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Was leistet der Radikale Konstruktivismus für die Literaturwissenschaft?

Gehrke R. (1994) Was leistet der Radikale Konstruktivismus für die Literaturwissenschaft? Deutsche Vierteljahrsschrift für Literaturwissenschaft und Geistesgeschichte 68(1): 170–188. Available at http://cepa.info/3915
Table of Contents
I
II
III
IV
V
VI
VII
Der Radikale Konstruktivismus erhebt den Anspruch, die Literaturwissenschaft unter das Postulat einer biologisch fundierten Erkenntnistheorie zu stellen. Die Akzente der kritischen Analyse ergeben sich aus den Spezifika dieses Kognitionsmodells. Sie beziehen sich auf die empirische Methode, die konstruktivistische Terminologie und auf das konstruktivistische Verhältnis zur ästhetischen Form.
Radical Constructivism bases the study of literature on an epistemology derived from biology. The peculiar emphasis of its critical analyses results from the specificity of the model of cognition it adopts. Its specificity lies in its empirical method, in the constructivist terminology and construction of the relationship to aesthetic form.
Was sich gebärdet, als zerstöre es die Fetische, zerstört einzig die Bedingungen, sie als Fetische zu durchschauen. (Theodor W. Adorno)
“Ein neuer ‘radikaler’ Konstruktivismus macht von sich reden. Einige aufregende Formulierungen kommen druckfrisch aus der Presse – und schon gilt die Sache als etabliert. So schnell muß es heute gehen. Man erfährt etwas über das
Eingeschlossensein des Gehirns und über die Autopoiesis des Lebens. Man wird darüber belehrt, daß man nichts sehen kann, was man nicht sehen kann. Man wird über Sachverhalte unterrichtet, die man immer schon gewußt hat – aber in einer Weise, die das Gewußte in ein neues Licht versetzt und neue Anschlußüberlegungen ermöglicht, die viel radikalere Konsequenzen haben, als bisher für möglich gehalten wurde.”[Note 1] Mit diesen Sätzen macht der Soziologe Niklas Luhmann auf ein Theoriespektrum aufmerksam, das in den letzten Jahren nicht nur den literaturwissenschaftlichen Diskurs nachhaltig beeinflußt, sondern eine Reformulierung der Paradigmen sowohl in den Geisteswissenschaften als auch in den Naturwissenschaften anstrebt. Die Expansion dessen, was sich unter dem Sammelbegriff “Radikaler Konstruktivismus” zu Wort meldet, läßt darauf schließen, daß dieses Theoriengeflecht – als vermeintlich innovative Perspektive innerhalb des Wissenschaftsbetriebs – einen nicht unerheblichen Statusgewinn zu verzeichnen hat.
Auf dem Feld der Literaturwissenschaft sind es vor allem der an der Universität/Gesamthochschule Siegen lehrende Siegfried J. Schmidt und die sich um ihn formierende Gruppe NIKOL, die unter der Bezeichnung “Empirische Literaturwissenschaft” konstruktivistische Theoreme operationalisieren. Das, was aus dieser Richtung auf die Germanistik zielt, tritt mit ungleich höherem Anspruch auf als alle anderen literaturtheoretischen Positionen, weil es nicht nur die Hermeneutik aus der Wissenschaft zu eliminieren trachtet, sondern, wie ein namhafter Konstruktivist ankündigt, sämtliche Konzeptionen einer vernunftgeleiteten Erkenntnistheorie auf den Müllhalden der Geistesgeschichte entsorgen will.[Note 2] Es geht den Radikalen Konstruktivisten mithin um nicht weniger als einen Paradigmenwechsel, der – vorrangig in den Geisteswissenschaften – “zur Entwicklung einer empirisch begründeten Alternative zum neuzeitlichen Wissenschaftspositivismus”[Note 3] führen soll, wobei sie sich bei der Durchsetzung ihres erklärten Zieles gegenüber anderen Ansätzen, wie sich im folgenden zeigen wird, wenig kompromißbereit zeigen.[Note 4]
Wenn man sich anschickt, eine wissenschaftliche Position kritisch zu rezipieren, sollte man selbst einen ausgewiesenen Standort haben. Um dem zu genügen, sei auf die literaturtheoretischen Reflexionen verwiesen, die meine Untersuchungen zu autobiographisch akzentuierten Werken der deutschen Gegenwartsliteratur präludieren. Argumentiert wird in der Studie auf der Grundlage einer historisch-kritischen Hermeneutik, die die von Peter Bürger eingeführte Kategorie “Institution Literatur” für die Befragung nachmoderner Prosa operationalisiert. Damit stellen sich die Maßstäbe, die dort angelegt werden und hier zur Fundierung der Kritik ausgewiesen sind, in den Traditionszusammenhang der “Kritischen Theorie.”[Note 5]
Vorausgeschickt sei, daß das, was sich unter dem Paradigma “Radikaler Konstruktivismus” zu einer Theorie mit Absolutheitsanspruch formiert, wie Schmidt selbst einräumt, keine “brandneue Theorie”[Note 6] ist, sondern in der Tradi‑tion empirisch ausgerichteter Wissensaneignung steht (philosophisch: Bacon, Hume; wissenschaftstheoretisch: Popper). Der entscheidende Unterschied zum Empirismus herkömmlicher Prägung – das aus konstruktivistischer Sicht eigentlich Neue – besteht darin, daß dessen Wortführer und Exponenten meinen, die faustische Klage, “daß wir nichts wissen können,” zur erkenntnistheoretischen Basis aller Wissenschaft erheben zu können. Ausgehend von neurobiologischen Kognitionsmodellen wird die Basis neuzeitlicher Wissenschaft, die Trennung von objektiver Gegebenheit und subjektiver Anschauung, aufgekündigt und statt dessen ein Erkenntnismodell postuliert, das die Realität als einen ontologischen Kosmos, auf den wir wahrnehmend reflektieren, negiert und das, was wir gemeinhin unter Aneignung der Welt verstehen, als pure Wirklichkeitskonstruktion bestimmt. Kurz formuliert lautet die von den chilenischen Biologen Humberto Maturana und Francisco J. Varela, die sozusagen als Gründerväter des Radikalen Konstruktivismus gelten, entwickelte These: Es gibt keine Gegenstände der Erkenntnis. Was wir als Realität bezeichnen, sind Übersetzungen der Welt, Erfahrungswirklichkeiten oder subjektiv generierte Wirklichkeitskonstruktionen bzw. Modelle.[Note 7]
Eine solche ‘Revolutionierung’ der Erkenntnistheorie muß Konsequenzen haben für den wissenschaftlichen Diskurs, und zwar nicht nur innerhalb einzelner Disziplinen, sondern übergreifend, denn der Anspruch des Radikalen Konstruktivismus erstreckt sich nicht nur auf die Geisteswissenschaften, sondern die Absage an die Vorgabe einer objektiv faßbaren Wirklichkeit erschüttert auch das Vertrauen in die mathematische Logik der Naturwissenschaften. Das eigentliche Ziel ist nicht mehr und nicht weniger als eine Neubegründung wissenschaftlichen Denkens und Handelns unter den Voraussetzungen konstruktivistischer Prämissen, die wiederum einer biologisch begründeten Kognitionstheorie verpflichtet sind, die als eine universale Theorie des Erkennens, wie sie z.B. Edgar Morin fordert, [Note 8] den Sockel dieser im exakten Wortsinn postmodernen Wissenschaft bilden soll. Im Hintergrund dessen, was die Verfechter des Radikalen Konstruktivismus als interdisziplinären Diskurs in Aussicht stellen, scheint also doch wieder der verlockende Gedanke einer Einheitswissenschaft auf, die die membra disiecta der massenkulturell bebilderten Unübersichtlichkeit des Weltzustands zur Totalität zusammenziehen soll. Solche Absolutheitsansprüche – und seien sie von noch so hehren Prinzipien geleitet[Note 9] – müssen jeden kritischen Geist stutzig machen. In diesem Sinn ist jeder, der das Programm der Aufklärung noch nicht ad acta gelegt hat und der – philosophisch oder wissenschaftlich – die Sache der Vernunft vertritt, aufgefordert, sich an der Debatte zu beteiligen.
I
Indem der Radikale Konstruktivismus einem Materialismus folgt, der Geistiges konsequent Gehirnvorgängen gleichsetzt, verabschiedet er sich brüsk von dem, was philosophisch unter humanitas verhandelt wird, und erklärt sowohl Wahrnehmung als auch alle Formen der Interaktion anhand strukturell determinierter Gesetzmäßigkeiten synaptischer Verbindungen. Die Vorstellung, Menschen seien grundsätzlich anders als die übrigen Lebewesen beschaffen, wird ignoriert, weil dies dem kognitionstheoretischen Fundamentalismus, dem sich alles unmittelbar aus der biologischen Konstitution der Organismen ergibt, nicht fügt. Von der Idee des Individuums bleibt im Zuge der Naturalisierung der Geisteswissenschaften nicht viel übrig. Menschen werden zu bloßen Bezugspunkten innerhalb operational geschlossener Systeme, in denen lediglich die’ Erhaltung der Funktionalität von Interesse ist, die ihnen als Sende- und Empfangsapparat bedingter Reflexe noch abverlangt wird. Um zu ermessen, wohin die wissenschaftliche Aufbereitung eines nach naturgesetzlichen Prinzipien konstruierten Menschenbildes führen kann, sei auf die gesellschaftstheoretischen Konsequenzen verwiesen, die der Radikale Konstruktivismus aus seinem Kognitionsmodell zieht. Entsprechend der Vorstellung des Menschen, die dessen Identität mit der “Identität der Ameise” auf eine Stufe stellt,[Note 10] sind auch soziale Systeme strukturell determinierte geschlossene Systeme, deren Mitglieder immer auf die Erhaltung des Ganzen verpflichtet sind. Das erste Verhaltensgebot heißt folglich “Angepaßtheit,” andernfalls droht diesem Denken zufolge “Zerfall und Tod.”[Note 11] Entsprechend einer Soziallehre, die allein auf das Überleben des Systems zielt, wird “Negation” jeglicher Art (also Kritik, abweichendes Verhalten etc.) als “ethischer Fehler” eingestuft,[Note 12] den es zu korrigieren gilt. Mitglieder einer Gesellschaft, die sich nicht an die Systemregeln halten, gelten als “Heuchler oder Parasiten”[Note 13] . Solche Formulierungen sprechen gewiß für sich und erinnern fatal an jene ‘Volksgemeinschaft’, die den NS-Staat getragen hat. An diese historischen Zusammenhänge wird wohl auch Peter M. Hejl, der selbst zum Kreis des Radikalen Konstruktivismus gehört, gedacht haben, wenn er Maturanas ‘Sozialtheorie’ mit dem Hinweis zu relativieren versucht, daß seine enge Definition “zu einem Biologismus führt und damit die bekannten ideologischen Konsequenzen haben kann.”[Note 14] Ja, man könnte sogar dem versöhnlichen Gedanken nachgeben, das Ganze als den gescheiterten Versuch eines Biologen, Gesellschaftliches zu denken, herunterzuspielen, wenn sich der entscheidende Zug dieses neu aufgelegten Sozialdarwinismus – diese laut Adorno “käferhaft naturgeschichtliche Sorge,”[Note 15] die auf Totalität zielt – nicht in den Ansprüchen, die der Radikale Konstruktivismus in die einzelnen Wissenschaftsdisziplinen hineinträgt, wieder- finden ließe. So sind die maßgebenden konstruktivistischen Literaturwissenschaftler bereit, Maturanas Kognitionstheorie unter vorbehaltloser “Berücksichtigung der ethischen Konsequenzen” zu übernehmen und sehen dementsprechend das höchste Ziel ihrer Wissenschaft in “der langfristigen Sicherung des Überlebens der Art”[Note 16] (sic).
II
Wer meint, die empirische Literaturwissenschaft habe sich in einer radikalen Wendung vom ‘Subjektivismus’ des Interpretierens verabschiedet, sieht sich getäuscht. Während die kompromißlosen Kritiker der interpretierenden Diszipli‑nen nicht müde werden, diese zu nötigen “sich endgültig von Wissenschaftsansprüchen zu entlasten,”[Note 17] schlagen sie parallel dazu die Volte, die Verwertung des angeblich nutzlosen hermeneutischen Instrumentariums in eigene Regie zu nehmen – wohl wissend, daß sie auf die Qualitäten dieser universellen Methodik nicht verzichten können. Die Wortführer des empirischen Programms kleiden dieses Mannöver noch in uneindeutige Formulierungen, wenn sie etwa “die expertenhaften Deutungen, Wertungen und Erläuterungen” des “literary criticism” für ihre Projekte nutzen wollen[Note 18] oder in Aussicht stellen, “die Phantasie- und Kreativitätspotentiale der literaturinterpretierenden Kollegen und die erfahrungswissenschaftlicher Kollegen”[Note 19] zusammenzuführen. Die forschungspraktisch denkenden Konstruktivisten äußern sich da schon dezidierter. So hat das Interpretieren aus der Sicht Bernd Scheffers zumindest eine vorbereitende Funktion für die “rationalen Verfahren der empirischen Wissenschaft” und “ist wesentlich für die Kreativität der Theoriebildung und Hypothesenformulierung”[Note 20] , und ein weiterer mit Problemen der Praxis beschäftigter Kollege macht sich keine Illusionen darüber, daß die auf empirischem Wege erzielten “objektivierten Resultate/Daten … dann wiederum der Interpretation in Hinsicht auf ihre ethischen und gesellschaftlichen Implikationen und Relevanzen sowie für erneute Hypothesenbildung weiterführender Forschungen”[Note 21] bedürfen. Somit trifft grundsätzlich zu, was Blaudzun/Staszak gegen die Empirische Literaturwissenschaft einwenden: “Die etwa von den Empirisierungsprogrammen angestrengten Versuche, die Interpretation durch eine soziologisch exakte Ermittlung von Rezeptionsdaten zu ersetzen, sie damit als unwissenschaftlich aus der Disziplin auszugrenzen und ihr bestenfalls eine heuristische Funktion für das soziologische Verfahren zuzusprechen, übersehen, daß genau jene Rezeptionsdaten nur zu ermitteln sind unter der Voraussetzung einer theoretisch gesicherten Vorstellung des jeweiligen Werkes, die wiederum nur durch literaturwissenschaftliche Werkerkenntnis, also durch Interpretation zu gewinnen ist.”[Note 22] Das Verhältnis der konstruktivistischen Empirik zur Interpretation wird also nicht bestimmt durch Ablehnung, sondern durch Vereinnahmung.
III
Eine der größten Schwierigkeiten, denen sich Radikale Konstruktivisten zu stellen haben, erkennt Schmidt darin, “eine angemessene Sprache für ihre Überlegungen zu finden”[Note 23] , was wenig verwunderlich ist, wenn man bedenkt, daß die empirische Literaturwissenschaft einer Erkenntnistheorie verpflichtet ist, die Denkprozesse unabhängig von Sprache beobachten will und konstatiert, “daß es keine Informationsübertragung durch Sprache gibt”[Note 24] . Damit hat sich das Kognitionsmodell von vornherein des Instruments beraubt, das überhaupt erst wissenschaftliche Deskription ermöglicht, und bringt sich damit in eine Position, die für eine überzeugende Argumentation bzw. Beweisführung kaum geeignet ist. Maturana, der Urheber dieser sprachtheoretischen Aporie, behilft sich mit dem Konstrukt eines “metasprachlichen Bereichs,” in dem Sprache per Definition mit Inhalt aufgeladen und dem aus erkenntnistheoretischer Not “Objektivität qua Beschreibungsinhalt” zugestanden wird. Natürlich weiß auch ein Radikaler Konstruktivist, daß die “Logik von Metabeschreibungen” ein “Substrat” erfordert, “in dem die beschriebenen Phänomene stattfinden können,” aber über die Beschaffenheit des Substrats kann er dann nicht viel mehr sagen, “als daß seine relationale Struktur im irgendeiner Weise isomorph sein muß mit der relationalen Struktur des Bereichs der Beschreibungen.”[Note 25] Könnte es nicht sein, daß das Vokabular, das hier benutzt wird, dazu dient, die Einsicht abzuwehren, daß alle Begriffe auf “Nichtbegriffliches” gehen, weil sie, wie Adorno folgert, “ihrerseits Momente der Realität sind, die zu ihrer Bildung – primär zu Zwecken der Naturbeherrschung – nötigt”?[Note 26] Die Negation einer solchen Genealogie des Begrifflichen, das die sprachlichen Beziehungssysteme quasi anthropologisch fundiert, als Teil einer Allgemeinheit, die man naturgeschichtlich als Empirie festlegt, geschieht laut Adorno nicht ohne Grund: “Der Vorstellung des Begriffs als einer tabula rasa [die qua Definition beliebig aufzufüllen ist] bedarf die Wissenschaft, um ihren Herrschaftsanspruch zu festigen, als den der Macht, die einzig den Tisch besetzt.”[Note 27] Genau das muß man vermuten, wenn Maturana einzig dem konstruktivistischen “Beobachter” zugesteht, “im Prinzip immer einen metasprachlichen Bereich im Bezug auf seine gegenwärtigen Umstände” zu “definieren und so” zu “operieren, als wenn er im Verhältnis dazu extern wäre”[Note 28] . Dieses Zitat, das für das angewandte Prinzip nur beispielhaft steht, deutet darauf hin, daß das konstruktivistische Verlangen nach strikten Definitionen dazu herhält, in bezug auf die Sprache ein ähnliches Manöver zu decken, wie wir es schon im Zugriff auf die Interpretation ausge‑macht haben: Zuerst wird allen Begriffen, die sich aus dem allgemeinen Lexikon gewinnen lassen, die Wissenschaftsfähigkeit abgesprochen und im gleichen Zug der, auf einer sogenannten metasprachlichen Ebene terminologisch verwandelten, eigenen Begrifflichkeit eine operationale Objektivität zugestanden, die man zuvor aller anderen Wissenschaft ausgeredet hat. Der hohe terminologische Aufwand, den die konstruktivistische Theorie und Methodologie betreibt, ist unter diesem Aspekt betrachtet, nicht allein “Selbstzweck,” wie Fricke in seiner sprachkritischen Replik auf den empirischen Ansatz einwendet, [Note 29] sondern dient dazu, erstens das behauptete Mehr an Wissenschaftlichkeit zu rechtfertigen und zweitens zu verschleiern, daß der konstruktivistische Ansatz tatsächlich eben den Beobachterstandort zu seinem objektiv gegebenen Gegenstand einnimmt, den er aufgrund seiner biologistischen Erkenntnislehre verleugnen muß.
Wie der Radikale Konstruktivismus innerhalb einer empirischen Literaturwissenschaft Begriffshülsen konstruiert, um einen hohen Grad an Komplexität und Differenziertheit zu suggerieren, hat Fricke hinreichend belegt.[Note 30] Eine andere Strategie der konstruktivistischen Terminologie besteht in der systematischen Umbenennung von bereits eingeführten Begriffen geisteswissenschaftlicher Methodologie, um den Eindruck zu erwecken, man mache etwas ganz anderes – revolutionär Neues. Was gemeinhin als Faktum bezeichnet wird, nennt sich nun “basaler Eckwert,” Wirklichkeit wird zur “konsensuellen Realität,” für das, was das gemeine Forschervolk unter Denken faßt, werden zwei Varianten zur Auswahl gestellt – einfaches Nachdenken gilt als “neuronale Verrechnungsarbeit,” während kompliziertere Vorgänge schon eine “neuronale Netzwerkaktion” darstellen – ‘ Worte sind nicht einfach Worte, sondern “basale Verhaltenskoordinationen” und schlichte Anpassung mindestens eine “strukturelle Kopplung.”
In seiner Tendenz entspricht der Duktus, der hier gewichtig ein System begründet, einem Sprachstil, dessen Gestelztheit vor der Unannehmlichkeit beschirmt, sich klar zur Sache zu äußern, und der es doch erlaubt, ein vermeintliches Expertenwissen zu reklamieren. Allerdings liegt in der Natur einer Terminologie, der es mehr um Verpackung geht als um Gehalt, die Gefahr begründet, im Unsinn zu landen, z.B. dort, wo Schmidt einen neuen Gedanken mit dem Pleonasmus einleitet, er sei “subjektiv der Meinung”[Note 31] … Pleonastische Wendungen sind im übrigen nicht untypisch für den Radikalen Konstruktivismus, sie dienen dazu, das Theoriegebilde apodiktisch zu verstärken, so daß aus den Sätzen der Imperativ herausschaut: ‘Nimm an, was ich sage!’ – wie z.B. an der Stelle, wo mit Hilfe der redundanten Begriffsformation “intrinsische Isomor‑phie”[Note 32] der einfache Sachverhalt zum Ausdruck gebracht werden, daß der Radikale Konstruktivismus ein sprachliches Verhalten nur dann für konsensfähig erachtet, wenn es dem Sprachgebrauch des Herrschenden entspricht.
Eine wesentliche Funktion der konstruktivistischen Terminologie besteht darin, daß sie der dem technokratischen Bewußtsein immanenten Forderung entgegenkommt, Geistiges müsse sich nach dem richten, was die Technik als Fortschritt vorgibt. Insbesondere mit Hilfe marktgängiger Topoi – “Hardware,” “Software,” “Kompatibilität,” “Programmanwendung,” “Zapping,” “Output,” “Input” etc. – stellt sich diese Form des wissenschaftlichen Kommunizierens demonstrativ in Einklang mit der auf Schnelligkeit und Operationalität ausgerichteten digitalisierten Datenverarbeitung. Nicht insgeheim, sondern offen ist diesem Bewußtsein die Computerlogik, die Entscheidungen immer auf das Ja oder Nein zu vorgegebenen Befehlen reduziert, zum ersehnten Vorbild der Geisteswissenschaft geworden, und die Digitalisierung der Erfahrung, die den kritischen Geist außer Kraft setzt, ist sein Programm: “Das Er-leben von Welt und die Verarbeitung solcher Er-lebnisse wäre gewissermaßen so etwas wie ein rückgekoppelter Output eines basal vorprogrammierten und sich selbst programmierenden Systems aus kognitiver Software und neurophysiologischer Hardware.”[Note 33] Wer Erfahrung so definiert, dem ist auch Literatur nur insoweit wichtig, als sie sich im “Programm Kultur” als unterhaltsame “Software” anwenden läßt.[Note 34]
IV
Der Radikale Konstruktivismus versteht sich als eine exakte Wissenschaft zur Konstruktion überprüfbaren Wissens. Demgemäß unterscheidet sich die konstruktivistisch ausgerichtete Empirische Literaturwissenschaft von einer hermeneutischen grundsätzlich in ihren Methoden. Reflexive und deskriptive Verfahren werden als unwissenschaftlich abgelehnt, statt dessen “alle Methoden von der philologischen Editionstechnik bis zu statistischen Methoden der empirischen Sozialforschung” verfügbar gemacht.[Note 35] Zwar stützt sich die “konstruktivistische Umorientierung wissenschaftlicher Forschung”[Note 36] auf die Methodologie einer empirischen Sozialwissenschaft, teilt jedoch ebensowenig deren Verständ‑nis von Empirie (als ontologischer Größe), wie sie die Kategorie Objektivität anerkennt. Diese wird ersetzt durch Intersubjektivität, “das Programm der kulturellen Einheitlichkeit der Wissenschaftler, die sich auf bestimmte Kategorien zur Beurteilung der als wissenschaftlich geltenden Konstrukte geeinigt haben und andere in diesem Sinne sozialisieren.”[Note 37] Bezeichnenderweise wird nach diesem Wissenschaftsverständnis Nichtwissen nicht als ein Fehler des Beobachters betrachtet, sondern als “eine soziale Störung.”[Note 38] Gestört sind aus der Sicht des Radikalen Konstruktivismus alle, die sich nicht nach ihm richten, mit Ausnahme der Systemtheoretiker (weiteres dazu im Abschnitt VII.). Intersubjektivität bedeutet also zunächst einmal, daß auf “konsensuelle Bereiche als sozial akzeptierte Wirklichkeiten”[Note 39] rekurriert wird, was nichts anderes heißt, als daß der Forscher sich einer konstruierten Kollektivität zuordnet, die ebenso abstrakt wie diffus bleibt und deren unabdingbare Notwendigkeit darin besteht, mit der herrschenden sozialen und politischen Ordnung im Einklang zu stehen. Das übergeordnete Forschungsziel des Radikalen Konstruktivismus besteht also in der sichernden Überprüfung des status quo. Kritik und Veränderung sind per se ausgeschlossen, denn nach dem Reglement autopoietischer Systeme, auf die sich die Theorie des Radikalen Konstruktivismus stützt, können konsensuelle Bereiche nur durch “strukturelle Kopplung” (was wir mit Anpassung übersetzt haben, s.o.) herausgebildet werden.[Note 40] Auf dieser ersten Ebene wird Intersubjektivität so weit gefaßt, daß auch die naturhaften, z.B. genetisch fundierten Bedingungen des gelingenden Miteinanders von Lebewesen darunter fallen – korrespondierend mit Maturanas Vorstellung von der Intersubjektivität der Ameisen (s.o.) – ; auf einer zweiten Ebene wird Intersubjektivität, verbunden mit der Forderung nach interpersonaler Verifizierbarkeit und intersubjektiver Vermittelbarkeit des erworbenen Wissens, als Informationskontrolle wiederum sehr eng gefaßt.[Note 41] Natürlich wissen auch Wissenschaftler wie Schmidt, Rusch und Scheffer, daß eine kontinuierliche Gewährleistung intersubjektiver Kontrolle “uns zu gestörten Tausendfüßlern”[Note 42] machen würde. Eine solche intersubjektive Praxis ist also weder durchführbar noch wirklich vorgesehen. Intendiert ist eine Forschung, die sich explizit in den Dienst eines vergeblichen consensus omnium stellt und deren Ergebnisse nichts anderes als den “Durchschnittswert individueller Reaktionsweisen”[Note 43] ausmachen, was also nicht viel mehr repräsentiert als ein bloßes Abziehbild jeweiliger Machtverhältnisse. Die Forderung nach Intersubjektivierbarkeit soll mithin die Kontrolle über das sichern, was Herbert Schnädelbach “das vernunftfreie Spiel der Meinungen und Signifikanten” nennt, hinter dem “der Nihilismus bloßer Machtverhältnisse”[Note 44] drohe. Wer nun meint, daß eine Wissenschaft, die nach konstruktivistischen Regeln verfährt, von der Subjektdependenz des Wissens enthoben sei, dem sei mit Adorno in Erinnerung gerufen, daß “die Konstruktion der Wahrheit nach Analogie einer volonte de tous” sich nicht vom subjektiven Vernunftbegriff löst, sondern im Gegenteil seine “äußerste Konsequenz”[Note 45] ausmacht.
Hinter der Forderung nach Anwendbarkeit empirischen Wissens – das spricht bereits Schnädelbach an – steckt letztlich der Wille zur Anwendung von Wissen als Macht. Während Schmidt diesen Anspruch 1987 noch vorsichtig formuliert, wenn er feststellt, “Wissen heißt fähig sein, in einer individuellen oder sozialen Situation adäquat zu operieren,”[Note 46] so läßt er in seinem jüngsten “Gesprächsangebot” keinen Zweifel daran, was damit gemeint ist: “Wirklich ist, was sich als Wissen durchsetzt, und nicht etwas, was ontologisch objektiv ist.”[Note 47] D.h., die konstruktivistische Wirklichkeitsvorstellung zu operationalisieren, soll nichts anderes bewirken, als sie strategisch so aufzubereiten, daß sie über andere Wissenschaftskonzepte obsiegen kann. Das oberste Gebot, unter dem die konstruktivistische Umorientierung steht, heißt Anpassung; indem das positivistische Kriterium der ‘reinen’ Objektivität durch das konstruktivistische Ideal ‘reiner’ Operationalität ersetzt wird, versucht sich diese Wissenschaft den vom Zweckdenken beherrschten Rationalisierungsprozessen anzugleichen. Überdies begünstigt die Methodologie der Intersubjektivität traditionsauflösende Tendenzen, weil sie ein Erkenntnismodell operationalisiert, das die Konstruktion von Wahrheit dem vernunftfreien Floaten auf dem Meinungsmarkt überläßt, das es den Rezipienten erlaubt, sich auf alles ihre eigene Geschichte zu machen, die sich dann in die Mechanik der heutigen Welt einpaßt. Indem die konstruktivistische Wissenschaft ein Wissen propagiert, das nur “an Tätigkeiten und Handlungen”[Note 48] gebunden sein soll, verstärkt sie die latente Erinnerungstilgung, von der die von Marktgesetzen getragene Industriegesellschaft befallen ist, und fördert das, was Klaus Briegleb das “Ordnungsklima der Vergeßlichkeit”[Note 49] nennt. Im Verzicht auf das reflexive Moment beim Erwerb des Wissens degradiert sich der konstruktivistische Wissenschaftler zum bloßen Verwaltungsangestellten der Unübersichtlichkeit, dessen Tätigkeit sich im Sichten, Sammeln, Sortieren und wiederholenden Überprüfen von bereits Gewonnenem erschöpft und der im geschichtslosen Raum seiner Wirklichkeitsvorstellung die philosophische Einsicht vergißt, daß Kultur ein Zustand ist, “welcher Versuche, ihn zu messen, ausschließt.”[Note 50] Was er nach der Anwendung seines hochkomplexen Instrumentariums, der “Konfigurationsfrequenzanalysen” und der “mehrdimensionalen Kontingenztafeln,” in den Händen hält, ist ein hochgerechneter Wert von Reizen und Reaktionen, der mit Kunst nur so viel gemein hat, daß er künstlich zustande gekommen ist.
V
“Die konstruktivistische Basis der Empirischen Literaturwissenschaft verändert auch die Argumentationssituation in der Frage nach Literarizität und Fiktion,”[Note 51] was zu der den Leser nun nicht mehr überraschenden radikalen Konsequenz führt, daß “der Gegensatz zwischen Kunst und Wirklichkeit endlich als falsch”[Note 52] deklariert wird. Um die zu erhebenden Daten nach sozialwissenschaftlichem Muster operationalisieren zu können, wird die Unterscheidung von all‑tagssprachlicher Kommunikation und poetischer Rede für nichtig erklärt und die Eigenart des Ästhetischen, die eine Theorie der Kunst erst konstituiert, ignoriert. Damit läßt die Empirische Literaturwissenschaft nicht nur eine für die Analyse von literarischen Werken konstituierende sprachtheoretische Voraussetzung außer acht, daß nämlich kein Wort, das in die Dichtung eingeht, die gleiche Bedeutung behält, die es in der kommunikativen Rede besitzt, sondern entledigt sich gleichermaßen aller Fragen, die sich aus einer Anschauung der Werke von innen ergeben, wie die der immanenten Gesetzmäßigkeiten der poetischen Struktur, der Sprachgestalt, der erzählerischen, dramatischen oder lyrischen Technik etc., einschließlich der Überlegungen darüber, wie sich der Charakter eines Kunstwerks als fair social in seiner poetischen Gestalt konfiguriert. Konsequent schließt Schmidt solche Analysen aus, wenn er fordert, “nicht isolierte Texte zum literaturwissenschaftlichen Thema zu machen, sondern Prozesse, die an und mit Texten in einer Gesellschaft stattfinden.”[Note 53] Ersetzt wird somit die poetologische Untersuchung durch eine laut Adorno “zutiefst vorästhetische Sphäre,”[Note 54] die von jenen hochgerechneten Werten (s. o.) gefüllt wird, die zur Optimierung von Produktions-, Vermittlungs-, Rezeptions- und Verarbeitungsstrategien aufbereitet werden sollen. Dieser am Primat der Kosten-Nutzen-Frage ausgerichteten Wissenschaft ist ihr Gegenstand – die Literatur – ein Subalternes; während sie mit großer Gebärde den Anspruch formuliert, Rolle und Funktion der Literatur im gesellschaftlichen Raum (System) zu bestimmen, ist ihr Interesse an den Werken tatsächlich gering, darauf deuten allein Bezeichnungen, wie ‘sogenannte Literatur’ oder ‘sogenannte literarische Kunstwerke’. Weil sie sich jegliche Anstrengung versagt, das aufzuschließen, was man gemeinhin als Form[Note 55] definiert, gilt auch für die Empirische Literaturwissenschaft, die Feststellung Adornos, daß “der Empirismus von der Kunst abprallt.”[Note 56]
VI
Als “Minimalvoraussetzung” für eine literaturwissenschaftliche Analyse nennt Karl Eibl auf einem internationalen Kolloquium zu Methodenfragen, daß dazu, “auch wenn sie etwa das ‘System Literatur’ behandelt, die Nennung bestimmter Werke gehört. Gehört sie nicht dazu, dann kann man in der Tat ohne wissenschaftliche Interpretation auskommen. (Es stellt sich allerdings die Frage, ob Aussagen über Rezeption oder das System Literatur dann nicht Passepartout-Charakter erhalten und ohne großen Aufwand auch auf Brathähnchen umgeschrieben werden können.)”[Note 57] Man muß den Zynismus, der aus diesem Einwand spricht, nicht unbedingt teilen, um gleichwohl zu der Frage zu gelangen, ob ein Verfahren überhaupt noch als Literaturwissenschaft anerkannt werden soll, das der Entwicklung dahin, daß in den westlichen Industriegesellschaften “der Eintritt ins soziale Feld nicht länger über ästhetische, ja nicht einmal mehr zwingend über buchstäbliche Alphabetisierung”[Note 58] geregelt wird, in der Weise Rechnung trägt, eine Literatur der reflexiven Selbstvergewisserung aus der wissenschaftlichen Betrachtung auszugrenzen und sich nur noch für Massenware zu interessieren. Für eine Literatur, die sich den Bedingungen des Marktes und dem Geschmack des Massenpublikums so glatt angepaßt hat, daß sie die kulturellen Rationalisierungsprozesse nicht mehr stört, erübrigen sich in der Tat aufwendige ästhetische Reflexionen. Aus dieser Sicht verwundert es nicht, wenn die Empirische Literaturwissenschaft ihre Eigenständigkeit aufgeben soll, um nach den Vorstellungen Siegfried J. Schmidts lediglich als “Spezifikation einer allgemeinen Medienwissenschaft”[Note 59] weitergeführt zu werden. Im Zentrum des Erkenntnisinteresses dieses neuen Faches ständen dann Mediensozialisationsprozesse “und das Handeln mit und aus Anlaß von Medienangeboten in Mediensystemen,”[Note 60] wobei man sich keine Illusionen darüber zu machen hat, wie sich das Interesse an Texten marginalisieren wird, wenn sich der Fokus der wissenschaftlichen Betrachtung nach Angebot und Nachfrage auf dem Mediensektor richten soll. So wie sich die Forschungsprojekte und Inhalte der Lehre auf die Entwicklungen auf dem Medienmarkt abstimmen sollen, richtet sich das, was die konstruktivistische Literaturwissenschaft als “Anwendungsfragen” deklariert, nach der Arbeitsmarktlage für Akademiker. Geschickt nutzt Schmidt den Hinweis, “daß die empirische Literaturwissenschaft Forschungsergebnisse und methodologische Schulung ebenso wie Theorieangebote vermitteln kann, die vor allem auch für Berufsfelder außerhalb der Schule qualifizieren,”[Note 61] um seine Position als nutzbringend und sinnvoll zu legitimieren. Damit forciert die Empirische Literaturwissenschaft explizit einen Prozeß, der den Bildungsauftrag der Hochschule mit den Interessen der Industrie kurzschließt, und funktioniert die Geisteswissenschaft zu einem Dienstleistungsbetrieb um, dessen Hauptaufgabe es ist, Angestellte und Verwalter für die medienkulturelle Infrastruktur auszubilden, die das “Programm Kultur” bedienen und für jede Mode gangbar machen. Wenn man sich anschaut, was für Berufsfelder damit gemeint sind (Sprachberatung, Lesehilfe, Kulturmanagement, Kunstmarketing, Workshops für den Bildungsurlaub oder für die Freizeitgestaltung etc.),[Note 62] dann muß man fragen, ob dafür überhaupt noch ein Literaturstudium vonnöten ist oder ob dazu nicht Lehrgänge auf Fachhochschulniveau hinreichen, in denen man sich dann optimal und anwendungsorientiert auf den nutzbringenden Einsatz von Texten programmieren lassen kann. Auf diesem Wege wäre die universitäre Germanistik von solchen Ansprüchen entlastet und könnte sich weiter dem zuwenden, was eine Geisteswissenschaft wesentlich ausmacht, nämlich zu erschließen, was Literatur in ästhetischer und semantischer Hinsicht zum kulturellen Potential einer Gesellschaft beitragen kann.
VII
Was kann eine Wissenschaft von Erneuerern erwarten, die ihre Existenz als eigenständiges Fach aufs Spiel setzen und die an der Erforschung ihres Gegenstandes – der Literatur – wenig interessiert sind? Ein Innovationsanspruch läßt sich so jedenfalls nicht rechtfertigen, es sei denn, man erkennt schon das bloße Nachgeben gegenüber Marktbedürfnissen als innovativ an. Ob man allerdings der Wissenschaft von der Literatur damit auf Dauer einen Gefallen erweist, ist mehr als zweifelhaft. Das soll nicht heißen, daß die konstruktivistische Literaturwissenschaft zu nichts zu gebrauchen wäre. Sie hat dort ihre unverzichtbaren Stärken, wo sie ihre empirischen Methoden adäquat anwenden kann, und somit bliebe die Wirkungsforschung ihr angestammter Platz.[Note 63] Wenn sie ihre Energien darauf konzentrieren würde, wäre das schon viel, denn über das sogenannte Kunsterlebnis der Rezipienten wissen wir nach wie vor wenig, und so könnte die Empirische Literaturwissenschaft ihren Teil zur Erfüllung einer Forschung beitragen, die Adorno als kunstsoziologisches Ideal vorschwebte, nämlich theoriegeleitete Interpretationen der Werke, “Analysen der strukturellen und spezifischen Wirkungsmechanismen und solche der registrierbaren subjektiven Befunde aufeinander abzustimmen. Sie müßten sich wechselseitig erhellen.”[Note 64] Ein erfolgreicher Einsatz empirischer Datenerfassung ist sicherlich auch dort zu erwarten, wo editionsphilologische Fragen mit Hilfe statistischer Quellen zu klären sind.
Allerdings scheint es kaum vorstellbar, daß die Vertreter des Radikalen Konstruktivismus sich mit einer solchen Arbeitsteilung, wie sie z.B. auch Elrud Ibsch in seiner Bestandsaufnahme zum Verhältnis von Hermeneutik und Empirik im Universitätsbetrieb vorschlägt,[Note 65] zufriedengeben werden. Was die Literaturwissenschaft von dieser Seite in naher Zukunft zu erwarten hat, besteht in dem Bemühen, den konstruktivistischen Ansatz mit der Systemtheorie Niklas Luhmanns “kompatibel” zu machen, um den Systembegriff so zu operationalisieren, daß man sich auf die Erforschung der Rolle der Literatur bei der Konzeptualisierung der Sozialprozesse konzentrieren kann.[Note 66] Diese Koalition erscheint auch von außen betrachtet logisch, denn die Verwandtschaft zwischen dem Luhmann’schen Leitdiskurs und dem Radikalen Konstruktivismus ist offenkundig: Ähnlich wie dieser – allerdings nicht auf der Grundlage biologisch bzw. kognitionstheoretisch begründeter Modelle – geht auch Luhmann von der Selbstreferentialität und operationalen Geschlossenheit der Systeme aus und verabschiedet sich von dem, was er als “alteuropäisches Denken” bezeichnet, also von allen ontologischen Positionen und allen Perspektiven, die an der zentralen Stellung des Subjekts festhalten, sowie den darauf basierenden Erkenntnistheorien.[Note 67] Einer der Unterschiede, die zwischen beiden Positionen noch verbleiben, liegt darin, daß der Mensch aus systemtheoretischer Perspektive wenigstens als Randerscheinung seiner Welt registriert wird, während der Radikale Konstruktivismus nicht mehr davon ausgeht, daß das Ich eine eigene Instanz ist, “sondern ein spezifisch hervorgehobener komplexer Zustand des Gehirns, der in komplexen selbstreferentiell organisierten kognitiven Systemen notwendig auftritt,”[Note 68] und somit auf theoretischer Ebene die Auslöschung der Vorstellung vom Individuum vorbereitet.
Zu bedenken ist in diesem Kontext allerdings, daß die Anwendung der Systemtheorie auf die Literaturwissenschaft, wie Harro Müller in seinem Über‑blick bemerkt, “noch in den Kinderschuhen”[Note 69] steckt. Schon aus diesem Grund ist es zweifelhaft, ob der von der konstruktivistischen Literaturtheorie entwickelte Systembegriff, der allein an “Text-Handlungs-Syndrome”[Note 70] gekoppelt ist und die Werkkategorie ausschließt, besser geeignet ist, den Funktionsraum der Literatur innerhalb der Gesellschaft auszumessen als die von anders gelagerten Theorien herausgebildeten Kategorien. In Schmidts Studie zur “Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert” geht es z.B. darum, aufzuzeigen wie das sogenannte Bildungsbürgertum – die “Weimarer Klassiker” – mittels einer “Ontologisierung der Textdeutung” seine ästhetischen Wertmaßstäbe durchsetzt und damit zur herrschenden Rezeptionshaltung erhebt, die noch die “heutige bürgerliche Literaturwissenschaft”[Note 71] dominiere. Erstens ist diese Erkenntnis nicht wirklich neu, und zweitens vergißt eine solche Betrachtungsweise die Kehrseite des Prozesses, nämlich daß die Literatur, indem sie sich in ein autonomes Reich des Schönen abdrängen läßt, auch ihre kritischen und utopischen Potentiale, deren reale Einlösung in der gesellschaftlichen Praxis nicht vorgesehen ist bzw. gefürchtet wird, neutralisiert. Solche Aspekte müssen einer systemisch ausgerichteten Perspektive, die linear und synchron ausgelegt ist, entfallen. Daher erscheint die von Bürger eingeführte Kategorie “Institution Kunst/Literatur,” die darauf ausgelegt ist, die “epochalen Funktionsbestimmungen” von Literatur “in ihrer sozialen Bedingtheit” zu fassen, besser geeignet als systemtheoretisch fundierte Modelle.[Note 72] Das Verfahren Bürgers ist diachron angelegt und rekurriert nicht auf eine abstrakte Systemlogik, die ein hermetisch abgeschlossenes Damals neben ein synthetisches Jetzt stellt, sondern nimmt die Prozesse, in denen Literatur steht, als historisch gewachsene und damit grundsätzlich veränderbare Abläufe wahr.
Dort, wo die konstruktivistische Literaturwissenschaft das Interpretieren ins Zentrum der Betrachtung rückt, geht es wiederum um den Nachweis, daß es keine Werkkonstitutiven, die man in poetologische Muster fassen könnte, gebe, sondern auch die Interpretation der Experten nur deren eigene Wirklichkeitskonstruktionen zum Vorschein bringe.[Note 73] Hartnäckig wird von den Vertretern des Radikalen Konstruktivismus der Vorstellung der Ästhetischen Theorie widersprochen, daß sich “ein genuines Verhältnis zwischen der Kunst und der Erfahrung des Bewußtseins von ihr” nachweisen läßt, das man durch die Bildung ästhetischer Beschreibungsmuster konsolidieren kann.[Note 74] Dagegengesetzt wird der Pragmatismus durchsetzungsfähiger “Wirklichkeitsvorstellungen … auf der Schiene Gangbarkeit, Viabilität, Überlebensrelevanz – oder auch auf der Schiene ‘just for fun’.”[Note 75] Mit dieser Einstellung geht der Literaturwissenschaft ganz sicher bald verloren, was Joachim Dyck ihre “Dignität als historische Wissenschaft” nennt, und wenn er in seinem Vortrag zum Berliner Germanistentag 1987 im Hinblick auf den Radikalen Konstruktivismus einen “Anpassungswillen” ausmacht, “der vor nichts zurückschreckt,”[Note 76] kann man ihm schwerlich widersprechen, denn was bleibt unter der Prämisse “Wirklich ist, was sich als Wissen durchsetzt” noch übrig als die bloße Affirmation dessen, was ohnehin ist?
Endnotes
1
Niklas Luhmann, Soziologische Aufklärung V. Konstruktivistische Perspektiven, Opladen 1990, 31.
2
Vgl. Ernst von Glasersfeld, “Das Ende der großen Illusionen,” in: Hans Rudi Fischer, Arnold Retzer, Jochen Schweitzer (Hrsg.), Das Ende der großen Entwürfe, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1092, Frankfurt a.M. 1992, 85-98.
3
Siegfried J. Schmidt, “Vorbemerkung,” in: ders. (Hrsg.), Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, Frankfurt a.M. 1987, hier: 7.
4
“Konstruktivist kann man nur ‘ganz’, nur ‘radikal’ sein,” meint Schmidt (Siegfried S. Schmidt, “Der Radikale Konstruktivismus. Ein neues Paradigma im interdisziplinären Diskurs,” in: Schmidt [Anm. 2], 11-88, hier: 40), und dieser Überzeugung ist inbegriffen, daß man bei Durchsetzung der eigenen Konzeption “sicher zu besonderem Rigorismus, zu Fronten- und Schulendenken” neigt (ders., Grundriß der Empirischen Literaturwissenschaft, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 915, Frankfurt a.M. 1991, 391).
5
Vgl. Ralph Gehrke, Literarische Spurensuche. Elternbilder im Schatten der NS-Vergangenheit, Opladen 1992.
6
Schmidt (Anm. 3), 40.
7
Wichtigste Quellen Humberto R. Maturana, Francisco J. Varela, Autopoiesis and Cognition, Boston studies in the philosophy of Science, Boston 1979; Francisco J. Varela, Principles of biological autonomy, New York, Oxford 1979; und in deutscher Übersetzung Humberto R. Maturana, Erkennen: Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Ausgewählte Arbeiten zur biologischen Epistemologie, Vieweg Wissenschaftstheorie. Wissenschaft und Philosophie 19, Braunschweig, Wiesbaden 1982.
8
Edgar Morin, “Das Problem des Erkennens des Erkennens,” in: Hans Rudi Fischer, Arnold Retzer, Jochen Schweitzer (Anm. 2), 99-108.
9
So beschließen die Begründer der neuen Lehre ihre Abhandlungen vorzugsweise mit der ausdrücklichen Versicherung, daß sie es besonders gut mit den Menschen und der Welt meinen. Ernst von Glaserfeld bietet z.B. seine Mithilfe an, um “diese Welt” zu retten, “bevor es zu spät ist” (Glaserfeld [Anm. 2], 97); und Humberto R. Maturana beschwört regelmäßig die visionäre Kraft der Liebe. Ebenso wie ihre Mentoren deklarieren auch die konstruktivistischen Literaturwissenschaftler ihre Beiträge als eine wissenschaftliche Form von humanitärer Hilfe. Schmidt meint, “einen wichtigen Beitrag zur Humanisierung und zur Entwicklung einer friedlichen Welt” zu leisten (Schmidt [Anm. 3], 76), und Rusch geht es um “die Erfindung solcher Denkarten und Handlungsweisen, die unser Leben erleichtern, bereichern und lebenswerter machen” (Gebhard Rusch, “Autopoiesis, Literatur, Wissenschaft. Was die Kognitionstheorie für die Literaturwissenschaft besagt,” in: Schmidt [Anm. 2], 374-400, hier: 398).
10
Humberto R. Maturana, “Biologie der Sozialität,” in: Schmidt (Anm. 2), 287-302, hier: 299.
11
Weiter führt Maturana ([Anm. 10], 291) aus: “Dementsprechend lebt ein Organismus nur solange, wie er seine Angepaßtheit in dem Medium, in dem er existiert, erhalten kann; und solange er seine Angepaßtheit erhält, hält er auch seine Organisation aufrecht. Auch diese Behauptung deutet auf eine universelle Beziehung: Jedes lebende System existiert nur unter Erhaltung seiner Angepaßtheit und seiner Organisation, so daß die Erhaltung des einen die Erhaltung des anderen unter gewissen Umständen einschließt.”
12
Maturana (Anm. 10), 302.
13
Maturana (Anm. 10), 295.
14
Peter M. Hejl, “Konstruktion der sozialen Konstruktion. Grundlinien einer konstruktivistischen Sozialtheorie,” in: Schmidt (Anm. 2), 303-339, hier: 325. Hejl selbst ist um eine differenziertere “konstruktivistische Sozialtheorie” bemüht, die den Aspekt der Veränderung von “Realitätsdefinitionen” mittels Kritik nicht ausklammert. Grundsätzlich bleibt sein Modell jedoch jenem Denken verhaftet, das soziologische und gesellschaftspolitische Fragen auf biologische Grundmuster bezieht.
15
Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Gesammelte Schriften, 4. Aufl., Frankfurt a.M. 1990, VI, 13-400, hier: 382.
16
Schmidt (Anm. 3), 38.
17
Rusch (Anm. 9), 390.
18
Schmidt (Anm. 3), 69.
19
Rusch (Anm. 9), 391.
20
Bernd Scheffer, “Gesellschaftlicher Wandel nur durch kulturellen Wandel. Literaturwissenschaft zwischen Eigenwilligkeit und Konsens, zwischen Essay, Empirie und Anwendung,” in: Jürgen Förster, Eva Neuland, Gebhard Rupp (Hrsg.), Wozu noch Germanistik? Wissenschaft – Beruf – Kulturelle Praxis, Stuttgart 1989, 207-223, hier: 219f.
21
Rolf Düsterberg, “Probleme der Kriegsliteraturforschung. Lösungsansätze mit Hilfe einer kognitiv-empirischen Literaturwissenschaft,” Zeitschrift für Germanistik, Neue Folge 1 (1992), 90-100, hier: 92f.
22
Klaus Blaudzun, Heinz-Jürgen Staszak, “Dialektik der Interpretation. Zu Voraussetzungen des methodologischen Nachdenkens über die literaturwissenschaftliche Interpretation,” in: Lutz Danneberg, Friedrich Vollhardt (Hrsg.), Vom Umgang mit Literatur und Literaturgeschichte. Positionen und Perspektiven nach der ‘Theoriedebatte’, Stuttgart 1992, 43-59, hier: 48.
23
Schmidt (Anm. 3), 74.
24
Maturana (1982, Anm. 7), 57.
25
Humberto R. Maturana, “Kognition,” in: Schmidt (Anm. 2), 89-118, hier: 113.
26
Adorno (Anm. 15), 23. Um dem Mißverständnis vorzubeugen, der Verf. folge selbst einem undifferenzierten Wahrnehmungsschema, sei angemerkt, daß der hier angelegte Maßstab nicht auf ein intentionales Bewußtsein rekurriert, das die Bedeutungen der Begriffe axiomatisch an Erscheinungen bindet. Er beruft sich also nicht einfach auf das, was man sieht, sondern teilt den von der philosophischen Sprachkritik vertretenen Standpunkt, daß die Kategorien des reflexiven Sehens immer unter Berücksichtigung des sprachanalytisch begründeten Vorbehalts ihrer grundsätzlichen Nichtwirklichkeit anzuwenden sind. Wenn man nun davon ausgeht, daß die Begriffstheorie des Radikalen Konstruktivismus sich – abgesehen von ihrer biologischen Fundierung – nicht von einer sprachphilosophischen Kritik in der Tradition Wittgensteins unterscheidet, kann man sich Albrecht Wellmers Argumentation anschließen, daß die Vorbehalte gegenüber der Rationalität der alltagssprachlichen Kommunikation, aus der sich die Wissenschaft ausdifferenziert, zwar Anlaß bieten, “über ‘Wahrheit’, ‘Gerechtigkeit’ oder ‘Selbstbestimmung’ in neuer Weise nachzudenken,” aber gleichzeitig der Gedanke keinen Sinn macht, “daß in jeder ‘Wiederholung’ eines sprachlichen Zeichens eine unkontrollierte Verschiebung der Bedeutung stattfindet” (Albrecht Wellmer, Zur Dialektik von Moderne und Postmoderne, Vernunftkritik nach Adorno, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 532, 4. Aufl., Frankfurt a.M. 1990, 83/84). D.h., der radikalen Verwerfung sprachlich geleiteter Subjekt-WeltBeziehung soll eine sprachphilosophische Relativierung des traditionellen Subjekt-Objekt Dualismus gegenübergestellt werden, wie sie Wellmer unter Berufung auf eine reformulierende Wittgenstein-Rezeption von Cornelius Castoriadis vorschlägt. Die Grundannahme dieser Weiterführung der Wittgensteinschen Einsichten besteht in dem Gedanken, daß Bedeutungen wohl “wesenhaft offen sind,” jedoch wird an die “Pointe von Wittgensteins Überlegungen” erinnert, “daß das Wort ‘Bedeutung’ auf die Praxis einer gemeinsamen Sprachverwendung verweist; was wir eine Bedeutung nennen, läßt sich nur durch Rekurs auf eine – tatsächliche oder mögliche – Pluralität von Verwendungssituationen eines sprachlichen Zeichens erläutern” (82). Daraus folgt für Wellmer, daß das Wort ‘Bedeutung’ nicht auf einen beliebigen Zuwachs von Gemeintem, einen Anarchismus der Meinungen, verweist, sondern, “was … hierbei vorausgesetzt wird, ist die Beherrschung einer Regel, die in nichts anderem fundiert ist als in der Praxis ihrer eigenen Anwendung” (79) – so daß die “Bezeichnungsrelation” nach Castoriadis “in einem Verhältnis zirkulärer Implikation” steht (Cornelius Castoriadis, Gesellschaft als imaginäre Institution. Entwurf einer politischen Philosophie, Frankfurt a.M. 1984, 520). Demzufolge trägt die Veränderung sprachlicher Bedeutungen einen “Index der Allgemeinheit” (Wellmer, 83), der nicht intersubjektiv zu ermitteln ist, sondern von der Qualität “eines aller lntentionalität und Subjektivität vorausliegenden Quasi-Faktums: sprachlicher Bedeutungssysteme, Lebensformen, einer in bestimmter Weise sprachlich erschlossenen Welt” (Wellmer, 80) ist. Vor dem Hintergrund dieser durch philosophische Reflexion gewonnenen Theorie der Bedeutung wird das Problematische der konstruktivistischen Metasprache, über deren Bedeutungsrelationen man (wer?) sich erst einigen soll, deutlich. “Wenn man nämlich annimmt, daß die sprachlichen Zeichen nur durch einen Akt der Interpretation ihren jeweils spezifischen Sinn gewinnen, dann macht man insgeheim doch wieder das ‘Meinen’ zur Quelle der Bedeutungen; es erscheint dann unbegreiflich, wie das, was ich meine, von dem anderen sollte verstanden werden können; ja, es erscheint unbegreiflich, wie ich selbst es sollte verstehen können” (Wellmer, 83).
27
Theodor W. Adorno, “Der Essay als Form,” in: Noten zur Literatur, suhrkamp taschenbuch wissenschaft, 4. Aufl., Frankfurt a.M. 1989, 20.
28
Maturana (Anm. 25), 111.
29
Harald Fricke, “Methoden? Prämissen? Argumentationsweisen! Überlegungen zur Konkurrenz wissenschaftlicher Standards in der Literaturwissenschaft,” in: Danneberg, Vollhardt (Anm. 22), 211-227, hier: 220.
30
Fricke (Anm. 29), 220.
31
Schmidt 1991 (Anm. 4), 391.
32
Maturana (Anm. 25), 111.
33
Rusch (Anm. 9), 381.
34
Wie sich Schmidt den “‘Vollzug von Gesellschaft’ gemäß dem Programm Kultur” denkt, entwickelt er in seinem jüngsten “Gesprächsangebot”; vgl. Siegfried J. Schmidt, “Medien, Kultur, Medienkultur. Ein konstruktivistisches Gesprächsangebot,” in: ders. (Hrsg.), Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 950, Frankfurt a.M. 1992, 425-450, hier: 436.
35
Schmidt ([Anm. 4], 1991), 12.
36
Schmidt (Anm. 3), 43.
37
Siegfried J. Schmidt, “Vom Text zum Literatursystem. Skizze einer konstruktivistischen (empirischen) Literaturwissenschaft,” in: Heinz Gumin, Armin Mohler (Hrsg.), Einführung in den Konstruktivismus, Schriften der Carl Friedrich von Siemens Stiftung 10, München 1985, 117-133, hier: 122.
38
Maturana (Anm. 25), 90.
39
Schmidt (Anm. 3), 34.
40
Wie verblüffend einfach Radikale Konstruktivisten Intersubjektivität herzustellen vermögen, läßt sich beispielhaft bei Rusch ([Anm. 9], 389) nachweisen. Um eine Liste der “wichtigsten Eigenschaften unserer Denk- und Handlungsweisen,” die auch für die Wissenschaft gelten sollen, als konsensfähig und damit allgemeingültig abzusegnen, stellt er der Aufzählung den simplen Satz voran: “Man braucht eigentlich nur zu fragen, welche Eigenschaften für unsere Denk- und Handlungsweisen wünschenswert und nötig sind, um darauf zu kommen, wie jener Tätigkeitsbereich beschaffen sein muß ….” Wie kommt also ein Radikaler Konstruktivist zu einer intersubjektiv gesicherten Prämisse? Er befragt sich einfach selbst, und schon sprudelt die Quelle des intersubjektiven Wissens, die jeden Satz in den konstruktivistischen Imperativ zementiert: ‘Formuliere deine eigene Meinung stets so, als stelle sie eine allgemein anerkannte Auffassung dar!’
41
Vgl. Gebhard Rusch, Von einem konstruktivistischen Standpunkt. Erkenntnistheorie, Geschichte und Diachronie in der empirischen Literaturwissenschaft, Braunschweig, Wiesbaden 1985, 285.
42
Schmidt (Anm. 3), 75.
43
Adorno (Anm. 15), 51.
44
Schmidt (Anm. 3), 31.
47
Schmidt (Anm. 34), 445.
48
Schmidt (Anm. 3), 36.
49
Klaus Briegleb, “Weiterschreiben! Wege zu einer deutschen literarischen ‘Postmoderne’?,” in: Klaus Briegleb, Sigrid Weigel (Hrsg.), Hansers Sozialgeschichte der deutschen Literatur vom 16. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Gegenwartsliteratur seit 1968, dtv 4354, München 1992, 340-381, hier: 380. Zum Theorem der systemisch induzierten Erinnerungstilgung vgl. Theodor W. Adorno, “Über Tradition,” in: Ohne Leitbild. Parva Aesthetica, edition suhrkamp 201, 11. Aufl., Frankfurt a.M. 1987, 29-41; ders., “Was bedeutet: Aufarbeitung der Vergangenheit (1959),” in: Erziehung zur Mündigkeit, suhrkamp taschenbuch 11, 13. Aufl., Frankfurt a.M. 1988, 10-28; Jürgen Habermas, Legitimationsprobleme im Spätkapitalismus, edition suhrkamp 623, 9. Aufl., Frankfurt a.M. 1986, 71f.; Ulrich Beck, Risikogesellschaft. Auf dem Weg in eine andere Moderne, edition suhrkamp NF 365, Frankfurt a.M. 1986, 136.
50
Theodor W. Adorno, “Thesen zur Kunstsoziologie,” in: Ohne Leitbild. Parva Aesthetica (Anm. 48), 94-103, hier: 101.
52
Schmidt (Anm. 3), 70.
53
Schmidt (Anm. 3), 67.
54
Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 2, 9. Aufl., Frankfurt a.M. 1989, 498.
55
Für Peter Bürger ist der Begriff der Form der wichtigste für die Kunsttheorie überhaupt; “in ihm verschränken sich Eingriff ins Material und mimetischer Impuls, d.h. ein Rationales und ein aller Rationalität Vorausliegendes” (Peter Bürger, “Kunst und Rationalität. Zur Dialektik von symbolischer und allegorischer Form,” in: Axel Honneth, Thomas McCarthy, Claus Offe, Albrecht Wellmer [Hrsg.], Zwischenbetrachtungen. Im Prozeß der Aufklärung. Jürgen Habermas zum 60. Geburtstag, 2. Aufl., Frankfurt a. M. 1989, 89-105, hier: 90).
56
Adorno (Anm. 53), 498.
57
Karl Eibl, “Sind Interpretationen falsifizierbar?,” in: Lutz Danneberg, Friedrich Vollhardt (Anm. 22), 169-183, hier: 176.
59
Schmidt ([Anm. 4], 1991), 390.
60
Schmidt ([Anm. 4], 1991), 390.
61
Schmidt ([Anm. 4], 1991), 389.
62
Vgl. Heike Carstensen, Peter Finke, Katharina Nowak, Karin Weyer, Michael Wischkowski, Jan Wirrer, “Perspektiven für Literaturwissenschaftler außerhalb von Schule und Hochschule,” SPIEL 5/2 (1986), 261-297.
63
Vgl. u. a. Dietrich Meutsch, Literatur verstehen. Eine empirische Studie, Konzeption Empirische Literaturwissenschaft 9, Braunschweig, Wiesbaden 1987; Dick H. Schram, Norm und Normbrechung. Die Rezeption literarischer Texte als Gegenstand empirischer Forschung, Konzeption Empirische Literaturwissenschaft 13, Braunschweig, Wiesbaden 1991; Läszlo Haläsz, Dem Leser auf der Spur. Literarisches Lesen als Forschen und Entdecken, Konzeption Empirische Literaturwissenschaft 8, Braunschweig, Wiesbaden 1992.
64
Adorno (Anm. 49), 96.
65
Elrud Ibsch, “Hermeneutik und Empirik im Universitätsbetrieb,” in: Elrud Ibsch, Dick H. Schram (Hrsg.), Rezeptionsforschung zwischen Hermeneutik und Empirik, Amsterdamer Beiträge zur Neueren Germanistik 23, Amsterdam 1987, 1-21, hier: 3.
66
Vgl. Schmidt ([Anm. 4], 1991), 388f.
67
Um die Fußnoten nicht zu überlasten, sei in diesem Zusammenhang lediglich auf einen zentralen Baustein der Luhmann’schen Theorie verwiesen: Niklas Luhmann, Soziale Systeme. Grundriß einer allgemeinen Theorie, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 666, 3. Aufl., Frankfurt a.M. 1991.
68
Gerhard Roth, “Erkenntnis und Realität. Das reale Gehirn und seine Wirklichkeit,” in: Gerhard Pasternack (Hrsg.), Erklären, Verstehen, Begründen, Schriftenreihe des Zentrums philosophische Grundlage der Wissenschaften 1, Bremen 1985, 87-109, hier: 105.
69
Harro Müller, “Systemtheorie und Literaturwissenschaft,” in: Klaus-Michael Bogdal (Hrsg.), Neue Literaturtheorien. Eine Einführung, WV studium 156, Opladen 1990, 201-217, hier: 214.
70
Schmidt (Anm. 3), 66.
71
Siegfried J. Schmidt, Die Selbstorganisation des Sozialsystems Literatur im 18. Jahrhundert, Frankfurt a.M. 1989, 347.
72
Peter Bürger, Vermittlung – Rezeption – Funktion. Ästhetische Theorie und Methodologie der Literaturwissenschaft, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 288, Frankfurt a.M. 1979, 174. Zur näheren Bestimmung des Begriffs “Institution Literatur” vgl. Peter Bürger, “Institution Literatur und Modernisierungsprozeß,” in: ders. (Hrsg.), Zum Funktionswandel der Literatur, edition suhrkamp 1157, Frankfurt a.M. 1983, 13.
73
Vgl. Bernd Scheffer, Interpretation und Lebensroman. Zu einer konstruktivistischen Literaturtheorie, suhrkamp taschenbuch wissenschaft 1028, Frankfurt a.M. 1992.
74
Adorno (Anm. 53), 500.
75
Schmidt (Anm. 34), 445.
76
Joachim Dyck, “Zwischen Methodenrausch und Buchbindersynthese. Zur Lage der Germanistik im Jahre 2000,” in: Norbert Oellers (Hrsg.), Germanistik und Deutschunterricht im Zeitalter der Technologie. Selbstbestimmung und Anpassung, Vorträge des Germanistentages Berlin (1987), 11, Tübingen 1988, 3-15, hier: 13.
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