Europaeischer Buchdruck - Zotter - 2010

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Geschichte des Europäischen Buchdrucks ·

Zotter Hans · Graz 1993 · Verlag:  · Ed 5

Reihe:  · ,
ISBN/ISBN13:/ · ISSN:
Sprache: Deutsch · (v1.00, Volltext)
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Hans, Zotter: Geschichte des Europäischen Buchdrucks (Graz 1993). In: eLib.at (Hrg.), 22. Oktober 2017. URL: http://elib.at/
beschreibung
Eine Einführung in die Geschichte des europäischen Buchdrucks. Uni Graz.
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 · Graues Werk · Skriptum ·
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Volltext


Die Geschichte des Europäischen Buchdrucks

Dr. Hans Zotter (Universität Graz)

PDF-Version (5.Auflage 1993)

Vorbemerkung

Ein Skriptum kann kein Handbuch ersetzen. Die Geschichte des europäischen Buchdrucks ist zudem ein Thema, das unmöglich in einigen wenigen Stunden befriedigend oder gar erschöpfend abzuhandeln wäre. Wenn man die Flut der Daten und Namen einschränkt, entsteht leicht der Eindruck, es hätte außer den Genannten keine interessanten Fakten und Aspekte mehr gegeben. Andererseits ist das Aufzählen von Stichworten recht einschläfernd - es bedarf immer einer gewissen Redundanz, um Berichte von historischen Abläufen mit Leben zu erfüllen - und nur dann werden sie interessant. Was nützen Namen, wenn man sich keine Personen dazu vorstellen kann. Es muß hier ohnehin weitgehend darauf verzichtet werden, die Geschichte des Buchdrucks mit der gleichzeitigen Literatur-, Geistes-, Sozial- und Wirtschaftsgeschichte ausführlicher zu verbinden, obgleich gerade das Herstellen eines Geflechts von Beziehungen den Reiz einer historischen Darstellung ausmacht und ihr auch einen Sinn gibt - nämlich das Entstehen eines Orientierungsrahmens für den Betrachter. Alle diese Komplikationen bedenkend, hoffe ich dennoch, etwas von der Faszination der Geschichte des europäischen Buchdrucks gerettet zu haben und vielleicht den einen oder den anderen zu einer Beschäftigung mit diesem Themenkreis anzuregen. Große Gebiete sind noch nicht ausreichend untersucht; bei anderen stagniert die Forschung trotz zahlreicher Publikationen, so daß nur das Einbringen neuer Untersuchungsmethoden oder Betrachtungsweisen einen Fortschritt bringen kann.

Zur zweiten Auflage Frühjahr 1989:

Nach rund acht Jahren sind durch die neuen Forschungsergebnisse zahlreiche Korrekturen notwendig geworden. Auch versuchte ich, den durch so viele Namen und Begriffe beladenen Text lesbarer, gleichzeitig aber durch das Fetten der wichtigen Informationen etwas übersichtlicher zu gestalten. Als weitere zusätzliche Hilfe formulierte ich am Ende jedes größeren Abschnittes einige Kontrollfragen.

Herbst 1989:

Wie schnell ein Skriptum veralten kann, zeigen die umfangreichen Korrekturen zur Catholicon-Frage, die nach dem Erscheinen des diesjährigen Gutenberg-Jahrbuches notwendig wurden. Ich möchte hier auch Frau Andrea Hilgers für ihre Hinweise danken, wie auch Frau Simonetta D'Alessandro für das geduldige und penible Korrekturlesen.

Frühjahr 1992:

Die jüngsten Beiträge zum Thema des Catholicon-Problems im Gutenberg-Jahrbuch machten Korrekturen im Skriptum notwendig. Wenn nun auch eine haltbare Erklärung wieder in weite Ferne gerückt erscheint, dürfte das kaum einen Stillstand der diesbezüglichen Forschungen bedeuten.

Herbst 1993:

Wieder wurden einige Korrekturen notwendig; die umfangreiche Arbeit von Leonhard Hoffmann wirft auch einige neue Schlaglichter auf die Situation Gutenbergs während des Prozesses gegen Fust.

Hans Zotter


Gutenberg und seine Zeit

Umfeld

Die Diskussion um die historischen Vorgänge rund um die Erfindung des Buchdrucks und die Person Gutenbergs ist mit dem Streit um Homers Geburtsort verglichen worden: so viele divergierende Meinungen und Theorien, die ungeachtet ihrer Unbeweisbarkeit immer wieder aufgewärmt und mit großer Emphase vertreten wurden. Man hat die wenigen historischen Belege und Quellen bis aufs letzte ausgepreßt und heillos überinterpretiert, hat sie in retrospektivischer Sicht verzerrt, so als ob Gutenberg schon als Kind auf seine große Erfindung zugesteuert wäre. Im 19. Jahrhundert versuchte man aus Gutenberg einen genialischen Übermenschen zu machen, dessen Schicksal nur durch die Mißgunst der Zeitgenossen tragisch verlief; nicht zuletzt mußte er für den nationalen Chauvinismus herhalten, der ihm seine Erfindung einmal zuschrieb, einmal aberkannte. Das alles tritt einem entgegen, wenn man sich durch die Berge der einschlägigen Fachliteratur hindurchliest - vor allem die älteren Publikationen sind nur mit Vorsicht zu genießen, aber auch so manche modernere. Deutlicher erkennbar ist das historische Umfeld. An vielen Details ist spürbar, daß die Erfindung des Buchdrucks gewissermaßen in der Luft lag. Mit dem Beginn der Papierproduktion nördlich der Alpen stand zum erstenmale ein billiges Beschreibmaterial in großen Quantitäten zur Verfügung - Pergament war immer knapp und teuer gewesen. Solange nur dieser Beschreibstoff verwendet werden konnte, war die Textreproduktion durch Abschreiben durchaus hinreichend. Hätte zum Beispiel Gutenberg die gesamte Auflage seiner berühmten Bibel auf Pergament gedruckt, hätten für die Pergamentherstellung weit mehr als 50.000 Kälber geschlachtet werden müssen.[1]

Papier

Das Papier wurde um die Zeitenwende in China erfunden; in der Folge entwickelten sich dort verschiedene Drucktechniken. In Europa wurde das Papier durch die Vermittlung der Araber Jahrhunderte später, im Laufe des Mittelalters bekannt, aber erst die massenhafte Herstellung nördlich der Alpen während des 15. Jahrhunderts machte neue Reproduktionstechniken interessant.

Der Holztafeldruck, der in Europa zuerst im Bereich des Textildruckes Verwendung fand, erscheint zu Beginn des 15. Jahrhunderts auf Papier: die ältesten erhaltenen Holzschnitte auf Papier dürften in den beiden ersten Jahrzehnten des Jahrhunderts entstanden sein. Später kam man auf die Idee, den Bildern Texte beizugeben, vorerst handschriftlich, dann auch als Holzschnitt. Da es recht mühsam ist, Texte seitenverkehrt in Holz zu schneiden, blieben diese Texte naturgemäß kurze Beischriften. Von dort war es nur mehr ein Schritt zur Zusammenfassung von ganzen Blattfolgen, die als sogenannte Blockbücher bekannt geworden sind. Umstritten ist ihr zeitlicher Ansatz. Während man früher in den Blockbüchern Vorläufer des typographischen Buches sah, haben Wasserzeichenforschungen einige Datierungsansätze ganz wesentlich korrigiert. Sicher ist, daß das Blockbuch seine Blüte erst nach Gutenbergs Erfindung hatte, wie auch das älteste datierte Blockbuch erst um 1470 liegt. Es ist nicht auszuschließen, daß der Schritt vom Einzelholzschnitt zum Blockbuch im Gefolge des Aufkommen des typographischen Buches stattfand. Doch hier ist das letzte Wort noch nicht gesprochen - die stilkritischen Datierungsansätze der Kunsthistoriker liegen z.B. immer noch wesentlich früher.

Repro-Techniken des 15. Jh

Eine ganze Reihe von Vervielfältigungstechniken treten mit der Verfügbarkeit des Papiers auf; neben dem Holzschnitt auch der Metallschnitt, der Kupferstich und zu Beginn des 16. Jahrhunderts auch die Radierung. Auch die Idee der beweglichen Letter war schon vorhanden, und zwar im Handwerkszeug der Buchbinder, die für das Prägen von Schriftbändern einzelne Buchstabenstempel verwendeten. Überhaupt war der Druck mit beweglichen Lettern in China und Korea schon seit Jahrhunderten bekannt, und es gab immer wieder Spekulationen, daß diese Technologien durch den regen Kulturaustausch des 14. Jahrhunderts zwischen China und dem Abendland auch nach Europa gelangt seien. In der Chinamission waren vor allem Franziskaner eingesetzt und man hat Gutenbergs gute Beziehungen zu diesem Orden für die Hypothese herangezogen, er hätte auf diesem Wege Kenntnis von dieser Erfindung gehabt. Beweisbar ist diese Annahme aber nicht, und selbst wenn Gutenberg die Idee nur übernommen hätte, müßte man ihm das Verdienst für die Neuentwicklung zugestehen.[2]

Der Buchdruck besteht ja nicht aus einer einzelnen Erfindung, sondern aus der Kombination einer ganzen Reihe technologischer Neuerungen, die zusammen erst den Buchdruck ausmachen. Wie ausgereift Gutenbergs Entwicklung war, zeigt schon der Umstand, daß Jahrhunderte vergehen sollten, bis es zu wesentlichen technischen Verbesserungen kam.

Neue Technologien des Buchdrucks

Kernstück der Erfindung war zweifellos das sogenannte Handgießgerät, eine handliche, kleine, zerlegbare und verstellbare Gießform, mit deren Hilfe man schnell und unkompliziert eine große Zahl gleichartiger Lettern herstellen konnte.

Weitere technische Neuerungen waren der Einsatz der Presse beim Druckvorgang - bis dahin kannte man nur den sogenannten Reiberdruck, die Entwicklung einer geeigneten Legierung[3] für die Lettern, die einerseits leicht schmelzbar, andererseits nicht zu weich sein durfte, um das schnelle Verschleißen zu vermeiden, schließlich die Entwicklung einer geeigneten Druckfarbe; die bis dahin verwendeten wasserlöslichen Farben hafteten nicht an Metall - Druckerschwärze muß ölhaltig sein. Als wesentlicher Bestandteil der Erfindung muß auch das sogenannte "Gutenbergsche System" angesehen werden. Damit umschreibt man die Entwicklung der Regeln des richtigen Handsatzes, die in der B-42 schon voll ausgebildet angewandt wurden.

Soziale und wirtschaftliche Veränderungen des 15. Jh.

Die Idee von einer mechanischen Vervielfältigung von Texten konnte aber nur in einem bestimmten geistigen und wirtschaftlichen Milieu gedeihen. Das ausgehende Mittelalter brachte starke soziale Verschiebungen. Mit dem Erstarken der Städte und des Bürgertums entstanden neue Bevölkerungsschichten, die an Bildung und Büchern interessiert waren; in den Städten wurden Schulen und seit dem 14. Jahrhundert Universitäten gegründet, die allesamt einen großen Buchbedarf hatten. Die neuen wirtschaftlichen Organisationsformen dieser Epoche ermöglichten dem neuen Gewerbe Buchdruck einen kometengleichen Aufstieg, der ein Jahrhundert vorher nicht denkbar gewesen wäre. Vor allem in den oberitalienischen Städten, deren Wirtschaftsleben am weitesten entwickelt war, konnte sich der Buchdruck besonders schnell entwickeln und moderne Organisationsformen ausbilden. Aber auch im Bereich der Kirche, der Trägerin der schriftlichen Kultur im frühen und hohen Mittelalter, fanden starke Veränderungen statt. Es seien hier nur die Ordensreformen, z.B. die der Bettelorden erwähnt. Neue Kongregationen entstanden, wie die Brüder vom gemeinsamen Leben, die sich dem Schuldienst widmeten. Keineswegs zufällig befinden sich unter den frühesten Drucken zahlreiche Schulbücher. Aber auch für die Seelsorge wurden verstärkt Bücher benötigt, so kam es zu einer starken Nachfrage nach einschlägiger Erbauungsliteratur und Unterlagen für die Seelsorge. Einen Höhepunkt der kirchlichen Reformbestrebungen stellten die Konzilien zu Pisa, Konstanz und Basel zu Beginn des 15. Jahrhunderts dar. Unter diesem Nachfragedruck begann auch die Handschriftenproduktion allmählich gewerbsmäßige Züge anzunehmen; es finden sich etwa die Produktion auf Vorrat, die Herstellung von Halbfertigprodukten, eine immer stärker arbeitsteilige Produktionsweise. Doch auf Dauer konnte nur ein Massenherstellungsverfahren die neuen Bildungsbedürfnisse befriedigen.


Quellenlage

Es gibt dreierlei Quellenarten zur Person Gutenbergs beziehungsweise zu seiner Erfindung:

  1. zeitgenössische literarische oder historiographische Erwähnungen
  2. Urkunden rechtlichen Inhalts zur Person Gutenbergs
  3. die überlieferten Drucke selbst.

Wichtige Quellen

Bis zum Jahre 1507 finden sich etwa 20 Erwähnungen des Buchdrucks in literarischen Quellen.[4] Keine von ihnen kann als ausführlich bezeichnet werden: die Aussagen beschränken sich zumeist darauf, daß Johannes Gutenberg in Mainz den Buchdruck erfunden hätte. Am interessantesten sind zweifellos die beiden frühesten Belege, der Brief des Enea Silvio Piccolomini vom Jahre 1455 und eine Ordonnanz (Mandat) des französischen Königs Charles VII.

Piccolomini-Brief

Der Brief Piccolominis ist zwar schon seit einiger Zeit bekannt, wurde aber erst in den letzten Jahren zunehmend von der Forschung in seiner Bedeutung erkannt. Piccolomini, damals Bischof von Siena und Kanzler des deutschen Königs Friedrich III., berichtet in dem Schreiben von dem Reichstag in Frankfurt im Oktober 1454. Er hätte dort einen erstaunlichen Mann getroffen, der verschiedene Lagen einer Bibel in sauberer und höchst korrekter Schrift vorgelegt hätte; diese Bibel sei in 158 oder 180 Exemplaren bereits fertiggestellt, komplette Bibeln hätte er in Frankfurt nicht zu Gesicht bekommen. In dem Brief bezweifelt Piccolomini, der später als Pius II. den päpstlichen Thron bestieg, daß vollständige Bibeln noch zu erwerben wären, da die ganze Auflage bereits vergeben sei. Der Brief datiert vom 12. März 1455; eine Fertigstellung des Bibeldruckes wäre also schon für 1455 anzunehmen. Doch nicht nur für die genauere Festsetzung der Auflagenhöhe und des Termins der Fertigstellung der Gutenbergbibel kann dieser Brief herangezogen werden, auch der Verlauf des Prozesses von 1455 muß nun anders bewertet werden, wenn die Bibel damals bereits fertig und die Auflage praktisch verkauft war.[5]

Auch das Mandat des französischen Königs paßt zu diesen neuen Hypothesen. Charles VII. beauftragte am 4. Oktober 1458 den Stempelschneider der königlichen Münze, Nikolaus Jenson, in Mainz die Kunst des Druckens auszuforschen, die Johannes Gutenberg erfunden hätte.[6] Die nächste Nennung Gutenbergs findet sich dann erst 1470/71 in einem Brief des Guillaume Fichet, der ihn als Erfinder der Druckkunst bezeichnet.

Der Großteil der übrigen literarischen Quellen stammt aber erst aus dem letzten Jahrzehnt des Jahrhunderts; mit der zeitlichen Entfernung von der Erfindung beginnen die Aussagen zunehmend zu divergieren. So erscheint nun Straßburg als Ort der Erfindung oder zumindest als Stätte der ersten Versuche. Gutenbergs Anteil an der Erfindung wird zugunsten anderer geschmälert und Fust, Schöffer, aber auch Jenson werden als Miterfinder bezeichnet. Wenige Jahrzehnte nach Gutenbergs Tod herrscht keine Klarheit mehr über die Vorgänge rund um die Erfindung.[7]

Urkunden

Zur Person Gutenbergs existieren 34 Urkunden oder Aktennotizen, von denen aber nur zwei konkret seine Erfindertätigkeit behandeln. Diese Schriftstücke verteilen sich zeitlich folgendermaßen: 18 entstanden in Straßburg (1434-1444), 15 in Mainz und eines in Eltville. Die meisten Dokumente beziehen sich also auf die relativ kurze Periode seines Straßburger Aufenthaltes (etwa 10 - 15 Jahre), während sich die anderen auf die restlichen sechs Jahrzehnte seines Lebens verteilen. Die meisten dieser Urkunden handeln aber nur von der Entrichtung verschiedener Steuern, von Anleihen und deren Bezahlung, von seiner militärischen Registrierung und diversen privaten Angelegenheiten, so z.B. der Klage einer Straßburgerin wegen gebrochenen Eheversprechens. Nur zwei Urkunden handeln eindeutig vom Buchdruck: das sogenannte "Helmaspergersche Notariatsinstrument" und die Verzichtserklärung des Dr. Konrad Humery. Doch davon später.

Früheste Druck-Erzeugnisse

Ein gesondertes Kapitel der Spekulation und Interpretation stellen die erhaltenen Drucke aus den frühen Jahren dar. Da in keinem von ihnen sich Gutenberg als Drucker nennt und die wenigsten von ihnen datiert sind, wechseln die Zuschreibungen und die relative Chronologie von Publikation zu Publikation. Bei der Methode des Typenvergleichs ging man dabei so vor, daß man den technisch primitiveren Druck als den jeweils früheren ansah; ein solcher Ansatz setzt allerdings eine völlig kontinuierliche Entwicklung voraus, die es in dieser Form sicher nicht gegeben hat, spätestens dann nicht mehr, sobald weitere Drucker auf den Plan traten.

Donat-Kalender-Type

Jedenfalls kann man diese unfirmierten frühen Drucke in zwei deutlich unterscheidbare Gruppen teilen: nämlich in die Drucke mit der sogenannten Donat-Kalender-Type[8] und die Drucke mit der Type der B-42[9]. Traditionellerweise hat man die Kleindrucke mit der unbeholfenen DK-Type als früheste Erzeugnisse der Tätigkeit Gutenbergs angesehen und versuchte sie möglichst früh zu datieren, bis weit in die vierziger Jahre des Jahrhunderts zurück. Angelpunkt für diese Frühdatierung war ein Kalender, den man aufgrund seiner astronomischen Angaben für das Jahr 1447 berechnete - zu Unrecht, wie neuere Forschungen bewiesen: heute wird dieser Kalender allgemein in das Jahr 1457 gesetzt. Damit sind alle Datierungsansätze, die auf dieser falschen Einordnung beruhten, wie etwa die des Sibyllenbuches[10] und der frühen Donatfragmente, hinfällig. Die ältesten, eindeutig datierbaren Drucke sind zwei Ablaßbriefe aus den Jahren 1454 und 1455.[11] Umstritten bleibt vorerst, ob diese Kleindrucke -"Jahrmarktsliteratur" hat man sie verächtlich genannt - von Gutenberg oder anderen Druckern stammen. Da aber kaum anzunehmen ist, daß Gutenberg die Perfektion der B-42 ohne Vorstufen erreicht hat, wird man ihm die Drucke mit der DK-Type wenigstens zum Teil zuschreiben müssen. Die weiteren Schicksale dieser Type nach dem Prozeß zwischen Gutenberg und Johannes Fust sind weitgehend ungeklärt. Dagegen konnten von der Forschung einige frühe Drucke, die als Erzeugnisse der Gutenberg- Presse im Gespräch waren, zeitlich eingeordnet werden. Das sogenannte "Missale speciale"[12] zum Beispiel, das lange Zeit wegen seiner primitiven technischen Ausgestaltung von verschiedenen Fachleuten zu den frühesten Erzeugnissen der Druckkunst überhaupt gezählt wurde, kann nach den Untersuchungen der Wasserzeichenforscher nicht vor 1473 entstanden sein - somit erst Jahre nach Gutenbergs Tod. Jedenfalls scheint die "communis opinio", die derzeit vorherrschende Meinung der Fachleute, dahin zu gehen, daß es knapp nach der Jahrhundertmitte in Mainz zwei Druckereibetriebe nebeneinander gab; die sogenannte "Urdruckerei", in der die Kleindrucke mit der DK-Type hergestellt wurden, und die Gutenberg-Fustsche Druckerei, in der die 42-zeilige Bibel entstand. Auch wenn es keinerlei Dokumente gibt, die einen Zusammenhang zwischen dieser "Urdruckerei" und Gutenberg herstellen, ist es naheliegend, ihn als Besitzer und Betreiber dieser Offizin anzusehen; aber offenbar sind nicht alle Kleindrucke mit der DK-Type in dieser Offizin entstanden.

Schließlich ist der Druck des Catholicons[13] von 1460 bisher immer mit Gutenberg in Zusammenhang gebracht worden. Den wichtigsten Hinweis für diese Annahme bietet die ausführliche Schlußschrift dieser Inkunabel, die von der Erfindung des Buchdrucks berichtet. Zwar fällt dabei der Name Gutenbergs nicht, doch ist die Formulierung so, als ob der Erfinder spräche. Wenn man davon ausgeht, daß Gutenberg nach seinem Prozeß gegen Fust noch einmal als Drucker tätig war, bietet sich vor allem das Catholicon als Produkt dieser Tätigkeit an.

Wasserzeichen-Forschung

Die moderne Wasserzeichenforschung hat nun gerade in dieser Frage neue Indizien erbracht. 1980 gelang der Nachweis, daß es sich in Wirklichkeit um drei verschiedene Ausgaben handelt, obgleich alle drei druckidentisch sind und in der Schlußschrift das Druckjahr 1460 angeben. Die erste wurde auf Papier gedruckt, das auch bei der Herstellung der Gutenbergbibel Verwendung fand; die beiden anderen Ausgaben sind auf Papieren, deren Herstellung man für 1469 und 1472 annimmt. Die erste Ausgabe glaubte man nun mit großer Wahrscheinlichkeit Gutenberg zuschreiben zu können - den Nachdruck von 1469 wies man dem Petrus Schöffer zu.[14] Allerdings blieb ungeklärt, wie drei druckidentische Ausgaben im Lauf von 12 Jahren entstehen konnten. Doch davon später.

Die entscheidende Verbesserung der Wasserzeichenforschung wurde durch den Einsatz der Elektronenradiographie möglich. Dieses Verfahren kann Wasserzeichen u n d Siebstruktur auf Röntgenfilm im Format 1:1 abbilden und erlaubt solcherart einen überaus genauen Vergleich von Papieren - selbst wenn sie kein Wasserzeichen zeigen.

Die Siebstruktur - die viel geringeren Veränderungen ausgesetzt ist, als das Wasserzeichen, reicht als Basis für eine Identifizierung. Auch ist diese Methode geeignet, eine relative Chronologie aller von einem Siebpaar stammenden Papiere zu erstellen. Es steht zu erwarten, daß diese verbesserte und ziemlich aufwendige Methode in den nächsten Jahren weitere Anhaltspunkte für die Datierung der frühesten Druckerzeugnisse erbringt.

Cyclotron-Untersuchungen

Eine noch weit aufwendigere Untersuchungsmethode hat man im Dienste der Frühdruckforschung 1984 in Amerika angewendet. Mit Hilfe von Cyclotron- Untersuchungen[15] wurde die genaue Molekularstruktur der Druckfarbe des Fragments des Sibyllenbuchs, einiger Donate und der B-36 beziehungsweise der B-42 untersucht. Dabei stellte sich heraus, daß Gutenberg für die B-42 eine Druckerfarbe mit hohen Kupfer- und Bleianteilen verwendete. Die gleiche Farbe fand sich auch bei dem Fragment des Sibyllenbuches und der B-36, nicht aber bei den Donatfragmenten.

Diese neuen Forschungsergebnisse könnten geeignet sein, die Stagnation in der Gutenbergforschung zu überwinden. Aber derzeit ist noch zu wenig Material untersucht, um weitergehende Aussagen machen zu können[16]. Mit dieser Methode kann man auch die chemischen "Fingerabdrücke" von verschiedenen Papieren eindeutig bestimmen - und hätte damit ein geeignetes Vergleichsinstrument zur Wasserzeichenforschung. Bisher wurden Cyclotron-Untersuchungen an Frühdrucken nur an der Universität Davis/Californien durchgeführt; die Universität Bonn plant ähnliche Forschungen. Methodisch gesehen, können solche Untersuchungen aber auch nur weitere Indizien bringen und nicht "letzte Wahrheiten". Das sich immer stärker verdichtende Netz von Indizien aber, die durch verschiedene Forschungsansätze erbracht werden, könnte schließlich ein weitgehend abgesichertes Bild des Ablaufes der Ereignisse rund um Gutenberg ergeben.

Gutenbergs Biographie

Aus den hier genannten Quellen hat man versucht, Gutenbergs Biographie und den Entwicklungsgang seiner Erfindung zu rekonstruieren. Nach allgemeiner Ansicht ist Gutenberg um 1400 oder wenige Jahre zuvor geboren. Über seine Jugendzeit und seine Ausbildung ist nichts bekannt. Man vermutet, daß Gutenberg Hochschulbildung erlangt habe[17], auch wurde unterstellt, daß er Kenntnisse in der Goldschmiedkunst beziehungsweise Metallbearbeitung erworben habe. Die ersten verläßlichen Nachrichten haben wir aus dem Jahre 1434, in dem seine Anwesenheit in Straßburg urkundlich nachzuweisen ist. Es besteht natürlich die Möglichkeit, daß Gutenberg schon vor diesem Datum in Straßburg weilte. Seinen Weggang aus seiner Geburtsstadt Mainz wird man wohl mit den Streitigkeiten der Mainzer Patrizier mit den Zünften in Zusammenhang bringen, die die zeitweilige Auswanderung der meisten Patrizier zur Folge hatten (1419). Jedenfalls wird Gutenberg in einer Mainzer Urkunde 1430 als abwesend bezeichnet.

Straßburger Zeit

Die Straßburger Urkunden geben immerhin einigen Aufschluß über seine finanzielle Lage und über seine diversen Tätigkeiten. So läßt ihn die Höhe der entrichteten Weinsteuer als durchaus liquid erscheinen; aus seiner Zuordnung in der Liste des militärischen Aufgebotes der Stadt zur Goldschmiedzunft kann man nur eine gewisse Nähe zu diesem Berufsstand ableiten, da er sicher kein Mitglied der Zunft war. Er scheint Geld mit der Weitergabe von technischem Know-how verdient zu haben, wie etwa durch den Unterricht im Polieren von Edelsteinen. Sein technisches Wissen könnte er in einen Gesellschaftsvertrag eingebracht haben, der die massenweise Herstellung von sogenannten Heiltumsspiegeln zum Gegenstand hatte. Diese Spiegel (genauer: Metallgittergüsse mit eingesetzten Spiegeln) fanden bei den großen Wallfahrten der Zeit als begehrte Andenken reißenden Absatz, oft zu zehntausenden. Man hat diese Wallfahrtsandenken die ersten Massenprodukte der Neuzeit genannt. Gutenberg scheint nun, wie neuere Forschungen plausibel machen, eine neue Methode der Fertigung entwickelt zu haben, nämlich statt des Gusses die Prägung in einer Presse. Allerdings starb 1438 einer der Teilhaber und Geldgeber des Gesellschaftsvertrages, Andreas Dritzehn, unvermutet, wohl an der damals in Straßburg grassierenden Pest. Die Brüder des Verstorbenen wollten nun von Gutenberg auf dem Klagewege eine Beteiligung an dem offenbar Gewinn versprechenden Geschäft erzwingen. Ihre Klage wurde abgelehnt, doch erfahren wir aus den Prozeßakten einiges über die technische Seite des Projekts; leider nicht übermäßig viel, denn offensichtlich wollte keiner der Beteiligten etwas ausplaudern. Jedenfalls ist von einer Presse und von den darin befindlichen Stücken und Formen die Rede, ohne daß ausdrücklich ausgeführt wird, wozu diese dienten. Verschiedene Forscher haben nun diese Hinweise so interpretiert, daß diese Gerätschaften den ersten Versuchen der Druckkunst dienten.[18] Den Beweis dafür sind sie aber schuldig geblieben; viel näherliegender und einleuchtender scheint die Annahme, daß die Presse bei der Herstellung der Heiltumsspiegel Verwendung fand. Merkwürdig wäre auch die Pause von mehr als einem Jahrzehnt, die zwischen diesen hypothetischen Straßburger Drucken und den ersten Mainzer Arbeiten läge. Zum letzten Mal wird Gutenberg 1444 in Straßburg erwähnt; für die nächsten vier Jahre gibt es keine Hinweise auf seinen Aufenthaltsort und seine Tätigkeiten.[19]

Mainzer Zeit

Erst 1448 hören wir wieder von ihm, als er in Mainz ein Darlehen aufnimmt, möglicherweise für Arbeiten am Buchdruck. Nachdem die alten Datierungsansätze der Forschung, wonach Gutenberg schon in der Mitte der vierziger Jahre gedruckt hätte, gefallen sind, muß die Frage vorläufig offenbleiben, ab wann er sich konkret mit dem Buchdruck beschäftigte. Sicherlich wird man einige Jahre Entwicklungszeit ansetzen müssen, was und wieviel vor den beiden Ablaßbriefen (1454 und 1455), den ersten sicher zu datierenden Stücken, gedruckt wurde, wird noch zu erforschen sein. Ebenso hat der Druck der lateinischen Bibel (B-42) mehrere Jahre in Anspruch genommen; sie lag 1455, spätestens aber im August 1456 fertig vor, wie aus Rubrikatorenvermerken[20] zu ersehen ist.[21]

Gutenberg dürfte in diesen Jahren an mehreren Projekten zugleich tätig gewesen sein. Einerseits müßte er sich mit der "Urdruckerei" befaßt haben, die nach der Meinung einiger Forscher im Gutenberghaus installiert war, und wo die ersten Kleindrucke hergestellt wurden, andererseits war er für die zusammen mit Johann Fust betriebene Bibeldruckerei tätig. Daß die Drucke der DK-Type und der Bibeldruck in zwei räumlich oder zeitlich getrennten Offizinen hergestellt wurden, ist allerdings nur - wenn auch eine recht plausible - Hypothese. Jedenfalls schlossen Gutenberg und Johannes Fust 1450 einen Vertrag zur Errichtung einer Druckerei, in der die Bibel entstehen sollte.

Prozeß Gutenberg - Fust

Fust war Kaufmann und Geldverleiher in Mainz, gehörte auch der Goldschmiedzunft an. Er brachte die Summen auf, die für den Bibeldruck notwendig waren, wobei offenbar die Art der Investition, Geschäftseinlage oder Darlehen, nicht eindeutig abgeklärt wurde. Als der Druck der B-42 zu Ende und die ganze Auflage verkauft war, kam es wegen dieses Punktes zwischen Fust und Gutenberg zum Bruch. Auch wenn wir durch eine umfangreiche Urkunde, dem sogenannten Helmaspergerschen Notariatsinstrument[22], von diesen Vorgängen wissen, bleibt dennoch wieder Entscheidendes im Dunkeln - was zu vielen divergierenden Spekulationen führte. Das Dokument wurde zu Beginn des Prozesses, den Fust gegen Gutenberg anstrengte, ausgestellt und enthält die Sachverhaltsdarstellungen der Streitparteien - die Angaben müssen also keineswegs wahrheitsgetreu sein. Gutenberg verteidigt sich jedenfalls damit, daß nur die Hälfte des von Fust investierten Geldes Darlehen, die andere aber Geschäftseinlage gewesen sei, und somit nicht rückzahlpflichtig. Wie der darauf folgende Prozeß für Gutenberg ausging, ist nicht bekannt. Bisher wurde allgemein angenommen, daß er ihn verlor, damit auch seine Beteiligung an der Bibeldruckerei. Nachdem nun anscheinend der Fertigstellungstermin der Bibel mit spätestens Anfang 1455 anzusetzen ist, ist ein positiver Ausgang für Gutenberg mindestens ebenso wahrscheinlich. Es würde durchaus zum Bild des geschickten Geschäftsmannes Gutenberg passen, der bisher seine Prozesse immer gewonnen hatte.

So wird wohl auch die Theorie zu überprüfen sein, er sei in der Folge mittellos gewesen, die dadurch gestützt war, daß er ab 1458 nicht mehr in der Lage war, die Zinsen einer älteren Schuld, die noch aus der Straßburger Zeit stammte, zu bezahlen und späterhin weder Zinsen noch Kapital tilgte.

Eher ist wahrscheinlich, daß Gutenbergs finanzielle Situation nach dem Prozeß nicht so katastrophal war, vor allem wenn man annimmt, daß er weiterhin im Besitz der "Urdruckerei" war, die von der Fustschen Klage ja nicht berührt wurde. Schließlich mag es andere Gründe als Armut geben, eine Rechnung nicht zu bezahlen. Jedenfalls ist das vielgepflegte Klischeebild vom Schurken Fust und vom edelmütigen, lauteren Genie Gutenbergs wenig hilfreich; in all seinen wirtschaftlichen Angelegenheiten erscheint Gutenberg durchaus als jemand, der sich seiner Haut zu wehren wußte und sich in der rauhen Geschäftswelt hervorragend zurechtfand.

Catholicon Mainz 1460

Als sicher gilt, daß Gutenberg sich auch weiterhin mit dem Buchdruck befaßte. Die oben erwähnten Cyclotron-Untersuchungen legen neuerdings wieder stärker eine Beteiligung Gutenbergs am Druck der B-36, der zweiten lateinischen Bibel, nahe. Hingegen ist die Mitwirkung Gutenbergs am Druck des Catholicons, die lange als gesichert galt, jetzt wieder angezweifelt worden.[23] Der Catholicon-Druck war ein ziemlich aufwendiges Unterfangen, es wurde eine neue, besonders kleine Type geschaffen; dennoch umfaßte das Werk 746 Druckseiten mit zwei Kolumnen.[24] Die bisherige Hypothese war, daß der Mainzer Stadtsyndikus Dr. Konrad Humery Gutenberg die nötigen Mittel vorgeschossen hätte. Die Beziehungen zwischen Gutenberg und Humery, der in den damaligen politischen Wirren um die Besetzung des Erzbistums eine bedeutende Rolle spielt, sind von A. Kapr in seiner neuen Gutenbergbiographie sehr schön erhellt worden. Die Tätigkeit dieser vermuteten Catholicon-Offizin wäre aber bereits 1462 brutal unterbrochen worden; im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Diether von Isenburg und Adolf von Nassau[25] wurden große Teile der Stadt zerstört und 800 Mainzer Bürger vertrieben. Es ist anzunehmen, daß auch Gutenberg dieses Schicksal teilte und nach Eltville zog. Anders wäre es kaum zu erklären warum gerade in diesem kleinen Ort schon so früh eine Druckerei, die der Brüder Bechtermünze, die noch dazu über das Typenmaterial der Catholicon-Druckerei verfügte, eingerichtet wurde.

Nach Lotte Hellingas Aufsatz muß aber dieser Abschnitt neu überdacht werden. Die beiden Erkärungsversuche, wie 1469 und 1472 eine druckidentische zweite und dritte Auflage produziert werden konnten, entbehren der Schlüssigkeit. Weder das Stehenlassen des gesamten Satzes (insgesamt ca. 7-9 Tonnen Blei) bis 1472, noch die Hypothese, Gutenberg hätte bereits im 15. Jahrhundert die Stereotypie erfunden, können ernsthaft erwogen werden. Lotte Hellinga löst den schier unentwirrbaren Knoten, in dem sie das Druckdatum 1460 als Druckfehler (oder absichtliche Verfälschung) bezeichnet. Sie meint, daß es erst nach dem Tode Gutenbergs 1469 zum Druck aller drei Varianten des Catholicons kam. Drei verschieden Pressen, jede mit eigenem Papiervorrat, hätten unter Benützung des gleichen Satzes das Werk gedruckt. Um den stehenden Satz transportabel zu machen, waren einige technische Veränderungen notwendig, zum Beispiel das Zusammenbinden von jeweils zwei Satzzeilen beziehungsweise der Satzkolumnen mit Draht. Hellinga weist nach, daß alle drei Papiersorten 1468/69 verfügbar waren - das Papier aus dem Jahr 1460 könnte aus dem Nachlaß Gutenbergs stammen, eventuell auch schon das Typenmaterial. Humery und vielleicht auch andere Gläubiger Gutenbergs hätten sich nach dessen Tode zu einer Arbeitsgemeinschaft zusammengeschlossen, um mit den Materialien des Nachlasses den - möglicherweise schon lang geplanten Catholicon-Druck - durchzuführen.

Diese schöne Theorie wurde allerdings durch neuere Arbeiten Paul Needhams ziemlich erschüttert, in denen er die zeitlich getrennte Entstehung der drei Ausgaben wahrscheinlich machen konnte. Needham kann aber keine überzeugende Theorie anbieten, wie es zu den drei druckidentischen Ausgaben gekommen ist - er scheint der Idee "stereotypischer" Nachdrucke zuzuneigen, ohne Hinweise zum technischen Verfahren anbieten zu können. Es bleibt die Frage unbeantwortet, warum ein offensichtlich funktionierendes Verfahren nach zweimaliger Anwendung aufgegeben wurde. Trotz der Fülle neuer Detailergebnisse sieht sich die Forschung weiter denn je von einer Lösung entfernt.

Gutenbergs Tod 1468

In den letzten Lebensjahren Gutenbergs scheint es dann zu einer politischen Annäherung und einer Anerkennung seines Lebenswerkes gekommen zu sein; denn eben jener Erzbischof Adolf von Nassau, der für die Vertreibung 1462 verantwortlich war, ernannte 1465 Gutenberg zu seinem Hofmann, was einer ausdrücklichen Ehrung und Anerkennung seiner Vedienste gleichkommt und auch eine finanzielle Sicherstellung seines Lebensabends darstellte. Man hat den Tag dieser Ernennung als den einzigen Glückstag Gutenbergs bezeichnet, eine Formulierung, die als ein weiteres Beispiel für die literarisch gefärbte Gutenbergdarstellung gelten kann, die den Erfinder gern zu einem tragischen Heros hochstilisierte.

Die Vergünstigungen seines Hofehrenamtes genoß Gutenberg aber nur kurz; am 3. Februar 1468 starb Gutenberg. Eine kurz nach seinem Tode ausgestellte Urkunde gibt wichtige Hinweise auf die Situation seiner letzten Lebensjahre. Der Mainzer Stadtsyndikus Humery bestätigt darin, daß er aus dem Nachlasse Gutenbergs das Druckgerät, das ihm, Humery, gehörte, zurückerhalten hätte. Des weiteren verpflichtet er sich, dieses Gerät nur innerhalb der Stadt Mainz zu verkaufen. Gutenberg hat sich vermutlich bis zu seinem Lebensende mit dem Buchdruck befaßt; welcher Entstehungstheorie der drei Catholicon-Ausgaben man auch anhängen mag, muß man ihm wohl einen mehr oder minder großen Anteil an den Vorbereitungsarbeiten, vielleicht auch den Erstdruck, zuschreiben.

Kontrollfragen

  • Worin bestand Gutenbergs Erfindung?
  • Aus welchen technologischen Neuerungen setzt sie sich zusammen?
  • Welche Arten von Quellen besitzen wir über Gutenberg und die

Erfindung der Druckkunst?

  • Welche Forschungsmethoden können uns Aufschlüsse über die

ersten Jahre des Buchdrucks bringen?

  • Was ist ein Blockbuch?
  • Was ist ein Handgießgerät?
  • Was ist das Helmaspergersche Notariatsinstrument?
  • Was ist ein Donat?
  • Welche sind die ältesten, sicher datierbaren Drucke?
  • Was versteht man unter B-42 und B-36?
  • Was versteht man unter der DK-Type?
  • Welche Rolle spielt das Catholicon von 1460?


Entwicklung des Buchdrucks nach Gutenberg

Fust-Schöffersche Offizin

In Mainz haben Petrus Schöffer und Johannes Fust nach dem Ausscheiden Gutenbergs die Druckerei mit großem Erfolg weitergeführt. Dieser Petrus Schöffer war anscheinend der tüchtigste Mitarbeiter in der Bibeldruckerei. Wir wissen, daß er sich 1449 in Paris aufhielt und als Kalligraph für die Sorbonne tätig war; im Helmaspergerschen Notariatsinstrument wird er als Zeuge erwähnt. Offenbar war er technisch wie künstlerisch sehr begabt, so daß er ohne weiteres den Betrieb ohne Qualtätseinbußen weiterführen konnte. Das hat zu Spekulationen geführt, daß vielleicht ein Teil der Entwicklungsarbeit an der Erfindung Petrus Schöffer zuzuschreiben wäre - Gutenberg hätte die Idee geliefert, die technische Ausformung hätte Schöffer geleistet. Dieser Rückschluß aus der späteren Tüchtigkeit und Leistungsfähigkeit ist aber durch keine anderen Indizien belegbar und so fand diese Hypothese in der Forschung auch keinen großen Anklang.

Mainzer Psalter

Jedenfalls konnte Schöffer das durch Gutenberg vorgegebene Niveau halten; als erstes Werk der Offizin erschien 1457 der sogenannte Mainzer Psalter, ein Prachtdruck, dessen ästhetischer und typographischer Standard die Bibel noch übertraf. Ob Gutenberg in irgendeiner Weise an den Vorarbeiten zum Psalterdruck beteiligt war, ist nicht bekannt. Die Schönheit der imposanten Psaltertype verleitete viele Gutenbergforscher zur Annahme, daß der Typenschnitt auf den Meister zurückginge; Gutenbergs gleichzeitiges Arbeiten an der Bibel und an dem Psalter hätte die Vollendung der ersteren verzögert. Auch für diese Hypothese gibt es keine Absicherung durch Indizien - sie ist wohl in der Hauptsache von dem Wunsch getragen, auch diesen zweiten Höhepunkt der Druckkunst Gutenberg zuzuschreiben.[26]

Schon zwei Jahre nach dem Erscheinen des Mainzer Psalters brachte Schöffer einen weiteren Psalterdruck, das sogenannte Psalterium Benedictinum, in einer neuen kleinen halbgotischen Schrift heraus. Mit dieser neuen Type druckte er im selben Jahr auch das umfangreiche "Rationale divinorum officiorum" des Guillelmus Duranti. Die Leistungsfähigkeit der Fust-Schöfferschen Offizin ist durch diese - und andere - Drucke einprägsam dokumentiert.

Von den zahlreichen anderen Drucken, die die Schöffersche Offizin in den nächsten Jahrzehnten hervorbrachte, sollen nur einige wenige erwähnt werden. So etwa die 48-zeilige Bibel (B-48) von 1462, die zum erstenmale das Fust-Schöffersche Sozietätssignet zeigt, eine später vielfach nachgeahmte Druckermarke.[27] Schöffer verband sich auch familiär mit Fust, dessen Schwiegersohn er wurde. Die Arbeitsteilung - Schöffer fungierte als Leiter der Druckerei, Fust war für den Vertrieb verantwortlich - trug sehr zum Gedeihen der Firma bei. Auch nach dem Tode Fusts - er starb auf einer Geschäftsreise nach Paris 1465 - hat die Produktion der Druckerei keine merkliche Einbuße erlitten. Besonders erfolgreich waren Schöffers Kräuterbuchausgaben, die als erste in Deutschland gedruckte Vertreter dieser Buchgattung auf großes Interesse stießen[28]. Die z.T. auf Naturbeobachtung zurückgehenden Pflanzendarstellungen stellten einen bedeutenden Fortschritt dar.

Petrus Schöffer führte die Druckerei bis zu seinem Tod im Jahre 1503 erfolgreich fort. Dabei war er nicht nur als Bücherproduzent, sondern auch als Buchhändler mit den Erzeugnissen anderer Druckereien tätig.

Reuwich

Die übrigen Mainzer Drucker des 15. Jahrhunderts treten hinter Schöffers Leistung stark zurück - auch ist nicht immer ganz klar, wie weit sie mit Schöffer zusammenarbeiteten beziehungsweise von ihm abhängig waren. So druckte Erhard Reuwich mit Schöfferschem Typenmaterial und wohl auch mit der Hilfe der Schöfferschen Offizin.

Reuwich, ein in Mainz ansässiger Maler, der aus Utrecht stammte, begleitete 1483 den Mainzer Domherren Bernhard von Breydenbach auf dessen Pilgerfahrt ins Heilige Land und auf die Halbinsel Sinai. Auf dieser Reise hielt Reuwich die wichtigsten Städte, Menschen und Tiere in Zeichnungen fest, die als Holzschnitte dem Reisebericht Breydenbachs beigegeben wurden. Dieses erste Reisebuch der Druckgeschichte erschien 1486 in lateinischer Sprache, die erste deutsche Ausgabe folgte noch im selben Jahr.[29] Das kulturgeschichtlich außerordentlich reizvolle Buch - die Reise führte über Venedig, Korfu, die südliche Peloponnes, Kreta nach Jerusalem und dann weiter zum Katharinen-Kloster auf dem Sinai - erlebt bis zum Jahrhundertende eine Reihe von unerlaubten Nachdrucken.

Numeister

Johannes Numeister, ein Mainzer Kleriker, der das Druckerhandwerk vielleicht noch in der Gutenberg-Fustschen Gemeinschaftsdruckerei erlernt hat, gilt als Urtyp des Wanderdruckers, der, technisch hochbegabt, doch keinen dauerhaften kommerziellen Erfolg aufzuweisen hatte. Seine ersten Drucke fertigte er in Italien und zwar in Foligno. Dorthin hatte ihn der Humanist Emiliano de Orfinis berufen; so verließen ab 1470 die Werke Brunis, Ciceros und Dantes ("Divina commedia" 1472) diese Druckerei. Danach sind keine weiteren Drucke Numeisters in Italien bekannt. Er geriet in Schulden, mußte ins Gefängnis und kehrte dann nach Deutschland zurück. 1479 ließ er in Mainz die "Meditationes" des Johannes de Turrecremata[30] erscheinen, die er mit 34 Metallschnitten ausschmückte - eine technische Neuerung. Als Vorbild dienten die Holzschnitte aus Ulrich Hans Ausgabe, die 1467 in Rom gedruckt wurden.

Numeister druckte 1480 noch ein Buch in Mainz, dann verließ er seine Heimat wieder, um nach Frankreich zu gehen. 1481 ist er im südfranzösischen Städtchen Albi nachweisbar, wo er wiederum eine Ausgabe der "Meditationen" mit den schon in Mainz verwendeten Metallschnitten herausbringt. Aber schon 1483 zieht Numeister nach Lyon weiter. Dort druckt er eine französische Übersetzung des "Belial" des Jacobus de Theramo, in den folgenden Jahren befaßt er sich mit liturgischen Projekten - es erscheinen ein Missale Lugdunense, sein Hauptwerk, ein lateinischer Psalter und ein weiteres Missale. Dennoch bleiben seine wirtschaftlichen Verhältnisse unsicher. Gegen Ende des Jahrhunderts nennen ihn die Quellen nur mehr als Gesellen eines Druckers, 1512 starb er, völlig verarmt.

Strassburg

Mentelin

In Straßburg stand die erste Druckerpresse, die außerhalb der Stadt Mainz errichtet wurde. Schon um 1458 war Johannes Mentelin als Drucker tätig; sein Erstdruck war eine lateinische Bibel mit 49 Zeilen, die B-49. Er muß seine Fertigkeiten naturgemäß in der Gutenberg-Fustschen Druckerei erworben haben, wenn auch keine Nachricht über diese Lehrzeit existiert. Mentelin wird auch immer im Zusammenhang mit dem bischöflichen Siegelbewahrer Heinrich Eggestein genannt, der zwischen 1457 und 1459 aus Straßburg abwesend war, der aber erst 1466 als Drucker in seiner Heimatstadt nachweisbar ist. Mentelin und Eggestein waren beide bischöfliche Beamte und standen auch geschäftlich in Beziehungen - ob sie auch gemeinsam in Mainz waren und dort die neue Kunst erlernten, ist nicht belegt. Man hat auch von Seiten der Forschung versucht, Zusammenhänge zwischen Eggestein und Gutenberg herzustellen, die in den frühen vierziger Jahren in Straßburg möglicherweise zusammengetroffen sind. Aber auch dafür fehlen die Belege.

Zwischen 1458 und 1478, dem Todesjahr Mentelins, erschienen mindestens vierzig Drucke. Es handelte sich vorwiegend um theologische und philosophische Werke; hervorzuheben ist vor allem der erste Druck einer deutschen Bibel (1466). Bis zu Luthers Bibelübersetzung sollten 17 weitere deutsche Ausgaben folgen, die alle auf der Mentelin-Bibel fußten. Neben verschiedenen Klassiker-Ausgaben druckte Mentelin als einziger deutscher Drucker der Inkunabelzeit mittelalterliche höfische Dichtungen, nämlich Wolfram von Eschenbachs "Parzival" und den sogenannten "Jüngeren Titurel".

Straßburg ist während des 15. Jahrhunderts einer der bedeutendsten Druckorte in Deutschland; zwanzig Offizinen nehmen bis 1500 ihren Betrieb auf. Als zweiter Drucker trat der bereits genannte Heinrich Eggestein auf den Plan. Sein Wirken erstreckte sich bis 1488; ebenso wie Mentelin arbeitete er nicht nur als Drucker, sondern auch als Buchführer (reisender Buchhändler). Von ihm beziehungsweise Mentelin stammen auch die ersten gedruckten Buchhändleranzeigen.

Von den übrigen Straßburger Druckern sollen nur noch die beiden Schwiegersöhne Mentelins Adolf Rusch und Martin Schott ausführlichere Erwähnung finden. Adolf Rusch hat keinen seiner Drucke mit seinem Namen gezeichnet, so daß diese lange nur mit einem Notnamen firmiert werden konnten. Rusch verwendete als erster Drucker nördlich der Alpen die in Italien entwickelte Antiqua-Schrift; die auffallende Gestaltung des Großbuchstaben R brachte Rusch die Bezeichnung "Drucker mit dem bizarren R" ein. Rusch verlegte Klassiker- und Humanistentexte, brachte aber auch die beiden Riesenbände des Speculum naturale und des Speculum doctrinale des Vincentius Bellovacensis heraus. Auch er war neben seiner Druckertätigkeit als Händler tätig; neben gedruckten Büchern vertrieb er Handschriften und vor allem Papier, wofür größerer Kapitaleinsatz vonnöten war.

Martin Schott heiratete die jüngere Tochter Mentelins und erbte nach dem Tod seines Schwagers Rusch auch den Mentelinschen Betrieb. Schott tat sich vor allem durch die Herausgabe illustrierter deutscher Volksbücher hervor. Er starb 1499; sein Sohn Hans, einer der bedeutendsten Drucker der Stadt im 16. Jahrhundert, führte den Betrieb weiter.

Weitere wichtige Drucker in Straßburg sind Heinrich Knoblochtzer, Johannes Prüß und Johannes Grüninger. Letzterer hat sich um die Weiterentwicklung der Technik der Holzschnittillustration verdient gemacht. Durch die starke Schraffierung wurde eine derartige malerische Wirkung erzielt, daß die nachträgliche händische Kolorierung der Schnitte überflüssig wurde. Eher kritisch wurde seine Gewohnheit beurteilt, ein Bild aus zwei oder mehreren Holzstöcken zusammenzusetzen und sie untereinander auszutauschen. Grüningers Druckertätigkeit reichte weit ins nächste Jahrhundert hinein - er starb zwischen 1531 und 1533.

Bamberg

36-zeilige Bibel (B 36)

Fast zur gleichen Zeit wie in Straßburg, oder vielleicht auch ein wenig früher, begann man in Bamberg zu drucken. Zwar liegt die Entstehung der 36-zeiligen Bibel noch immer recht im Dunkeln; doch immerhin gilt der Druckort Bamberg als gesichert. Der Name des Druckers ist nicht bekannt. Allerdings scheinen sich nun die Hypothesen zu bestätigen, daß Gutenberg mit diesem Nachdruck der B-42 in Zusammenhang zu bringen ist.

Vielleicht weilte er einige Zeit nach dem verlorenen Rechtsstreit in Bamberg, um die Werkstätte einzurichten und in Gang zu bringen. Möglicherweise hat dann einer seiner Mainzer Mitarbeiter, Heinrich Keffer, der im Helmaspergerschen Notariatsinstrument genannt wird, den Druck zu Ende geführt. Unmittelbar nach der Vollendung des Bibeldruckes[31] scheint der Typenapparat den Besitzer gewechselt zu haben, denn Albrecht Pfister druckt mit ihm in den Jahren 1460-1464.

Pfister

Dieser bambergische Kleriker hat möglicherweise während des Druckes der B-36 seine Berufskenntnisse erworben, jedenfalls weisen seine ersten Drucke noch ziemlich viele Verstöße gegen die Gutenbergischen Satzregeln auf. Mit der Zeit arbeitete er sich aber sichtlich immer besser ein. Bemerkenswert an seinen Druckerzeugnissen ist aber, daß es sich um die ersten gedruckten, i l l u s t r i e r t e n Bücher überhaupt handelt. An der Spitze steht der "Ackermann von Böhmen" des Johannes von Saaz, eine bedeutende Dichtung des deutschen Frühhumanismus. Es folgten Ulrich Boners "Edelstein", eine mittelalterliche Fabelsammlung, eine deutsche und eine lateinische Ausgabe der "Biblia pauperum" und ein deutscher "Belial" des Jacobus de Theramo. Vielleicht gehen auch einige Donate auf Pfister zurück. Im Gegensatz zu Straßburg blieb in Bamberg trotz des frühen Beginns die Buchproduktion in engen Grenzen. Auch von Pfisters Drucken sind nur ganz wenige Exemplare erhalten.

Augsburg

Wesentlich schneller als in der Bischofsstadt Bamberg entwickelte sich das neue Gewerbe in den süddeutschen Handelsstädten. Unter ihnen gewährte Augsburg als erste der Druckkunst Einlaß. Günther Zainer aus Reutlingen hat hier 1468 sein erstes Druckwerk veröffentlicht, nachdem er vorher, wahrscheinlich bei Mentelin in Straßburg, seine Lehrzeit durchgemacht hatte. Neben halbgotischen Schriften verwendete Zainer auch stark Antiqua - Schriften, und zwar mit der ausdrücklichen Absicht, nicht hinter den "Italienern"[32] zurückzubleiben. Bedeutsam sind Zainers Leistungen auch auf dem Gebiete des Buchschmucks durch die Einführung von Holzschnittinitialen.[33]

Ratold

Unter den zahlreichen anderen Augsburger Druckern dieses Jahrhunderts nahm Erhard Ratdolt einen hervorragenden Platz ein. Nach mehreren Reisen nach Italien ließ er sich 1475 in Venedig nieder und begründete dort mit zwei Deutschen eine Druckerei. Mit seiner Tätigkeit beginnt in Venedig ein neuer Abschnitt in der Entwicklung des Buchdrucks, denn die Ausstattung der Drucke mit Holzschnittinitialen und Randleisten erreichen in seiner Offizin eine ästhetische Perfektion, die eine Ausschmückung von der Hand des Miniators endgültig überflüssig machen. Ratdolts Ruf als Drucker trug ihm mehrfache Berufungen in seine Heimat ein, in die er 1486 schließlich zurückkehrte. Als Einführung legte er ein Folioblatt mit allen Drucktypen, die ihm zur Verfügung standen, vor: dieses Musterblatt enthielt Antiqua-Proben in drei Größen, eine griechische Schrift in drei Größen, vor allem auch italienische rundgotische Typen in zehn Größen, die in Augsburg großen Anklang fanden. Ratdolt druckte in seiner Heimatstadt vornehmlich wissenschaftliche Werke mathematisch-astronomischen Inhalts, darunter auch Titel des Johannes Regiomontanus, und zahlreiche liturgische Drucke von hoher technischer Qualität.

In Augsburg wurde auch das Reichskloster St. Ulrich und Afra als Druckerei tätig. Aus dieser Werkstätte ging Anton Sorg hervor, der ursprünglich Brief- und Kartenmaler war. Er ist der produktivste Augsburger Drucker mit etwa 180 Titeln. Zahlreiche deutsche, illustrierte Werke, auch zwei Bibeln und die Druckausgabe der "Geschichte des Konzils von Konstanz" von Ulrich Richental befinden sich darunter. Dieses Buch weist über 1000 Holzschnitte auf, die von einem namentlich unbekannten Meister stammen; dieser "Sorg-Meister", der auch eine Boccaccio-Ausgabe illustrierte, spielt in der graphischen Kunst der Zeit eine wichtige Rolle.

Nürnberg

Koberger

Um 1470 begann in der reichen Handelsstadt Nürnberg die erste Druckerei zu arbeiten; der Drucker war ein gewisser Johannes Sensenschmid aus Eger. Aber ihn, wie auch die übrigen Nürnberger Drucker überragt Anton Koberger, eine der bedeutendsten Persönlichkeiten der Inkunabelzeit. Er war einer der ersten, die die wirtschaftlichen Möglichkeiten des Buchdruckes erkannten und Buchdruck, Verlag und Buchhandel als kapitalistisches Unternehmen betrieben. In stetigem Wachstum erweiterte Koberger seine Offizin; ebenso planmäßig dehnte er sein Absatzgebiet immer weiter aus. Schon 1470 mietete er ein großes Gebäude am Ägidienhof, das er später käuflich erwarb. Dort wohnte er mit seiner zahlreichen Familie (er war zweimal verheiratet; von seinen 25 Kindern überlebten ihn immerhin 13) und dort betrieb er auch seine Druckerei. Sie soll in ihrer Blütezeit über 100 Mitarbeiter und 24 Pressen beschäftigt haben.

Bis gegen Ende des Jahrhunderts erschienen an die 250 Titel; daneben befaßte er sich mit einem ausgedehnten Buchhandel - wohl die Hauptquelle seines Reichtums. Er beschickte die Messen in Frankfurt, Leipzig und anderen Orten, unterhielt Niederlassungen in verschiedenen Städten und beschäftigte zahlreiche Buchführer. Zu seiner Produktion gehören viele berühmte Inkunabeln, etwa die "Reformation der Stadt Nürnberg"[34], die "Goldene Bulle[35]" Kaiser Karl IV., verschiedene Bibeln (darunter die zweibändige 9. deutsche Bibel mit den Holzschnitten der Kölner Ausgaben) und viele Liturgica. Ein künstlerischer Höhepunkt ist die lateinisch und deutsch erschienene "Apokalypse" mit den Holzschnitten Albrecht Dürers, dessen Taufpate Koberger war.

Schedels Weltchronik

Vielleicht hat Dürer auch schon an der Illustration der Schedelschen Weltchronik mitgewirkt, dem umfangreichsten, bebilderten Druckwerk des 15. Jahrhunderts.

Dieses Buch kann auch als mustergültiges Beispiel für umsichtige Verlagsplanung, Marktforschung, Auftragsarbeit, Verteilung des Risikos, Kapitalaufbringung und Absatzplanung gelten. Als Verleger hatte Koberger zwei Nürnberger Patrizier gefunden; den Text schrieb der führende Humanist der Stadt, Hartmann Schedel, ein "Bücherfresser", wie er sich selbst bezeichnete. Die Anlage der Chronik, die mit der Erschaffung der Welt beginnt und den Bogen bis zum jüngsten Gericht spannt, atmet allerdings noch ganz den Geist des Mittelalters. Schedel stützte sich auf die Bibel, auf antike und verschiedene zeitgenössische italienische Autoren; nur in der Geschichte der deutschen Städte ist er selbständig. Sein Weltbild ist noch das ptolemäische; allerdings läßt er offen, ob die Erde eine Scheibe oder eine Kugel sei. Alles, was außerhalb der Sphäre des Autors lag, ist schematisch oder sagenhaft. Mit der Illustrierung - die Inkunabel zeigt an die 2000 Holzschnitte (mit zahlreichen Wiederholungen) - wurden zwei namhafte Nürnberger Künstler betraut, Michael Wolgemut und Wilhelm Pleydenwurff. 1493 erschienen die lateinische und die deutsche Ausgabe. Die umfangreichen Druckarbeiten teilte sich Koberger mit anderen Druckern in Basel, Straßburg und Lyon, die auch den auswärtigen Absatz der Bücher erleichtern sollten. In vielen europäischen Städten richtete er Auslieferungsdepots ein, die den regionalen Vertrieb sichern sollten. Die Einnahmen aus diesem größten Buchprojekt des Jahrhunderts blieben allerdings hinter den Erwartungen zurück; Johann Schönsperger in Augsburg, ein gefürchteter Nachdrucker, schmälerte durch seine billige Kopien den Absatz.

Koberger lebte bis 1513; seine Erben konnten aber die Druckerei nur wenige Jahre weiter führen. In Deutschland druckten bis zur Jahrhundertwende etwa 300 Offizinen in 62 Städten. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen eines Skriptum bei weitem sprengen. So soll nur noch auf die Kölner Buchproduktion hingewiesen werden. Schon 1465 begann dort Ulrich Zell zu drucken; der produktivste Drucker in Köln ist aber Heinrich Quentell, dessen illustrierte niederdeutsche Bibelausgabe, die er vermutlich zusammen mit Bartholomaeus von Unckel herausbrachte, zu den besonderen Glanzstücken gehört. Die über 100 Holzstöcke wurden später von Koberger übernommen. Die Quentellsche Firma erlangte dann im 16. Jahrhundert noch große Bedeutung.

Basel

In der Schweiz erreichte nur Basel als Druckort während des 15. Jahrhunderts größere Bedeutung. Als Erstdrucker gilt Berthold Ruppel, der mit dem im Helmaspergerschen Notariatsinstrument erscheinenden Bechtolff von Hanauwe gleichgesetzt wird; so kann man annehmen, daß Ruppel das Handwerk noch bei Gutenberg erlernt hat. Wann genau er in Basel seine Tätigkeit aufnahm, ist nicht bekannt, da seine frühen Erzeugnisse keine Datierungen zeigen. Vermutlich setzt seine Tätigkeit in Basel in den späten sechziger Jahren ein. 1471 gibt es jedenfalls schon so viele Drucker in der Stadt, daß ein Streik der Druckergesellen einiges Aufsehen erregte. Ruppel wird auch in Verbindung mit Michael Wenßler und Bernhard Richel genannt, mit denen er zusammenarbeitete. Sie produzierten in der Hauptsache theologische und juristische Werke in lateinischer Sprache. Wenßler mußte später wegen Schulden die Flucht ergreifen und wurde in verschiedenen französischen Städten als Drucker tätig.

Amerbach

Die ersten deutschen Drucke brachten in Basel dann Richel und Martin Flach heraus; besonders bemerkenswert ist hier die Erstausgabe des "Sachsenspiegels" von 1474.[36] Die herausragende Persönlichkeit unter den Schweizer Inkunabeldruckern ist aber Johannes Amerbach. Er studierte in Paris bei Johann Heynlin von Stein und erwarb den Grad eines Magisters. Heynlin veranlaßte zusammen mit Guillaume Fichet bereits 1470 die Errichtung einer Presse an der Sorbonne. Den Buchdruck dürfte Amerbach nach seinem Studium während eines längeren Aufenthaltes in Venedig erlernt haben. 1477 läßt er sich wieder in Basel nieder und beginnt mit dem Druck. Seine Schriften zeigen deutlich den Venezianischen Einfluß; Amerbach pflegte besonders die Antiqua und bewirkte damit, daß auch andere deutsche Drucker sie wieder verstärkt verwendeten. 1486 übersiedelte Heynlin dauernd nach Basel und wurde Amerbachs wissenschaftlicher Berater. So ist die Produktion dieser Offizin auch in der Hauptsache den Schriften des christlich orientierten Humanismus gewidmet; auch einige schön illustrierte Werke verließen Amerbachs Werkstatt, etwa das Gebetbuch "Das andächtig Zeitglöcklein des Lebens und Leidens Christi". Amerbach starb erst 1513; die Universitätsbibliothek Basel bewahrt bis heute etwa 6000 Briefe seiner Korrespondenz auf.

Der Buchholzschnitt hat für Basel eine besondere Bedeutung, weil der junge Albrecht Dürer für einige Basler Drucker arbeitete. So konnten der Titelholzschnitt von Nikolaus Keßlers Ausgabe der Hieronymusbriefe, der Illustrationszyklus zum "Ritter von Thurn"[37] und zu Brandts "Narrenschiff"[38] dem jungen Meister zugeschrieben werden. Neben Basel treten die übrigen Schweizer Inkunabeldruckorte (Beromünster, Burgdorf und Zürich) an Bedeutung stark zurück.

Östereich

Im Gebiet des heutigen Österreich wurde während der Inkunabelzeit nur in Wien gedruckt, und auch das nur in bescheidenem Rahmen, was mit den politisch unruhigen Zeiten zusammenhängen mag. Ein Einblattkalender aus dem Jahr 1462, der auf den Meridian von Wien berechnet ist, wird von einigen Autoren als frühester Wiener Druck reklamiert. Man dachte dabei als Drucker an Ulrich Hahn aus Ingolstadt, der sich später in seinen römischen Drucken als Bürger von Wien bezeichnet. Allerdings gibt es für diese Hypothese keinerlei stützende Indizien, die einer kritischen Betrachtung standhalten. So ist der erste gesicherte Wiener Druck erst für das Jahr 1482 anzusetzen; der Name des Druckers ist nicht bekannt. So spricht man von ihm als Drucker des Vocalista oder Drucker der Rochuslegende, je nach dem welches der unfirmierten Werke man als erstes ansieht. Die Identifikationsversuche mit einem gewissen Stephan Koblinger oder Koglinger sind nicht gesichert.

Winterburger

Ab 1492 ist dann Johannes Winterburger in Wien tätig, über den wir besser unterrichtet sind. Er produzierte vor der Jahrhundertwende eine ganze Reihe von Ausgaben klassischer Autoren wie auch der Schriften Wiener Universitätsprofessoren. Winterburgers Haupttätigkeit liegt aber erst im 16. Jahrhundert.

Italien

Wurde der Buchdruck auch in Deutschland erfunden, so erlebte er doch seine erste Hochblüte in Italien. Das anders geartete wirtschaftliche Umfeld in den oberitalienischen Städten veränderte auch die typischen Organisationsformen des neuen Handwerks. Während die Drucker in Deutschlands Städten noch lange durch das spätmittelalterliche Milieu eingeschränkt blieben, lief in Italien die Umformung der ökonomischen Bedingungen des Buchdrucks sehr schnell ab. Sehr bald entwickelten sich arbeitsteilige Organsisationsformen und das Rationalisierungspotential der neuen Technologie wurde immer besser genutzt; die Loslösung vom ästhetischen und formalen Ideal der mittelalterlichen Prachthandschrift ermöglichte neue, moderne Buchformen und handliche Formate. In Deutschland hatte eigentlich nur Koberger die Möglichkeiten des neuen Mediums voll genützt. Italiens modernere Handels- und Gewerbestrukturen brachten die Druckkunst zu schneller Blüte. Dazu trat noch der große Buchbedarf des Humanismus - während in Deutschland die meisten Drucker mit Bibeln oder litugischen Büchern ihre Produktion begannen, stehen in Italien Ausgaben von Cicero und anderen klassischen Autoren im Vordergrund.

Subiaco

Durch kirchliche Beziehungen und die vielfältigen Handelskontakte gelangte der Buchdruck sehr früh schon nach Italien. Zwei deutsche Kleriker, der Mainzer Konrad Sweynheym und der Kölner Arnold Pannartz reisten Anfang der Sechziger Jahre nach Rom. Sie hatten das Handwerk vermutlich in der Fust-Schöfferschen Offizin erlernt; wahrscheinlich verließen sie Mainz nach der Katastrophe von 1462 mit dem Ziel Rom. Allerdings blieben sie in Subiaco "hängen", wo sie in dem Benediktinerkloster Santa Scolastica die erste Druckerpresse Italiens errichteten. Möglicherweise spielte dabei eine Rolle, daß Johannes de Turrecremata damals Kommendarabt des Klosters war, daß die beiden Deutschen ausgerechnet in diesem weltabgelegenen Kloster ihre Arbeit aufnahmen. Diese Klosterdrucke sind nur zum Teil erhalten und auch nur teilweise firmiert; nur eine Laktanz-Ausgabe[39] nennt in der Schlußschrift ausdrücklich das Kloster als Druckort.

Dennoch sind wir aus einer etwas jüngeren Quelle über die Aktivitäten der beiden Drucker recht gut unterrichtet. Johannes Andreae de Bussis, Bischof von Aleria, verfaßte nämlich 1472 für die beiden ein Unterstützungsgesuch an den Papst, in dem ihre Produktion in Subiaco und Rom (sie übersiedelten 1467 dorthin) genau verzeichnet wird. Demnach dürften sie schon 1464 einen Donat gedruckt haben, von dem sich aber kein einziges Exemplar erhalten hat, dann einen Cicero (De oratore), weiters den schon erwähnten Laktanz und schließlich einen Augustinus (De civitate dei).

Antiqua-Schrift

Bemerkenswert an diesen sublacensischen Drucken ist auch, daß zum erstenmale nicht die bis dahin üblichen gotischen Typen, sondern eine Antiqua-Schrift verwendet wurde. Zwar war diese Antiqua noch schwer und unbeholfen und muß als Vorform betrachtet werden (man nennt sie deswegen auch: Gotico-antiqua), doch verlassen Pannartz und Sweynheym damit den gotischen Schriftkanon und wenden sich der in Italien üblichen Humanistenschrift zu. Diese leichte und elegante Schrift hatten die Humanisten aus der sogenannten karolingischen Minuskel weiterentwickelt, die sie irrtümlicherweise für die Schrift der römischen Klassik hielten.

Rom

Nach etwa drei Jahren zogen sie weiter nach Rom. Sie richteten im Kellergeschoß des Palazzo Massimi ihre neue Werkstätte ein und begannen gleich mit der Produktion.[40] Fünf Jahre später, als sie ihr Unterstützungsgesuch an den Papst richteten, konnte ihr Mentor de Bussis 28 Titel in einer Gesamtauflage von 12475 Exemplaren aufzählen, die sie zwischen 1464 und 1472 hergestellt hatten. Diese enorme Produktion hatte Pannartz und Sweynheym offensichtlich in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, so daß sie beim Papst um finanzielle Unterstützung nachsuchen mußten. Diese scheint allerdings nicht gewährt worden zu sein, denn 1473 lösten sie ihre Werkstätte auf. Arnold Pannartz übernahm den Typenapparat und druckte bis zu seinem Tode 1476 im Palazzo Massimi weiter. Sweynheym befaßte sich nach 1473 mit der Vorbereitung einer Ptolemaeus-Ausgabe. Die Cosmographie mit ihren 27 Kupferstichkarten sollte der erste gedruckte Atlas werden; die Vollendung erlebte Sweynheym aber nicht mehr. Er starb etwa zur gleichen Zeit wie Pannartz und Arnold Bucking konnte das Buch erst 1478 herausbringen, ein Jahr nachdem in Bologna Taddeo Crivelli seine Ptolemaeus-Ausgabe veröffentlichen konnte. Ob Sweynheym und Pannartz in Rom die ersten Drucker waren, ist nicht mit Sicherheit zu sagen.

Denn Ulrich Hahn aus Ingolstadt soll sich um 1464 in Rom aufgehalten haben; sein erster Druck wird von manchen schon für das Jahr 1466 (31. Dezember) angenommen, vielleicht ist er aber auch in das darauffolgende Jahr zu setzen. Die Herkunft Hahns, der sich auch manchesmal als "Bürger von Wien" bezeichnet, ist nicht ganz geklärt. Auffällig ist, daß er als erster nach Albrecht Pfister wieder ein mit Holzschnitten illustriertes Buch herausbringt, fünf Jahre bevor Günther Zainer in Augsburg illustrierte Bücher veröffentlicht. Man hat deswegen vermutet, daß Hahn bei Pfister in Bamberg das Handwerk erlernt hätte. Hahns erste Publikation waren die "Meditationes" des Johannes de Turrecremata, ein Werk, das unter den frühen Inkunabeln eine nicht zu übersehende Rolle spielt. Die Holzschnittfolge von 34 Bildern lehnt sich an die Fresken in der römischen Kirche S. Maria sopra Minerva an, die zum Teil auf Fra Angelico zurückgehen.

Rundgotische Type

Hahn verwendete für seine ersten Drucke noch keine Antiqua, sondern eine rundgotische Type, die aus der sogenannten Littera Bononiensis hervorging. Diese Schrift war für Rechtshandschriften aber auch Bibeln und Liturgica in Italien in Gebrauch und wurde vor allem an der Universität in Bologna gepflegt. In den folgenden Jahren druckte Ulrich Hahn vor allem klassische Schriften (Cicero, Livius, Plutarch), um sich dann in den siebziger Jahren theologischen, juristischen und kanonistischen Werken zuzuwenden. Auch betätigte er sich als Drucker von zahlreichen päpstlichen Verordnungen, Bullen und Reden; zwei der ältesten Drucke des Missale Romanum stammen von ihm (in der Ausgabe von 1476 erscheinen zum erstenmale gedruckte Noten). Hahn dürfte etwa 1479 gestorben sein, sein letzter firmierter Druck erschien im Dezember 1478.

Charakteristisch für den römischen Buchdruck dieser Zeit ist, daß er bis zum Jahrhundertende von deutschen Druckern, meist Klerikern, beherrscht wird. Der Buchdruck war in Rom schon vor Augsburg, Basel und Nürnberg heimisch; von den über vierzig Offizinen, die bis 1500 ihre Arbeit aufnahmen, waren etwa fünfundzwanzig in deutschen Händen. Der erste Italiener unter den Buchdruckern ist Giovanni Filippo di Legname (Johannes Philippus de Lignamine), der aber wohl eher als Druckherr, als Geldgeber, anzusehen ist, der mehrere namentlich unbekannte deutsche Drucker beschäftigte.

Venedig

Der Erstdrucker Venedigs, Johannes von Speier, vollendete seinen ersten Druck 1469, wiederum eine Cicero-Ausgabe der Epistolae ad familiares. Über seine Herkunft weiß man wenig, vielleicht ist er mit einem Goldschmied Hans von Spyre, der zwischen 1460 und 1461 in Mainzer Urkunden aufscheint, identisch. Jedenfalls scheint er sich länger in Italien aufgehalten zu haben und vielleicht war er auch nur als Druckherr tätig. Er könnte, ähnlich wie andere, deutsche Buchdrucker finanziert haben, die allerdings nie genannt werden. Die nötigen Investitionsmittel brachte er offenbar selbst auf, denn er benötigte keine italienischen Geldgeber. Er konnte von der Signorie[41] sogar ein Monopol auf fünf Jahre erlangen, das ihm das ausschließliche Druckrecht einräumte. Doch nur drei Drucke vollendete Johannes, denn er verstarb 1470 - und damit erlosch auch das Privileg. Die Offizin wurde von seinem Bruder Wendelin weitergeführt, der sie einige Jahre, trotz der nun zugelassenen Konkurrenz, erfolgreich betrieb. Schon zwei Jahre nach dem Tod des Johannes sollte es in Venedig rund ein Dutzend Drucker geben. Zu den Verdiensten der beiden Brüder aus Speier gehört zweifellos auch, daß sie von Anfang an die Antiqua-Type verwendeten. Im Gegensatz zu der von Sweynheym und Pannartz verwendeten war sie schon wesentlich leichter und eleganter.

Jenson

Vielleicht ging diese Antiqua-Type auch auf Nicolaus Jenson aus Sommevoire bei Troyes zurück, der in der Offizin der Brüder tätig war. Seit 1458, als ihn der französische König als Kundschafter nach Mainz zu Gutenberg schickte, gab es keine Nachricht über Jenson. Man muß wohl annehmen, daß Jenson in Mainz die neue Kunst erlernt hat, ob bei Gutenberg oder Schöffer ist ungewiß. Jedenfalls sind von ihm keine Drucke bekanntgeworden, bevor er zusammen mit den Speierer Brüdern in Venedig nachweisbar ist.

Nach dem Erlöschen des Privilegs für Johannes hat er sich selbständig gemacht und tritt mit eigenen Produkten auf den Plan[42]; einen Platz in der Druckgeschichte hat sich Jenson durch seine besonders schöne Antiqua-Type gesichert, die als unerreichtes Muster bis in die Gegenwart immer wieder nachgeahmt wurde. Neben seiner berühmten Antiqua verwendete er auch rundgotische Schriften. Schon in der Produktion Jensons zeichnet sich die Abgrenzung im Gebrauch der Typen nach dem Inhalt des Werkes ab: Klassiker und Humanisten wurden in Antiqua, juristische, theologische und liturgische Werke beziehungsweise die Bibel wurden in rundgotischer Schrift gedruckt. Jenson entwickelte eine umfangreiche Tätigkeit; wirtschaftliche Schwierigkeiten zwangen ihn bald zu einer Umwandlung seiner Offizin in eine Handelsgesellschaft, in die die Witwe des Johannes de Spira und zwei deutsche Kaufleute, Petrus Uglheimer und Johannes Rauchfaß, zusammen mit Jenson eintraten. Der Zweck dieser Geschäftsverbindung war zweifellos den Absatz zu verbessern.

Ratdolt

Unter den zahlreichen Druckern sticht besonders Erhard Ratdolt hervor, der zusammen mit seinen Kompagnons[43] einen besonders qualitätvollen Buchschmuck entwickelte. Er verwendet eine elegante venezianische Antiqua und Holzschnittinitialen, weiß auf schwarzem Grund, die ganz vom Stilgefühl der Renaissance geprägt sind. Das gleiche gilt für die reichen Holzschnittbordüren und die Illustrationen in Umrißholzschnitten, wie sie für die italienische Buchillustration in der Folge typisch wurden; die Miniaturmalerei in gedruckten Büchern wurde damit völlig verdrängt. Ratdolt druckte vornehmlich Werke astronomisch-mathematischen Inhalts - es existierte offenbar eine Verbindung zu Johannes Regiomontanus - und auch schon verschiedene liturgische Werke, die dann später in Augsburg seinen Ruhm ausmachen sollten.

Die achziger Jahre bringen für den venezianischen Buchdruck beträchtliche Produktionssteigerungen auf allen Wissensgebieten. Große einheimische Firmen beginnen in diesen Jahren mit ihrer Tätigkeit, während die deutschen Drucker zunehmend an Einfluß verlieren. Sehr bald spezialisieren sich einzelne Offizinen auf bestimmte Fachgebiete, wie etwa die Druckerei de Tortis für Rechtsliteratur. Hervorzuheben ist auch die Blüte der Holzschnittillustration, die mit Ratdolt ihren Anfang genommen hatte. Der italienische, feinlinige, auf Umrisse beschränkte Illustrationsstil unterscheidet sich deutlich vom gleichzeitigen deutschen; er erinnert am ehesten an eine Federzeichnung. Berühmt wurde durch ihren Buchschmuck die erste italienische Bibel - die Übersetzung besorgte der Venezianer Nicolo Malermi - die mit zahlreichen kleinformatigen Holzschnitten verziert ist. Als Geldgeber für diesen Druck trat Lucantonio Giunta auf, ein Mitglied jener Familie, die später die berühmteste Werkstätte in Florenz führen sollte.

Manutius

Der wohl bedeutendste Venezianer Drucker trat aber erst knapp vor der Jahrhundertwende in Erscheinung: Aldus Manutius. Der Schwerpunkt seines Wirkens liegt allerdings schon im nächsten Jahrhundert. Er war der gebildetste Drucker seiner Zeit; um 1450 geboren, studierte er lange Jahre in Rom und Ferrara, wurde dann der Erzieher der Söhne des gelehrten Grafen Giovanni Pico della Mirandola. Aldus befaßte sich in erster Linie mit dem Studium des Griechischen, so ist es auch nicht weiter verwunderlich, daß sein erstes Buch, das er verlegte, eine griechische Grammatik war.

Mit seiner Tätigkeit als Buchdrucker begann er 1495, finanziell unterstützt von seinen ehemaligen Zöglingen. Aldus war nicht der erste, der griechische Werke in Buchdruck herausbrachte, er wurde aber in kurzer Zeit der wichtigste Verleger für griechische Werke. Seine griechische Drucktype, die der handschriftlichen Kursive nachgebildet war, setzte sich gegen die anderen kalligraphischen (und für uns leichter lesbaren) Typen durch und verdrängte diese für einen Zeitraum von 200 Jahren. Während bei der lateinischen Typographie die Entwicklung von den handschriftlichen Formen weg zur modernen, rationellen Druckschrift führte, verlief die Entwicklung bei den griechischen Drucktypen gerade gegenläufig: von den gut lesbaren Typen zu der ligaturenreichen kursiven Aldus-Type. Während Gutenberg um 1450 herum versuchte, mit etwa 290 verschiedenen Typen das Vorbild der Handschriften zu erreichen, benützten die Drucker griechischer Bücher gegen Jahrhundertende Typensätze mit annähernd 1000 Typen. Bis 1503 brachte Aldus insgesamt 28 Erstausgaben griechischer Autoren heraus; darunter einen fünfbändigen Aristoteles (1495-98), aber auch Aristophanes, Thukydides, Sophokles, Herodot, Xenophon, Demosthenes, Plutarch und Platon. Seine wissenschaftlich auf der Höhe der Zeit befindlichen Ausgaben waren außerordentlich gesucht. Doch beschränkte er sich keineswegs auf griechische Texte, auch unzählige lateinische und einige hebräische Werke verließen seine Druckerpresse. Er pflegte auch die humanistischen neulateinischen Schriftsteller und druckte Bembos "Dialog über den Ätna" oder die "Hypnerotomachia Poliphili" des Dominikanermönchs Francesco Colonna (1499). Diese allegorische Liebesdichtung ist mit 170 großen Umrißholzschnitten von ungewöhnlicher Schönheit geschmückt; zusammen mit der vollendeten Antiqua-Type des Aldus gilt dieses Werk als eines der schönsten Bücher der gesamten Druckgeschichte. Die Nachwirkungen dieser Illustrationen lassen sich bei den emblematischen Werken der beiden folgenden Jahrhunderte deutlich ablesen.

Von Venedig aus verbreitete sich der Buchdruck auch auf der heute jugoslawischen Seite der Adria; die dalmatinische Küste stand damals ja unter venezianischen Einfluß. In Venedig erschienen auch die ersten Drucke mit glagolitischen Lettern, der Schrift der älteren slawischen Denkmäler.

Florenz

Neben Rom und Venedig ist noch Florenz als bedeutender Druckort zu nennen. Die interessanteste Presse war ohne Zweifel die Ripoli-Druckerei, in der Nonnen als Setzerinnen arbeiteten. Der Leiter dieser Kloster-Offizin, der Dominikaner Fra Domenico, verfaßte ein bemerkenswertes Tagebuch des Betriebes mit vielen, kulturgeschichtlich relevanten Details; etwa den Preisen für Papier, Tinte und Letternmetall. In Florenz erschien unter anderem der erste gedruckte Homer in griechischer Sprache[44], der Lorenzo de'Medici gewidmet war. Auch die dominante Figur der florentinischen Geschichte des ausgehenden 15. Jahrhunderts, Girolamo Savonarola, verdankte einen wesentlichen Anteil seines immensen politischen Einflusses dem neuen Massenmedium: die Reproduktion seiner polemischen Schriften durch die Druckerpresse verhalf ihm zu einer Breitenwirkung, die weit über seine Predigten hinausging.

Nach 1470 breitete sich der Buchdruck in Italien rasant aus. In rund 80 Städten Italiens wurden im 15. Jahrhundert Offizinen eröffnet. Die wichtigsten Zentren lagen meist im Norden in den großen Handelsstädten. Im Süden erlangte nur Neapel einige Bedeutung. Mehr als ein Drittel der gesamten Buchproduktion der Inkunabelzeit entstand in Italien. Die gut entwickelte italienische Papierindustrie, der gut funktionierende Fernhandel und die modernen Formen der Kapitalwirtschaft begünstigten diese Entwicklung.

Frankreich

Endnoten

  1. Die Schätzungen der Gesamtauflage der B-42 sind außerordentlich schwankend. Sie reichen von 100 bis 250 Exemplaren. Die zweibändige Bibel besteht aus 641 Blättern, nimmt man eine Auflage von 180 Exemplaren als Berechnungsbasis, würde man 57.690 Doppelblätter für die Herstellung benötigen. Aus einer Kalbshaut - in Anbetracht dessen, daß die Tiere damals kleiner waren als heute - könnte man nicht mehr als jeweils ein Doppelblatt gewinnen; selbst wenn man annimmt, daß zwei Doppelblätter aus einer Haut gewonnen werden können, bleibt ein Bedarf von annähernd 30 000 Häuten.
  2. Die "ars artificialiter scribendi", die ein Prokop Waldfoghel 1444 in Avignon ausübte, kann mit dem Buchdruck wahrscheinlich nicht in Zusammenhang gebracht werden. Es handelt sich vermutlich um ein Stempeldruckverfahren (oder um Schablonen ?). Vgl. dazu A. Swierk: Was bedeutet "ars artificialiter scribendi?" In: Widmann: Der gegenwärtige Stand ...
  3. Diese Legierung bestand aus Blei, Wismut und Antimon
  4. Vgl. A. Swierk: Johannes Gutenberg als Erfinder in Zeugnissen seiner Zeit. In: Widmann: Der gegenwärtige Stand...
  5. Vgl. Leonhard Hoffmann: Die Gutenbergbibel. Eine Kosten- und Gewinnschätzung des ersten Bibeldruckes auf der Grundlage zeitgenössischer Quellen. In: Archiv für Geschichte des Buchwesens. Bd. 39. Frankfurt a. M. 1993.
  6. Wie Jenson diesen Auftrag ausführte, ist nicht bekannt. Jedenfalls muß er in den folgenden Jahren das Buchdruckerhandwerk erlernt haben, denn ab 1470 ist er in Venedig als Drucker tätig.
  7. Ein wenig beachteter Hinweis auf den Ort der Erfindung findet sich in der Schlußschrift eines Druckes des Petrus Schöffer aus dem Jahr 1482. Dort wird die Stadt Mainz als Erfinderin der Druckkunst gepriesen. Daß er den Erfinder unerwähnt läßt, hatte wohl guten Grund.
  8. Diese Type, kurz DK-Type genannt, erscheint in verschiedenen, nur fragmentarisch erhaltenen Donat- Ausgaben. Aelius Donatus war ein spätantiker Grammatiker, dessen Schulgrammatik der lateinischen Sprache ("Ars minor", ca 350 n.Chr. in Rom entstanden) als Haupthilfsmittel für den Anfangsunterricht während des ganzen Mittelalters in Verwendung stand. Diese Grammatiken, nach denen eine starke Nachfrage herrschte, hatten einen nur sehr geringen Umfang, ebenso wie die meist nur aus einem Blatt bestehenden Kalenderdrucke, die diese wohl früheste, noch plumpe und wenig ausgefeilte Type zeigen.
  9. So wird die Type der Gutenbergbibel bezeichnet. Die frühen Inkunabelbibeln unterscheidet man nach ihrer Zeilenzahl; die 42-zeilige Gutenbergbibel trägt die Sigle B-42.
  10. Sibyllenbuch: deutsches Gedicht des 14. Jahrhunderts über die Salomonische Sibylle. Von diesem Druck ist aber nur ein kleines Fragment (9 x 12,5 cm) erhalten geblieben. Es wurde bereits 1892 aus einem Bucheinband herausgelöst und ist möglicherweise der älteste erhaltene Druck überhaupt. A. Kapr hat neuerdings einen möglichen Zusammenhang zwischen dem Druck des Sibyllenbuches und der Wahl Friedrich III. hergestellt; er interpretiert den Druck als politische Schrift, die nur in den Jahren zwischen 1440 und 1444 denkbar wäre. So interessant dieser Untersuchungsansatz ist, fehlen doch weitere Anhaltspunkte, die diese Frühdatierung abstützen könnten.
  11. Die Bezeichnung "Ablaßbriefe" für diese beiden Schriften ist falsch, hat sich aber allgemein eingebürgert. In Wirklichkeit handelt es sich um sogenannte Beichtlizenzen; formal kann man sie als gedruckte Urkundenformulare ansehen, in die bei der Ausstellung der Name des Begünstigten beziehungsweise dasDatum handschriftlich eingetragen wurden.
  12. Ein Missale speciale ist eine verkürzte Meßbuchausgabe für Nebenaltäre und Filialkirchen. Vgl. S. Corsten: Das Missale speciale. In: Widmann: Der gegenwärtige Stand...
  13. Johannes Balbus de Janua: Catholicon. Bei diesem Werk handelt es sich um eine lateinische Grammatik, die mit einem ausführlichen Wörterbuch verbunden ist. Das Buch stand als Lehrbehelf für den fortgeschrittenen Lateinunterrricht in Verwendung.
  14. Vgl. Ziesche/Schnitger: Elektronenradiographische Untersuchungen der Wasserzeichen... In: Archiv der Geschichte des Buchwesens. 21. Sp.1303-1338.
  15. Mit einem Cyclotron (Protonenbeschleuniger) beschleunigt man die Kerne von Wasserstoffatomen, die mit den Atomen der Druckerfarbe kollidieren. Die dabei entstehenden Lichtquanten können zu einer genauen Materialanalyse herangezogen werden.
  16. Vgl. Rafaela Stein: Der gegenwärtige Stand der Farbuntersuchungen von Frühdrucken mittels Cyclotron. In: Buchhandelsgeschichte, 1986/1. S. B 23-29. (=Beilage zum Börsenblatt).
  17. Da die Universitätsmatrikeln dieser Zeit nur Vornamen und Herkunftsort der Studierenden verzeichen, Johannes zudem der häufigste Vorname der Zeit überhaupt ist, läßt sich aus diesen Quellen kein eindeutiger Nachweis erbringen.
  18. Albert Kapr hat sich zum Beispiel in seiner neuen Gutenbergbiographie ausdrücklich für diese Hypothese ausgesprochen, wobei er aber zugesteht, daß es sich nur um eine Vermutung handelt. Offen muß auch bleiben, welche Drucke Gutenberg in Straßburg hergestellt haben soll; die Donatausgaben, an die etwa Kapr denkt, kommen nach den neuesten Forschungen offenbar nicht in Frage.
  19. Gerade diese vier dunklen Jahre bilden eine der Hauptschwierigkeiten der Gutenbergforschung, weil durch diese Lücke kein Zusammenhang zwischen Gutenbergs Wirken in Straßburg und dann in Mainz hergestellt werden kann.
  20. Der Praxis der Handschriftendekoration folgend, wurden auch die Inkunabeln von Hand mit farbigen Zierbuchstaben, Rubriken, Zierstrichen u.ä. geschmückt. Diese Arbeiten wurden von einem Rubrikator (lat. ruber, rubra, rubrum = rot) durchgeführt, der seine Tätigkeit oft mit einem Segenswunsch, der Nennung seines Namens und des Datums abschloß.
  21. Möglicherweise war die Bibel auch schon früher fertiggestellt. Ein bisher wenig beachtetes Dokument legt dies nahe. In einem Brief berichtet Enea Silvio Piccolomini, damals Sekretär des deutschen Königs Friedrich III., von einer Begegnung Oktober 1454 in Frankfurt. Er hätte dort einen erstaunlichen Mann getroffen, der verschiedene Lagen einer Bibel in sauberer und höchst korrekter Schrift vorgelegt hätte; diese Bibel sei in 158 oder 180 Exemplaren bereits fertiggestellt, komplette Bibeln hätte er in Frankfurt nicht zu Gesicht bekommen. In dem Brief bezweifelt Piccolomini, der später als Pius II. den päpstlichen Thron bestieg, daß vollständige Bibeln noch zu erwerben wären, da die ganze Auflage bereits vergeben sei. Der Brief datiert vom 12. März 1455; eine Fertigstellung des Bibeldruckes wäre also schon für 1455 anzunehmen.
  22. Diese Feststellungsurkunde ist nach dem ausstellenden Notar Ulrich Helmasperger benannt. Urkunden nannte man im mittelalterlichen Sprachgebrauch Instrumente.
  23. Lotte Hellinga: Analytical bibliography and the study of early printed books with a case-study of the Mainz Catholicon. In: Gutenberg-Jahrbuch 1989, 47-96.
  24. Mit der Type des Catholicon wurden noch zwei weitere Werke gedruckt. Aber noch vor Gutenbergs Tod erscheint diese Type in den Drucken der Brüder Bechtermünze, die in Eltville, nahe bei Mainz, arbeiteten.
  25. Diether von Isenburg wurde 1459 mit knapper Mehrheit zum Erzbischof von Mainz gewählt. Papst Pius II. war mit dieser Wahl nicht einverstanden und stellte Diether unannehmbare Bedingungen für die Anerkennung; so kam es zum Bruch und 1461 setzte der Papst den Erzbischof ab und ernannte Adolf von Nassau als dessen Nachfolger. In den darauf folgenden kriegerischen Auseinandersetzungen besetzte und plünderte Adolf 1462 die Stadt Mainz, die auf der Seite des Diether von Isenburg stand.
  26. Mit einem Typenapparat von 525 (!) verschiedenen Typen und farbigen, gedruckten Lombardinitialen (vermutlich Metallschnitte, die zum Einfärben aus dem stehenden Satz entnommen werden konnten) war der Psalter satztechnisch der aufwendigste lateinische Druck der Inkunabelzeit. Allerdings umfaßt der Psalter nur 175 Blatt.
  27. Die Druckermarke der Fust-Schöfferschen Arbeitsgemeinschaft (Sozietät) stellt die Hausmarken der beiden dar, und zwar auf zwei Schilden die an einem Aststück hängen.
  28. 1484 erschien der "Herbarius", 1485 der "Gart der Gesundheit" und 1491 der wesentlich umfangreichere lateinische "Hortus sanitatis". Diese mit zahlreichen Holzschnittillustrationen versehenen Werke wurden noch während des 15. Jahrhunderts von anderen Offizinen nachgedruckt.
  29. Vgl. Heinrich Rohrbacher: Bernhard von Breidenbach und sein Werk "Peregrinatio in terram sanctam" (1486). In: Philobiblon 33. 1989. S. 89-113.
  30. Juan de Torquemada (lateinisch: Turrecremata): Meditationes in vitam Christi
  31. Die 36-zeilige Bibel war ein Nachdruck der B-42. Sie wurde um 1460 fertiggestellt, wie wir aus Rubrikatorenvermerken wissen. Nur ganz wenige Exemplare überdauerten bis zur Gegenwart, so daß die B-36 eine der seltensten Inkunabeln überhaupt ist. Sie wurde mit den überarbeiteten DK-Typen gedruckt, die nach dem Prozeß vermutlich noch im Besitze Gutenbergs war.
  32. Damals druckten in Italien fast ausschließlich deutsche Meister.
  33. Bekannt wurde besonders das Maiblümchenalphabet". Das Buchdruckergewerbe stieß bei seiner Einführung auf den Widerstand der Formschneider, Briefmaler und Kartenmacher, die sich in ihrer Existenz bedroht fühlten. Das Einfügen von Initialen und Illustrationen war ihre Domäne; die Einführung von gedruckten Initialen und Bildern brachte sie um ihre Einnahmen.
  34. d. i. das Nürnberger Stadtrecht
  35. d. i. das Reichsgesetz, das die Modalitäten der Kaiserwahl regelte
  36. Eike von Repgow: Sachsenspiegel. Ältestes deutsches Rechtsbuch, zwischen 1215 und 1235 entstanden, enthält das sächsische Land- und Lehensrecht.
  37. Basel, Michael Furter für Johann Bergmann von Olpe 1493.
  38. Erstausgabe Basel, Johann Bergmann von Olpe, 1494.
  39. Lucius Caecilius Firmianus Lactantius (christlicher Schriftsteller des 4. Jahrhunderts): Divinarum institutionum libri VII.
  40. Ihr erster Druck in Rom war ein Cicero: Epistolae ad familiares.
  41. Signorie (Signoria): Venezianische Stadtregierung.
  42. Wieder ist eine Cicero-Ausgabe das erste Produkt der neuen Offizin: Epistolae ad Brutum.
  43. Bernhard Maler und Peter Löslein. Maler entwarf wahrscheinlich Ratdolts Buchschmuck, wenigstens anfangs, während Löslein, der in Paris studiert hatte, als Korrektor tätig war.
  44. Homerus: Opera, griech. Hrsg. von Demetrius Chalcondylas. Florenz: Bernardus und Nerius Nerlius und Demetrius Damilas. Nicht vor 13. Jänner 1488. f°.
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