.

ELOISE - REFERENZPROJEKT

PROJEKT-AUFTRAG

Das Projekt "FAKEBASE" ist ein langfristiges Forschungsvorhaben aus dem Bereich Film- und Medienwissenschaft, initiiert und geleitet von Rainer M. Köppl. Es stellt sich zur Aufgabe, die politisch und kommerziell motivierte Verfälschung und Manipulation von Kino- und Fernsehfilmen und verwandten Unterhaltungsmedien durch Sekundärversionen (z.B. Synchronfassungen) zu untersuchen. Das Phänomen wird am einzelnen Fall dokumentiert, die Hintergründe ausgeleuchtet, wir analysieren die Methoden, Motive und Auswirkungen dieser bis heute gängigen Praxis.

Der Schwerpunkt lag bisher auf US-amerikanischen Produktionen in deutscher Synchronisation, es wurden jedoch von Anfang an Parallelen in anderen europäischen Sprachen aufgenommen. Das Projekt erstreckt sich prinzipiell auf jede Art von themenrelevantem Material und erfordert entsprechend umfangreiche Rechercheanstrengungen. Dazu streben wir Kooperationen mit ExpertInnen und Institutionen im Ausland an. Auf diese Art soll das von unterschiedlichen Ausgangspunkten aus gesammelte Material zu einem zentralen Informationspool über die Verfälschung von Medienprodukten im westlichen Kulturraum werden. Da das Thema einen komplexen globalen Hintergrund hat, ist auch an Kooperationen mit Medienwissenschaftlern und Instituten gedacht, die das Phänomen außerhalb dieses kulturgeographischen Bereichs untersuchen.

Der Aufbau eines solchen internationalen Informations- und Forschungsnetzwerks wird zusammen mit Partnern aus EU-Ländern als EU-Projekt zur Förderung eingereicht werden.

.

PRAXIS

Es wurden schon etwa 150 Fälle im Rahmen von FAKEBASE untersucht. Prominente Beispiele sind Casablanca, Hitchcocks Notorious oder die Krimiserie Columbo. Das Projekt ist als Online-Dokumentationsarchiv konzipiert und baut auf die Teilnahme von ExpertInnen und Studierenden zur Recherche und Aufbereitung des Materials. Dabei stützt es sich vollständig auf die Funktionen von ELOISE-Plattform.

Die Projektarbeit gliedert sich grob in folgende Abschnitte:

  • Sammeln von Verdachtsfällen
  • Auffinden von Kopien deklarierter Originale, Alternativfassungen, Synchronfassungen. Assistenz durch andere FAKEBASE-Forschungsgruppen, z.B. bei der Suche nach der deutschen Fassung eines französischen Films in einem Krakauer Filmarchiv)
  • Verifizierung von Abweichungen zwischen den Fassungen
  • Auswählen und digitalisieren von relevanten Filmstellen
  • Hochladen von Clips in ELOISE-Plattform
  • Protokollieren der Filmausschnitte, Herstellen vergleichender Analysen
  • Identifizieren undeklarierter Fassungen
  • Dokumentation der Fassungen (Filmographie)
  • Recherche und Dokumentation der Produktions- und Vertriebsgeschichte
  • Erarbeiten von zusammenfassenden Berichten und von Publikation zu den einzelnen Fällen, zu Produktionsbereichen oder größeren thematischen Zusammenhängen in der Plattform (CMT-Präsentation) und für den Druck

An jedem dieser Schritte können Studierende im Rahmen von Lehrveranstaltungen, Diplom- oder Doktoratsstudien teilnehmen.

EU-EINREICHUNG

Wir suchen für unsere EU-Projekteinreichung im Herbst 2007 oder Frühjahr 2008 noch Partner auf der Iberischen Halbinsel, in Spanien oder Portugal. Das EU-Projekt soll unter dem Aspekt einer möglichst großräumigen europäischen Beteiligung stehen und vor allem Staaten einbeziehen, die in unterschiedlichen Dimensionen und unter unterschiedlichen ideologischen, kulturellen und weltpolitischen Bedingungen im 20. Jahrhundert zu Diktaturen wurden. Derzeit (Juni 2007) sind wir mit Partnern in Deutschland, Polen und Griechenland im Gespräch.

Erfahrungsgemäß ist es für eine förderungswürdige EU-Projektpartnerschaft Bedingung, die Aufgaben und Funktionen der einzelnen Partner innerhalb des Projekts genau zu definieren und zu begründen. Dies ist im Fall von FAKEBASE sehr einfach. Wir wünschen uns von unseren Partnern:

  • Einen Überblick über das in ihrem Sprachgebiet vorhandene Material
  • Know-How zur Praxis und Geschichte der Filmübersetzung und Synchronisation in ihrem Kultur- und Sprachbereich
  • Kopien relevanter Beispiele in digitaler Form
  • Verbindung zu örtlichen Institutionen und Archiven (für historische Quellen und Filmmaterial)

Darüber hinaus sind wir an erweiterter Partizipation mit Universitätskursen (Beteiligung von Studierenden an der Projektarbeit) und/oder gemeinsamen Publikationen interessiert.

Wir bieten:

  • Die Einbindung in ein EU-Projekt mit entsprechender finanzieller Beteiligung
  • Unser Know-How zum FAKEBASE-Themenkreis
  • Das Online-System ELOISE-Plattform
  • Anbindung an die österreichische Forschungs-Infrastruktur

Wir möchten die Zusammenarbeit mit europäischen Partnern prinzipiell nicht von einer EU-Projektförderung abhängig machen, da wir auf jeden Fall an einer internationalen Kooperation interessiert sind. Da aber deren Finanzierung wesentlich von EU-Förderung abhängt, müssen wir das Timing unserer Kooperationen den Zeitplänen geeigneter EU-Calls anpassen. Bitte kontaktieren Sie bei Interesse unseren EU-Koordinator.

PROJEKT-THEORIE

Wir stellen uns die Aufgabe, Verfälschungen und Manipulationen von Kino- und Fernsehfilmen und verwandten Unterhaltungsmedien zu untersuchen, speziell im Zusammenhang mit Synchronisationen. "Verfälschung" und "Manipulation" sind dabei bewusst als wertende Kategorien eingesetzt, da die Grundintention solcher Bearbeitung nicht dem Produkt, sondern seiner äußeren Bewertung und Wirkung gilt. Wie Rainer M. Köppl in einer ausführlichen Untersuchung zeigen konnte, ist damit sehr oft der unnötige Verlust von gestalterischen Strukturen und Qualitäten verbunden, weit darüber hinaus, was im Rahmen von Übersetzungprozessen ohnehin in Kauf genommen werden muss.

Einzelne Forscher speziell in Deutschland und Italien befassten und befassen sich ebenfalls mit diesem kulturellen Phänomen, jedoch hauptsächlich aus dem Blickwinkel der Übersetzungswissenschaft. Damit ist ein anderer Forschungsansatz verbunden. Die Translatologie untersucht unterschiedliche Fassungen wertfrei und betrachtet sie im Prinzip als gleichwertige Manifestationen eines Transformationsprozesses. Wir interpretieren hingegen Veränderungen, die Informationen der Quelle unterdrücken und gegen andere Informationen austauschen, die der Intention der Originalproduktion nicht nur nicht entsprechen, sondern ihr oft deutlich zuwiderlaufen, als Fälschungen, wenn sie dem Publikum gegenüber nicht deklariert werden. Wir ordnen das Phänomen somit dem großen Untersuchungsfeld der verschiedenen verdeckten Formen von Zensur zu.

V 4.0

Last update: 13.06.2007

website admin