STUDY NOW!
Unterstützung für gehörlose Studierende

Barbara Hager vom Diversity Management an der Universität Wien hat zehn Fragen an die Projektleiterinnen (PL) des Projektes "study now" gestellt:
Die Pädagoginnen Ilona Seifert (IS), gehörlos, und Mag.a A. Verena (VP) Petzl, hörend, vom VÖGS (Verein österreichischer gehörloser StudentInnen) wollen mit "study now" eine Studienbegleitung für gehörlose und schwerhörige StudentInnen etablieren, um für diese ein barrierefreies Studium an der Universität Wien zu schaffen.

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FRAGENÜBERSICHT

  1. Was hat Sie dazu gebracht, das Projekt "study now" zu entwickeln?

  2. Was sind die Ziele und Zwecke des Projekts "study now"?

  3. Warum ist an den Universitäten eine Anlaufstelle - im Projekt "study now" die Studienassistenz - für gehörlose und schwerhörige Studierende so wesentlich?

  4. Wann ist die Vorprojektphase gestartet?

  5. Hat die Vorprojektphase bereits gehörlose und schwerhörige StudentInnen unterstützt, um erfolgreich zu studieren?

  6. Was sind die Tätigkeiten von "KommunikationsassistentInnen" und "TutorInnen" im Projekt "study now"?

  7. Wie unterschiedlich ist der Bedarf an KommunikationsassistentInnen und TutorInnen für schwerhörige und gehörlose Studierende?

  8. Was sind die besonderen Vorteile, die ein/e KommunikationsassistentIn bzw. TutorIn der/dem gl/sh StudentIn bringen?

  9. Bekommt das Projekt "study now" bereits Unterstützung von verschiedenen Institutionen bzw. Organisationen?

  10. Wie würde die Finanzierung des Projektes ablaufen?

 

INTERVIEW

1. Was hat Sie dazugebracht, das Projekt "study now" zu entwickeln?

Verena Petzl (VP): Der Hauptgrund für dieses Projekt ist das bisher mangelnde Verständnis für die individuellen Bedürfnisse Gehörloser, die es gilt, in den universitären Betrieb unbürokratisch und hürdenlos zu inkludieren. Unser Projekt "study now" gewährleistet einen bilateralen Lösungsansatz, der sowohl von der fachspezifischen als auch von der Kommunikationsproblematik her die Hürden erfasst und durch ausgereifte Entwicklungsschritte auflöst.
Diese Lösungskette umfasst auf der gebärdensprachkompetenten Seite sowohl die Studienassistenz (Projektleiterinnen), als auch KommunikationsassistentInnen, welche interagierend mit den zu betreuenden StudentInnen auf die fachliche Kompetenz der TutorInnen zurückgreifen können. Ebenfalls bietet sich die kollegiale Unterstützung durch Mitstudierende in Form von Mitschreibkräften an.

Ilona Seifert (IS): Für mich hat alles mit der Idee von Herrn Professor Dr. Gstach von der Arbeitsgruppe Sonder- & Heilpädagogik begonnen. Er bot den StudentInnen einen Praktikumsplatz dafür an, dass sie mich beim Besuch von einzelnen Lehr-Veranstaltungen begleiten. Ihre Aufgabe lag darin, für mich
Mitschriften zu verfassen. Eine dabei für mich wichtige Voraussetzung war, dass die StudentInnen Gebärdensprachkompetenz mitbringen sollten (in unserem Projekt sind dies die KommunikationsassistentInnen). Beim ersten Treffen war ich total überrascht, wie viele hörende Studentinnen Gebärdensprache
lernen. Darum habe ich sehr positive Erfahrungen mit hörenden StudentInnen, die mich begleitet haben, gemacht. Es ist mir gelungen, den Studienbetrieb wie hörende StudentInnen mitzuerleben. Beispielsweise konnte ich meine Anwesenheitspflicht bei den Veranstaltungen erfüllen. Ohne diese Art der Unterstützung hätte ich mich niemals in so einer intensiven Form am Studium beteiligen können. Besonders unterstützten mich meine KommunikationsassistentInnen sowohl bei kleineren und größeren Hürden im Studienalltag, als auch besonders bei den sonst für mich gänzlich unmöglichen Gruppenarbeiten.

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2. Was sind die Ziele und Zwecke des Projektes "study now"?

VP: Unser Ziel ist es, dieses System auf den österreichisch-universitären Sektor auszuweiten, als kompetente Institution zu fixieren und die hierfür nötigen Ressourcen im Sinne eines langfristig barrierefreien Universitätszuganges zu sichern.
Als primäre Anlaufstelle sehen wir hier die "Studienassistenz", welche als gebärdensprachkompetente Achse zwischen StudentInnen und Universität fungiert und unserem vorrangigsten Ziel dient, gehörlosen und schwerhörigen StudentInnen einen hürdenlosen, effizienten und unbürokratischen Zugang zu universitärem Wissen zu ermöglichen.
Als Referenz setzt sich das Projekt "study now", das für hörende MitstudentInnen schon längst erreichte Maß an selbstverständlichem, universitärem Wissenszugang.
Unser vorrangiges Ziel muss also INKLUSION im Sinne einer Zusammenführung und Optimierung beider Ansätze sein und nicht eine, wie bisher oft übliche Integration, bei der sich gewöhnlich eine Minderheit der Mehrheit anpasst.

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3. Warum ist an den Universitäten eine Anlaufstelle - im Projekt "study now" die Studienassistenz - für gehörlose und schwerhörige Studierende so wesentlich? 

VP: Die "study now" Studienassistenz sehen wir als  primäre Anlaufstelle, welche als gebärdensprachkompetente Achse zwischen StudentInnen und Universität fungiert. Primär dient sie unserem vorrangigsten Ziel, gehörlosen und schwerhörigen StudentInnen einen hürdenlosen, effizienten und unbürokratischen Zugang zu universitärem Wissen zu ermöglichen. Dabei überbrückt sie die unterschiedlichen Kommunikationsmodi zwischen Hörenden und Gehörlosen und klärt die betreuten StudentInnen darüber auf, was sie in der universitären Gemeinschaft bewirken, fordern und ändern können.

IS: In erster Linie richtet sich die Studienassistenz an die Gruppe der Gehörlosen und Schwerhörigen, welche trotz bisher größter Anstrengungen der Behindertenbeauftragten aufgrund verschiedenster Probleme - zum Teil Kommunikationsprobleme - nur schwer direkt zu erreichen war. Das Wissen um die Bedürfnisse unserer betreuten StudentInnen  hilft uns dabei enorm, das Projekt „study now“ verständlich und den Anforderungen gerecht auszurichten.

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4. Wann ist die Vorprojektphase gestartet? 

IS: 2004 wurde der erste Antrag von Herrn Prof. Gstach an die Universität Wien gestellt, welcher jedoch abgelehnt worden ist. Trotzdem haben wir, Verena und ich, mit unverminderter Energie an unserem Projekt weiter gearbeitet.

VP: Ende 2005 Anfang 2006 konzipierten wir das Projekt mit klaren Richtlinien und bedürfnisgerechten Zielen neu, und setzten "study now" mit 13 gehörlosen/schwerhörigen StudentInnen, 13 hörenden Kommunikationsassistentinnen und einem Tutor erfolgreich in die Praxis um. Mittlerweile hat sich "study now" in den Studienrichtungen Pädagogik und Psychologie einen Namen gemacht, einen Aktionspool aufgebaut und sich unter den StudentInnen als unabdingbare Unterstützung etabliert. -Dies alles geschieht jedoch ohne jeglichen finanziellen Rückhalt.

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5. Hat die Vorprojektphase bereits gehörlose und schwerhörige StudentInnen unterstützt, um erfolgreich zu studieren?

IS: Bereits im Februar 2006 gab es das erste gemeinsame Treffen von Interessierten und Willigen aller Seiten. Es wurden Studienpläne ausgetauscht und Termine für die künftige Begleitung im Sommersemester 2006 vereinbart.
Im Sinne unseres Projektes hielten wir ständig Rücksprache mit allen Beteiligten und konnten so innerhalb kürzester Zeit etwaig aufgetretene Probleme, unmittelbar und zufriedenstellend lösen.

VP: Unser dichtes Kommunikations- und Aufgabenverteilungsnetz konnten wir bereits im Juni, bei unserem Semesterabschlusstreffen, durch erfolgreich bestandene Leistungen seitens der gehörlosen/schwerhörigen StudentInnen als vollen Erfolg in der Praxis verbuchen.

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6. Was sind die Tätigkeiten von "KommunikationsassistentInnen" und "TutorInnen" im Projekt "study now"?

VP: KommunikationsassistentInnen sind seitens des Projektes "study now" gebärdensprachkompetente MitstudentInnen, die den gehörlosen/schwerhörigen StudentInnen den dargebrachten Vorlesungsinhalt  in Form von Mitschriften und direkter Kommunikation in österreichischer Gebärdensprache (ÖGS) vermitteln.
TutorInnen erfüllen im Rahmen ihrer normalen Tätigkeit fachspezifische Anfragen, stehen aber bei Bedarf auch für längere Sitzungen mit gehörlosen/schwerhörigen StudentInnen  und deren KommunikationsassistentInnen bereit.

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7. Wie unterschiedlich ist der Bedarf an KommunikationsassistentInnen und TutorInnen für schwerhörige und gehörlose Studierende?

IS: Da ich selber gehörlos bin, weiß ich um die Rahmenbedingungen gehörloser StudentInnen bestens Bescheid. Schwerhörige StudentInnen erleben ganz ähnliche Situationen im Studienalltag. Der Unterschied zu den gehörlosen StudentInnen betrifft meistens die  Kommunikation. Das bedeutet, schwerhörige Studentinnen sind nicht unbedingt gebärdensprachkompetent, was sie im Studienalltag oft noch vor andere Probleme stellt. Hier zeigt sich ganz deutlich, was eines der Hauptziele von "study now" sein muss, nämlich: für jede/n StudentIn individuelle Rahmenbedingungen zu schaffen.

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8. Was sind die besonderen Vorteile, die ein/e KommunikationsassistentIn bzw. TutorIn der/dem gl/sh StudentIn bringen?

IS: Der besondere Vorteil für gehörlose/schwerhörige StudentInnen ist, dass die im Studium bestehenden Kommunikationsbarrieren mithilfe der KommunikationsassistentIn und TutorIn bestmöglich ausgeglichen werden. Der Studienfortschritt kann durch diese Unterstützung annähernd zeitgleich, wie bei hörenden StudentInnen, eingehalten werden.

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9. Bekommt das Projekt "study now" bereits Unterstützung von verschiedenen Institutionen bzw. Organisationen?

VP: Um überhaupt unser engagiertes Projekt - im Rahmen des Feldversuches - in die Praxis umsetzen zu können, bedurften wir eines ordentlichen Trägervereins. Unter der Koordination der Selbstvertretung VÖGS (Verein österreichischer gehörloser StudentInnen), konnten wir nun unsere Vorprojektphase anlaufen lassen. Zusätzlich bekommen wir laufend kritisches Feedback von verschiedensten universitären Seiten, sei es von Hr. Univ. Prof. Dr. Gstach, der unser Projekt seit der ersten Stunde begleitet oder von anderen engagierten Universitätsangestellten, wie Behindertenbeauftragten, welche das Potential von "study now" beeindruckt und zu  viel versprechenden Kooperationsmöglichkeiten anregt.

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10. Wie würde die Finanzierung des Projektes ablaufen?

VP: Es wären mehrere Finanzierungswege im Rahmen der Universität Wien vorstellbar. Der Idealfall wäre, dass "study now" in die antidiskriminierenden Maßnahmen zur Behindertengleichstellung der Universität Wien integriert wird. Da das Projekt unsererseits bereits in der Praxis erprobt wurde, ist ein unverzüglicher, groß angelegter Projektstart jederzeit möglich.                   

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Mitmachen bei Study Now!

Bei "Study now!" mitzumachen ist ganz einfach! Wenn Sie Mitschriften zur Verfügung stellen oder gehörlose Studierende beim Aneignen von Lerninhalten unterstützen wollen, dann melden Sie sich doch bei studynow(at)voegs.at!
Die Mitarbeit erfolgt freiwillig und unentgeltlich, Gebärdensprachkenntnisse sind erwünscht, aber nicht erforderlich.

Tätigkeitsprofil:
- Anfertigen von Lehrveranstaltungsmitschriften
- eventuell Lernunterstützung

Anforderungsprofil:
- kontaktfreudig und zuverlässig
- Sie sollten regelmäßig die jeweilige Lehrveranstaltung besuchen

Bonus für Sie:
- Erwerb oder Vertiefung von Gebärdensprachkenntnissen

Zeitaufwand:
- nach eigenem Ermessen

Gesuchte Studienrichtungen bzw. Universitäten:
- Biologie
- Jus
- Molekularbiologie
- Sprachwissenschaft
- Pädagogik
- Psychologie
- Akademie der bildenden Künste
- TU Wien

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Stand: 04.05.2007

 

  

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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