ÖH-Referat für sozial und kulturell benachteiligte Studierende

Studierende aus nicht-akademischen Familien haben oftmals Fragen und Probleme, für die im Alltagsbetrieb Universität kein Platz zu sein scheint. Für diese Studierenden gibt es Unterstützung von der ÖH Uni Wien.

Fast jede/r kennt aus der eigenen Erfahrung die Situation, dass sich in (Pro-)Seminaren einige Studierende sehr schnell und selbstsicher Raum in universitären Diskussionen schaffen können, und damit schließlich denjenigen, die womöglich mehr zu sagen hätten, den Platz versperren. Manche, scheint es, kommen schon seit der Volksschule immer etwas besser mit dem Bildungssystem zurecht und können dadurch schneller potemkinsche Dörfer gespielter Intelligenz mauern. Diese Selbstsicherheit im Umgang mit Bildungsinstitutionen ist dabei weder gott- noch naturgegeben.
Oftmals handelt es sich dabei um Studierende, deren Eltern selbst höhere Bildung genossen haben, die schon als Kinder Umgang mit der verschnörkelten AkademikerInnensprache hatten, die vielleicht mit ihren Eltern Seminararbeiten durchgehen, bevor sie diese abgeben. Andere Studierende, nennen wir sie einmal „finanziell und kulturell benachteiligt“, haben diese Möglichkeit nicht. Für sie ist die Universität ein völlig neuer Raum, in dem es sich erst einmal zu orientieren gilt. Dass sie es dabei schwieriger haben, mit dieser Situation umzugehen, liegt auf der Hand.

Gemeint sind dabei vor allem Studierende deren Eltern im weitesten Sinn aus der ArbeiterInnen- oder Bauern/Bäuerinnenschicht kommen, deren Eltern also VerkäuferInnen oder HandwerkerInnen sind, gelernte oder ungelernte ArbeiterInnen, „kleine“ Bauern/Bäuerinnen, untere Angestellte, untere BeamtInnen, Arbeitslose oder SozialhilfeempfängerInnen ohne Matura.
Wer die „Schmähs“ und Tricks der Universität nicht kennt, kann öfters mal auf die Nase fallen. Leider denken sich „finanziell und kulturell benachteiligte“ Studierende beim Auftreten erster Probleme häufig sie seien für ein Studium nicht geeignet und gehen dann in die vertrauten Berufsfelder ihrer Eltern zurück.

Wir glauben, dass diese Situation geändert werden muss. Wir, das ist der Arbeitskreis mit dem sperrigen Titel „Studierende aus bildungsfernen Schichten“. Wir haben uns dazu aus unserer eigenen Betroffenheit zusammengefunden und versuchen diesem Trend entgegen zu steuern. In Arbeits- und Diskussionstreffen, aber auch in Form von Tutorien wollen wir Netzwerke zwischen „Studierenden aus bildungsfernen Schichten“ knüpfen. Was das bringen soll?
Die Netzwerke sollen dazu dienen, aus den Erfahrungen anderer Studierender zu lernen. Das kann damit beginnen, dass die Möglichkeit gegeben sein soll, seine erste Proseminararbeit vor dem Abgeben einem/einer höhersemestrigen Studenten/in zeigen zu können. Es kann darin bestehen, über Probleme mit dem Universitätsbetrieb zu diskutieren und sich Lösungsmöglichkeiten zu überlegen. Oder darin, Informationen zu Stipendien, Fördertöpfen und arbeitsrechtlichen Problemen zu erhalten. Es kann auch bis hin zur Gründung einer Diplomarbeitsgruppe gehen, die sich gegenseitig unterstützt.

Wir finden es wichtig, Studierende aufgrund ihrer Bildungsherkunft zu vernetzen, da diese oftmals sehr ähnliche Probleme haben. Probleme, die von den Betroffenen meist auf ein individuelles Versagen oder persönliche Unzulänglichkeit zurückgeführt werden. Dennoch zeigt sich, dass sich viele Probleme auf die Bildungsstruktur zurückführen lassen. Eine, die immer noch nicht in der Lage ist, auf „BildungsaufsteigerInnen“ adäquat zu reagieren.
Aus dem Arbeitskreis ist mittlerweile ein eigenes Referat an der ÖH Uni Wien entstanden.

Dieses koordiniert den Arbeitskreis. Es berät betroffene Studierende. Darüber hinaus sammelt es Informationen und Texte zum Thema soziale Ungleichheit im Bildungssystem.

Kontakt

Wenn du an der Arbeit des Referats bzw. Arbeitskreises interessiert bist, sende ein E-Mail an
arbeiterInnenkinder(at)oeh.univie.ac.at

oder schau beim Journaldienst dienstags zwischen 15.00 und 18.00 vorbei.

Schließlich gibt es für alle, die an Fragen sozialer Ungleichheit im Bildungssystem interessiert sind, eine eigene Mailingliste. Wer diese abonnieren möchte, sende ein leeres E-Mail an

arbeiterInnenkinder-subscribe(at)yahoogroups.de

 

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Stand: 04.05.2007

 

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