Diversity wird in diesem Vortrag als Perspektive zur Beobachtung und Reflexion von Lernprozessen diskutiert. Vorgestellt wird dazu ein konstruktivistisches Verständnis von Lernen.
Lernen umfasst etwas nicht Angeborenes, kann beiläufig oder gezielt, unbewusst oder bewusst erfolgen, bezieht sich auf wiederholte Erfahrung und auf den Veränderungswert, der aus dem Umgang mit dem Erfahren und Erleben als Ergebnis der Kommunikation zwischen System und Umwelt/en gewonnen werden kann.
Lernen dient u.a. der Bearbeitung und Bewältigung von Differenz und Komplexität.
(Personale wir organisationale) Entscheidungsprozesse basieren auf meist nicht explizierten Kriterien. Sie manifestieren sich häufig eher als normativ fixierte Lernabweisung und prägen bzw. erschweren notwendige Lern- und Veränderungsprozesse von Personen und Organisationen. Wenn emanzipatorische Prozesse gerade auch als Auseinandersetzung mit der Kenntnis von Herrschaftsformen und mit dem Wissen über ihre strukturelle Inertia (Trägheit) gelten können, scheint es relevant, nach Abwehrmechanismen und defensiven Denk- und Handlungsmustern im Sinne der Lernverweigerung zu fragen.
Prozesse des Lernens in organisationalen Zusammenhängen beziehen die subjektiv-biographischen Anteile der Person in die Organisation mit ein - ein höchst beachtenswertes wie kritisches Verfahren, das die Tendenz der Ausweitung der subjektiven Anteile in der Gestaltung der personalen Rolle fortführt, aber auch auf Anforderungen eines kritischen Umgangs mit Individualisierungs- und Institutionalisierungsprozessen verweist. Im Kontext von intendierten organisationalen Veränderungsprozessen (Abbau von Diskriminierung, Heterogenisierung, Ent-Hierarchisierung…), wie ein Managing Diversity sie beabsichtigt, können wir Lernen in Bezug auf immer wieder neu zu initiierende Potentialentwicklung an der Nahtstelle von Person und Organisation untersuchen. Es soll diskutiert werden, wie ein Konzept des Lernens im Managing Diversity die Reichweite (und den Reiz) des bewussten und reflexiven Umgangs mit Konstruktions-, Ordnungs- und Entscheidungsweisen für verschiedene Systemebenen ermitteln und vermitteln kann.
Dipl.Päd.in Verena Bruchhagen
Leiterin der Frauenstudien - Weiterbildendes Studium der Universität Dortmund
Fachbereich 12
Universität Dortmund
Emil-Figge-Str. 50
44221 Dortmund
E.: VBruchhagen(at)fb12.uni-dortmund.de
http://www.fb12.uni-dortmund.de/einrichtungen/frauenstudien/index.htm



