Review:Feindbild Amerika - Dan Diner - 2002

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"If I had listened to the critics I'd have died drunk in the gutter."
-Anton Pawlowitsch Tschechow / Антон Павлович Чехов,
(1860-1904) russischer Schriftsteller, Novellist und Dramatiker.
Informationen zur Rezension
Titel: Feindbild Amerika
Künstler / Autor: Diner Dan
Herausgeber: Propyläen
Erscheinungsjahr: 2002
Erscheinungsort:
Sprache: Deutsch
Werktyp: Monographie
Genre: Politikwissenschaft
Themen: Geschichte
ISBN: 3549071744 (Buchlink DE)
ISSN: (Buchlink DE)
ISBN-13: 9783549071748 (Buchlink US)
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Interaktion und Metadaten

Zitierweise: Rezension von "Feindbild Amerika" (2002). in: eLib, Hg. v. eLibrary Projekt, in: literature.at/elib ( 26. September 2017 ). URL: http://www.literature.at/elib/index.php5?title= Lexikon:Feindbild_Amerika_-_Dan_Diner_-_2002_-Rezension

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Titel

Feindbild Amerika. Über die Beständigkeit eines Ressentiments.

Rezension von gh, 2007


Es ist nicht anti-amerikanisch, wenn man sich gegen die Politik einer amerikanischen Regierung wehrt. --Heinrich Böll


Bei jeden Blick in die Außenpolitik-Rubriken der Tageszeitungen stößt man unweigerlich auf die Chimäre USA. Gerade in einer Zeit, in der sich Europa als gleichwertiger Partner auf internationaler Ebene neben den USA ethabliert, lohnt sich ein Blick nach innen und außen, um sowohl die tatsächlichen, als auch die durch die Perzeption geprägten Wahrnehmungen dieser Idee und dieses Landes offenzulegen und kritisch zu untersuchen.

Durch die Medien und die Populärkultur begegnen uns im Alltag neben dem Staat auch die Idee Amerika. Fortschritt, Demokratie, Freiheit, Weite und Toleranz sind positive Assoziationen, Anti-Ideen sind Technologiehörigkeit, menschenfeindlicher Kapitalismus , Modernisierung und Kulturlosigkeit.

Die Trennung zwischen Land, These und Antithese ist schwierig zu vollziehen, die ausführliche Beschäftigung mit verschiedenen Sichtweisen für ein Verständnis unbedingt nötig.

Dan Diner, ein Jurist und Historiker aus Tel Aviv und Leipzig hat mit seinem Buch "Feindbild Amerika" einen wichtigen polemischen Essay in der Diskussion auf Seiten der USA verfasst, der einen guten Einstieg in das schwierige Thema bietet.

Inhaltlicher Überblick

Der Autor befasst sich mit der Suche nach Indizien für das kontinuierliche Beschwören des Feindbildes Amerika in Deutschland seit der Romantik. Dabei ist Feindbild Amerika die Neuauflage seines Werkes Verkehrte Welten aus 1993, welches um die Ereignisse rund um und nach dem 11. September und den Krieg gegen den Terrorismus ergänzt wurden.

Besonders ausführlich und in dieser Weise bisher kaum aufgearbeitet sind Bilder der USA in den Werken deutscher Intellektueller, Denker, Dichter und Schriftsteller. Diner identifiziert und beschreibt die jeweiligen Amerikabilder oder/und Ressentiments in wissenschaftlich-kritischen aber auch polemischen und künstlerischen Werken. Viele bekannte Namen sind vertreten: Lenau, Hegel, Heine, Nietzsche, Marx, Brecht, Enzensberger, Hochhuth, Ludwig Marcuse, Dorothee Sölle, Horst-Eberhard Richter, Kürnberger, Halfeld, Salomon, Wirsing, Matthias oder Winter sind unter anderen zu finden.

Ergänzt wird dieses zentrale Thema durch Diners Sicht auf Deutschland, dem er bedingt durch seine Vergangenheit einen tief-eingefressenen Anti-Amerikanismus attestiert. Diese pauschalierte simplifizierte Sicht der Deutschen kann ironischerweise gerade auch nach Diners eigenen Ansatz durchaus die Grenze zu anti-deutschen Ressentiments überschreiten.

Abschließend gibt es noch einen Themenfokus zu der Situation rund um 9/11, der die Neuauflage des Buches nötig gemacht hat.


Kontextualisierung

Durch die Emanzipationsbemühungen Europas als Global Player wurden in Frankreich, Deutschland, Großbritannien und vielen anderen europäischen Ländern Neudefinitionen des Verhältnisses mit den USA nötig. Das Buch kann als Beitrag zur Diskussion rund um diese neue Identitätsfindung verstanden werden.

Das Buch kann nicht mehr leisten als eine Beschreibung und eine stark verkürzte und manchmal unausgewogene Bestandsaufnahme dieses komplexen Themas. Dan Diner bezeichnet sein Buch selbst als polemisch gehaltenen historischen Essay (Vorwort S 11). Es ist ein wichtiger explizit pro-amerikanisch gehaltener Beitrag zu einem schwierigen Thema. Gerade in Europa überwiegen die kritischen Stimmen und brauchen dadurch auch ein Gegengewicht, welches in Diners Buch gefunden werden kann, ohne auf US-amerikanische Autoren zurückgreifen zu müssen.


Stellungnahme

Das Buch enthält einige Schwächen und Unschärfen. Dies ist auch dem Autor bewußt, der gleich zu Anfang darauf hinweist, daß sein Buch ein polemisch gehaltener "historischer Essay" sei, der die Zuspitzung suche, die wissenschaftliche Literatur nur selektiv auswerte, die Neuerscheinungen zum Thema seit der ersten Publikation dieses Textes im Jahre 1993 überhaupt nicht verarbeite und im übrigen ein Kapitel "Nach dem 11. September. Apologie Amerikas" hinzugefügt habe.

Eine ausführliche Behandlung würde sowohl den Wissensstand des Autors dieser Rezension überfordern als auch den Rahmen dieser Rezension sprengen. Trotzdem seien einige Anmerkungen erlaubt:

Der Faschismusvorwurf gegenüber den USA ist für Diner vor dem Hintergrund der deutschen Vergangenheit einzig ein Bewältigungsmechanismus, um die unerträgliche eigene Vergangenheit den USA anzulasten. Seine Faschismusdefinition verrät Diner uns nicht, was seine These schwächt , da es auf Grund der vielen verschiedenen faschistischen Bewegungen ebenso bedeutsame Unterschiede wie auffallende Gemeinsamkeiten unter ihnen gibt (Stanley Payne: Geschichte des Faschismus. Aufstieg und Fall einer europäischen Bewegung. Propyläen, 2001). Die Behandlung der Frage, ob es im vom Buch behandelten Zeitfenster in den USA politische Bewegungen gibt, die einer dieser Faschismusdefinition genügen könnten und Auslöser für Kritik sein könnten, entzieht sich Diner dadurch gekonnt.

Eine klare Trennung zwischen begründeter Amerikakritik und einer anti-amerikanischen Grundhaltung ist schwierig. Der Autor verweist zwar auf Beispiele aus Literatur und Populärjournalismus, vergißt aber, die Autoren im Rahmen ihres Wirkens und ihres Gesamtwerkes zu kontextualisieren. Damit kommt es teilweise zu einer verzerrten Wahrnehmung, da auch die äußeren Umstände, die Instrumentalisierung zu ganz anderen Zwecken und gegenläufige Strömungen nicht ausreichend behandelt werden.

Der essayistischen Charakter des Werkes tritt auch durch die sarkastischen Seitenhiebe auf andere Autoren, beispielsweise Journalisten wie Peter Scholl-Latour hervor.

Alles in allem ist es ein "rund" zu lesender und kritischer Diskussionsbeitrag zum Thema Anti-Amerikanismus, der aber jedenfalls nach weiterer Lektüre verlangt, um einen ausgewogenen Blick auf die Situation zu bekommen.

--gh-2008--


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