Archiv für den Monat: Februar 2016

Doktorand_innen finanzieren statt Doktorat beschränken!

Die Universitätenkonferenz (Uniko) gab kürzlich bekannt, nun auch den Zugang zu Doktoratsstudien beschränken zu wollen – die Rede ist von „qualitativen Zugangsbeschränkungen“, aber noch ist unklar, wie diese genau aussehen sollen. „Zugangsbeschränkungen für das Doktorat bedeuten klar, dass junge Forscher_innen noch früher aus dem Wissenschaftsbetrieb gedrängt werden“, zeigt sich das Vorsitzteam der ÖH Uni Wien entsetzt. „Wir fordern daher, Doktorand_innen besser zu finanzieren anstatt das Doktorat zu beschränken!“
Schon jetzt stehen Studierende im Doktorat vor massiven Herausforderungen: Die meisten Dissertant_innen schreiben ihre Arbeit völlig isoliert vom Wissenschaftsbetrieb, da Vernetzungsstrukturen und Unterstützung fehlen. Doktoratsstudien sind eklatant unterfinanziert, die Streichung von Beihilfen und Stipendien, und die prekären Arbeitsverhältnisse erschweren den Abschluss. Als erstes davon betroffen sind naturgemäß Studierende ohne den entsprechenden sozioökonomischen, bildungsbürgerlichen Hintergrund. „Auch der Frauenanteil sinkt kontinuierlich, je höher der akademische Ausbildungsgrad: So liegt der Anteil der weiblichen Studierenden in manchen Fächern im Doktorat schon jetzt unter 30 Prozent. Den Universitäten sollte eine breit angelegte, diverse Forschungslandschaft am Herzen liegen, nicht die Reproduktion elitärer Strukturen“, so Magdalena Hangel von der Studienvertretung Doktorat Philosophie.
Wenn junge Forscher_innen kein adäquates, ausfinanziertes Forschungsumfeld in Österreich vorfinden, werden sie langfristig dazu gezwungen, ins Ausland abzuwandern. Gerade in Österreich, mit der sehr niedrigen Akademiker_innenquote von 21 Prozent sollte es ein Anliegen sein, eben dies zu vermeiden – liegt doch der Schnitt in der OECD bei 33 Prozent.
Dass dafür mehr Geld für den tertiären Bildungssektor aufgewendet werden muss, liegt auf der Hand: Die ÖH Uni Wien fordert bereits seit Jahren, dass 2 Prozent des BIP in die Hochschulbildung fließen. „Dass der Geldmangel hier schon wieder auf die Studierenden abgewälzt wird, ist nicht tragbar! Wir fordern eine Ausfinanzierung des Hochschulsektors und einen freien Zugang zur Bildung!“, schließt das Vorsitzteam der ÖH Uni Wien.
(Diese Stellungnahme wurde gemeinsam mit der ÖH Uni Wien verfasst und ist auch auf deren Webseite abrufbar.)