Literatur:Gesammelte Gedichte - Ferdinand Sauter
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Volltext
Hier wurden vom eLib Austria Projekt einzelne Texte, Scan-Fragmente und Ausschnitte aus Werken, sowie Kurzgeschichten und Aehnliches zusammengefuegt. Wir moechten uns fuer diesen Versuch entschuldigen, wollten aber unseren Lesern diese Texte nicht vorenthalten.
- Sauter_Ferdinand_1804-1854
- Sauter, Ferdinand (1855): Gedichte. Posthum herausgegeben von Julius von der Grann. Wien, Tendler. Google Books Faksimile
Es steht ein Baum auf der Heide
- Es steht ein Baum auf der Heide,
- Der letzte einer dichten Schar,
- Die kuerzlich noch die Augenweide,
- Das Labsal von Geschlechtern war.
- Die andern sanken unter Beile,
- Der nimmersatten Industrie,
- Damit auf dieser Erde weile
- Auch nicht ein Schatten Poesie.
- Seht, wie mit Raum und Zeit sie geizen!
- Dort eilt dahin auf Fluegelross,
- Den Bauch des Ungetuems zu heizen
- Sank hin der letzte gruene Spross.
Grabinschrift
- Viel genossen, viel gelitten,
- und das Glueck lag in der Mitten;
- viel empfunden, nichts erworben,
- froh gelebt und leicht gestorben.
- Frag nicht nach der Zahl der Jahre,
- kein Kalender ist die Bahre,
- und der Mensch im Leichentuch
- bleibt ein zugeklapptes Buch,
- Darum, Wand'rer, ziehe weiter,
- denn Verwesung stimmt nicht heiter!
Kartoffelgedicht
- Solang wir die Kartoffelfrucht
- in unserm Lande sehen,
- kann keine grosse Hungersnot
- aus Misswuchs mehr entstehen.
- Gott hat sie wie das liebe Brot
- zur Nahrung uns gegeben,
- wie viel Millionen Menschen sind,
- die von Kartoffeln leben.
- Salat davon, gut angemacht,
- mit Feldsalat durchschossen,
- der wird mit grossem Appetit
- von jedermann genossen.
- Gebraetelt schmecken sie auch sehr gut,
- in saurer Brueh' nicht minder,
- Erdbirnenknpfe essen gern
- die Eltern und die Kinder.
- Und selbst die schlechten
- kann man noch zu etwas Gutem brauchen:
- Man thut sie in ein Fass hinein
- und thut sie recht verstauchen.
- Und wenn sie dann verstauchet sein,
- dann laesst man sie recht schweissen:
- das gibt dann den Kartoffelschnaps,
- der Fusel ist geheissen.
- Hat jemand sich die Hand verbrannt
- und hilft dafuer kein Segen,
- so thut man auf die Hand sogleich
- Kartoffelschabig legen.
Sauter ueber Sauter
- Immer lustig lebt der Sauter,
- Treu ist sein Gemuet und lauter,
- Tausend Hirngespinste baut er,
- Und sich selber nicht vertraut er,
- Alles was er hat, verhaut er,
- Wie ein Vogel Strauss verdaut er,
- Wenn oft Selchfleisch isst mit Kraut er,
- Schoene Maedchen gerne schaut er,
- Wie ein Kater dann miaut er,
- Leider aber schon ergraut er,
- Immer mehr und mehr - versaut er.
Seid willkommen,frohe Tage
- Seid willkommen,frohe Tage,
- Bilder meiner Rosenzeit,
- Wo noch frei von Gram und Klage
- Sich mein Herz so hoch erfreut!
- Wo in sel'ger Luft ich huepfte
- Vor dem goldnen Weihnachtsbaum,
- Wo sich Freud' an Freud' knuepfte,
- Wie im Leben so im Traum.
- Doch die Jahre sind entschwunden,
- Mir so teuer und so lieb,
- Und von all den frohen Stunden
- Die Erinnerung mir nur blieb!
- Und wie dies Gefuehl im Herzen
- Pfeilschnell ist dahingerauscht
- Hab' ich auch des Kindes Scherzen
- Mit des Juenglings Ernst vertauscht.
- Und das Herz ergtzt sich nimmer,
- Wo ich einst vor Lust geweint,
- Wenn mit seinem Freudenschimmer
- Jetzt der goldne Tag erscheint.
- Wenn ich auch die Wonne teile
- Mit der Kinder heitren Schar
- Und beim Weihnnachtsbaum verweile,
- Der mein ganzes Glueck einst war:
- Denk' ich wohl noch jener Zeiten,
- Wo auch mir das Herz geglueht....
- Doch der Kindheit ros'ge Freuden
- Sind auf ewig mir verblueht!
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