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Vorwort

Das vorliegende Buch geht auf eine internationale Graduiertenkonferenz zurück, die in Kooperation zwischen der Universität Wien, AG Kulturwissenschaften/Cultural Studies, der Universität Zagreb und der Slowenischen Akademie der Wissenschaften/ZACRU, Ljubljana sowie dem Doktoratskolleg „Kulturen der Differenz“ Ende September 2009 an der Universität Wien stattgefunden hat. Die Texte wurden nach einem Peer Review-Verfahren ausgewählt, modifiziert und erweitert. Daniela Finzi und Ingo Lauggas haben diesen Band maßgeblich gestaltet, den verschiedenen Kapiteln zu Alterität, Raum, Gedächtnis & Identität jeweils eine systematische Einleitung vorangestellt und die Texte jeweils einem dieser methodisch-thematischen Schwerpunkte des Buches zugeordnet.

Der Sammelband beschäftigt sich im Anschluss an die oben erwähnte Konferenz und an einschlägige Forschungen mit der Anwendung kulturwissenschaftlicher Ansätze im zentral- und südosteuropäischen Kontext. Im Sinne der heute üblichen Terminologie kann man in diesem Zusammenhang von area studies sprechen. Zu Wort kommen Forscherinnen und Forscher aus Slowenien, Kroatien, Polen, Großbritannien, Portugal, Deutschland, Norwegen, Ungarn und Österreich. Es finden sich film- und literaturwissenschaftliche, sowie philosophische, historische und medientheoretisch orientierte Texte, die sich exemplarisch mit einschlägigen Fragen im Bereich von Kulturanalyse und Kulturwissenschaft beschäftigen. Was sie verbindet, ist ihr Bezugnahme auf historische und politische Ereignisse wie die jugoslawischen bzw. postjugoslawischen Kriege, der kulturelle Wandel in den post-kommunistischen Ländern und die Frage nach den postnationalen Konstellationen nach 1989. Sie beschäftigen sich mit dem kulturellen Hintergrund all jener politischen Ereignisse, die wir sonst nur auf der Ebene des Politischen wahrnehmen. Insofern werden hier Kulturwissenschaften als eine Kulturanalyse verstanden, die die metapolitischen Hintergründe und Dimensionen der Politik aufspürt und beleuchtet.

Im Zentrum des Buches steht die Anwendung neuer kulturwissenschaftlicher Denk- und Arbeitsweisen, die neuerdings unter dem Begriff der cultural turns (Doris Bachmann-Medick) subsumiert werden. Mit Blick auf konkrete Beispiele werden dabei methodische und theoretische Fragen der Narratologie, Theorien des kulturellen Gedächtnisses, Raumkonzepte, semiotische Fragestellungen, Kulturtransfer und Nationstheorien thematisiert und entfaltet.

Das Buch, das auch die Hauptvorträge der Konferenz von Isabel Cape-loa Gil und Ruth Wodak enthält, macht deutlich, dass sich insbesondere in der neuen akademischen Generation im Bereich der Kulturwissenschaften ein gemeinsames transnationales Forschungsfeld zu etablieren beginnt. Auch das scheint uns das Ergebnis gesellschaftlicher, politischer und kultureller Transformationen zu sein, die in diesem Sammelband diskutiert und verhandelt werden.

Im Namen der Organisatoren der Konferenz und des Herausgeberteams danke ich dem Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung, der Kulturabteilung der Stadt Wien (Prof. Dr. Christian Ehalt), der Universität Wien, dem Initiativkolleg „Kulturen der Differenz“ sowie der Österreichischen Forschungsgemeinschaft für die finanzielle Unterstützung der Konferenz und des Buches. Ein ganz besonderer Dank gilt auch den Kolleginnen und Kollegen der Arbeitsgruppe Kulturwissen-schaften/Cultural Studies, die uns bei der Durchführung der Konferenz etwa durch ihre Respondenz mit Rat und Tat zur Seite gestanden haben.

Wolfgang Müller-Funk