidlich. Die Anerkennung zutiefst konfligierender, aber legitimer Interessen von nebeneinander existierenden Gesellschaften … wird von Anfang an unmöglich gemacht. Statt dessen werden die einfachsten Kriterien angewandt, um Differenzen festzustellen, nach Mitteln zur Reduktion dieser Differenzen zu suchen und schließlich auf die ‘vorliegenden Objekte’ Operatoren anzusetzen, um aus ihnen ‘erwünschte Objekte’ zu machen. In der Tat ist es völlig vernünftig, wenn mit ‘Vernunft’ eine ‘instrumentelle Vernunft’ gemeint ist, gegenüber einem ‘kommunistisch beherrschten’ Vietnam (eindeutig ein ‘unerwünschtes Objekt’) amerikanische Streitkräfte, Bomber vom Typ B-52, Napalm und alles andere einzusetzen, um es vermittels dieses “Operators’ in ein ‘erwünschtes Objekt’ zu transformieren, nämlich in ein Land, das den amerikanischen Interessen dient.”[Note 17]
Von den Operatoren wird erwartet, dass sie sich ihre Umwelt unterwerfen, ohne dass jene, die sie einsetzen – und das sind wir selbst – den Widerstand des “Objekts” zu spüren bekommen. Dann ließen sich die Informationskanäle von allem störenden Rauschen reinfegen. Das Feld wäre leer, kein Blatt mehr an den Bäumen und wir wären die Erben unserer eigenen Katastrophe – wenn es denn Erben noch gibt. Doch zeigt sich bisher noch immer – kann man aufatmen? –, dass die Operatoren den Ereignissen nicht gewachsen sind. Die Empirie, das Rauschen wachsen den Kontrolleuren und Planern über den Kopf. Die Differenz lässt sich nicht eliminieren. Gegen die Differenz ließe sich nur eineEinheit behaupten: die letzte Katastrophe, das Ende. hie Welt wäre identisch mit allen ihren Inhalten. Und genau dies erfordert, ein Ziel nicht zu bestimmen, den Gegenstand zu befreien, gegen Identität auf Differenz zu setzen.
III
Das ist keine neue Idee. Hegel löst sich in seinen Berner Jahren aus dem Schmerz an der “Entzweiung,” aus dem für ihn einmal das Bedürfnis der Philosophie entstand, und unternimmt mit Hilfe der Politischen Ökonomie eine positive Deutung der Entzweiung als der Rekonstruktion und Konstitution der bürgerlichen Gesellschaft.[Note 18] Die französische Revolution führte vor die Erfahrung der radikalen Diskontinuität von Herkunft und Zukunft. Das positive Denken der Differenz erlaubt es Hegel, die. Veränderung in der modernen Welt zu akzeptieren und zugleich auf eine geschichtliche Erhaltung der ursprünglichen Einheit zu setzen. Er denkt die Differenz zeitlich und sichert ihr Halt, indem er sie im Prinzip der Natur (Bedürfnis, Arbeit) verankert. Die Natur ermöglicht es der Gesellschaft, sich von der Herkunft zu emanzipieren. Jedoch zwingt diese Emanzipation die Gesellschaft in die Abstraktion – die Industrie als Einheit von Bedürfnis und Arbeit wird zur “Furie des Verschwindens”, der dann, man hat erfahren wie, nur noch der Staat Einhalt gebieten kann – und überlässt den Menschen nur die Heimat jener Lebenszusammenhänge, die sich nicht abstrahieren lassen, weil sie ihr Prinzip in der lebendigen Substanz der Tradition und der Subjektivität haben. Man erkennt die Denkfiguren, sie haben sich bis heute erhalten. In ihnen stellte sich der Protest der bürgerlichen Gesellschaft gegen sich selbst auf Dauer.
Der Protest überliefert die Differenz, solange sie theoretisch nicht handhabbar ist.[Note 19] Erst Gregory Bateson verdanken wir eine Theorie der Differenz. Er nimmt, und damit kommen wir auf unseren Leitfaden Kybernetik zurück, eine zunächst unscheinbare Umstellung vor. Er definiert die Information nicht mehr durch ihr Gegenteil, das Rauschen, sondern selbst als Differenz:
“Ein ‘Bit’ Information lässt sich definieren als ein Unterschied, der einen Unterschied macht.”[Note 20]
Die Operation ist zunächst genau jene, die Maxwells Dämon den Molekülen applizierte. Informationsverarbeitung konfrontiert sich dem Rauschen und versucht, sich mit Hilfe von selbst entwickelten Unterscheidungen zu orientieren. Dafür gibt es biologische, anthropologische, soziale und psychische Beispiele.
Das beginnt mit einfachen Unterscheidungen, die aber schon weitreichenden Aufbauwert haben. So gelingt es etwa dem Magen, seinen Inhalt von sich selbst zu unterscheiden und so sich nicht selbst mitzuverdauen. Ein Immunsystem kann harmlose von gefährlichen Bakterien unterscheiden.[Note 21] In Kommunikationsprozessen führt zum Beispiel schon die Unterscheidung sehr weit: spricht jemand oder nicht.[Note 22] Das Rauschen sozialer Situationen kann anhand dieser Differenz abgetastet werden, wenn jemand spricht, kann man sich darauf einstellen, kann etwa Widerspruch oder Konsens, Zuwendung oder Abwendung unterscheiden und lernt allmählich, der Sprache selbst Differenzen zu applizieren, die einen zunehmenden Umgriff auf Situationen, Sachen und Zeiten erlauben.[Note 23] Differenzen erlauben, etwas zu identifizieren im Unterschied zu anderem. Dieser Unterschied zu anderem istdann die Identität des Identifizierten. Identität ist nur durch Differenz zu sichern und das heißt: sie ist nur bi-stabil zu sichern. Identität verweist sich selbst auf Nicht-Identität, auf Differenz. Das impliziert dann auch Zeit. Und darum setzt Niklas Luhmann nicht mehr wie Hegel auf die Identität von Identität und Differenz, sondern auf die Differenz von Identität und Differenz:
“Am Anfang steht also nicht Identität, sondern Differenz.”[Note 24]
Wesentlich ist, dass Differenzen nicht vorliegen in der Umwelt dessen, der Informationen verarbeitet, sondern dass er, genau wie der Dämon Maxwells, Differenzen ausprobiert, um zu sehen, wie weit man damit kommt. Gefordert ist zunächst nur, dass die Umwelt nicht gänzlich unstrukturiert ist, dass im Rauschen sich Ereignisse lokalisieren, von anderen unterscheiden lassen. Dann wird an das angeknüpft, was sich bewährt. Der “range of correspondences” (Spencer) unseres Zugriffs auf Welt ist so unvermeidlich limitiert – und nur die Vielzahl der Differenzen, mit denen wir operieren, und ihr interner Verweisungsreichtum lassen uns die Limitation unterschätzen[Note 25] –, doch andererseits ist gerade so Reduktion und Aufbau von Komplexität erst möglich. It’s the difference that makes the difference. Jede Beobachtung setzt das Handhaben einer Differenz voraus.
Sonst könnten Beobachtungen gar nicht entscheiden, ob sie scheitern oder gelingen. Lacht sie oder weint sie, meint sie mich oder einen anderen, ist er ein Narr oder ein Weiser? Ist dieseUnterscheidung sinnvoll oder ist sie es nicht – etwa weil sie zu wenig erfasst oder weil sie mir keine Anschlüsse erlaubt? Wer anhand dieser und anderer Unterscheidungen nicht unterscheiden kann, wird nie etwas erfahren. Und waser erfährt, hängt davon ab, welche Differenzen er verwendet. Hätte sich Maxwells Dämon mit einer chemischen Analyse der Moleküle aufgehalten, hätte er seine Gefangenschaft in den Gefäßen beklagt, dann hätte er der Entropie nicht widerstehen können. Man kann nur ausprobieren, mit welchen Differenzen jene Informationen zu gewinnen sind, die Negentropie leisten können.
IV
Wir haben nun einiges über die Differenz und über Ereignisse erfahren und ahnen etwas von ihrem Zusammenhang, seit wir wissen, dass Ereignisse nicht als Störungen des Transfers von Informationen zu klassifizieren sind. Informationen rechnen selbst mit Ereignissen. Sonst wäre ja auch nur Redundanz möglich und nichts Neues hätte eine Chance. Bevor wir unseren Gegenstand in die Freiheit entlassen können (was nicht heißt, dass wir ihn je unter Kontrolle hatten; nur mit Gewalt haben wir ihn oft genug traktiert), ist noch ein weiterer Schritt erforderlich, der uns noch einmal in die – allerdings hochaktuelle – Geschichte. der Wissenschaft blicken lässt.
Die Kybernetik war gestartet mit dem Versuch die Funktionsweise des menschlichen Nervensystems und Gehirns zu erkunden. Doch der technische und politische, der militärische und industrielle Erfolg der Computerentwicklung führte bald dazu, dass man sich überwiegend auf diese lukrativen Aufgaben beschränkte. In mathematischen Formeln dachte man sich den höchsten Präzisionsgrad intersubjektiv vermittelbaren menschlichen Denkens repräsentiert. Nur einige wenige arbeiteten weiterhin an den Problemen des Denkens, der Erinnerung, der Sprache, des Erkennens.[Note 26] Wieder war es eine zunächst unscheinbare Entdeckung, die den kontrollorientierten Ansatz der Kybernetik überwinden half und den take-off zur “Kybernetik 2. Ordnung” ermöglichte.
Die Kybernetik hat es mit Systemen zu tun, deren Regelungsmechanismen sie mit Hilfe der Differenz von Input und Output und der Unterstellung von Transformationsprozessen und negativem Feedback zu beschreiben und zu verbessern versucht. Nie aber, so Heinz von Foersters erstaunte Entdeckung,[Note 27] stellte sie die Frage nach dem Verhältnis von System und Beobachter. Sie ging völlig selbstverständlich davon aus, dass die Beobachtung des Systems am Verhalten des Systems nichts ändert. Diese Annahme war berechtigt, solange es sich um artifizielle Maschinen handelte, sie konnte jedoch bei der Beobachtung von psychischen und sozialen Systemen nicht mehr ernsthaft aufrechterhalten werden. Die Kybernetik betrachtete Systeme als von außen, von einem Beobachter steuerbar. Je nach Input konnte man einen determinierten Output erwarten: eine Trivialmaschine. Zwei mal zwei ist vier; du startest den Motor, er springt an; du befiehlst, ich gehorche; du liebst mich, ich …
Psychische und soziale Systeme sind keine Trivialmaschinen,[Note 28] sie reagieren auf die Beobachtung als Beobachtung und wählen ihren Output – der natürlich auch darin bestehen kann, nicht zu reagieren: Das System ist in seinen Verhaltensweisen ebenso frei wie der Beobachter.
Was nun? Beliebigkeit? Nein, sondern[Note 29] verwunderte Rückwendung des Beobachters, der solches (Determination) unterstellen konnte, auf sich selbst und Erkundung der Relationen, zu denen er fähig ist. Auszugehen war von der Umkehrung aller Hypothesen:
“Die Umwelt, so wie wir sie wahrnehmen, ist unsere Erfindung.”[Note 30]
Gegen jede Ontologie galt es, eine naturale Epistemologie zu entwickeln – mit Hilfe der Neurophysiologie:
“Die Erregungszustände einer Nervenzelle codieren nicht die Natur der Erregungsursache. Codiert wird nur: ‘so und so viel an dieser Stelle meines Körpers’, aber nicht ‚was‘ … Und in der Tat, ‘da draußen’ gibt es ja kein Licht und keine Farben, da gibt es elektromagnetische Wellen; ‘da draußen’ gibt es keine Laute und keine Musik, da gibt es longitudinale periodische Druckvorgänge; ‘da draußen’ gibt es keine Hitze oder Kälte, da gibt es höhere oder niedrigere mittlere kinetische Molekularenergie, und so weiter - und ganz bestimmt: ‘da draußen’ gibt es keinen Schmerz. Die fundamentale Frage heißt dann: Wieso erleben wir die Welt in ihrer überwältigenden Mannigfaltigkeit, wenn als Eingangsdatum uns lediglich zur Verfügung steht: erstens die Reizintensität; zweitens die Koordinaten der Reizquelle, das heißt Reizung an einer bestimmten Stelle meines Körpers. Nachdem die Qualitäten der Sinneseindrücke nicht im Empfangsapparat codiert sind, ist es klar, dass das Zentralnervensystem so organisiert ist, dass es diese Qualitäten aus diesen kümmerlichen Eingängen errechnet.”[Note 31]
Gegen jede Wahrscheinlichkeit und mit einem ungläubigen, aber Abstand nehmenden Blick zurück auf die leibnizschen Monaden konnte man angesichts dieses Befundes nur noch annehmen, dass Nervensysteme operationell geschlossen sind. Der chilenische Neurophysiologe Humberto R. Maturana zieht in seiner Theorie der Autopoiesis die Konsequenz:
“In dieser Auffassung gibt es daher keine höheren Zentren, keine höheren Funktionen, keine hierarchische Organisation des Operierens des Nervensystems, es gibt lediglich einen endlosen Tanz interner Korrelationen in einem geschlossenen Netzwerk interagierender Elemente, dessen Struktur durch zahlreiche ineinander verwobene Bereiche und Metabereiche struktureller Kopplung des Organismus an sein Medium fortwährend moduliert wird. Es gibt außerdem keine Informationsverarbeitung, keine Errechnung des Verhaltens nach den Bedingungen einer Außenwelt, keine zielgerichteten Prozesse im Arbeiten des Organismus, es gibt lediglich Zustandsveränderungen des Organismus im Prozess der Verwirklichung seiner Autopoiese.”[Note 32]
Autopoiesis, das heißt soviel wie Selbsterzeugung, Herstellung von sich selbst aus sich selbst, Reproduktion der Elemente eines Systems aus den Elementen des Systems. Es ist ein Begriff, der es zum ersten Mal erlaubt, ein System als unabhängig von seiner Umwelt zu beschreiben und zugleich Bedingungen angehen zu können, in denen dieses System mit seiner Umwelt Interdependenzen pflegt und von ihr in wesentlichen, aber ausgewählten Hinsichten abhängig ist. Er erlaubt, ein Konzept der Autonomie zu entwickeln.
Die Theorie autopoietischer Systeme, die gegenwärtig für lebende,[Note 33] soziale[Note 34] und psychische[Note 35] Systeme erprobt wird, führt für unseren Zusammenhang zur Forderung: “Die Autopoiese des Gegenstandes muss akzeptiert werden, weil ohne sie der Gegenstand verschwände.”[Note 36]
Und wir wollen ihn nicht verschwinden sehen, trotz aller Ästhetik, die daraus vielleicht zu gewinnen wäre,[Note 37] sondern wir wollen ihn befreit wissen. Im letzten Schritt unserer Skizze gilt es, Differenz, Ereignis und Autopoiese zusammen zu sehen.
V
Sie zusammen zu sehen, kann natürlich nur heißen, Relationen zu erkunden. Ein kompakter Sachverhalt wird sich nicht ergeben, nie wieder übrigens.[Note 38] Das Konzept der Autopoiesis nehmen wir als Garanten der Unabhängigkeit des Gegenstandes. Er braucht uns nicht, wir können uns also ganz auf unser Verhältnis zu ihm konzentrieren. Das wird wörtlich zu verstehen sein: Zentrum, wenn man denn danach noch sucht, des Verhältnisses ist dieses selbst, nicht der Gegenstand noch wir. Genau darum ist mit Differenz einzusetzen. Und schließlich: woraus ließe sich das Verhältnis gewinnen, wenn nicht aus Ereignissen, die sich dem Gegenstand, dem Beobachter oder der Relation zuordnen lassen? Die Relation besteht aus Ereignissen, die der Gegenstand und der Beobachter zu ihrem Aufbau nutzen.
Auszugehen wäre mit Ranulph.Glanville von der Vorstellung der Welt als black box: “a hidden and hiding world”.[Note 39] Es wird nicht die Existenz von - black boxes behauptet, wie könnte man das auch, sondern es wird gefordert, Dinge als black boxes zu behandeln. Das schließt nie aus, dass sie auch zu schwarzen Löchern werden, die Blicke und Kategorien unterschiedslos und auf Nimmerwiedersehen verschlucken: Implosionsphänomene, an denen jede Differenz scheitert. Es empfiehlt sich darum, bei ihrer Beobachtung immer zugleich an ihnen vorbeizusehen, bei jeder Anschauung auch von ihnen abzusehen. Beobachtung aus den Augenwinkeln wäre eine in diesem Sinne gar nicht aussichtslose Explorationsstrategie. Was aber heißt das? Nichts anderes, als dass die Beobachtung neben dem Gegenstand, den sie als black box setzt, immer auch etwas anderes im Auge behält. Die Konstellation wird zunächst dreistellig: Gegenstand – Beobachtung – etwas anderes. Die Beobachtung orientiert sich an der Differenz von Gegenstand und etwas anderem. Diese Differenz hält sie fest, probeweise, nicht den Gegenstand.
Sobald die Konstellation einmal als dreistellig anerkannt ist, kommen jedoch noch mehr Referenzen in den Blick. Denn da nun “etwas anderes” mit im Spiel ist, und dieses nicht die Beobachtung selbst ist, muss sie ihrerseits sich von diesem “etwas anderem” unterscheiden können. Sie muss sich zurückrechnen auf ein beobachtendes Objekt, das, nur soviel ist sicher, beobachten kann. Die Beobachtung erfährt von sich als Beobachtung, die möglich ist, weil ein beobachtender Gegenstand einen anderen Gegenstand beobachtet. Man kann dieses jetzt komplizierter werdende Relationengefüge unter den Titeln Fremdreferenz und Selbstreferenz beschreiben. Zwei Differenzen sind darin impliziert: die Differenz beobachteter Gegenstand/etwas anderes und die Differenz beobachtender Gegenstand/etwas anderes. Und erst aus diesen Differenzen lässt sich schließen auf den Unterschied von beobachtetem und beobachtendem Gegenstand.
Der beobachtende Gegenstand weiß von sich zunächst nur: er beobachtet. In dieses Wissen ist eine neue Differenz eingebaut: denn er beobachtet nun nicht mehr nur den Gegenstand, sondern auch sich selbst. Er unterscheidet Fremdbeobachtung und Selbstbeobachtung, Fremdreferenz und Selbstreferenz. Der beobachtende Gegenstand ist fähig zur Selbstreferenz, aber sich selbst nur als Differenz verfügbar.[Note 40] Das aber heißt: er ist sich unerreichbar, An-sich und Für-sich differieren, er muss sich selbst als black box unterstellen. Er kann sich nur aus den Augenwinkeln beobachten, er muss etwas anderes im Blick behalten. Er kann viel über sich erfahren, der Exploration sind keine Grenzen gesetzt, auch die Zeit läuft weiter, aber er kann sich nur erkunden anhand der Differenz von sich selbst und etwas anderem. Nur im ständigen switching von Selbst- und Fremdreferenz lässt sich etwas Neues erfahren und lässt sich Altes bestätigen.
Dieses unausweichliche Verfahren zwingt ihn zu einer Folgerung: Da er selbst sich als black box erfährt, da er zugleich überhaupt erst erfahren hat, seit er den Gegenstand, den er beobachtete, als black box unterstellte, kann er nicht mehr ausschließen, sondern muss annehmen, dass auch der beobachtete Gegenstand als black box der Selbstreferenz fähig ist. Der beobachtete Gegenstand unterscheidet sich also selbst von “etwas anderem” und nichts berechtigt zu der Annahme, dass dies “etwas anderes” jenem des beobachtenden Gegenstands auch nur entfernt ähnelt. Und schließlich: wenn der beobachtete Gegenstand der Selbstreferenz fähig ist, dann natürlich auch der Fremdreferenz. Der beobachtete Gegenstand beobachtet den beobachtenden Gegen- stand – anhand der Unterscheidung von etwas anderem.
Der Gegenstand wird frei gesetzt. Er ist keine Trivialmaschine. Alle Exploration ist die Exploration des Verhältnisses von black boxes.[Note 41] Dieses Verhältnis ist eine Relation von Differenzen mit unterschiedlichen Referenzen, die immer auch “etwas anderes” implizieren. Das ermöglicht den Wechsel der Referenzen, den Aufbau zunehmend anspruchsvoller Differenzen. Dabei wird Zeit in Anspruch genommen. Die Relationen rechnen mit Ereignissen, was sie für die Bestätigung von Differenzen wie für den Zufall gleicherweise empfindlich und empfänglich macht. Die Gegenstände sind unerreichbar, auch für sich selbst. Wir leben in Relationen. Auf Differenz zu setzen, summiert sich dann schließlich zu der Forderung, innerhalb dieser Relationen immer auch mitzusehen zu versuchen, wie der Gegenstand sich selbst bestimmt.”[Note 42]
Endnotes
1
Hans Blumenberg, Die Lesbarkeit der Welt, Frankfurt am Main 1981, S. 406
2
Immanuel Kant, Der Streit der Fakultäten (1798) Werke VI, A 148
3
Pierre Simon Laplace, Essai philosophique sur les probabilités, 1814, Edition Paris 1921, S. 3 – meine Übersetzung.
4
Thomas Pynchon, Die Versteigerung der No 49, dt. Reinbek bei Hamburg 1973, insbes. S. 89ff.; Michel Serres, Der Parasit, dt. Frankfurt am Main 1981.
5
Heute sind Wissenschaftler zuversichtlicher. Vgl. nur die Berechnung möglicher Energiequellen bei Erich Janisch, Die Selbstorganisation des Universums: Vom Urknall zum menschlichen Geist, dt. München 1982, S. 371ff.
6
James Clerk Maxwell, Theorie der Wärme, Breslau 1877, S. 321
7
Vgl. nur Ilya Prigogine und Isabelle Stengers, Dialog mit der Natur: Neue Wege wissenschaftlichen Denkens, dt. München und Zürich 1980
8
In Frankreich witterte man früh schon die Möglichkeit, ein neues wissenschaftliches Paradigma zu verkünden. Genannt seien der Biologe Henri Atlan, der Mathematiker René Thom, der Religionshistoriker René Girard, der Soziologe Lois Dumont, der Ökonom Jean-Pierre Dupuy und die Philosophen Cornelius Castoriadis und Michel Serres. Vgl. dazu Edgar Morin, La Methode, t.1.2., Paris 1977, 1980; die Diskussion in der Pariser Zeitschrift Débat 1980/81 um die Wissenschaftlichkeit der Rede von Unordnung und Zufall; und den Tagungsband des Colloque von Cerisy: P. Dumouchel und J.-P. Dupuy, eds., L’auto-organisation: de la physique au politique, Paris 1983.
9
Zu den Schwierigkeiten des Umgangs mit Erkenntnissen wie jener, daß die Natur Sprünge macht, vgl. nur die Darstellungen bei Carl Friedrich von Weizsäcker, Der Garten des Menschlichen: Beiträge zur geschichtlichen Anthropologie, München und Wien 1977 und seine eigenen Versuche, die Entdeckung der Differenz wieder auf Einheit hin zu überwinden ebd. S. 169f. und 588ff.
10
Ernst Bloch, Das Materialismusproblem, seine Geschichte und Substanz, Frankfurt am Main 1972, S. 317f. Vgl. dazu jetzt ausführlich Rudolf Stichweh, Zur Entstehung des modernen Systems wissenschaftlicher Diszipline;I: Physik Deutschland 1740.1890, Frankfurt am Main 1984.
11
Philosophie der Materie, dt. 1929, S. 406, zit. nach Bloch, a.a.O., S. 348. Auf der Ereignisqualität der Welt ließ sich eine ganze Kosmologie begründen: Alfred North Whitehead, Process and Reality: An Essay in Cosmology, 1929, Edition London 1979. Sogar die interdisziplinär sonst spröde Ökonomie zeigte sich beeindruckt: “Income is a series of events. According to the modern theory of relativity the elementary reality is not matter, electricity, space, time, life or mind, but events” – so Irving Fisher, The Theory of Interest, 1930, Reprint New York 1970, S. 3f.; und für entsprechende Zweifel an der Gleichgewichtstheorie Ralph William Souter, Prolegomena to Relativity Economics, New York 1933. Zunächst jedoch blieb es überwiegend bei der “Lust …, Antworten zu hören, die früher weder gefragt noch erwünscht, auch nur diskutierbar waren …“, Bloch, a.a.O., S. 342.
12
Dass sich hieraus eine neue theoretische Grundlegung der Soziologie gewinnen lässt, belegt eindrucksvoll Niklas Luhmann, Soziale Systeme: Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 1984
13
Kybernetik: Regelung und Nachrichtenübertragung im Lebewesen und in der Maschine, dt. Düsseldorf und Wien 1963, S. 30
14
Die Geschichte der Kybernetik unter diesem Gesichtspunkt wäre noch zu schreiben. Ein Roman lotet die Untiefen dieses Zeitalters des Todes aus: Thomas Pynchon, Die Enden der Parabel, dt. Reinbek b. Hamburg 1981. Aber vgl. auch die Arbeiten von Paul Virilio.
15
Die Spannweite des Beginns der Kybernetik wird dokumentiert von den Konferenzen der Josiah Macy Jr. Foundation, New York, an denen von 1946 bis in die Mitte der fünfziger Jahre Anthropologen wie Margaret Mead und Gregory Bateson, der Mediziner Frank Fremont-Smith und Mathematiker und Logiker wie Warren S. McCulloch, John von Neumann, Norbert Wiener und Heinz von Foerster teilnahmen. Cf. die ab 1949 von von Foerster und anderen herausgegebenen Tagungsbände unter dem Titel Cybernetics: Circular Causal and Feedback Mechanism in Biological and Social Systerns,.Transactions
16
Wiener, a.a.O., S. 37
17
Joseph Weizenbaum, Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft, dt. Frankfurt am Main 1977, S. 329. Zur Perversion der Kybernetik vgl. auch Edgar Morin, La 11Uthode, t. 1, Paris 1977, S. 236ff. mit Hinweisen auf die zur Rehabilitiening der Kybernetik geeignete Rolle des Prinzips des positiven Feedbacks, der Abweichungsverstärkung.
18
Vgl. hierzu und zum Folgenden Joachim Ritter, Hegel und die französische Revolution, Frankfurt am Main 1965, 1972. Dass Hegel mit dieser Lösung den Schmerz zum System erhebt, vermutet mit Bataille Jacques Derrida, die Schrift und die Differenz, dt. Frankfurt am Main 1972, S. 380ff. und wendet dagegen die différance, den verschiebenden Aufschub, des Lachens. Zumindest gelingt es dem Lachen, gegen die Insistenz auf der einen fundierenden Differenz von Subjektivität und Objektivität die Relevanz der vielen Differenzen, der Differenz der Differenzen, ins Spiel zu bringen.
19
Was nicht ausschließt, dass nach Hegel Theorien mit Differenz einsetzen, siehe etwa Darwins Fundierung der Evolutionstheorie auf der Differenz von Variation und Selektion. Theoretische Versuche, ein Verständnis der Differenz zu entwickeln, setzen meist an der Vermeidung von Identität an. So zum Beispiel Alfred Korzybski fast emphatisch im Vorwort zu Science and Sanity: An Introduction to Non-Aristotelian Systems and General Semantics. Lakeville, Connecticut 1933, 4. Aufl. 1958, S. xxxiv: “As a matter of fact we live in a world in which non-identity is as entirely general as gravitation, and so every identificalion is bound to be in some degree a misevaluation.” Ähnlich auch Theodor W. Adorno, der in seiner Einleitung zur Negativen Dialektik, Frankfurt ans Main 1973, um des Objektes willen ein “konsequente(s) Bewußtsein von Nichtidentität” (S. 17), ja sogar einen Abschied vom Satz vom ausgeschlossenen Dritten fordert, dann allerdings eine Möglichkeit zur Versöhnung mit dem Objekt nur in der rhetorischen Figur der amplificatio erkennen kann, das heißt in dem Versuch, “Sache und Ausdruck bis zur Indifferenz einander zu nähern“(S. 66).
20
Ökologie des Geistes, dt. Frankfurt am Main 1981, S. 408; cf. ebd., S. 353, 488, 580ff.
21
N.M. Vaz sind F.J. Varela, Self and Non-Sense: An Organisrn-Centered Approach to Immunology, in: Medical Hypotheses 4, 1978, S. 231-267
22
Zum Aufmerksamkeitswert der Sprache vgl. Niklas Luhmann, Soziale Systeme: Grundriß einer allgemeinen Theorie, Frankfurt am Main 1984, S. 209f. und systematisch zu Differenz und Information ebd., S. 100f., 111ff. et passim.
23
An den Worten fiel die konstitutive Funktion der Differenz entsprechend sehr früh schon auf: “dans la langue il n’y a que des différences.” Ferdinand de Saussure, Cours de linguistique generale, Edition Paris 1972, S. 166
24
Luhmann, a.a.O., S. 112. Diese Entscheidung wird gestützt durch die Grundlegung einer algebraischen Logik von George Spencer-Brown, Laws of Form, 1969, New York 1979, die nur mit ‚distinction‘ und ‚indication‘ arbeitet.
25
“We see what we see because we miss all the finer details.” A. Korzybski, a.a.O., S. 376 mit dem Hinweis auf die Unausweichlichkeit der Selektion. Selektivität wird zuweilen missverstanden als Alibi des Übersehens anderer Möglichkeiten, die dann als wichtiger behauptet werden. Tatsächlich ist die Selektion Voraussetzung jedes Sehens und kann nur einer anderen Selektion konfrontiert werden.
26
Ihr Zentrum war das Biological Computer Laboratory in Urbana, Illinois, 1956 von dem in Wien gebürtigen Heinz von Foerster gegründet. Für einen Überblick vgl. das Sonderheft zu Ehren Heinz von Foersters, Cybernetics Forum 9, Fall 1979. Mitarbeiter waren unter anderem Ross W. Ashby, Gotthard Günter, Lars Löfgren. Humberto R. Maturana und Gordon Pask.
27
Vgl. etwa Heinz von Foerster, On Cybernetics of Cybernetics and Social Theory, in: G. Roth und H. Schwegler, Hrsg., Self-Organizing Systems: An Interdisciplinary Approach, Frankfurt am Main 1981, S. 102-105; und ders., Observing Systems, Seaside Cal. 1981. Und mit Hinweis auf die dann folgenreiche Umstellung auf Selbstreferenz Ranulph Glanville, The Form of Cybernetics: Whitening the black box, in: General Systems Research: A Science, a Methodology, a Technology. Annual North American Meeting Papers, Louisville 1979, S. 35-42.
28
Und das erschöpft sich nicht darin, dass sie auch zu positivem Feedback, also Abweichungsverstärkung fähig sind: Magoroh Maruyama, The Second Cybernetics: Deviation-Amplifying Mutual Causal Processes, American Scientist 51, 1963, S.164-179. Zu Begriff und Konzept der Trivialmaschine und Nicht-Trivialmaschine vgl. Heinz von Foerster, Principles of Self-Organization – In a Socio-Managerial Context, in: H. Ulrich, G.J.B. Probst, Hrsg., Self-Organization and Management of Social Systems, Berlin etc. 1984, S. 2-24
29
“… l’essentiel reste le système des rapports. Il est toujours celui de l’höte à l’hôte.” Michel Serres, Le parasite, Paris 1980, S. 15
30
Heinz von Foerster, Kybernetik einer Erkenntnistheorie, in: W.D. Keidel, W. Händler und M. Spreng, Hrsg., Kybernetik und Bionik, München und Wien 1974, S. 27-46
31
Heinz von Foerster, a.a.O., S. 32f. Noch einmal die Folgerung daraus: “Nous avons des yeux pour ne pas voir, des oreilles pour ne pas nous entendre. L’observateur n’observe rien, ou presque.” Michel Serres, Le point de vue de la bio-physique, Critique 32, 1976, 265-277 (271)
32
Humberto R. Maturana, Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit, dt. Braunschweig und Wiesbaden 1982,-S. 28. Zu den Folgerungen für ein traditionelles Außenverhältnis von Systemen, nämlich für Lernen, vgl. ders., Reflexionen: Lernen oder ontogenetische Drift, Delfin 1/1I, 1983, 60-71.
33
Neben den Arbeiten von Maturana, vgl. Francisco J. Varela, Principles of Biological Autonomy, New York und Oxford 1979; Gerhard Roth, Biological Systems Theory and the Problem of Reductionism, in: G. Roth, H, Schwegler, Hrsg., a.a.O. (Anm. 27), S. 106-120
34
Peter M. Hejl, Sozialwissenschaft als Theorie selbstreferentieller Systeme, Frankfurt am Main und New York 1982; Niklas Luhmann, a.a.O. (Anm.22)
35
Niklas Luhmann, Autopoiesis des Bewußtseins, Ms. 1985
36
Niklas Luhmann, Autopoiesis, Handlung und kommunikative Verständigung, Zeitschrift für Soziologie 11, 1982, S. 366-379 (S. 368, Anm. 9)
37
Vgl. etwa Paul Virilio, Esthétique de la disparition, Paris 1980. Die verführerischen Fähigkeiten des verschwundenen, nur noch aus eigenartigen Zeichen erschließbaren Gegenstandes erkundet Jean Baudrillard, Les strategies fatales, Paris 1983.
38
Denn: “Le parasite est l’être de la relation.” Michel Serres, a.a.O. (Anm. 29), S. 107. “… je dois passer par un milieu avant que d’arriver au bout“, ebd., S. 85, und wer weiß, was mir dort alles zustoßen kann.
39
Occam’s Adventures in the Black Box (A Wonder Land), in: G.E. Lasker, Hrsg., Proceedings of the International Congress on Applied System Research and Cybernetics, Acapulco 1980, Vol. 6, New York 1981, S. 627-632 (627). “… a Black Box is understood as being, in the minimal case, two Signals which are unequal on a least one occasion and which are taken to be unequal through the action of some unknowable that causes the change…”. “… Black means unknown and unopen to investigation…” (ebd., S. 627, S. 628)
40
George Spenccr-Brown, a.a.O. (Anm. 24), behandelt dieses Problem als re-entry der Differenz. Ranulph Glanville und Francisco J. Varela, Your inside is out and your outside is in, in G.E. Lasker (Hrsg.), a.a.O. (Anm. 39), S. 638-641, kommentieren, dass genau dies den Gegenstand für jeden anderen unerreichbar macht. Denn wie er sich als Differenz verfügbar ist, so ist er nur für sich verfügbar. Dies zwingt noch einmal zur Unterstellung von black boxes. Vgl. auch Paul Valery, L’idee fixe, Paris 1934, S. 97: “Oui, je distingue… C’est le propre de…moi!” (Pünktchen im Original)
41
Grundlegend und glänzend dazu Ranulph Glanville, Inside every white box there are two black boxes trying to get out, Behavioral Science 27, 1982, S. 1-11. Daraus folgt dann: “Alle Transparenz, die zu gewinnen ist, ist dann Transparenz der Interaktion mit dem Objekt und der dazu nötigen Deutungen.” Niklas Luhmann, a.a.O. (Anm. 22), S. 657.
42
Um den erforderlichen Spielraum zu gewinnen, schlägt Heinz von Foerster, The curious behavior of complex systems: Lessons from Biology, in: H.A. Linstone, W.H. Clive Simmonds, Hrsg. Futures Research: New Directions, Reading, Mass. 1977, S. 104-113 (113), die Umstellung des ethischen Imperativs von “Do Not” auf “Do” vor: “Act always so as to increase the number of choices.”
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