Review:Byzantine Commonwealth - Eastern Europe 500-1453 - Dimitri Obolensky - 2000

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"If I had listened to the critics I'd have died drunk in the gutter."
-Anton Pawlowitsch Tschechow / Антон Павлович Чехов,
(1860-1904) russischer Schriftsteller, Novellist und Dramatiker.
Informationen zur Rezension
Titel: Byzantine Commonwealth - Eastern Europe 500-1453
Künstler / Autor: Oblensky Dimitri
Herausgeber: Weidenfeld & Nicholson History
Erscheinungsjahr: 2000
Erscheinungsort: New York
Sprache: English
Werktyp: Monographie
Genre: Monographie
Themen: Geschichte
ISBN: 0753808161 (Buchlink DE)
ISSN: (Buchlink DE)
ISBN-13: 978-0753808160 (Buchlink US)
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Interaktion und Metadaten

Zitierweise: Rezension von "Byzantine Commonwealth - Eastern Europe 500-1453" (2000). in: eLib, Hg. v. eLibrary Projekt, in: literature.at/elib ( 26. September 2017 ). URL: http://www.literature.at/elib/index.php5?title= Lexikon:Byzantine_Commonwealth_-_Eastern_Europe_500-1453_-_Dimitri_Obolensky_-_2000_-_Rezension

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Titel


Byzantine Commonwealth - Eastern Europe 500-1453

Rezension von Andra Draghiciu
Zurück zum Themenkreis Historiographische Texte zur Geschichte Osteuropas.



Der Autor

Dimitri Obolensky wird am 1. April 1918 in Sankt Petersburg als Prince Dmitriy Dmitrievich Obolensky geboren. Seine Familie ist adliger Abstammung und soll sich von den Riurikiden ableiten. Nach der Revolution flieht er mit seiner Familie nach England, wo er in Eastbourne das Gymnasium besucht. Er studiert am Trinity College in Cambridge und wird Professor für russische und balkanische Geschichte des Mittelalters an der Universität Oxford. Seine Anfangsstudien beschäftigen sich mit den Bogomilen, über denen er ein erstes Buch schreibt, „The Bogomils: a study in Balkan Neo-Manichaeism“, das er seiner Mutter, der Gräfin Maria Shuvalov, widmet. Sein bedeutendstes Werk ist aber „The Byzantine Commonwealth“, das 1971 erscheint.

Dimitri Obolensky wird Mitglied der Britischen Akademie und des Athenaeums und erhält den Titel „Knight Bachelor“. Am 23. Dezember 2001 stirbt er in Burford, Oxfordshire.

Obolensky war sehr beliebt unter seinen Studenten wegen seiner Erzählungsart und seiner sanften Stimme, die die Geschichte des Russischen Reiches faszinierend darstellte, sodass es zu der Zeit für ihn keinen Konkurenten an der Universität Oxford gab.[1]

Der ausgezeichnete Lauf seiner Karriere widerspiegelt sich in seinen Titeln und Funktionen: - Fellow of the Trinity College, Cambridge 1942-48;

  • Honorary Fellow 1991-2001;
  • Lecturer in Slavonic Studies, Cambridge University 1946-48;
  • Reader in Russian and Balkan Medieval History, Oxford University 1949-61;
  • Professor of Russian and Balkan History 1961-85 (Emeritus);
  • Student, Christ Church, Oxford 1950-85 (Emeritus);

Dimitri Obolensky war ein sehr beliebter und respektierter Historiker und Gelehrter des Westens, wobei er aber in seinem Mutterland, das Russland der sowjetischen Zeit, als negativ empfunden wurde: „Dimitri Obolensky had presence enough to allow him a quick self- deprecatory tale or grin. It was the resonance of his voice and precision of his speech which did it. His singing, liturgical or profane, was memorable. His English and French were cultured enough. But to Soviet ears his Russian was simply electrifying: the living voice of the past, a reminder of a lost world. Obolensky was equally intrigued by the Russia that he had missed, and freely acknowledged its achievements.”[2]


Inhaltsangabe des Buches

Das erste Kapitel des Buches behandelt den geographischen Raum des Balkans, des Schwarzen Meeres und der russischen Steppe, also das Territorium, das sich im Mittelalter in der Einflussspähre des Oströmischen Reiches befand. Es werden hier die einzelnen geographischen Bedingungen aufgezählt und kontextualisiert, indem ihre wichtige historische Rolle erläutert wird.

Die Geographie dieser Regionen war in vielen Fällen dezisiv für die Beziehungen zwischen Byzanz und den barbarischen Staaten, sowhol in friedlichen als auch in militärischen Auseinandersetzungen. Die Flüsse und Meere dienten als Raubwege der Barbarenstämme, aber auch als Handelswege. Konstantinopel war durch seine strategische Lage an der Meerenge vor den Eroberungsversuchen der Barbaren geschützt, was in vielen Fällen sein einziges Ausweg war. Die balkanische Halbinsel war ab 395 (die Spaltung des römischen Reiches) nur in drei Perioden unter der Souveranität Konstantinopels, nämlich unter Justinian, Basil II. und Manuel I. Im Laufe des Mittelalters gab es kein eigentliches, dauerhaftes politisches Zentrum, aber Konstantinopel wurde mit der Christianisierung der Barbaren zum geistlichen Zentrum, da der Patriarch, der Oberhaupt der östlichen Kirche, seinen Sitz hier hatte.

In den näschsten drei Kapiteln werden die sich im Balkan niedergelassenen Barbarenstämmen und ihre Beziehungen zum byzantinischen Reich bis ins X. Jh. dargestellt. Schon im V. Jh. begannen sich die Bulgaren, ein teilweise von Hunnen gebildeter Stamm, sich dem Balkan zu zuwenden, indem sie sich vorläufig in der Steppe Südrusslands niederließen. Ein Jahrhundert später besetzten die Slawen den Donauraum, wobei sie in zwei Stämmen gespalten waren: die Sclavini, die Vorfahren der heutigen südslawischen Völker, und die Antes, die später als Russen bekannt sein werden. Der Mittelmeerraum des VI. Jh. ist von den Eroberungen des Kaisers Justinian geprägt, dem es gelingt, die römische Macht hier für eine kurze Zeit wieder herzustellen. Die militärischen Auseinandersetzungen des Byzantinischen Reiches mit den Slawen werden häufiger während der Herrschaft Justinians und bedrohen das Reich immer stärker, da es den Slawen gelingt, einige byzantinische Städte zu erobern und sie für eine lange Zeitspanne zu besetzen. Es gelang dem Kaiser, die Hauptstadt militärisch zu verteidigen, aber seine Politik stützte sich hauptsächlich auf Diplomatie, wofür er nach seinem Tod berühmt wurde und was als Modell für seine Nachfolger galt. Wie üblich in der mittelalterlichen Geschichte des Byzantinischen Reiches, wirkte die Diplomatie des Kaisers durch Geschencke und Bestechung der Barbarenführer um sie instrumentalisieren zu können. So zum Beispiel wurden den Slawen Privilegien erteilt und Territorien an der Donau gegeben unter der Bedingung, den Fluss gegen den Bulgaren zu schützen. In der zweiten Hälfte des VI. Jh. konfrontiert sich Byzanz mit einem anderen Barbarenstamm, nämlich die Avaren, die sich mit dem Reich allieren wollen. Durch diese Allianz werden sie zu Beschützer der unteren Donau als foederati des oströmischen Reiches und unterwerfen mehrere sich hier befindende barbarische Stämme. Dadurch wächst ihre Macht und sie fordern den Kaiser Justin II., den Nachfolger Justinians, auf, ihnen Tribut zu zahlen, was dieser ablehnt. Es kommt bald zu heftigen militärischen Konflikten in denen die Avaren erfolgreich sind und sich Byzanz in einer anscheinend verzweifelten Lage befindet, da sie auch von den Slawen angegriffen werden. Konstantinopel kann aber dank seiner Lage nicht erobert werden und die Slawen allieren sich letzendlich mit dem Reich, indem auch sie Privilegien bekommen und sich im Balkan niederlassen dürfen. Das selbe Schicksal erlangen auch die Bulgaren, Magyaren und Russen, die anfangs im Konflikt mit dem Reich sind, aber dann Privilegien bekommen und sich niederlassen dürfen.

Neben der Diplomatie übt Byzanz auch eine andere Art von Einfluss auf diesen Stämmen aus, indem man Missionäre hinschickt und das östliche Christentum propagiert. In den meisten Fällen gelingt es mindestens die führende Schicht des jeweiligen Volkes zu christianisieren, was diese Staaten dann der Oberhochheit des Kaisers und des Patriarchen unterstellt.

Die Konsequenzen waren aber nicht immer günstig für das Reich, da sich die christianisierten Völker emanzipieren wollten und so zu einer großen Gefahr für Byzanz wurden. So zum Beispiel versucht der König der Bulgaren, Symeon, Konstantinopel zu erobern beziehungsweise eine selbstständige Patriarchie in seinem Staat zu gründen. Das Erstere gelingt ihm nicht, aber er erhält eine hohe Stellung im Byzantinischen Reich als Kaiser der Bulgaren und foederati des oströmischen Reiches. Obwohl die bulgarische Kirche autochephal wird, ist sie kulturell weiter vom Patriarchat im Konstantinopel abhängig.

Die Situation im Balkan stabilisiert sich im X. Jh., sodass sich die byzantinischen Missionäre nach dem Westen Südosteurpas wenden, wo sie die Serben chiristianisieren. In ihrem Versuch auch die Kroaten und Magyaren vom christlichen Glauben zu überzeugen, gelangen die byzantinischen Missionäre in Konflikt mit den päpstlichen Missionären. Die Serben und Bulgaren gewinnt man durch die Erfindung eines slawischen Alphabets, in dem der christliche Glaube propagiert wird. Die byzantinischen Mönche Constantin Cyrill und Methodius erfinden diesen Alphabet und gelten als die wichtigsten Missionäre der Zeit. Die Kroaten, Magyaren und Moravier treten aber zum von der weströmischen Kirche propagierte christliche Glaube über.

Parallel zur Christianisierung der osteuropäischen Völker entsteht in Bulgarien die Bewegung der Bogomilen, die als wichtigste Heresie der Zeit gilt. Ihre Anhänger lehnten alle Sakramente der christlichen Kirche ab, indem sie glaubten, dass der innere Kern der Persönlichkeit des Jesus von Nazareth nicht von dieser Welt war und deshalb auch nicht getötet werden konnte. Weil sie im Alten Testament der Bibel sehr viele Aussagen fanden, die sie mit ihrem Glauben nicht in Einklang bringen konnten, lehnten sie dieses Buch weitgehend ab, erkannten nur die Psalmen und die Bücher von sechs Propheten als von Gott gegeben an, nicht aber beispielsweise die Bücher des Mose, die sie für vom Teufel inspiriert hielten.

Nachdem die Christianisierung im Balkan vollendet war, befanden sich die Russen, Serben und Bulgaren unter dem spirituellen und kulturellen Einfluss Konstantinopels, was sie vom Byzantinischen Reich auch politisch abhängig machte, da die orthodoxe Kirche mit der Souveränität des byzantinischen Kaisers in enger Verbindung stand. Obwohl es in Bulgarien mehrere Versuche gab, ein eigenes Patriarchat zu gründen und sich so von Konstantionopel los zu lösen, blieb der bulgarische Zar immer dem Kaiser untergeordnet.

Die sich in der Influenzspähre des Oströmischen Reiches befindende Völker wurden als „barbaroi“ empfunden, also wilde, unzivilisierte Stämme mit einer fremden Sprache. Als sie aber zu foederati des Reiches wurden und so Subsidien, Schutz und das Recht einer selbstständigen Regierung bekamen, also von der griechischen Kultur beeinflusst wurden, nannte man sie „mixobarbaroi“. Dieser Begriff stand für die jetzt im Sinne der griechischen Kultur zivilisierte Barbaren, die das Privileg hatten, mit der griechischen Welt in Kontakt zu kommen.

Im 15. Jh. wird das Byzantinische Reich sowohl vom Inneren (religiöse und politische Emanzipation der jeweiligen Völker) als auch von Außen (Türkenkriege) bedroht, sodass man eine Annäherung zur katholischen Kirche versucht. Im Sinne der Union findet das Konzil von Florenz im Jahre 1431 statt, welches aber nicht den erwünschten Erfolg hat, aber dazu führt, dass die orthodoxe Kirche in Konstantinopel von den Russen, die den orthodoxen Glauben immer behalten hatten, als untreu angesehen wird.

Das Reich konnte im Jahre 1453 dem osmanischen Angriff keinen Widerstand mehr leisten, sodass die Hauptstadt, Konstantinopel, am 29. Mai von den Osmanen erobert wurde. Die byzantinische Kultur wurde aber von der türkischen nicht zerstört, da sie sich durch den friedlichen bzw. militärischen Auseinandersetzungen und Handel in das ganze Balkangebiet und auch nördlich der Donau ausgebreitet hatte.

Ab der Eroberung Konstantinopels durch Mehmet II. wurde Moskau zum Zentrum und Hauptstadt des orthodoxen Christentums, daher auch „das dritte Rom“ genannt. Auch nördlich der Donau, in den Prinzipaten der Walachei und der Moldau, entwickelte sich in den folgenden Jahrhunderten eine stark byzantinisch geprägte Gesellschaft. Der Grund dafür war hauptsächlich die von den Osmanen eingesetzte Regierung, die aus Phanarioten, Griechen aus dem Viertel Phanar in Istambul, gebildet war. Dieses Gebiet nördlich der Donau wurde deshalb auch als „Byzanz aprés Byzanz“, Byzanz nach Byzanz, bezeichnet.


Rezeption

Das Buch „The Byzantine Commonwealth - Eastern Europe, 500-1453“ gilt als die umfangreichste Darstellung des behandelten Themas und geht, wie im Titel schon angedeutet, von der These aus, dass Byzantium und die von Konstantinopel aus christianisierten Staaten, also der Balkanraum und Russland, eine „Nationsgemeinschaft“, einen Commonwealth, gebildet haben. Dieser Commonwealth war, laut dem Autor, sowohl auf politischem als auch auf spirituellem und kulturellem Einfluss Byzans gestützt, da die Führer der jeweiligen Völker durch ihre Christianisierung die Obermacht des Patriarchen und somit auch die des oströmischen Kaisers, auch wenn häufig unbewusst, anerkannten, wie Obolensky selbst im Buch bemerkt: „It is not possible for Christians to have the Church and not to have the empire“.

Die These des südosteuropäischen Commonwealths unter byzantinischer Führung wird aber vom Rezensisten Professor Alex E. Alexander bezweifelt, mit dem Argument, dass sich die Beziehungen zwischen den jeweiligen Völker und dem Reich meistens als militärische Konflikte und viel weniger als friedliche Auseiandersetzungen konkretisiert haben. Ein anderer Kritikpunkt dieses Rezensisten ist die Tatsache, dass Obolensky die politischen Ereignisse im Detriment der Kultur, Religion und Kunst, hervorhebt und ihnen viel mehr Raum widmet. Obwohl diese Themen in den letzten drei Kapiteln ziemlich ausführlich bearbeitet werden, meint Alexander, es sei nicht genügend. Ihm fehlen auch genauere Informationen über die innere Verfassung des Reiches selbst, wofür er den Lesern einige Werke empfiehlt. Seine Bemerkungen sind jedoch nicht nur negativer Art, da der Rezensist die Bilderauswahl des Autors lobt und letztendlich zugibt, dass das Buch ein bedeutender Beitrag zu der Geschichte des Balkanraumes ist.[3]

Die Weidenfeld and Nicolson Rezension ist hingegen viel positiver eingestellt, indem die Informationsdichte und der wissenschaftliche Wert des Buches hervorgehoben werden. Die pertinenten Beobachtungen Obolenskys, die Auswahl der Illustrationen und der angenehme Stil machen das Buch in den Augen D. M. Nicolsons sehr lesenswert, wobei er auch betont, dass es an manchen Stellen Mängel gibt, die aber übersehbar sind, da die Forschung für dieses Buch dankbar sein sollte und nicht kritisch eingestellt.[4]

Im allgemeinen hat Obolenskys Buch einen sehr positiven Einklang gefunden, was auch in den Rezensionen des deutschsprachigen Raumes nachvollziehbar ist, wie zum Beispiel bei Otto Mazal, der unter anderen wiederum die Ausführlichkeit der Darstellung, sowie den Index und sie Anmerkungen, die das Buch ergänzen, lobt.[5]


Die disziplinäre Matrix

Bei der Auseinandersetzung mit historiographischen Texten ist eine gründliche Untersuchung nötig, um ihre Gültigkeit überprüfen zu können. Eine Methode ist die Matrix Jön Rüsens, die er im ersten Band seines Werkes „Grundzüge einer Historik“ ausführt. Horst Walter Blanke zitiert ihn, indem er diese geschichtswissenschaftliche Matrix erklärt.[6]

Die disziplinäre Matrix besteht aus fünf Faktoren, die immer berücksichtigt werden müssen. Diese sind die Interessen, unter denen die Orientierungsbedürfnisse der Gegenwart verstanden werden, die Ideen, leitende Hinsichten auf die menschliche Vergangenheit, die durchgeführten Methoden, also die Regeln der empirischen Forschung, die Formen der historiographischen Darstellung und schließlich die Funktionen des historischen Wissens.

Diesem Modell nach kann auch das Buch Dimitri Obolenskys untersucht werden, wobei in diesem Fall das Thema dem Autor zeitlich fern steht, sodass die Rede von tiefen Emotionen und Interessen nicht wirklich sein kann. Der behandelte Raum kann aber problematisiert werden, da Staaten behandelt werden, von denen sich manche zur Zeit der Bucherscheinung im kommunistischen Ostblock befanden. Obolensky hebt während seiner Darstellung die große Rolle des Christentums für Staaten wie Bulgarien, Serbien und Russland immer wieder hervor und betont die Verbreitung der byzantinischen Spiritualität und Kultur bis nördlich der Donau, wo dieses Erbe beibehalten gewesen sein soll. Hinzu kommt auch der ziemlich umfangreiche Teil, der Russland, dem Heimatland des Autors, gewidmet wird. Nicht nur seine Schriften, sondern auch die Person des Autors selbst entsprach dem Feindbild des sowjetischen Kommunismus, da er aus einer russischen adligen Familie stammte und im kapitalistischen Westen lebte und wirkte. Obolensky meint in seinem Buch, dass Russland letztendlich der einzige Staat war, der die orthodoxe Tradition behalten hatte, ohne eine Annäherung an die katholische Welt zu suchen, was dazu führte, dass Moskau im Sinne seiner christlichen Treue „Das dritte Rom“ genannt wurde. Dieses schreibt der Autor in einer Zeit der sozialen und spirituellen Krise in Russland, wo das Nationalitäten- und Religionsproblem immer akuter wird, was aus den Publikationen der „Samizdathefte“ zur Licht kommt.[7]

Die leitende Hinsicht Obolenskys ist die Tatsache, dass die Staaten des Balkanraumes zusammen mit Russland, Teil einer von dem Byzantinischen Reich geleiteten Nationsgemeinschaft waren. Wie schon angedeutet, wird diese These, nicht ohne Grund, bestritten.[8] Der Autor selbst zeigt, wie heftig und oft es militärische Konflikte zwischen dem Reich und den jeweiligen Völker gab, sodass man dazu neigen kann, seine These zu bestreiten. Die für die These stehenden Argumente sind aber überzeugender, wozu auch die Methoden und benützten Quellen dienen. Geschickter Weise beginnt das Buch mit einer Darstellung des geographischen Rahmens und seiner Funktion in der Verbreitung der byzantinischen Kultur. Die benutzten Quellen sind nicht nur schriftlicher, sondern auch bildlicher Natur, von denen manche Illustrationen und Photos von Burgen im Buch miteinbezogen werden. Aus dieser kompletten Darstellung kann man ausschließen, dass der byzantinische Einfluss spirituell und kulturell immer präsent war und unter den Konflikten nicht zu leiden hatte. Durch den Beitritt zum Christentum haben die Staaten des Commonwealths den wichtigsten Teil der byzantinischen Kultur übernommen, der in allen Bereichen des Lebens zu finden sein wird: Kunst, Architektur, Lebensweise, usw.

Das Buch ist in Kapiteln eingeteilt worden, die trotz ihrer Fülle an Informationen einen Leitfaden verfolgen und so das Gefühl einer Einheit vermitteln. Obwohl es um viele verschiedene Völker handelt, bekommt man den Eindruck, dass sie tatsächlich etwas gemeinsames haben, nämlich den byzantinischen Einfluss.

Schließlich ist die Funktion des Buches mehrfach deutbar. Die unumstrittene Tatsache ist, dass der geschichtswissenschaftliche Beitrag enorm ist, in so fern, dass Obolensky der einzige ist, der sich getraut hat, ein so großes Projekt durchzuführen. Man könnte auch behaupten, dass es in vielen Hinsichten auch um eine kleine Geschichte des mittelalterlichen Russlands handelt, welches in einem besseren Licht als die anderen Staaten gestellt wird.


Conclusio

Dimitri Obolenskys Buch, „The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe, 500-1453“, ist ein Referenzwerk der internationalen Geschichtsschreibung, das in einer kompetenten Weise die These des Autors bezüglich des behandelten Raumes und Zeites aufstellt und argumentiert. Verständlich geschrieben, aber vielleicht nicht für das breite Publikum geeignet, verlangt das Buch einen Aufwand an Aufmerksamkeit wegen der Fülle von Informationen, die letztendlich doch den Eindruck eines Überblicks vermitteln, der für das Verständnis der politischen Lage der Zeit wichtig ist.


Bibliographie

  1. Alexander, Alex E. (Hunter College) „Dimitri Obolensky: The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe, 500-1453” New York: Praeger Publishers, 1971 (Slavic and East European Journal Vol. 16 No.1 Frühjahr 1972)
  2. Blanke, Horst Walter „Typen und Funktionen der Historiographiegeschichtsschreibung. Eine Bilanz und ein Forschungsprogramm“ Geschichtsdiskurs Band 1: Grundlagen und Methoden der Historiographiegeschichte, Frankfurt, 1993
  3. Bordeaux, Michel “Sir Dimitri Obolensky - Distinguished scholar of Byzantium whose infectious enthusiasm drew students to the fields of Russian and Balkan history” The Guardian, UK, 4. Januar 2002
  4. Bryer, Anthony „Obituary: Professor Sir Dimitri Obolensky” The Independent, UK, 31. Dezember 2001
  5. Mazal, Otto (Wien) „Dimitri Obolensky, The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe 500-1453“ London: Weidenfeld and Nicolson, 1971 (Historische Zeitschrift Band 217, München 1974)
  6. Morand, Bernadette „L´URSS des profondeurs, Textes et documents des Cahiers du Samizdat“ Paris, 1978
  7. Nicolson „D. Obolensky, The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe 500-1453“ London: Weidenfeld and Nicolson, 1971 (Byzantinoslavica, Revue internationale des études byzantines, 1972)


Rezensionen


Endnoten

  1. Bordeaux, Michel “Sir Dimitri Obolensky - Distinguished scholar of Byzantium whose infectious enthusiasm drew students to the fields of Russian and Balkan history” The Guardian, UK, 4. Januar 2002
  2. Bryer, Anthony „Obituary: Professor Sir Dimitri Obolensky” The Independent, UK, 31. Dezember 2001
  3. Alexander, Alex E. (Hunter College) „Dimitri Obolensky: The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe, 500-1453” New York: Praeger Publishers, 1971 (Slavic and East European Journal Vol. 16 No.1 Frühjahr 1972)
  4. D. M. Nicolson „D. Obolensky, The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe 500-1453“ London: Weidenfeld and Nicolson, 1971 (Byzantinoslavica, Revue internationale des études byzantines, 1972)
  5. Mazal, Otto (Wien) „Dimitri Obolensky, The Byzantine Commonwealth-Eastern Europe 500-1453“ London: Weidenfeld and Nicolson, 1971 (Historische Zeitschrift Band 217, München 1974)
  6. Blanke, Horst Walter „Typen und Funktionen der Historiographiegeschichtsschreibung. Eine Bilanz und ein Forschungsprogramm“ Geschichtsdiskurs Band 1: Grundlagen und Methoden der Historiographiegeschichte, Frankfurt, 1993
  7. Morand, Bernadette „L´URSS des profondeurs, Textes et documents des Cahiers du Samizdat“ Paris, 1978
  8. Siehe Seite 8

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