DIE UNIVERSITÄT WIEN GEBÄRDET SICH!
Die neue barrierefreie Gestaltung der Universitäts-Homepage

Die Universität Wien setzt einen weiteren wichtigen Schritt in Richtung Barrierefreiheit: Zentrale Informationen über Studium und Organisation sollen zum einen in Gebärdensprache (als Videos) und zum anderen in deutscher Lautsprache (also vertont) zugänglich sein. In den nächsten Monaten werden ca. 50 Seiten übersetzt werden.

Überblick über diesen Artikel:
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Wozu Videos?

Man mag sich die Frage stellen, wozu Videos in österreichischer Gebärdensprache produziert werden, wenn doch gehörlose Menschen Internet-Seiten genauso lesen können, wie andere UserInnen auch.

Mehrere Aspekte waren für die Initiierung des Projekts ausschlaggebend: Zum einen will die Universität Wien ein Zeichen für sprachliche und kulturelle Vielfalt setzen. Die Videos machen eine Auseinandersetzung mit der Gehörlosenkultur möglich, sie machen diese sichtbar und damit auf die besondere Situation gehörloser und schwerhöriger Menschen aufmerksam. (Nähere Informationen und weitere Artikel zum Thema "Gehörlosigkeit" finden Sie am Ende dieses Beitrags in der Linksammlung".)

Zum anderen sind gehörlose und schwerhörige Menschen eingeladen, sich mit dem Studien- und Arbeitsort Universität vertraut zu machen, Informationen einzuholen und Ansprechpersonen kennenzulernen.

Nicht zuletzt ist die deutsche Schriftsprache für viele Gehörlose (wie) eine Zweitsprache, die sich von ihrer Muttersprache, der ÖGS, in vielerlei Hinsicht bedeutend unterscheidet. Gehörlose Menschen können die deutsche Schriftsprache nicht "automatisch" übers Mithören erwerben, sondern müssen sie sich systematisch und bewusst aneignen. Dieser Umstand erschwert das Lesen und Verstehen der Begriffe und Phrasen.
Das Verhältnis zwischen Gebärdensprache und deutscher Schrift- und Lautsprache ist in etwa vergleichbar dem Verhältnis der chinesischen Sprache und  der deutschen Sprache. Zusätzlich zur völlig anderen Grammatik funktioniert die Gebärdensprache auch auf einer anderen Sinnesebene als die deutsche Laut- und Schriftsprache! Dieser Vergleich macht die Herausforderung deutlich, vor der gehörlose und schwerhörige Personen beim Lesen deutscher (und vor allem:wissenschaftlicher) Texte stehen.


Die Koppelung von Bild und Text auf den barrierefreien Seiten ermöglicht ein Hin- und Herspringen zwischen den Sprachen und unterstützt dadurch das Verständnis. - Sowohl der Gebärdensprache, als auch der deutschen Laut- und Schriftsprache!

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Wozu eine Tonspur?

Die wichtigsten Seiten mit den zentralen Informationen zur Universität Wien werden auch in deutscher Lautsprache abrufbar sein.
Blinden und sehgeschädigten Menschen ist zwar das Lesen von Seiten mittels technischer Behelfe wie Braille-Zeilen oder Sprachausgabe-Softwares möglich, allerdings verfügen nicht alle sehbeeinträchtigten Personen über derartige Hilfsmittel.
Die Links, die nun in Video, Text und Bild zugänglich sind, sollten mit einem standardmäßig ausgerüsteten Computer ohne derartige weitere Hilfsmittel leicht abrufbar sein. Die Computer an der Universität Wien - sowohl die Arbeitscomputer, als auch die öffentlichen PCs in den Computerräumen - sollten mit der erforderlichen Software ausgestattet sein.

Darüber hinaus können hier dieselben Argumente wie am Beispiel der Gebärdensprache eingebracht werden:
Das Projekt der barrierefreien Gestaltung der Universitäts-Homepage zielt auf einen wechselseitigen Austausch: Nicht nur sollen sehbeeinträchtigte oder gehörlose und schwerhörige Menschen auf die Universität Wien neugierig gemacht werden , sondern es soll auch die Möglichkeit genutzt werden, die Erfahrungswelt blinder und sehgeschädigter bzw. gehörloser und schwerhöriger Personen sichtbar zu machen und ein Stück weit kennen zu lernen.

Des weiteren mag für alle BesucherInnen, deren Muttersprache nicht Deutsch ist, das Hören der deutschen Lautsprache und die Möglichkeit, die auditive Ebene mit dem gelesenen Text zu verbinden, eine Erleichterung und Bereicherung darstellen.

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Die Umsetzung

Die barrierefreie Gestaltung der Universitäts-Homepage wurde vom Diversity Management-Team initiiert. Der Zentrale Informatik-Dienst (ZID) hat sich bereit erklärt, die Kosten für den Ankauf der Software zu übernehmen, der Verein ÖGS barrierefrei produziert die Videos, schneidet sie und unterlegt sie mit einer Tonspur. Gebärdensprachige Studierende und MitarbeiterInnen der Universität Wien übersetzen die Texte.

Nachdem die Videos im Studio von ÖGS barrierefrei aufgezeichnet und geschnitten werden, wird in einem nächsten Schritt Bild und Text verbunden: Jener Textabschnitt, der gerade gebärdet wird, ist im Endprodukt grau unterlegt. Parallel dazu wird der Text verlesen und kann abgehört werden.
Will man nicht den gesamten Text lesen, gebärdet haben oder hören, kann man bei längeren Texten auch zu einzelnen Passagen springen. Das Video und die Tonspur "springen mit".

Auf diese Weise werden in den nächsten Monaten ca. 50 Gebärdensprach-Videos entstehen. Von allgemeinen Informationen über die Universität Wien, Ansprechpersonen und Anlaufstellen bis hin zu Zulassungskriterien zum Studium sind in Zukunft relevante Daten und Fakten multimedial zugänglich. Die Universität Wien setzt mit diesem Projekt ein Zeichen ihrer Offenheit gegenüber kultureller Vielfalt und ihrer Bereitschaft zur Barrierefreiheit. 

Auf der Homepage von ÖGSbarrierefrei können Sie sehen, wie die neuen barrierefreien Seiten gestaltet sein werden.

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Links

Zur Übersicht über alle unsere Artikel zum Thema "Gehörlosigkeit"

Zur Homepage des Vereins "ÖGSbarrierefrei" (hier können Sie sehen, wie das fertige Produkt aussehen wird)

Zur Homepage des VÖGS (Verein österreichischer gehörloser Studierender)

Zum Behindertenbeauftragten der Universität Wien
Unterstützung für blinde und sehbehinderte Studierende an der Universität Wien
Blindenarbeitsplatz in der Universitätsbibliothek

Zum Zentralen Informatikdienst (ZID)

 

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Stand: 04.05.2007

 

Link zur barrierefreien Seite

Die gebärdensprachigen Studierenden, die die Texte der Universitäts-Homepage in ÖGS gebärden.

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