Prof. Dr. Harold Hammer-Schenk
Kunsthistorisches Institut,
Freie Universität Berlin

Prof. Dr. Edgar Hösch
Institut für Osteuropäische Geschichte,
Ludwig-Maximilians-Universität München

Prof. Dr. Dr. h.c. Hartmut Lehmann
Max-Planck-Institut für Geschichte,
Göttingen

Prof. Dr. Lutz Niethammer
Historisches Institut
Friedrich-Schiller-Universität Jena


Auszug:

Evaluationsbericht der auswärtigen Gutachter
über die historischen Institute der Universität Wien

(Januar 2003)

(Passagen die Ethnomedizin betreffend fett hervorgehoben)

Auszug aus dem allgemeinen Teil

......Im Überblick über die sechs besuchten Institute bilden das Kunstgeschichtliche Institut und das Institut für Medizingeschichte ohnehin besondere Größen, weil im ersten Fall eine selbständige Organisationsform sich international und sachlogisch herausgebildet hat und weil im zweiten Fall die Arbeitsgruppen mit Sammlungen bzw. einem Museum verbunden sind und künftig an der medizinischen Universität ressortieren sollen. Dies erscheint den Gutachtern auch einleuchtend; es sollte jedoch bei dieser Separierung darauf geachtet werden, dass durch Kooptation der Fachvertreter für Medizingeschichte bzw. für Ethnomedizin der wissenschaftsgeschichtliche bzw. ethnologisch-historische Zusammenhang mit den Universitätshistorikern gestärkt und nicht zerrissen wird.

Spezielle Evaluation:

III.2 Institut für Geschichte der Medizin

Durch die Entscheidung, das Institut für Geschichte der Medizin der neuzugründenden Medizinischen Universität zuzuordnen sowie durch die vor kurzem erfolgte Berufung von Herrn Univ.-Professor Dr. Michael Hubenstorf sind für das Institut für Geschichte der Medizin wegweisende Entscheidungen getroffen worden. Denn nicht zu bestreiten ist es, dass für das Institut für Geschichte der Medizin innerhalb der Medizinischen Universität besonders günstige Entwicklungsbedingungen bestehen; ebenso sind die Initiativen zu begrüßen, die Professor Hubenstorf seit seiner Ernennung auf den Gebieten der Forschung und der Lehre ergriffen hat. Speziell die von ihm neu konzipierten Lehrveranstaltungen sind so attraktiv, dass zu erwarten ist, dass künftighin nicht nur zahlreiche Mediziner, sondern auch viele Studenten und Studentinnen aus den Gebieten der allgemeinen Geschichte und insbesondere der Zeitgeschichte sich mit Problemen aus der Geschichte der Medizin befassen werden und dass auf diese Weise auch die Forschung in der Medizingeschichte neue Impulse erhält.

Besondere Erwähnung verdient der am Institut angesiedelte Arbeitsbereich der Ethnomedizin (Medical Anthropology). In diesem interdisziplinär angelegten Forschungsbereich werden medizinische Probleme von Bevölkerungsgruppen unterschiedlicher ethnischer und kultureller Herkunft untersucht. Das ist nur möglich durch

1. eine enge Zusammenarbeit mit Spezialisten aus den Bereichen
der Ethnologie, der Linguistik, aus der Afrikanistik, um nur die wichtigsten nicht-medizinischen Fächer zu nennen;

durch

2. eine konsequente internationale Ausrichtung, da Ethnomedizin nur in internationaler Kooperation betrieben und dieses Fach nur in einem internationalen Kontext angemessen positioniert werden kann;

sowie

3. durch regelmäßige Feldforschung.

Nicht zuletzt, um die internationale Position der Ethnomedizin in Wien zu stärken, ist die Einrichtung einer Professur auf diesem Gebiet dringend geboten.

Langfristige Förderung verdienen auch die mit dem Institut für Geschichte der Medizin verbundenen singulären Sammlungen.

Vorausgesetzt, dass die notwendigen finanziellen Mittel bereitgestellt
werden und vorausgesetzt, dass auch die in Aussicht genommene
räumliche Erweiterung des Instituts in absehbarer Zeit realisiert werden
kann, ist somit die Prognose für die Zukunft des Forschungsgebiets
Geschichte der Medizin in Wien sehr günstig.

- Mit der Ethnomedizin besitzt das Institut einen auch im internationalen Vergleich einzigartigen Forschungsschwerpunkt;
- mit den Sammlungen, die sukzessive erweitert werden sollten, sind mit dem Institut wichtige Anschauungsmaterialien verbunden;
- durch die erfolgte Neuberufung wurden vielseitige neue internationale Verbindungen geschaffen und vielversprechende Akzente in Forschung und Lehre gesetzt.

Aus Sicht des Gesamtfaches Geschichte bleibt, wie oben erwähnt, zu wünschen, dass möglichst enge Verbindungen zwischen Forschung und Lehre in der Geschichte der Medizin und den übrigen historischen Disziplinen geschaffen werden.

Im übrigen wird auf die Materialien verwiesen, die vom Institut für Geschichte der Medizin im Zuge der Evaluation zusammengestellt wurden.