Eheverfahren

Wie bereits mehrfach erwähnt, wandten sich Ehefrauen und Ehemänner mit den verschiedensten Interessen an die Gerichte. Um die verschiedenen Klageinteressen bei quantitativen Abfragen berücksichtigen zu können, differenzierten wir zehn verschiedene Verfahren in der Hauptsache, elf Zusatzverfahren und vier Folgeverfahren. Getrennt ausgewiesen werden zudem die Appellations- und Revisionsverfahren, die Exekutionsverfahren sowie Anzeigen von Pfarrern. Die Differenzierung wie auch die Benennung der einzelnen Verfahrensarten und ihrer Kategorien wurde vor allem aus den Quellen entwickelt.

Obwohl die Eheverfahren in der Regel „sowohl schrift- wie mündlich“ geführt worden waren, sind, wie im Abschnitt über die Datenerhebung ausgeführt, für die Eheverfahren bis 1783 die eingereichten Schriften und Atteste nicht mehr überliefert. In der Arbeit mit oft sehr dürftigen Protokolleinträgen waren wir daher mit der Schwierigkeit konfrontiert, diese dem „richtigen“ Verfahren zuzuordnen. Die Datierung der Einträge war nicht immer ein Anhaltspunkt, da die Eheleute neben dem Verfahren in der Hauptsache oft auch in Zusatzverfahren prozessierten. Vor allem für Zeitabschnitte, in welchen die Konsistorialprotokolle zwar kurze Informationen zu den eingereichten Anträgen und deren gerichtliche Erledigung verzeichnen, die Protokolle der Tagsatzungen und die Urteile aber nicht enthalten sind, war die Zuordnung mitunter nicht einfach.

Die Rekonstruktion der verschiedenen Eheverfahren wie auch die Zuordnung der einzelnen Einträge setzte nicht nur eine genaue Kenntnis des Zivilprozessrechtes und seiner unterschiedlichen Verfahrensabschnitte voraus, sondern auch ein close reading aller überlieferten Informationen zu einem Ehepaar. Vielfach mussten wir anhand der gerichtlichen Erledigungen entscheiden, ob die Eingaben sich auf das Verfahren in der Hauptsache oder auf eines von manchmal mehreren Zusatzverfahren bezogen. Die Zuordnung der Einträge zu den Verfahrensarten und den jeweiligen Kategorien ist daher immer auch Interpretation und hätte ohne eine relationale Datenbank nicht geleistet werden können.

Andrea Griesebner

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