REFERAT GENDERFORSCHUNG
Marlen Bidwell-Steiner
FRAGENÜBERSICHT
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- Wie definieren Sie "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wodurch zeichnen sich diese aus?
- Welche Bedeutung haben "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem Tätigkeitsbereich?
- Welche problematischen Aspekte haben diese Definition und Bedeutung von "Vielfalt" bzw. "Diversität" Ihrer Meinung nach?
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FRAGEN & ANTWORTEN
- Wie definieren Sie "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem Tätigkeitsbereich? Wodurch zeichnen sich diese aus?
- Welche Bedeutung haben "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem Tätigkeitsbereich?
Frauen- und Geschlechterforschung beschäftigt sich vorrangig mit der Konstruiertheit von Geschlecht und mit dessen Repräsentationen. Dabei werden Zuschreibungen von Männlichkeit und Weiblichkeit, Vorurteile über so genannte „Geschlechtscharaktere“, Vorannahmen über die „Natur“ von Menschen etc. als kulturelle Phantasmata sichtbar gemacht.
In den letzten Jahren erfuhr das Forschungsfeld wichtige Anregungen und Erweiterungen: einerseits durch die Kritik des Black Feminism an der hegemonialen eurozentrischen Färbung der Kategorie Geschlecht; andererseits durch die Kritik der Queer Studies an der auch innerhalb der Geschlechterforschung beobachtbaren Reproduktion binärer Geschlechtskonstruktionen.
Das Mitdenken der Kategorien Ethnie und sexuelle Orientierung stellt für die Gender Studies eine wichtige interkulturelle Herausforderung dar: Die Vielfalt menschlichen Verhaltens, sozialer Interaktion, kultureller Repräsentation soll auf geschlechtliche Implikation hin analysiert werden, ohne Unterschiede zu nivellieren.
Diversität bildet so den Gegenpol zu Universalität, womit hegemoniale Deutungsansprüche ebenso verabschiedet werden wie die Simplifikation komplexer Verhältnisse.
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- Welche problematischen Aspekte haben diese Definition und Bedeutung von "Vielfalt" bzw. "Diversität" Ihrer Meinung nach?
Durch die Grundannahme von Vielfalt und Diversität in sozialen und politischen Systemen bzw. durch den Umgang mit pluralistischen Perspektiven und Bedürfnissen entsteht gelegentlich der Eindruck von Werterelativismus. Indem die unterschiedlichen Dimensionen als Schnittpunkte in Individuen oder Gruppen verhandelt werden, werden Fragen nach politischer Verantwortung und Macht oft zugunsten kultureller Parameter vernachlässigt.
Auch wird Diversity oft auf eine Management-Strategie des effizienten Umgangs mit der Ressource Mensch reduziert, was der Komplexität des Unterfangens, die unterschiedlichen Kategorien menschlichen In-der-Welt-Seins zu berücksichtigen, widerspricht.
Wird Diversity tatsächlich als ganzheitlicher Ansatz zur Erreichung einer gerechteren sozialen Umwelt verstanden, bedarf es ernsthafter interdisziplinärer Grundlagenforschung, auf deren Basis jeweils maßgeschneiderte Strategien entwickelt werden können.
Die Gültigkeit von Perspektiven, Normen und Regeln muss unter der Prämisse von Vielfalt und Diversität immer wieder neu ausgehandelt werden – ein aufwändiger Prozess, der in manchen Fällen durch Sachzwänge, limitierte Ressourcen oder auch Unwillen der Beteiligten beschränkt oder verhindert wird.
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