Konstruierte oder konstruierende Seele? Gedanken zum Seelebegriff aus kognitiv-konstruktivistischer Perspektive (2005)

Alexander Riegler

In: Peschl, F. (ed.) Die Rolle der Seele in der Kognitionswissenschaft und der Neurowissenschaft. Auf der Suche nach dem Substrat der Seele. Königshausen und Neumann: Würzburg, pp. 215-230

Gemäß des Konstruktivismus sind wir die Konstrukteure unserer eigenen Welt und nicht durch eine externe Realität determiniert. Seine am meisten konsistente Formulierung, der Radikale Konstruktivismus (RK), behauptet, daß wir unsere Erfahrung nicht transzendieren können. Deshalb macht es wenig Sinn zu sagen, daß sich unsere Konstruktionen den Strukturen einer externen Realität annähern. Was sind die Konsequenzen einer derartigen Sichtweise? Können wir sie benutzen, um kognitive Artefakte zu bauen -- eine Möglichkeit, der Freizügigkeit philosophischer Spekulationen über Wahrheit und Wirklichkeit zu entrinnen? Der vorliegende Beitrag soll die Grundzüge des RK darstellen, sofern dies bei seiner Heterogenität möglich ist. Fragen werden behandelt wie etwa: Sind unsere Konstruktionen arbiträr? Wie können wir miteinander reden, wenn unsere Kognition organisationell abgeschlossen ist, wie es der RK behauptet? Und schließlich die für mich interessanteste Frage: Wer macht wirklich die Konstruktionen? Zeichnet dafür eine Seele verantwortlich?

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