Edmund M. Mutelesi (1998) Subjectivité comme auto-organisation. Une étude du constructivisme radical au départ de Husserl. Dissertation doctorale à l'Institut Supérieur de Philosophie, Université Catholique de Louvain, Louvain-La-Neuve, Belgique.

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Deutsche Kurzfassung der Dissertation
Subjektivität als Selbstorganisation: Eine Studie des Radikalen Konstruktivismus ausgehend von Husserl

von Edmund M. Mutelesi
an der Katholischen Universität Löwen in Louvain-La-Neuve, Belgien

Es hat sich nach unserer Konzentration auf die Husserlsche Auffassung der Subjektivität und seine Versuche einer transzendentalen (Be-)Gründung der Intersubjektivität - hauptsächlich in žZur Phänomenologie der Intersubjektivität" u.a. in Anlehnung an R. Kozlowski, J.-V. Iribarne und G. Römpp, - ergeben, daß dieser Subjektivitätsbegriff, der bei Husserl hauptsächlich das intentionale Verhältnis des Subjekts zum Objekt bedeutet, genau der Ort des Erkenntnisproblems ist - bzw. dessen, was der Konstruktivismus viel allgemeiner als Kognition betrachtet.

Aus der Betrachtung des Husserlsche Prozesses der Konstitution der Objektivität ist für uns ein Idealismus in seiner Auffassung des kognitiven Phänomens hervorgegangen, ein Idealismus, der sich auch weiter in der Arbeit mit den Auslegungen des Husserlianismus durch A. Aguirre und E. Fink bestätigen konnte und der dem in der Auffassung des Erkennens beim Radikalen Konstruktivismus enthaltenen Idealismus unserer Meinung nach sehr ähnelt.

Denn diese konstruktivistische Denkbewegung - die von uns mittels einer Studie der autopoietischen Systemtheorie von Maturana und Varela sowie auch anhand mehrerer Texte von J. Piaget, E. von Glasersfeld, E. Morin, P. Watzlawick, H. von Foerster... betrachtet wurde - vertritt durch ihre Ausführungen über die Zirkularität der bio-physiologischen und kognitiven Prozesse eine Erkenntnistheorie, nach der das Erkennen statt als ein ikonisches Reflektieren der žWirklichkeit" vielmehr als eine Konstruktion der Dinge zu sehen ist, die durch die ontogenetische und phylogenetische Erfahrung des Subjekts oder Beobachters bestimmt wird, sowie durch die zum Teil praktischen Ziele, die er sich setzt in dieser Konstruktion der žWirklichkeit".

Die von Maturana vorgenommene Gleichsetzung der Autopoiese mit der Kognition - eine Gleichsetzung, die u. a. eine scharfe aber fragliche Kritik von Gerhard Roth veranlaßte - wurde auch behandelt, wobei unseres Erachtens der Kritik ein Perspektivenmißverständnis zugrunde lag.

Im Laufe der Überlegungen wurde auch das Problem der Paradoxe der Subjektivität als für unser Verhältnis zur Welt grundlegende Paradoxe behandelt, zum Teil in Anlehnung an T. Seebohm, sowie vor allem das Problem einer befriedigenden (Be-)Gründung der Intersubjektivität, ein Problem, das aufgrund der idealistischen Richtung der beiden Denkbewegungen in der Erkenntnistheorie als eine richtige Herausforderung der husserlschen Phänomenologie und des Radikalen Konstruktivismus erscheint. Und Lösungsversuche sind dann genannt worden, nämlich durch das Heranziehen von Peter Hejl für den Radikalen Konstruktivismus und durch die Erinnerung an den methodischen Charakter der Reduktion in der Phänomenologie Husserls.

Außerdem wurde auch die Frage der Verhältnisse zwischen dem Kognitiven und dem Organischen - ein immer wiederkehrendes Thema im Radikalen Konstruktivismus - zum Ausdruck gebracht, indem wir etwa auf ein Gegenstück der Situation bei Husserl hingewiesen haben, nämlich mit Hilfe einiger Überlegungen von Dan Zahavi.

Die Arbeit zeigt auch auf, inwiefern die Subjektivität als verhältnismäßige Dynamik des Subjekts zur Welt wie ein Selbstorganisationsprozeß des Subjekts selbst ausgelegt werden kann.

Am Ende gab es noch ein paar kritische Anmerkungen, die aufzeigen wollten, wie wenig rigoros manche Kritiken z.B. von R. Kurt gegen den Radikalen Konstruktivismus sind. Eine weitere Kritik des Autors hat dann auch auf die zu starr formierte Perspektive hingewiesen, aus der heraus der radikale Konstruktivismus seine Ansichten entwickelt.