Elektronische Recherche - Praktischer Leitfaden - Gernot Hausar - 2007

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Praktischer Leitfaden für die elektronische Recherche im Internet ·

Hausar Gernot (Autor) · Wien (2007)

Herausgeber:  · Verlag:  · (Ed)
ISBN/ISBN13:/ · ISSN:
Sprache: Deutsch · Version: v1.00 (Volltext)
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Elektronische Recherche - Leitfaden für die Suche im Internet
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Hausar Gernot: Praktischer Leitfaden für die elektronische Recherche im Internet . In: eLib.at (Hrg.), 24. September 2017. URL: http://elib.at/
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 · Aufsatz · Elektronisches Dokument ·
Informatik · Recherche · Geschichte · Hilfswissenschaft · Archiv
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Volltext



Praktischer Leitfaden für die elektronische Recherche im Internet

Gernot Hausar
2007


Abstract

Dieser Artikel soll kurz die Möglichkeiten der Recherche im Internet anhand des Suchbegriffes Hans Haufe aufzeigen.



Einleitung

„(…) ich hatte mir eine Art künstliches Gedächtnis aus Kärtchen mit Querverweisen geschaffen. Kant - Nebelfleck - Laplace ... Kant - Königsberg - die sieben Brücken von Königsberg - Theoreme der Topologie ... Ein bißchen wie jenes Spiel, bei dem man durch Assoziation in fünf Schritten von Würstchen zu Plato gelangen soll. Sehen wir mal: Würstchen - Schwein - Borste - Pinsel - Manierismus - Idee - Plato. Leicht. Auch das verquasteste Manuskript brachte mir noch mindestens zwanzig neue Kärtchen für meine Vernetzungen ein. Das Kriterium war streng, und ich glaube, es ist dasselbe, das auch die Geheimdienste anwenden: Keine Information ist weniger wert als die andere, das Geheimnis besteht darin, sie alle zu sammeln und dann Zusammenhänge zwischen ihnen zu suchen. Zusammenhänge gibt es immer, man muß sie nur finden wollen.“
Umberto Eco, Das Foucaultsche Pendel, S 265ff [1]


Seitdem ich die oben zitierte Passage aus Umberto Ecos Foucaultschen Pendel gelesen habe, faszinierten mich die Möglichkeiten des Sammelns und der Organisation von Information. Dies äußerte sich zuerst zum Leidwesen meiner Familie im Sammeln von Zeitungsartikeln, später von Büchern. Mit dem Aufkommen von Festplatten wurde mein Zimmer wieder sauber und ordentlich, was die Bereitschaft meiner Eltern, weitere Computeranschaffungen zu finanzieren sehr positiv beeinflusste. Mit den ersten Scannern schrumpfte auch langsam meine analoge Kollektion und wurde im Volltext erkannt und in meinen elektronischen Suchindex gefüttert. Kaum hatte ich meinen ersten Internetzugang, stieß ich auf ein neues, mir bis dahin nicht bekanntes Problem: zu viel Information und kein vernünftiger Index. In der Folge befasste ich mich intensiv mit den elektronischen Recherchemöglichkeiten. Das nachfolgende Dokument wird auch auf der Studienplattform eLib (http://www.literature.at/elib/) veröffentlicht, damit es weiter ergänzt werden kann und auch anderen Suchenden von Nutzen ist. Also auf ins Chaos.


Schritt 1: Aussagekräftige Suchbegriffe

Wenn man einen neuen, meist unbekannten Begriff sucht, dann muß man zuerst Hintergrundinformationen sammelt, um sinnvolle Suchanfragen mit Suchbegriffen formulieren zu können. Erste Anlaufstelle sind hier generelle Anfragen bei einer oder mehreren großen Suchmaschinen (jede ordnet Informationen anders) mit dem exakten (unter Anführungszeichen) Suchbegriff „Hans Haufe“. Wir wissen, dass es sich um einen Kunsthistoriker handelt, der einen Nahebezug zu Lateinamerika hat und dass Wikipedia noch keinen Eintrag zu ihm enthält. Daher befragen wir andere Enzyklopädien:

http://www.probertencyclopaedia.com/ : Kein Eintrag
http://www.britannica.com/ : Kein Eintrag
http://de.encarta.msn.com/ : Kein Eintrag, allerdings eine eMail: hans.haufe@web.de
http://www.bartleby.com/ : Kein Eintrag
http://www.wissen.de/ : Kein Eintrag

Zuerst informieren wir uns im österreichischen Bibliotheksverbund über die Veröffentlichungen von Hans Haufe – dies kann man online über http://meteor.bibvb.ac.at/ tun. Wir finden zwei Werke:

  • 30 Jahre Blendersaumschlag in Württemberg
  • Funktion und Wandel christlicher Themen in der mexikanischen Malerei des 20. Jahrhunderts

Rezensionen bei Amazon können uns rasch einen Ersteindruck vom Inhalt und möglichen Suchbegriffen verschaffen. Nun können wir die großen Suchmaschinen bemühen:


http://www.google.com : Auf den ersten Ergebnisseiten finden wir folgende magere thematische Ausbeute. Zuerst den Buchtitel Funktion Und Wandel Christlicher Themen in Der Mexikanischen Malerei Des 20. Jahrhunderts von Hans Haufe beim Online-Buchgeschäft Alibris. Dann einen Verweis auf die über die Uni Wien aus Kostengründen nicht komplett abrufbare kostenpflichtige Datenbank JStor, die uns zu obrigen Titel auch einen Review im Hispanic American Historical Review von 1979 [2] verspricht. Ebenfalls in JStor finden wir die erste Seite eines von Haufe für die Zeitschrift für Kunstgeschichte verfassten Aufsatzes mit dem Titel Rufino Tamayo: Die Integration der Mythen in die Moderne.[3] Auf der Homepage der Uni Heidelberg finden wir schließlich noch einen kurzen Lebenslauf von Prof. Dr. Hans Haufe. Neben den Titeln weiterer Bücher und Aufsätze finden wir nichts Brauchbares.

http://www.alltheweb.com : Eine schnelle Suchmaschine, die uns aber auch nur auf Haufes Farbdiavortrag Indianische Siedlungen in der Sierra Norte del Puebla:Eine bedrohte Kulturlandschaft, seine Aufsätze zur Stadterneuerung in Kolumbien[4] und eine Baufirma gleichen Namens verweist.

http://www.yahoo.com : Yahoo führt uns auf die Seite des Alfredo Ramos Martinez Research Project,[5] über welchen auch Haufe publiziert hat. Wir kommen auch auf den ersten sinnvollen Volltext über Stadtentwicklung, der hauptsächlich Haufe zitiert. Auch auf das erste Photo des Professors stoßen wir auf einer Kursseite. Verdächtig auch die Erwähnung auf den Seiten der Fledermaus-Fachtagung, wo wir erfahren, daß ein gewisser verehrter Hans Haufe die Gruppe Fledermaus-Schutz lange geleitet hat – leider ist es nicht der von uns gesuchte Professor.[6]

Generelle Anleitungen zum Umgang mit Archiven und Quellen geben diese Seiten:

Grundlegendes zur Recherche in den Papierarchiven
Gebrauchsanleitung für Archive - Praktischer Leitfaden für die Quellenrecherche (Martin Burkhardt)
«Ad fontes» - Eine Einführung in den Umgang mit Quellen im Archiv (Uni Zürich)
Geschichte Online Uni Wien (Wissenschaftliches Arbeiten, Recherche, Didaktik)
Literaturrecherche Uni Tübingen


Schritt 2: Volltexte für die wissenschaftliche Arbeit

Mit der Einschränkung auf Dokumente haben wir eine größere Chance, verwendbare Volltexte zu finden. Dies erreichen wir entweder direkt durch die Eingabe von „Hans Haufe“ filetype:pdf oder über das Menü Advanced Search. Wir bekommen zwar fast keine Dokumente von Hans Haufe, die größtenteils auch noch unter Urheberrechtsschutz stehen, allerdings einige Dokumente, die Haufe zitieren bzw sich auf Haufe beziehen und diverse Vorlesungsverzeichnisse, Programme von Konferenzen und Vorträgen, die uns auf Tagungsbände und Aufsatzsammlungen zum Thema verweisen – kostenpflichtig zu bestellen über Amazon oder in der lokalen Buchhandlung.

Verschiedenste Suchanfragen mit Einschränkungen aller Art kann man sich bei den meisten Suchmaschinen über die Advanced Search basteln.

Fortgeschrittene Suchfunktionen verwenden (Boolsche Operationen)
Google Suchhilfe / Hilfeseite zum Ausdrucken
Yahoo Suchhilfe
Generelle Einführung / Hintergrund

Wenn man Content weiterverwenden möchte, kann man auch nach Creative Commons Lizenzierung suchen, so zum Beispiel über Google oder creativecommons.org.

In der Revista Ideas Ambientales finden wir endlich einen frei verfügbaren Volltext von Professor Haufe:


Sekundärtexte, die Haufe zitieren, finden wir in der Datenbank der Biblioteca Luis Ángel Arango zum Beispiel im Aufsatz Antiguas Ciudades Coloniales von Heinz Heineberg vom Institut für Geographie der Universität Münster.


Nun wird es Zeit, einige Spezialsuchmaschinen und Datenbanken zu befragen, die zwar nicht immer den kompletten Text, aber 3-5 Seiten zur Ansicht haben. Wenn die Geldbörse oder die Zeit knapp ist, kann man so auch zu wertvollen und weiterverwendbaren Informationen kommen:

http://books.google.com: Google Books hat keine Bücher von Haufe zur Ansicht, aber 43 Treffer von Büchern, in denen der Begriff „Hans Haufe“ vorkommt. Nun gut. Allerdings ist Haufes Buch Funktion Und Wandel Christlicher Themen in Der Mexikanischen Malerei Des 20. Jahrhunderts bei Google von einer gewissen Hana Haufe geschrieben. Interessant. Die Unteroption Full view liefert keine Ergebnisse.


http://www.perlentaucher.de/ : Bücher Rezensionen, Editorials und Biographien finden sich in dieser ausgezeichneten Datenbank, die sich auf deutsche Printmedien bzw ins Deutsche übersetzte Artikel konzentriert. Bei der Suche hilft und Google mit der Option site:perlentaucher.de, die nur Ergebnisse von Perlentaucher liefert – leider erfolglos.

http://www.Eurozine.com/ : Über 50 Kultur-Magazine aus Europa werden ausgewertet und die Artikel in andere europäische Sprachen übersetzt. Eine gute Anlaufstelle, nur auch hier leider kein Erfolg. Zu den Suchbegriffen Lateinamerika Geschichte und Stadt finden wir allerdings einige interessante Artikel.

Über die Seiten der meisten Universitätsbibliotheken kann man auch von zu Hause über ein Virtuelles Privates Netzwerk (VPN) die elektronsichen Zeitschriftensammlungen und Datenbanken nutzen.

Einige Uni Bibliotheksseiten mit VPN
[Uni Datenbanken] / [Graz] / [Salzburg] / Wien (VPN) / Innsbruck / [Zürich] / [Hildesheim]

Abschließend können wir uns noch die Sammelwut anderer Internetbenutzer zu Nutze machen, indem wir Ihre Link- und Zitatsammlungen auf den verschiedenen Portalen durchsuchen, um auf interessante Seiten zu stoßen:

http://www.citeulike.org/  : Keine Treffer
http://technorati.com/  : Keine Treffer
http://del.icio.us/  : Keine Treffer
http://digg.com/  : Keine Treffer


Aufbereitung der Information

Über Bibliographie- und Wissensorganisationstools kann man die gefundenen Informationen auch virtuell ordnen. Dies hat den Vorteil, daß Bibliographiedaten automatisch aus dem Netz ergänzt werden, die Bibliographie automaitsch erstellt wird und man auch nach längerer Zeit alle Informationen rasch wiederfindet.

Wissens- und Bibliograpieverwaltung
Verwaltung von Literatur und Wissen - Software-Links
Zitieren und Verwalten von Web-Quellen (Programme)
Tools:Open Bibliographic Standards - Bibliographic and Cataloging Software
Bookmarks verwalten und nutzen


Fazit

Zu Hans Haufe finden wir nicht allzu viele Informationen, allerdings können wir sowohl mit einer Biographie, Kontaktinformationen, einem Photo, einer Bibliographie und einem Volltext aufwarten.

Ein guter Start.


Literaturempfehlungen

Ich kann insbesondere Google Hacks, Info-Wahn und Extreme Searcher's Internet Handbook sehr empfehlen.


Bibliographie

  • R. Dornfest, T. Calishain und P. Bausch, Google hacks - tips & tools for finding and using the world´s information, Sebastopol, Calif. u.a. 2006, XXXII, 510 S.
  • B. Hill, Google-Suche für Dummies, Weinheim 2006, 228 S.
  • R. Hock, The extreme searcher's internet handbook - a guide for the serious searcher, Medford, NJ 2004, XXV, 265 S.
  • R. E. Hock, The extreme searcher's guide to web search engines - a handbook for the serious searcher, Medford, NJ 2001, XXV, 241 S.
  • J. N. l. Jeanneney, Google and the myth of universal knowledge - a view from Europe, Chicago, Ill. u.a. 2007, XVI, 92 S.
  • P. Kent, Search engine optimization for dummies, Hoboken, NJ 2004, XX, 354 S.
  • J. Sirovich und C. Darie, Professional search engine optimization with PHP - a developer's guide to SEO, Indianapolis, Ind. 2007, XXI, 360 S.
  • J. Vulner, Info-Wahn - eine Abrechnung mit dem Multimedienjahrzehnt, Wien u.a. 2000, X, 410 S.

Endnoten

  1. U. Eco, O. Düben und M. Haase, Das Foucaultsche Pendel, Stuttgart 1990
  2. The Hispanic American Historical Review, Vol. 59, No. 3 (Aug., 1979), pp. 559-560
  3. Zeitschrift für Kunstgeschichte, 54 Bd., H. 1 (1991), pp. 125-128
  4. Hans Haufe, Stadterneuerung in Kolumbien: Modelle und Strategien, in: Die alte Stadt 17, 1990, S. 346
  5. Alfredo Ramos Martinez Research Project and Catalogue Raisonné, 2006
  6. Fledermäuse, 2006, http://www.nabu-coesfeld.de/fledermaus_tagung.htm (16 August 2007).



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