Review:Nachbarn - Mord an den Juden von Jedwabne - Jan Tomasz Gross - 2001

Aus elib.at

Rezensionen Bild / Text / Video Crystal Clear app games.png
Rezensionen / Sachtexte / Literatur / Grundwissen
Finde Rezensionen, Bücher (Bibliothek), Artikel (Textdepot) & Fachgebiete (Universität).
"If I had listened to the critics I'd have died drunk in the gutter."
-Anton Pawlowitsch Tschechow / Антон Павлович Чехов,
(1860-1904) russischer Schriftsteller, Novellist und Dramatiker.
Informationen zur Rezension
Titel: Nachbarn - Mord an den Juden von Jedwabne
Künstler / Autor: Gross Jan Tomasz
Herausgeber: Beck
Erscheinungsjahr: 2001
Erscheinungsort: München
Sprache: Deutsch
Werktyp: Monographie
Genre: Monographie
Themen: Geschichte
ISBN: 3406482333 (Buchlink DE)
ISSN: (Buchlink DE)
ISBN-13: 978-3406482335 (Buchlink US)
Übersetzer:
Originaltitel:
Originalsubtitel:
Originalherkunft:
Quelle:
Kurzbeschreibung:
Sonstiges:
eLib Text v1.00
Bild
[[Bild:|180px]]
Links und Bilder


Reviews: Video / Audio / [ Buch]

Inhaltsverzeichnis


Interaktion und Metadaten

Zitierweise: Rezension von "Nachbarn - Mord an den Juden von Jedwabne" (2001). in: eLib, Hg. v. eLibrary Projekt, in: literature.at/elib ( 23. April 2014 ). URL: http://www.literature.at/elib/index.php5?title= Lexikon:Nachbarn_-_Mord_an_den_Juden_von_Jedwabne_-_Jan_Tomasz_Gross_-_2001_-_Rezension

Bookmarks & Social Links:

Facebook.gif [ facebook ] Digg.jpg [ digg ] Google.png [ google ] Yahoo.png [ yahoo ] Magnolia.png [ magnolia ] Del.icio.us.jpg [ delicio.us ]
Reddit.gif [ reggit ] Windowslivefavorites.png [ live ] Technorati.png [ technorati ] Wong.gif [ wong ]

This Page contains eLib Bibliographic Data for Use in Bibliographic Program (Informations about COinS ).


Titel


Nachbarn - Mord an den Juden von Jedwabne

Rezension von Johanna Buch
Zurück zum Themenkreis Historiographische Texte zur Geschichte Osteuropas.



Einleitung

Das Buch „Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne“ hat nach seinem Erscheinen zu einem ungeahnten Interesse in der Öffentlichkeit geführt, schlug weite Bögen der Empörung und führte zu einer Revision der bisherigen Forschung zum polnisch-jüdischen Verhältnis.

Der Autor Jan Tomasz Gross löste damit eine hitzige Debatte vor allem in Polen aus, das Buch führte zu einer teilweisen Umprägung des weit verbreiteten Geschichtsbildes, dass die Polen immer nur Opfer gewesen seien.[1]


Zur Person des Autors

Jan Tomasz Gross, geboren am 1. August 1947 in Warschau, ist ein US-amerikanischer Soziologe und Politikwissenschaftler von polnisch-jüdischer Herkunft. Gross studierte in Warschau. Er lebt seit 1969 im Ausland, nachdem er infolge der März-Unruhen von 1968 in Polen inhaftiert worden war. 1985 erwarb er den Doktortitel an der Yale University, wo er anschließend auch lehrte. 1992 wechselte er auf einen Lehrstuhl für Politikwissenschaft in New York. Seit 2003 lehrt er Geschichte in Princeton. Gross verfasste eine Reihe von Arbeiten zur Geschichte Polens im Zweiten Weltkrieg. International bekannt wurde er durch sein Buch Nachbarn aus dem Jahre 2001, in dem er für eine breitere Öffentlichkeit erstmals die pogromartige Ermordung der jüdischen Einwohner der Gemeinde Jedwabne durch ihre polnischen Mitbürger im Jahre 1941 beschrieb.

Kein anderes Buch hat jemals die polnische Öffentlichkeit so erregt. Es hat eine gewaltige Diskussion über ein lange tabuisiertes Thema ausgelöst: die Beteiligung katholischer Polen am Holocaust.

Das Buch erschien zunächst auf Polnisch, dann auf Englisch, 2001 schließlich auf Deutsch unter dem Titel: Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne.

Dem Autor kommt das große Verdienst zu, eine für die polnische Gesellschaft schmerzhafte, aber notwendige Gewissenserforschung angestoßen zu haben.


Die wesentlichen Aussagen von Gross Buch

Die erschreckende grundlegenden Aussage dieses Buches ist, dass nicht nur Kriminelle und Kollaborateure an der Judenverfolgung beteiligt waren, sondern auch "ganz normale Männer", es zeigt ein eindringliches Bild über die abgrundtief feindliche Distanz, die zwischen Polen und Juden in der Kriegszeit herrschte.

In der Kleinstadt Jedwabne, nordöstlich von Warschau unweit der Kreisstadt Łomza gelegen, kam es kurz nach dem deutschen Angriff auf die Sowjetunion und dem Rückzug der sowjetischen Besatzer aus diesem Gebiet am 10. Juli 1941 zu einem Pogrom, dem alle 1600 jüdischen Bewohner des Städtchens zum Opfer fielen. An diesem Tag, so Gross, befanden sich nur wenige Angehörige der deutschen Besatzungsmacht am Ort. Das Massaker an den jüdischen Einwohnern wurde allein von den polnischen Nachbarn, ohne erkennbare Beteiligung durch die Deutschen verübt. Möglicherweise gab es ein Stillhalteabkommen zwischen dem deutschen Gendarmerieposten und der von der Besatzungsmacht eingesetzten polnischen Stadtverwaltung, das den Polen für acht Stunden „freie Hand gab, mit den Juden zu tun, was sie wollten".[2] Nachdem bereits stundenlang die Menschen gequält und erniedrigt wurden und viele Menschen erschlagen worden waren, wurden die überlebenden Juden von den polnischen Nachbarn in eine Scheune getrieben und bei lebendigem Leibe verbrannt.

Jan T. Gross hat Berichte über das, was am 10. Juli 1941 in dem ostpolnischen Städtchen Jedwabne geschehen ist, ausgewertet und kommt zum Schluss: „An diesem Tag ermordete die eine Hälfte der Bevölkerung die andere Hälfte – rund 1600 Männer, Frauen, Kinder.”[3] Die Katholiken von Jedwabne haben demnach ihre jüdischen Nachbarn erst gedemütigt, geschlagen, gefoltert, dann gejagt und zusammengetrieben, schließlich in einer Scheune verbrannt. Zwar seien deutsche Uniformierte an dem Tag zugegen gewesen, doch hätten sie sich auf das Fotografieren beschränkt und sogar ein paar Juden gerettet. Für Gross ist klar, dass der Stadtrat und die Deutschen sich über die Ermordung der Jedwabner Juden einig waren.[4] Der Koordinator der Ermordung war der Jedwabner Bürgermeister Marian Karolak, er taucht in jeder späteren Zeugenaussage auf.[5] Viele Einheimische mussten vorher vom Pogrom wissen, da Bauern schon im Morgengrauen mit ihren Führwerken zur Plünderung aufgebrochen sind. Auch die Juden erhielten bei Vorsprache beim Bischof von Łomza zunächst die Zusicherung, dass er die Juden von Jedwabne schützen wolle.[6] Unter den Jedwabner Juden verstärkte sich von Tag zu Tag das Klima der Angst, vor allem aufgrund von Gerüchten über entsetzliche Pogrome und Mordtaten, die bereits in unmittelbarer Nachbarschaft stattgefunden hatten.

Am 22. Juni kam es zum Ausbruch des Krieges zwischen der Sowjetunion und Hitlerdeutschland und die polnische Bevölkerung befreundete sich sogleich mit den Deutschen und errichtete zur Begrüßung der deutschen Armee einen Triumphbogen, verziert mit einem Hakenkreuz und Hitlerbild und einem Schild mit der Aufschrift: “Lang lebe die deutsche Armee, die uns vom verfluchten Joch der Judenkommune befreit hat“.[7]


Zugrundeliegende Quellen

Kernstück der Darstellung im Buch sind zwei Berichte eines Überlebenden des Massakers, des damals 18 Jahre alten Szmul Wasersztajn.

Außerdem stützt sie sich auf die Dokumente eines Prozesses von 1949. 22 Männer aus Jedwabne und Umgebung standen damals wegen „Beihilfe zum Mord” vor Gericht. Zwölf erhielten Gefängnisstrafen zwischen 12 und 15 Jahren, zehn wurden freigesprochen. Die Anklagebegründung beginnt mit dem Satz: Das Jüdische Historische Institut in Polen übersandte dem Justizministerium Unterlagen über das verbrecherische Treiben von Einwohnern von Jedwabne, die sich nach den Bekundungen von Szmul Wasersztajn, der den Pogrom an den Juden beobachtete, an der Ermordung von Personen jüdischer Nationalität beteiligt haben.[8] Aus den Prozessakten geht nicht hervor, warum das Verfahren so lange auf sich warten ließ, fest steht, dass Wasersztajn am 5. April 1945 vor der Jüdischen Historischen Kommission in Białistok aussagte.

Die Vernehmungsprotokolle sind kurz und weisen ein einheitliches Muster auf - es wurden jeweils die gleichen Fragen gestellt: Wo lebten sie im Juli 1941? Haben sie sich an der Ermordung der Juden im Monat Juli beteiligt? Wer hat sich sonst noch an der Ermordung und dem Zusammentreiben der Juden von Jedwabne beteiligt? Die Beweiserhebung wurde innerhalb von zwei Wochen abgeschlosen und lässt daraus schließen, dass das Sicherheitsamt in Łomza diesem Fall keine größere Bedeutung beimaß.[9] Im stalinistischen Polen hatte natürlich niemand ein Interesse daran, deutlich zu machen, dass Juden während des Krieges durch Polen gelitten hätten.[10]

Die Quellenlage ist relativ schlecht.

1980 erschien ein Gedenkbuch von Jedwabner Juden, in dem mehrere Augenzeugen die Tragödie ihrer Heimatstadt schildern.

1998 interviewte die Filmemacherin Agnieszka Arnold mehrere Einwohner der Stadt zu dem Thema.

Grosss spricht mit mehreren ehemaligen Bewohnern.


Wasersztajns Zeugenaussage fand Gross in den Archiven des JHI, darin wird niedergelegt, wie polnische Nachbarn ihre jüdischen Mitbürger mißhandelt und getötet hatten und die noch übriggebliebenen Juden bei lebendigem Leib in einer Scheune verbrannt haben. 7 Juden, die von der Polin Wyrzykowska unweit des Städchens versteckt worden sind , überlebten. Wasersztajns Bericht gibt schreckliche Szenen wieder, er sah wie drei Juden ermordet wurden, indem man mit Messern auf sie einstach und sie mit Ziegelsteinen zu Tode steinigte.

Wasersztajn zählt in seiner Aussage Namen der Vollstrecker auf, die sich durch besondere Brutalität auszeichneten. Die Aussage Wasersztajns zeigt, mit welcher Grausamkeit die Juden vernichtet wurden. Da man mit so primitiven Methoden nicht alle fünfzehnhundert Menschen umbringen konnte, beschloss man alle auf einen Schlag zu töten, d.h. sie zu verbrennen.[11] Juden sahen in ihrer Fassungslosigkeit vertraute Gesichter, Nachbarn, die aus eigenem Entschluss töteten, Nachbarn als willige Vollstrecker.[12] Gross fügt hier an, dass er, nachdem er den Dokumentarfilm „Wo ist mein älterere Bruder Kain?“ von Agnieszka Arnold sah, in dem die Autorin unter anderem mit der Tochter von Bronislaw Śleszyński spricht, begriff, dass die Aussage Wasersztajns wörtlich zu nehmen ist. Im April 2000 wurde der Film ausgestrahlt und drang damit in die polnischen Massenmedien ein, weiters erschien ein glänzend recherchierter Bericht von Andrzej Kazyński in der Tageszeitung Rzeczpospolita, im Mai 2000.


Kritik an getrennter Geschichtsauffassung

Gross verurteilt in der Einführung zu diesem Buch die getrennte Geschichtsauffassung für die Zeit während des Krieges: eine, die die Juden, und eine andere, die alle übrigen Bürger des jeweiligen, unter die Naziherrschaft geratenen europäischen Landes betraf. Er hält dies für unhaltbar, wenn man bedenkt, wie zahlreich die polnische Judenheit war und welchen Platz sie innerhalb der Gesellschaft einnahm. Rund 10 Prozent der polnischen Bevölkerung wiesen sich als Juden aus, die städtische Bevölkerung Polens bestand fast zu einem Drittel aus Juden.. Und dennoch haben Historiker die Vernichtung der Juden als ein gesondertes, eigenes Thema eingestuft, das den Rest der polnischen Gesellschaft nur am Rande berührt.[13] Gross merkt an, dass innerhalb der von den Besatzern gezogenen Grenzen die Beziehungen zwischen Polen und Juden einer eigenen Dynamik folgten. “Es gibt manches, was die Menschen hätten damals tun können und dennoch nicht getan haben, und manches, was sie nicht tun mussten, es aber trotzdem getan haben“.[14] Deshalb hat Gross für sein Buch mit besonderer Sorgfalt ermittelt, wer am 10. Juli 1941 in Jedwabne was getan hat - und auf wessen Geheiß. Von dem Tage an verkaufte die örtliche Bevölkerung den Juden keine Nahrungsmittel mehr und es kursierten Gerüchte, die Deutschen würden in Kürze den Befehl zur Vernichtung aller Juden erteilen. Die Deutschen haben den Befehl am 10. Juli erlassen, doch polnische Rowdys griffen ihn auf und führten ihn auf schrecklichste Weise aus. Nach allerlei Demütigungen und Folterungen verbrannten sie sämtliche Juden in der Scheune.


Tatmotive

Bei der Interpretation der Tatmotive hält Gross fest, dass einerseits schlichte Habgier ein ausschlaggebendes Moment war, denn polnische Nachbarn kamen so in den Besitz der Wohnungen und Bauern aus der Umgebung kamen am Tag des Pogroms mit ihren Fuhrwerken zum Plündern in die Stadt. Andererseits reicht Gross eine solche flache Erklärung nicht aus, um diesen plötzlichen Ausbruch eines schrankenlosen Judenhasses zu erklären. Er nennt die Propaganda, “.. dass die Zeit gekommen sei, endlich mit denen abzurechnen, die Jesus Christus gekreuzigt hatten, die Christenblut für Matze nahmen und die Ursache aller Übel in der Welt waren“. Diese Saat, die katholische Geistliche in langen Jahren vorbereitet hatten, fiel hier auf fruchtbaren Boden.[15] Eine weitere Auffassung lässt sich nicht nachweisen, dass die Juden von Jedwabne in der Zeit der ersten sowjetischen Okkupation (September 1939-Juni 1941) besondere Sympathien für das kommunistische System geäußert hatten und davon auch profitierten. Gross schreibt, dass der Vorwurf ihrer Kollaboration mit den Sowjets ungerechtfertigt sei. Dieser Kollaborationsvorwurf trug jedenfalls zur Verschärfung der antisemitischen Stimmung bei. Er war in der Jedwabne-Debatte häufig von konservativen und antisemitischen Historikern als ein zentrales Erklärungsmuster für die Pogromaktivisten in Jedwabne und an anderen Orten im Sommer 1941 angeführt worden.

Das Ergebnis von Gross` intensiven Nachforschungen ergab: Das Verbrechen war in Wahrheit von fanatischen antisemitischen Polen verübt worden, die sich an den Juden rächen wollten, weil sie diese kollektiv für bolschewistischen Terror verantwortlich machten.

Als auch das amtliche polnische "Institut des Nationalen Gedenkes" (Instytut Pamieci Narodowej) Gross` Ermittlungen bestätigen musste und trotz aller Anstrengungen eine Beteiligung der Wehrmacht an der Untat nicht zu konstruieren vermochte, wurde eine die Deutschen anklagende Inschrift auf dem Denkmal von Jedwabne entfernt.


Kapiteleinteilung

Gross teilt seine Darstellung im Buch in folgende Kapitel, in denen er die Sachverhalte darlegt und unterschiedliche Fragen versucht zu beantworten: Seite 14: Zur deutschen Ausgabe

15: Einführung
22: Worum es geht
28: Quellen
34: Vor dem Krieg
39: Sowjetische Besatzung 1939-1941 
47:Der Ausbruch des deutsch- russischen Krieges und der Pogrom in Radziłow
59:Vorbereitungen
63: Wer ermordete die Juden von Jedwabne?
70: Der Mord
79:Die Plünderung
83:Intime Lebensläufe
90:Ein Anachronismus
92:Woran erinnern sich die Menschen?
96:Kollektive Verantwortung

100:Ein neues Herangehen an die Quellen

103:Kann man zugleich Täter und Opfer sein?

109:Kollaboration

116:Die gesellschaftliche Basis des Stalinismus

119:Für eine neue Geschichtsschreibung

121: Post scriptum

123:Nachwort an meine deutschen Leser

125:Abbildungen

In dem Kapitel „Wer ermordete die Juden von Jedwabne?“ betont Gross, dass aber der größere Kontext nicht übersehen werden darf: die unbestrittenen Herren über Leben und Tod waren die Deutschen, ohne ihre Billigung konnte nichts stattfinden, es lag auch in ihrer Macht, den Pogrom zu beenden. Es ist klar, dass die Juden nicht von ihren Nachbarn ermordet worden wären, wenn nicht die Deutschen dort wären, denn die Tragödie der Jedwabner Judenheit ist nur eine Episode in dem mörderischen Krieg, den Hitler gegen alle Juden führte.[16]

Die Erinnerung an dieses Verbrechen hat sich in Jedwabne über Generationen hinweg gehalten, die Umstände der Ermordung der Jedwabner Juden war auch Jahre später immer wieder Gesprächsthema in der Stadt.[17]

Gross sah dieses Buch als Herausforderung an die übliche Geschichtsschreibung des Zweiten Weltkrieges.


Einige Meinungen aus Rezensionen

In der Rezension von Karol Sauerland (10.10.2005) wird betont, dass der Autor einen deutlich breiteren Kontextrahmen entwirft, der die parallele Entwicklung der polnisch-jüdischen Beziehungen seit September 1939 im deutschen und sowjetischen Herrschaftsgebiet berücksichtigt. Sauerland richtet sein primäres Interesse auf die Frage nach den Faktoren, die eine Atmosphäre entstehen ließen, die derartige Verbrechen von Polen an Juden unter dem deutschenTerrorregime möglich werden ließen.

Stephanie Kowitz ( Hamburg) schreibt in ihrer Rezension zu „Nachbarn. Der Mord an Juden von Jedwabne“, dass dieses Buch eine der wichtigsten Arbeiten ist, die in den letzten Jahren zur Vernichtung des europäischen Judentums in Polen erschienen ist. Es ist ein wichtiger Beitrag zur jüngsten Forschung über die Shoah.Es bricht das klassische Schema von Opfern und Tätern in der Zeit des Zweiten Weltkrieges auf und kann zur Neubewertung der polnisch-jüdischen Beziehungen beitragen. Als Hauptkritikpunkte von Historikern führt sie die mangelnde historische Methodik des Autors, die eingeschränkte Berücksichtigung von Quellenmaterial sowie die zu hoch angesetzte Zahl der Opfer an.[18]

Für Helga Hirsch ist in ihrer Rezension dieses Buch ein wesentlicher und wichtiger Beitrag zur Korrektur in der Geschichtsschreibung und eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem historischen und aktuellen Antisemitismus in Polen. Das Buch löste nach seinem Erscheinen in Polen einen Schock aus, auch wenn die Opferzahlen nach jüngst angestellten Exhumierungen nach unten korrigiert werden müssen.

Als Mangel bezeichnet der Rezensent Thomas Sandkühler, dass sich Gross überwiegend auf Augenzeugenberichte und Vernehmungen, aber nicht auf deutsche Akten stützt. Seiner Meinung nach fällt aber Gross das Verdienst zu, die polnischen Pogrome des Sommers 1941 publik gemacht zu haben.


Schlussbemerkung

Mit diesem Buch demonstrierte Gross, dass jahrzehntelange Tabuisierung und das „Vergessen wollen“ durch Fakten gebrochen werden muss und sich nicht der Mantel des Schweigens, den sich die polnische Gesellschaft -ihre Eliten in erster Linie - übergeworfen hatte, über die Schuld legen lässt.

Gross meint im Nachwort, „Das Schicksal, das den europäischen Juden von ihren Miteuropäern bereitet wurde, sollte uns für alle Zeit eine grausige Mahnung sein“.


Literaturverzeichnis:

Jan Tomasz Gross, Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne. München 2001.

aus dem Internet:

http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Tomasz_Gross (28. 04. 2008. 19:00)


Rezensionen


Endnoten

  1. http://de.wikipedia.org/wiki/Jan_Tomasz_Gross (08. 05. 2008. 19:00)
  2. Jan Tomasz Gross, Nachbarn. Der Mord an den Juden von Jedwabne. München 2001.59.
  3. Gross, Nachbarn, 17.
  4. Gross, Nachbarn, 61.
  5. Gross, Nachbarn, 61.
  6. Gross, Nachbarn, 58.
  7. Gross, Nachbarn, 50.
  8. Gross, Nachbarn, 22.
  9. Gross, Nachbarn, 32.
  10. Gross, Nachbarn, 33.
  11. Gross, Nachbarn, 74.
  12. Gross, Nachbarn, 89.
  13. Gross, Nachbarn, 18.
  14. Gross, Nachbarn, 19.
  15. Gross, Nachbarn, 54.
  16. Gross, Nachbarn, 62.
  17. Gross, Nachbarn, 31.
  18. http://www.sehepunkte.de/2003/06/pdf/1934.pdf (3.5.2008)