Gebärdensprachen und Gehörlosenkultur

Allgemeine Informationen

Gebärdensprachen sind eigenständige, vollwertige Sprachsyteme, die gehörlose Menschen in ihren verschiedenen nationalen und regionalen Gehörlosengemeinschaften untereinander ausgebildet haben.
Sie sind nicht mit den nonverbalen Kommunikationsmitteln Hörender identisch (Körpersprache), sondern ausdifferenzierte Zeichensysteme, die über ein umfassendes Lexikon und eine komplexe Grammatik verfügen.*

Zwischen den verschiedenen nationalen Gebärdensprachen bestehen erhebliche Unterschiede hinsichtlich Form und Verwendung von Gebärden. Angesichts der nonverbalen Basis aller Gebärdensprachen finden sich andererseits gewisse grundsätzliche Ähnlichkeiten.
Im Mittelpunkt der gebärdensprachlichen Verständigung stehen die Gebärden, aber auch Mimik, Körperausdruck und tonlos gesprochene Wörter sind von großer Bedeutung. Gebärden werden zu Folgen und Sätzen verknüpft, die eine ganz andere Reihenfolge und einen ganz anderen Aufbau haben als bedeutungsgleiche Sätze der Lautsprache.*

In Österreich wird die "Österreichische Gebärdensprache" gesprochen. Seit 6. Juli 2005 ist die Österreichische Gebärdensprache (ÖGS) verfassungsmäßig verankert und dadurch offiziell in ihrer Existenz bestätigt.

Aufgrund ihrer besonderen Lebensumstände und Sprache haben gehörlose Menschen eine eigene Kultur entwickelt, es wird daher von einer "Gehörlosenkultur" gesprochen. Heute werden Gehörlosengemeinschaften eines Landes auch mit einer Minderheitengruppe verglichen, die im Laufe von Generationen ihre eigene Sprache und Kultur entwickelt hat. Gebärdensprachen bilden die Grundlage der Gehörlosenkultur und der Gehörlosengemeinschaft.*

Gebärdensprache ist Erstsprache-
geschriebene und gesprochene Sprache Zweitsprache gehörloser Menschen

Die deutsche Laut- und Schriftsprache ist aufgrund ihrer gänzlich verschiedenen Struktur für gehörlose Menschen wie eine Zweitsprache zu erlernen.
Aufgrund mangelnder Förderung gehörloser Menschen in ihrer Erstsprache, der Gebärdensprache, ist für sie das Erlernen und Verstehen der geschriebenen und gesprochenen Lautsprache oft erschwert.
Verena Krausneker schreibt dazu in ihrem Buch:

"Kinder brauchen einen gesicherten Zugang zu einer Erstsprache, die für sie vollständig wahrnehmbar ist. Über diese Erstsprache kann eine beliebige Zweitsprache sinnvoll gelehrt und gelernt werden, [...].
Auch für den Lernerfolg gehörloser Kinder in ihrer Zweitsprache, also das Lesen der Lautsprache, die in ihrem Land/ihrer Schule Unterrichtssprache ist, stellte sich die Kompetenz in ihrer Erstsprache (und sei sie auch gebärdet) als wichtigster Faktor heraus.2"

Die barrierefreien Videos, die auf der Universitäts-Homepage zur Verfügung gestellt wurden, lassen Gebärdensprache und geschriebene Sprache parallel laufen. Dadurch wird für gehörlose Menschen das Switchen zwischen Erst- und Zweitsprache möglich und die beiden Sprachsysteme können sich gegenseitig befruchten.

 

 

Mit * gekennzeichnete Paragraphen sind zitiert aus: "Buch der Begriffe - Sprache Behinderung Integration", herausgegeben von: "Integration:Österreich"/ Beate Firlinger, Wien 2003, S82ff

2zitiert aus: Krausneker, V. (2006): Taubstumm bis gebärdensprachig - Die österreichische Gebärdensprachgemeinschaft aus soziolinguistischer Perspektive. Drava Verlag Klagenfurt, S61

Links und Kontakte

Klicken Sie den Österreichischen Gehörlosenbund, um dessen Homepage zu erreichen.

Das Servicezentrum ÖGS barrierefrei bietet Lösungen zur barrierefreien Gestaltung von Internet-Seiten.

Zum "Buch der Begriffe" auf der Homepage des Bundesministeriums für soziale Sicherheit, Generationen und Konsumentenschutz

 

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Stand: 04.05.2007
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