PHILOLOGISCH-KULTURWISSENSCHAFTLICHE FAKULTÄT
Daniela Waldburger

FRAGENÜBERSICHT

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"VIELFALT" UND "DIVERSITÄT" IM WISSENSCHAFTLICHEN TÄTIGKEITSBEREICH

  1. Wie werden "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem wissenschaftlichen Tätigkeitsbereich definiert?

  2. Welche Bedeutung haben "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem wissenschaftlichen Tätigkeitsbereich?

  3. Welche problematischen Aspekte haben diese Definition/ Bedeutung von Vielfalt Ihrer Meinung nach?

"VIELFALT" UND "DIVERSITÄT" IM ARBEITSUMFELD

  1. Inwiefern spielen Vielfalt und Diversität in Ihrem Arbeitsumfeld eine Rolle (in Ihrem Team oder auch in Kooperationen)?

  2. Auf welche Schwierigkeiten im Umgang mit Vielfalt sind Sie persönlich in Ihrem Arbeitsumfeld gestossen?

Kurzlebenslauf Daniela Waldburger



FRAGEN & ANTWORTEN


"VIELFALT" UND "DIVERSITÄT" IM WISSENSCHAFTLICHEN TÄTIGKEITSBEREICH

  1. Wie werden "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem wissenschaftlichen Tätigkeitsbereich definiert?

    „Vielfalt“ und „Diversität“ sind eigentlich das Hauptmerkmal der Afrikanistik. Sowohl in Bezug auf die Methode als auch in Bezug auf den Gegenstand. Die Afrikanistik ist bestimmt durch die Verwendung unterschiedlicher geisteswissenschaftlicher bzw. sozialwissenschaftlicher Methoden und durch die Orientierung auf Untersuchungsgegenstände mit Afrikabezug. So beschäftigt sich die Afrikanistik mit Afrikanischen Sprachen, Afrikanischer Geschichte, Afrikanischer Literatur und mit den Beziehungen zwischen dem Norden und Afrika.
    Die Afrikanistik ist sowohl grundlagen- wie anwendungsorientiert. Sie arbeitet interdisziplinär eng mit anderen wissenschaftlichen Disziplinen (Sprachwissenschaft, Geschichte, andere Arealwissenschaften etc.) zusammen und betont innerhalb ihres Bereichs die fächerübergreifende Forschung und Ausbildung.
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  2. Welche Bedeutung haben "Vielfalt" bzw. "Diversität" in Ihrem wissenschaftlichen Tätigkeitsbereich?

    Ich unterrichte Swahili, Swahili-Literatur und angewandte Sprachwissenschaft. Das sind drei unterschiedliche Gegenstände: Sprachvermittlung, Literaturwissenschaft und Linguistik. Ich bin deshalb „gezwungen“ – und genau das schätze ich auch – vielfältig zu sein.
    Im Swahili-Sprachunterricht unterrichte ich das Standard-Swahili. Trotzdem versuche ich, die Studierenden immer wieder auch auf lokale Varietäten hinzuweisen. Sprache ist eigentlich ein wunderbares Beispiel für Varietät. Um einen Standard zu schaffen wird aus einer Vielfalt von unterschiedlichen Varianten eine Version ausgewählt, mit der sich möglichst viele SprecherInnen identifizieren sollen. Das ist nicht immer einfach, denn oft sind Identität und Zugehörigkeitsgefühl eng damit verknüpft. Einfach zu sagen, diese oder jene Variante sei besser oder schlechter ist gefährlich. Und trotzdem muss man sich auf einen Standard einigen, damit Wörterbücher und andere Printmedien im Swahili erscheinen können.
    Vielfalt bedeutet für den Sprachunterricht Kompetenzen auf verschiedenen Ebenen zu vermitteln. Auf der linguistischen Ebene soll den Studierenden das Wissen über die Sprachstruktur und das Lexikon vermittelt werden, doch das allein reicht nicht aus, um eine Sprache korrekt anzuwenden. Deshalb ist es wichtig, auch Wissen über die Gesellschaft zu bieten. Als Beispiel das Thema der Begrüssungen: Zu wissen, wie man diese Sätze bildet reicht nicht. Man muss auch wissen, dass der (für uns überaus lang erscheinende) Austausch von Begrüssungen einen enorm wichtigen Einfluss auf den weiteren Verlauf des Gesprächs hat. Und drittens soll die sozial-kommunikative Kompetenz in diesem Beispiel vermitteln, wer wann das Wort ergreifen darf.
    Im Bereich der angewandten Sprachwissenschaft für AfrikanistInnen kann ich nur mit übergreifenden Methoden arbeiten. Eine recht brauchbare Merkformel dafür, womit ich mich in diesem Zusammenhang befasse, ergeben die "8 W's", die auf die sogenannte Laswell-Formel zurückgehen: Wer sagt Was zu Wem, Wo, unter Welchen Umständen (Wann), Warum, Wie und unter Gebrauch Welcher Sprache? Analysiere ich beispielsweise eine Rede eines swahilisprachigen Politikers, brauche ich dazu die Sprachkompetenz, aber auch das Wissen zur Literatur, weil er vielleicht auf etwas, das aus der Literatur bekannt ist, anspielt. Gleichzeitig muss ich die politische Lage kennen, um die Ziele und Absichten der Rede zu verstehen.
    Befasse ich mich mit Themen der Sprachplanung und Sprachpolitik, bin ich mitten in einer politischen Debatte.
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  3. Welche problematischen Aspekte haben diese Definition/ Bedeutung von Vielfalt Ihrer Meinung nach?

    Es besteht natürlich die Gefahr, dass – wenn auf sehr breiter Basis gearbeitet wird – die Methoden nicht genau genug genommen werden, der Umgang mit Quellen nicht intensiv genug betrieben wird und oberflächlich gearbeitet wird. Um die Qualität der Arbeit zu gewährleisten ist es sehr wichtig die Spezialisierung innerhalb der Diversität im Auge zu behalten.
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"VIELFALT" UND "DIVERSITÄT" IM ARBEITSUMFELD

  1. Inwiefern spielen Vielfalt und Diversität in Ihrem Arbeitsumfeld eine Rolle (in Ihrem Team oder auch in Kooperationen)?

    Alle an unserem Institut sind spezialisiert, nur so ist es möglich, dass wir sowohl methodisch als auch den Gegenstand betreffend das ganze Feld gemeinsam abdecken können. Gleichzeitig ist es wichtig, nicht nur den eigenen Schwerpunkt im Auge zu behalten, sondern auch den Überblick über die angrenzenden Gegenstände zu haben.
    Diversität in Bezug auf Kooperationen, z.B. mit der Universität Dar es Salaam, heisst, dass wir nicht immer davon ausgehen können, dass unsere afrikanischen KollegInnen mit den selben Voraussetzungen arbeiten können wie wir. Bereits die Kommunikation per Email kann sich manchmal als schwierig erweisen, weil die Infrastruktur nicht immer funktioniert.
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  2. Auf welche Schwierigkeiten im Umgang mit Vielfalt sind Sie persönlich in Ihrem Arbeitsumfeld gestossen?

    Die enorme Breite der Afrikanistik hat natürlich zur Folge, dass ich von allem was wissen sollte, mich gleichzeitig auch in meinem Spezialgebiet immer weiter entwickeln soll und will. Der Anspruch, gleichzeitig sowohl Generalistin als auch Spezialistin zu sein, ist eine ziemliche Herausforderung und manchmal auch ganz schön anstrengend.
    Stellen Sie sich vor, wir decken einen ganzen Kontinent ab, mit all den oben erwähnten Gegenständen, das wird manchmal ziemlich viel. Niemandem würde es einfallen, von einem „Europäisten“ oder „Amerikanisten“ alles gleichzeitig zu verlangen. Bei den Nicht- AfrikanistInnen herrscht oft noch immer das Vorurteil, Afrika sei überall gleich, alle (rund 2000!) Sprachen gleichermassen einfach und die Geschichte aller Länder vergleichbar. Nur so lässt sich wohl erklären, dass die Afrikanistik noch immer als eine einzige wissenschaftliche Disziplin gesehen wird.
    Kürzlich sollten wir uns am Institut darüber einig werden, welches die fünf wichtigsten  Fachzeitschriften unserer Disziplin sind. Ein Ding der Unmöglichkeit! Geschichts-,  Literatur- und sprachwissenschaftliche Zeitschriften mit ihren regionalen oder sprachlichen Schwerpunkten sind nicht miteinander vergleichbar und viele davon gleichermassen bedeutend für das jeweilige Spezialgebiet.
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Stand: 04.05.2007
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