Review:History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia - David M Crowe - 1996 - Rezension

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"If I had listened to the critics I'd have died drunk in the gutter."
-Anton Pawlowitsch Tschechow / Антон Павлович Чехов,
(1860-1904) russischer Schriftsteller, Novellist und Dramatiker.
Informationen zur Rezension
Titel: A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia
Künstler / Autor: Crowe David M
Herausgeber: St. Martin’s Press
Erscheinungsjahr: 1996
Erscheinungsort: New York
Sprache: English
Werktyp: Monographie
Genre: Monographie
Themen: Geschichte
ISBN: 1403980098 (Buchlink DE)
ISSN: (Buchlink DE)
ISBN-13: 978-1403980090 (Buchlink US)
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Inhaltsverzeichnis


Interaktion und Metadaten

Zitierweise: Rezension von "A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia" (1996). in: eLib, Hg. v. eLibrary Projekt, in: literature.at/elib ( 19. April 2014 ). URL: http://www.literature.at/elib/index.php5?title= Lexikon:History_of_the_Gypsies_of_Eastern_Europe_and_Russia_-_David_M_Crowe_-_1996_-_Rezension

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Titel


A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia

Rezension von Tanja Schmidbauer
Zurück zum Themenkreis Historiographische Texte zur Geschichte Osteuropas.



Autor

Dr. David M. Crowe ist Professor an der Elon University in North Carolina, USA. Er war Gastprofessor an dem Harriman Institute an der Columbia University und sogar an der Zentraleuropäischen Universität in Budapest, Ungarn tätig. Momentan ist er Dozent im Center for Slavic, Eurasian, and East Europaen Studies an der University of North Carolina. Von 1990 bis 2004 war er Mitglied des Education Comittee of the United States Holocaust Memorial Museum.

Dr. Crowe ist des Weiteren bekannt für seine Werke:

  • Oskar Schindler: The Untold Account of His Life, Wartime Activities, and The True Story Behind The List (2004) und
  • The Baltic States and the Great Powers: Foreign Relations, 1938-1940 (1993)

Für Letzteres bekam er den V. Stanley Vardys Presidents' Prize for Books on Baltic Studies.

Er hat unter anderem Artikel und Rezensionen in Zeitschriften wie Slavic Review, Jahrbücher für Geschichte Osteuropas und Russian Review veröffentlicht.[1]

Aufbau des Buches

Der Titel dieses Buches lautet: „A History of the Gypsies of Eastern Europe and Russia”. Crowe erzählt dabei die Geschichte der Roma von sechs verschiedenen osteuropäischen Ländern: Bulgarien, Tschechoslowakei, Ungarn, Rumänien, Russland und Jugoslawien. Wäre man jetzt genau, dann sollte er das Kapitel über Russland als Letztes anführen, da er es im Titel explizit anführt und ansonsten in seiner Erzählung von Osteuropa nach Russland und wieder zurück nach Osteuropa wandert.

Durchschnittlich verwendet Crowe 30-40 Seiten, um sich mit den jeweiligen Ländern zu beschäftigen. Wobei er innerhalb der ersten zehn Seiten die Geschichte der Länder bis zum Ende des 19. Jahrhunderts erzählt und sich dann 30 Seiten lang mit dem 20. Jahrhundert beschäftigt. Man muss dazu sagen, dass Historiker Bände verfassen über diese Länder und Crowe versucht innerhalb von max. 40 Seiten die Historik eines Landes zu erzählen. Oft entsteht der Eindruck, dass einfach zu viele Informationen vorhanden sind und der Autor den Leser damit überfordert, falls dieser noch nicht über Hintergrundwissen der jeweiligen Länder verfügt.

Die Intention des Autors ist es, ein Buch zu verfassen, welches die Geschichte der Roma in Osteuropa und Russlang erzählen sollte. Es hat jedoch immer wieder den Anschein, dass der Autor seinen Fokus verliert und sich mehr auf die Geschichte Osteuropas bzw. Russlands bezieht und auf die Roma vergisst, wobei man anmerken muss, dass für gewisse Zeitspannen einfach keine Quellen zugrunde liegen. Ich bin der Meinung, dass 40 Seiten zu wenig sind, um die Historik einer ethnischen Minderheit in einem Land zu erzählen und zusätzlich die politischen Geschehnisse eines Landes ab dem Mittelalter bis heute versucht darzustellen – welche unausweichlich in Verbindung mit den Roma stehen –, ohne dabei den roten Faden zu verlieren bzw. dem Leser die gebrauchte Menge an Informationen darlegt, ohne ihn damit zu verwirren. Es wäre passender, Crowe würde den Titel umbenennen „A short history of Eastern Europe and Russia – in consideration of gypsies“. Um ein Beispiel anzuführen, in dem Kapitel über Ungarn wird die Revolution unter Bela Kun nur kurz angesprochen und der Autor erklärt auch nicht, in welcher Position Horthy genau tätig war. In dem Kapitel über die Tschechoslowakei, springt er von Absatz in den anderen von der ungarischen Seite in die andere und das hat mich persönlich beim Lesen verwirrt. An anderen Passagen wiederum gibt er Informationen preis, welche unrelevant sind.

Ein weiterer Kritikpunkt im Aufbau seines Buches ist, dass er seine sechs Kapitel in keine Unterkapitel aufteilt. Erstens könnte sich der Leser einen besseren chronologischen Überblick verschaffen, zweitens könnte der Autor Überschneidungen vermeiden und drittens könnte Crowe die Geschichte der Länder, welche sich aus zwei gebildet haben, besser darstellen, da man schnell den Überblick verliert (Tschechoslowakei). Um nochmals auf den chronologischen Überblick zurückzukehren, falls der Leser bestimmte Informationen finden möchte, muss er die ganzen 40 Seiten durchblättern, um zu seiner gesuchten Passage zu finden. Der Leser könnte sich schneller zu Recht finden, würde Crowe Unterkapitel anführen. Außerdem besitzt das Buch weder ein Namens- noch ein Ortregister oder eine Zeittafel. Crowe hat zu Beginn seines Buches eine Karte abgebildet, er hat jedoch nicht angegeben, aus welcher Zeit diese Karte stammt.

Zudem spricht er immer von Böhmen und Mähren, diese Karte gibt keine Auskunft darüber, wo sich Böhmen und Mähren jemals befunden hätten. Er hätte mehr Karten einfügen können, um die Veränderungen bildlich darstellen zu können. Wie sah Osteuropa während der Habsburgerzeit aus, wie nach dem 1. oder 2. Weltkrieg? Bezüglich der Überschneidungen, Länder wie Tschechoslowakei, Ungarn und Jugoslawien gehören ab Leopold I. bis zum Ende des 1. Weltkrieges zu Habsburg. Crowe wiederholt in jedem Kapitel welche Verordnungen Leopold I., Maria Theresia und Joseph II erließen. Der einzige Unterschied liegt darin, dass er diese Verordnungen jeweils anders formuliert.

Es wäre besser, wenn der Autor ein Kapitel einfügen würde, indem er explizit die Epoche unter den Habsburgern behandelt, um somit Wiederholungen zu vermeiden. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass Crowe ein bessere Kapitelstruktur verwenden hätte können, um sich nicht unnötig zu wiederholen und er das Lesen dem Publikum vereinfachen würde. Positiv anführen lässt sich, dass er in seiner „Introduction“ den Leser auf den Inhalt des Buches vorbereitet, da er eine kurze chronologische Übersicht über die wichtigsten Geschehnisse in den sechs Ländern gibt und somit das Interesse des Lesers weckt.


Inhalt des Buches

Um sich nun dem Inhalt des Buches zu widmen. In seinem Preface erklärt Crowe, dass er versucht hat, eine Balance zwischen wissenschaftlicher und historischer Betrachtungsweise herzustellen und die Roma nicht nur als eine Minderheit darzustellen, sondern auch als integrierten Teil der Gesellschaft. Dies ist ihm in jenen Kapiteln besonders gelungen, in denen er sich mit Literatur und Musik beschäftigt, um als Beispiel Russland anzuführen. Jedoch, so wunderbar er die Roma in einigen Kapiteln als integrierten Teil der Gesellschaft darstellt, so sehr fehlt dieser Aspekt in anderen Kapiteln, was natürlich auch in Zusammenhang mit der lokalen Bevölkerung steht. Einer von Crowe’s Forschungsschwerpunkten ist die Holocaustforschung, was sich in diesem Buch sehr deutlich abzeichnet, da er diese Zeit sehr ausführlich behandelt. Er schreibt zwar viel über das Naziregime und seine Anhänger, jedoch ist der Inhalt nicht tiefgründig genug. Crowe beschäftigt sich mehr mit Kriegsgeschehnissen, welche zum Teil unrelevant sind für die Roma, bezieht sich jedoch wenig auf das damalige Leben, er baut zu wenig Alltagsgeschichte ein, zu wenig Berichte von Augenzeugen, von Überlebenden. Dies wäre jedoch sehr wichtig für diese Zeit, um die Geschehnisse, die Gräueltaten besser nachvollziehen zu können. Generell hat es den Anschein, als ob sich der Autor lieber damit beschäftigt hat, seitenweise Statistiken anzuführen, als auf das Alltagsleben der Roma einzugehen, Hingegen wäre es nach der fünften Seite Statistik als Abwechslung sehr angenehm, wenn Crowe abwechselnd Diagramme oder sonstige bildliche Veranschaulichungen eingebaut hätte, um das Ganze ein bisschen aufzulockern. Außerdem erklärt er jedes Mal, wenn er den Begriff „Porajmos“ verwendet, dass es sich dabei um den Holocaust an den Roma und Sinti handelt. Falls der Leser nicht geistig abwesend ist, wird er sich diesen Begriff merken, spätestens nach dem zehnten Mal. Im Gegenteil zu seiner Genauigkeit auf der einen Seite vernachlässigt er Erklärungen auf der anderen Seite wiederum. Er gibt zum Beispiel nicht an, was sich genau unter „tsaribaši“ (S. 13) verstehen lässt.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass sich Crowe alle Mühe dabei gemacht hat, um aus einer vorerst geplanten kommentierten Bibliographie ein 307seitiges Buch entstehen zu lassen. Jedoch ist es fraglich, ob an gewissen Passagen der Leser eine Bibliographie nicht bevorzugen würde. Der Aufbau des Buches ist schlecht strukturiert und der Inhalt gekennzeichnet von Wiederholungen und Abschweifungen. Wie oben schon erwähnt, erstellen Historiker Bände – zum Beispiel von Russland – und 40 Seiten werden dieser Quantität an Informationen qualitativ nicht gerecht, ohne wichtige Ereignisse dabei zu vernachlässigen. Crowe versucht unter anderem nicht nur die negativen Aspekte des Zusammenlebens der Roma mit der Bevölkerung aufzuzeigen, sondern auch ihre positiven Einflüsse auf die Literatur und Musik. Folgt man dem Narrativ seines Buches hat man jedoch den Eindruck, dass die Roma dazu verdammt sind ewig die schwarzen Schafe der Gesellschaft zu sein, dass sie einfach nicht ankämpfen wollen gegen ihren Analphabetismus, gegen ihre hohe Arbeitslosigkeit und gegen die seit Jahrhunderten vorhandenen Vorurteile, sondern letzteres nur noch bekräftigen. Crowe selbst führt das Misslingen der Bildungsprogramme daraufhin zurück, dass sie immer begleitet waren von Ungeduld und Unfähigkeit der jeweiligen Regierung, welche die tieferen Probleme nicht sah, nämlich das Roma in Armut leben. Er fordert somit, dass als erstes Programme erstellt werden sollten, welche die Armut unter den Roma bekämpfen.

Eine weitere These, welche er aufstellt ist, dass die Roma nur deshalb solange ihr Nomadendasein praktizieren konnten, da die Gesellschaft ihnen gar nicht die Möglichkeiten gab sich niederzulassen und sie sich zum Beispiel nur zeitlich begrenzt in einem Dorf aufhalten durften.

Zum Abschluss seines Buches weist Crowe daraufhin, dass sich die Situation zwischen der Bevölkerung und den Roma nicht verbessern wird, solange die Roma nicht mehr als Außenseiter betrachtet werden und die Verdächtigungen und Vorurteile ein Ende nehmen.


Rezension von Zoltan Barany

Zum Schluss möchte ich noch einige Kommentare vom Rezensenten Zoltan Barany, der an der University of Texas in Austin angestellt ist, anführen. Seine Rezension habe ich in der Zeitschrift „Ethnic and racial studies“ aus dem Jahre 1996 gefunden.

Barany lobt Crowe, dass dieses Buch viel nützlicher ist, als sein Vorgänger aus dem Jahre 1991 „The Gypsies of Eastern Europe“. Er findet, dass der Titel des Buches genau das verspricht, was es letztendlich wiedergibt. Ich bin da anderer Meinung.

Barany kritisiert, dass Polen im Inhaltsverzeichnis nicht extra angeführt wird. Crowe geht zwar in seinem Buch auch auf die Roma in Polen ein, jedoch nur kurz und nicht als eigenes Kapitel, was mich jetzt nicht wirklich gestört hätte. Barany verweist auf die Zeit um 1945, welche Crowe sehr gut darstellt. Gleichzeitig würde er mehr Informationen bezüglich des Zeitraumes nach 1989 wünschen.

Barany findet es zwar gut, dass der Leser sich seine eigene Konklusion ziehen kann, fordert zugleich ein zusätzliches Kapitel, welches Vergleiche anstellt, zum Beispiel zwischen dem Osmanischen Reich und dem der Habsburger. Außerdem führt er an, dass Crowe einige Namen falsch geschrieben hat. Crowe entschuldigt sich jedoch im Vorwort für etwaige Fehler, da er alles selbst übersetzt hat.

Der Rezensent ist der Ansicht, dass dieses Buch lesenswert ist für alle Osteuropainteressierten, verweist jedoch auf das Vorwort, in dem Crowe erwähnt, grundsätzlich eine kommentierte Bibliographie erstellt haben zu wollen und begründet damit, dass Crowe’s Buch weniger analytisch als deskriptiv ist, womit er meiner Meinung nach auch Recht hat.


David M. Crowe, A history of the gypsies of eastern europe and russia, in: ethnic and racial studies, Vol. 19, London 1996, 460-461.


Exzerpt

Bulgarien:

Die Roma kamen im 9. Jahrhundert von Indien nach Persien und siedelten im 11. Jahrhundert von Armenien aus in das Byzantinische Reich über. Die Byzantiner eroberten zeitgleich Bulgarien und somit kamen auch die Roma ins Land. Crowe bezeichnet die Quellen, welche Ägypten als Ursprungsland der Roma bezeichnen, als geographische Fehlbezeichnung (S. 2) und räumt mit dieser These auf.

Während der osmanischen Belagerung wurden die Roma auf die unterste Gesellschaftsschicht degradiert, da sie „… no visible permanent professional affiliation“[2] hatten. Durch den Frieden von San Stefano 1877 wurde der russisch-türkische Krieg beendet und damit die über fünf Jahrhunderte andauernde Herrschaft der Türken.

Darauf folgten die ersten Gesetze gegen Roma, um ihrem Nomadentum ein Ende zu bereiten und sie nicht mehr ins Land einreisen zu lassen. Versuche der Roma sich zu emanzipieren wurden abgelehnt und unterdrückt.

In den 1920iger Jahren begannen die Roma in die Öffentlichkeit zu treten, sie betätigten sich in kulturellen und politischen Vereinen, letzteres häufte jedoch wiederum die Vorurteile an. Durch die Wirtschaftskrise 1929 und 1934 nahm die politische Macht des Militärs zu, welche sich am faschistischen Regime Italiens orientierte, somit verschlechterte sich zunehmend die Situation der Roma. Die Roma wurden zwar nicht deportiert, jedoch mussten sie Zwangsarbeit verrichten. 1943 wurden antijüdische Gesetze und andere restriktive Gesetze aufgehoben. Mit geschätzten 5 000 Opfern hat Bulgarien die niedrigste Opferzahl in ganz Osteuropa während des Zweiten Weltkrieges zu verzeichnen.

Unter der kommunistischen Herrschaft mussten 1950/51 geschätzte 5 000 muslimische Roma in die Türkei auswandern, 1958 wurde das Nomadentum verboten und die Roma verschwanden von den Statistiken. Die Regierung versuchte die Roma zu bulgarisieren.

In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurden immer wieder Pläne erstellt um die Analphabeten- und Arbeitslosenrate zu senken, jedoch ohne langzeitige Erfolge. Bis heute herrschen in Bulgarien noch die traditionellen Vorurteile gegen die Roma, 1984 wurde ihnen sogar verboten ihre Musik zu spielen. Seit 1990 dürfen sie keine politischen Parteien gründen. Ein Problem für die Roma stellt jedoch auch die Uneinigkeit untereinander dar.


Tschechoslowakei:

Die Roma kamen von Ungarn nach Böhmen und Mähren in der Mitte des 13. Jahrhunderts. In der Slowakei verschlechterte sich die Atmosphäre durch den Verlust der Ungarn in der Schlacht bei Mohács 1526 und mit dem darauf folgenden Bürgerkrieg begann die Anti-Roma-Politik, da die Bevölkerung sie als Brandstifter, Soldaten oder Spione der Türken ansah.

In Mähren wurden 1538 die ersten Anti-Roma Gesetze erlassen. Unter Ferdinand II. kamen Böhmen und Mähren zum Habsburgerreich. Zum einen wurde der Nomadismus verboten, zum anderen wurden den Roma jedoch jegliche Grundlagen für ein sesshaftes Leben genommen. 1701 erklärte Leopold I. alle Roma für vogelfrei. Karl VI., wie auch schon Leopold I., ließ weiter Warntafeln an den Grenzen aufstellen, was die Roma jedoch nicht daran hinderte die Grenzen zu überschreiten. Unter Maria Theresia wurde nach anfänglicher Härte versucht, die Roma zu assimilieren. Joseph II. verfolgte die Roma-Politik seiner Mutter.

Nach dem 1. Weltkrieg bildeten die Tschechen und Slowaken einen eigenen Staat, in ihrer Verfassung wurden den Minderheiten gleiche Rechte zugesprochen. 1927 wurde ein Gesetz (Law. No. 117) erlassen, welches veranlasste, dass alle Roma über 14 Jahren von nun an einen Identifikationspass mit sich tragen müssen, welcher einen Fingerabdruck beinhaltete (Aufenthalts- und Wandergenehmigung). Zwischen 1940 und 1941 wurden 290 Roma in das Arbeitslager nach Léty und 442 Roma nach Hodonín gebracht, Im August 1942 wurden diese Arbeitslager in Konzentrationslager für Familien der Roma umfunktioniert. Kurz darauf, im Dezember, folgten die ersten Transporte nach Auschwitz.

Nach der Machtübernahme der Kommunisten wollten diese die Roma in die Gesellschaft integrieren. Nachdem die Sowjets 1968 in die Tschechoslowakei einmarschiert waren, wandte man sich nach den Aufregungen des Prager Frühlings wieder der Integration und Assimilation der Roma zu, zudem wurde dies mit einem neuen Sterilisationsschema verbunden, welches die Geburtenrate der Roma reduzieren sollte.

Es kam immer wieder zu Übergriffen der Bevölkerung auf die Roma z.B. 1993 wurden 26 Roma aufgrund von Rassismus getötet.

Die Anti-Roma-Tendenz hatte nach einer Umfrage von 1993 zufolge in der Tschechoslowakei den höchsten Anteil, verglichen mit anderen osteuropäischen Ländern. Vor allem die Jugend hegt große Vorurteile gegen sie.


Ungarn:

Die Roma kamen nach Ungarn im 14. und 15 Jahrhundert. Sie wurden mit Respekt behandelt, da man sie als Ägypter, als Nachkommen des Pharaos ansah.

König Sigismund garantierte ihnen Reiseprivilegien nach diplomatischen Verhandlungen, da die Roma Wissen über das osmanische Heer hatten. Zu einem Umsturz kam es im 16. Jahrhundert durch die drohende Gefahr der Osmanen, vor allem nach dem Verlust bei Mohács 1526 wurden die Roma als Spione, Soldaten oder Brandstifter der Osmanen angesehen. Weiters verschlechterte der 30jährige Krieg ihre Lage, sie wurden zu Außenseitern der ungarischen Gesellschaft. Unter den Habsburgern erfolgte die gleiche Politik wie oben schon erwähnt.

Ferenc Liszt war begeistert von der Kultur der Roma, allen voran von dem Violinist János Bihari, welcher 1814/15 sogar auf dem Wiener Kongress vorspielte. Ein weiteres Problem im 19. Jahrhundert, vor allem nach der Revolution von 1848/49, stellte für die Roma die Ignoranz der Magyaren dar, denn diese sahen in ihrem Ungarn keine ethnischen Minderheiten und somit wurden die Roma in der ungarischen Gesetzgebung nicht berücksichtigt. Diese Magyarisierungspolitik zwang 1910 über 2 Millionen Menschen zur Auswanderung aus Ungarn. Weiters wurde den Roma der Minderheitenstatus verwährt.

Durch den Vertrag von Trianon verlor Ungarn 70% seines Territoriums und 60% seiner Bevölkerung, das restliche Ungarn bestand nun hauptsächlich aus Magyaren.

Nach der Anschließung Ungarns folgten sogleich auch antijüdische Gesetze, darauf folgten Anti-Roma-Gesetze. 1944 wurde Ungarn von den Nazis besetzt.

Die Opferzahlen während des 2. Weltkrieges bewegen sich zwischen 28 000 und 32 000 Roma. Während der Zeit des Kommunismus wurden die Roma nicht als eine Minderheit angesehen. Die Regierung kämpfte gegen die Vorurteile der Bevölkerung gegenüber den Roma an. Sie versuchte durch ein Wohnbauprogramm die Roma aus ihren primitiven Hütten zu vertreiben und durch ein Bildungsprogramm den Analphabetismus unter ihnen zu bekämpfen. Im Jahr 1979 wurde den Roma der Status einer ethnischen Minderheit anerkannt. 1985 wurde in Budapest ein Kultur- und Beratungszentrum für Roma errichtet. Jedoch wurden damit auch die Vorurteile vermehrt. Anfang der Neunziger Jahre kam es immer wieder zu Übergriffen der Bevölkerung auf Roma. 1990 attackierten Skinheads Roma Ghettos in Eger und Miskolc. 1993 wurde ein Gesetz erlassen über die Rechte nationaler und ethnischer Minderheiten, dieses erwähnt speziell die Roma unter diesen Gruppen.


Rumänien:

Die Roma kamen nach Rumänien als Sklaven während des 14.-15. Jahrhunderts. Es wurden sehr strenge Gesetze erlassen während des 15. Jahrhunderts, so musste ein Nicht-Roma, falls er eine Roma geschwängert hatte, ein Sklave werden. Es entstand ein richtiger Sklavenhandel. Im 18. Jahrhundert verschlechterte sich ihre Position weiters. Nachdem Russland die Walachei und Moldawien zu Beginn des 19. Jahrhunderts besetzt hatte, erließ ihr Bevollmächtigter Pavel Kiselev sein „Reglement Organique“ 1831/32. Im Juni 1848 brach die Revolution in der Walachei aus. Die Forderungen waren zum einen das Ende des ausländischen Protektorats und zum anderen die Emanzipation der Juden und Roma. Erst 1855 wurde das Halten von privaten Romasklaven illegal in Moldawien, jedoch mit einer Kompensation für den ehemaligen Besitzer. Zum endgültigen Ende der Sklaverei der Roma kam es 1864 mittels eines Dekrets des Prinzen Cuza. Aus Angst vor einer neuen Sklaverei kam es zu Auswanderungswellen der Roma aus Rumänien.

Obwohl in den Verträgen von Paris 1919 Bukarest dazu gezwungen wurde, den Minderheiten gleiche Rechte und Religionsfreiheit zuzusprechen, wurden jedoch all diese Versprechen in der Konstitution von 1923 nicht berücksichtigt und Minderheiten als Ausländer angesehen, wobei Magyaren und Juden die schwarzen Schafe waren.

Im 2. Weltkrieg war Rumänien auf der Seite Hitlers, König Karl II. ging ins Exil und sein Nachfolger war der General Ion Antonescu. Er erließ 1941 die ersten antisemitischen Gesetze und schloss sich Deutschland bei der Invasion der Sowjetunion an. In einer Ansprache am 8. Juli 1941 sprach er von der Eliminierung der Minderheiten in Rumänien. Die Roma wurden in die Ukraine abtransportiert. Geschätzte 36 000 Roma fielen dem Antonescu Regime zum Opfer.

Die Kommunisten sahen die Roma als die am meist ausgebeutete Klasse an und die Roma wurden besser behandelt.

Durch den Tod von Gheorghiu-Dej wurde mit Nicolae Ceauşescu eine neue Ära eingeleitet, die Roma wurden einfach nicht mehr beachtet.

Jedoch musste er diese Politik ändern, da die Arbeitslosenrate, sowie die Bevölkerungszahl der Roma anstiegen. Die Regierung unternahm viele Maßnahmen, um die Lebenssituationen der Roma zu verbessern, jedoch scheiterten sie. Das Land selbst verarmte immer mehr. Je mehr die Roma in der Öffentlichkeit vertreten waren, desto ablehnender wurde die Stimmung in der Bevölkerung. Auch wurden Übergriffe auf die Roma immer brutaler und es kam wieder zu Auswanderungswellen zu Beginn der 90iger Jahre des 20. Jahrhunderts.


Russland:

Nordindien war die ursprüngliche Heimat der Roma, diese kamen im 10. Jahrhundert nach Russland. Peter der Große erlaubte den Roma sich in St. Petersburg niederzulassen, jedoch wurde 1757 ein Dekret erlassen, welches den Roma das Betreten der Stadt bis 1917 verbat. Die Roma brauchten einen Pass und mussten sich registrieren lassen, um somit von ihnen Steuern eintreiben zu können. Katharina die Große war fasziniert von ihrer mythischen Erscheinung, sah jedoch Probleme in ihrem Nomadentum und versuchte die Roma anzusiedeln. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts wurde ein weiteres Dekret erlassen, welches die Roma zur Sesshaftigkeit zwingen sollte. Zwischen 1856-1861 profitierten die Roma von dem Programm für die Emanzipation der Bauern, da sie in Russland zu dieser Gesellschaftsschicht gezählt wurden. Roma wurden Musen für Literatur und Musik in Russland. Auch Puschkin war von den Roma begeistert, sowie Lev Tolstoi.

Unter Lenin wurde wieder versucht die Roma anzusiedeln und den Analphabetismus und die Arbeitslosigkeit zu bekämpfen. Mitte der 30iger Jahre kam es jedoch zu einem Wechsel in der Regierung, welche die Roma unterstützte. Unter Stalin wurde versucht die Roma zu russifizieren. Viele wurden nach Sibirien verschleppt.

Während des Unternehmens Barbarossa wurden die Roma in Russland von den Nazis verfolgt. Babi Yar, in der Nähe von Kiew, galt als Schlachthaus, bis 1943, für Juden sowie für Roma. In Estland und Lettland starben zwischen 30 000 – 35 000 Roma durch die Nazis. Nach dem 2. Weltkrieg bis zu Stalins Tod verschlechterte sich die Lage für Minderheiten. Unter Chruschtschow wurden sie wieder zum Ansiedeln gezwungen.1956 wurde durch ein neues Gesetz das Nomadentum völlig verboten. In den 90iger Jahren kam es vermehrt zu rassistischen Übergriffen der Bevölkerung auf Roma.


Jugoslawien:

Die Roma kamen während des 13. Jahrhundert nach Mazedonien. Im Jahr 1389 fiel das serbische Königreich an die Osmanen, jedoch hatte dies nicht so fatale Folge für die Roma wie in anderen osteuropäischen Ländern. Auch Roma mussten Steuern zahlen unter der osmanischen Herrschaft. Nach einer Steuerhebung gegen Ende des 17. Jahrhunderts wanderten viele Roma nach Serbien aus. 1804 brach die serbische Revolution gegen die osmanische Herrschaft aus. Die Roma hatten in Serbien am wenigsten gegen Vorurteile anzukämpfen, verglichen mit anderen Teilen des Balkans. Die Akquisition der serbischen Unabhängigkeit im Vertrag von Berlin 1878 verschlechterte das Leben der Roma. 1884 wurde ihr Nomadendasein verboten und 1891 wurde verlautet, dass alle Roma, welche beim Herumwandern erwischt werden eingesperrt werden.

Trotzdem unterstützen die Roma die Serben während des 1. Weltkrieges und hatten hohe Verluste in der zivilen Bevölkerung, sowie unter den Soldaten zu verzeichnen. In Belgrad wurde ein 2 m hoher Obelisk aufgestellt in Erinnerung an die Opfer der Roma während des 1. Weltkrieges. 1918 wurde das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen ausgerufen.

Von der Umgestaltung der Administration des Reiches und der Umbenennung des Landes auf Jugoslawien unter König Alexander in den 20iger Jahren blieben die Roma unverschont. Viele Roma wanderten in das Unabhängige Albanien aus, da es ihnen dort besser erging. 1941 wurde der unabhängige Staat Kroatien ausgerufen, welcher in deutsche und italienische Interessensphären aufgeteilt wurde. Schnell übernahm man dort die Rassengesetze der Nazis gegen die Serben, Juden und Roma. Geschätzte 26 000-28 000 Roma starben in Kroatien während des Holocaust.

In Zemun wurde ein „kleines“ Todeslager errichtet, welches als Semlin bekannt wurde. In Serbien starben geschätzte 12 000 Roma. 1942 wurde Serbien als „romafrei“ deklariert.

Unter Tito wurden allen Bürgern die gleichen Rechte zugesprochen. Nach dem Tod von Tito 1980 kam es zu wachsenden ethnischen Unruhen.

Arbeitslosigkeit und Analphabetismus beherrschten das Leben der Roma in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und sie mussten nach wie vor gegen traditionelle Vorurteile ankämpfen.


Weiterführendes

Volltexte

Rezensionen


Weblinks



  1. http://org.elon.edu/history/crowe.html, 5.5.2008.
  2. Seite 2