Gedichte - Eduard von Bauernfeld
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Volltext
Gedichte
Hier wurden vom eLib Austria Projekt einzelne Texte, Scan-Fragmente und Ausschnitte aus Werken, sowie Kurzgeschichten und Ähnliches zusammengefügt. Wir möchten uns für diesen Versuch entschuldigen, wollten aber unseren Lesern diese Texte nicht vorenthalten.
An Silvia
- Was ist Silvia, saget an,
- Daß sie die weite Flur preist?
- Schön und zart seh ich sie nahn,
- Auf Himmelsgunst und Spur weist,
- Daß ihr alles untertan.
- Ist sie schön und gut dazu?
- Reiz labt wie milde Kindheit;
- Ihrem Aug' eilt Amor zu,
- Dort heilt er seine Blindheit
- Und verweilt in süßer Ruh.
- Darum Silvia, tön, o Sang,
- Der holden Silvia Ehren;
- Jeden Reiz besiegt sie lang,
- Den Erde kann gewähren:
- Kränze ihr und Saitenklang!
Beschränkung
- Kannst du das Schönste nicht erringen,
- so mag das Gute dir gelingen.
- Ist nicht der große Garten dein,
- wird doch ein Blümchen für dich sein.
- Nach Großem drängt's dich in die Seele?
- Daß sie im Kleinen nur nicht fehle!
- Tu heute recht - so ziemt es dir;
- der Tag kommt, der dich lohnt dafür!
- So geht es Tag für Tag; doch eben
- aus Tagen, Freund, besteht das Leben.
- Gar viele sind, die das vergessen:
- Man muß es nicht nach Jahren messen.
Das ist ein süßer Schlummer
- Die Mutter lullt den Knaben
- Mit süßen Liedern ein;
- Er will's nicht anders haben,
- Sie muß am Bettchen sein.
- Wie kann's der Schelm nur wissen,
- Ob sie am Bette sitzt,
- Der kaum aus seinem Kissen
- Mit halbem Auge blitzt?
- Und wie er ohne Kummer
- Frisch atmend rosig liegt!
- Das ist ein süßer Schlummer,
- In den die Lieb' uns wiegt.
Der Vater mit dem Kind
- Dem Vater liegt das Kind im Arm,
- Es ruht so wohl, es ruht so warm,
- Es lächelt süß; lieb' Vater mein!
- Und mit dem Lächeln schläft es ein.
- Der Vater beugt sich, atmet kaum,
- Und lauscht auf seines Kindes Traum;
- Er denkt an die entschwund'ne Zeit
- Mit wehmutsvoller Seligkeit.
- Und eine Trän' aus Herzensgrund
- Fällt ihm auf seines Kindes Mund;
- Schnell küßt er ihm die Träne ab,
- Und wiegt es leise auf und ab.
- Um einer ganzen Welt Gewinn
- Gäb' er das Herzenskind nicht hin.
- Du Seliger schon in der Welt,
- Der so sein Glück in Armen hält!
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