Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung


Fachdidaktikzentrum Geschichte, Sozialkunde und Politische Bildung
Universität Wien
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Organisationsformen Historischen Lernens. Hierarchische, teamorientierte und prozessorientierte Lernformen im Geschichtsunterricht

von Prof. Alois Ecker

Überblickt man die Literatur zur Organisations- und Kommunikationstheorie, so kann man aus der Vielzahl von Organisations- und Kommunikationsstrukturen drei zentrale Kommunikationsmodelle herausarbeiten:

1. die hierarchische Organisation von Kommunikation

2. die teamorientierte Organisation von Kommunikation

3. die projekt- bzw. prozessorientierte Organisation von Kommunikation.

Diese Kommunikationsmodelle sind für alle sozialen Systeme relevant. Sie haben nicht nur für betriebliche Organisation oder für staatliche Einrichtungen zentrale Bedeutung, sondern auch für den Schulunterricht. Eine wesentliche Leistung der „prozessorientierten Geschichtsdidaktik“ ist es, diese Grundformen der Kommunikation hinsichtlich ihrer Relevanz für die Didaktik zu diskutieren und sie für die theoretische Diskussion der Geschichtsdidaktik nutzbar zu machen.

Die drei Grundmodelle der Kommunikation werden nachfolgend in ihrer Anwendung für Lernprozesse im Geschichtsunterricht vorgestellt. Gefragt wird nach Indikatoren, welche Aufschluss über ihr Lehr-/Lern-Potential in Bezug auf die Entwicklung, Veränderung und Reflexion von Geschichtsbewusstsein geben können. Als Beispiele für die drei Grundmodellewurden gewählt:

• Vortrag: die hierarchische Lernorganisation

• Gruppenarbeit: die teamorientierte Lernorganisation

• Projektarbeit: die prozess- und/oder produktorientierte Lernorganisation.

Für jede der drei Lernformen werden folgende Fragen gestellt:

1. Wie ist die Kommunikation zwischen Lehrer/in und Schüler/innen strukturiert?

2. Sind Formen der Rückkoppelung vorgesehen bzw. gewünscht? Wenn ja, welche?

3. Welches Lernpotential hat diese Kommunikationsform für das historische Lernen? In welchen Dimensionen ermöglicht sie die Aneignung von historischem Wissen? Welche historisch-methodischen Fertigkeiten können mit dieser Struktur entwickelt werden?

4. Welche auf die Entwicklung von sozialer Kompetenz gerichteten Lernziele, werden durch diese Lernorganisation explizit gefördert?

5. Was sind die verdeckten Sozialisationswirkungen („heimlicher Lehrplan“), welche in der langfristigen Anwendung dieses Modells wirksam werden (können)?

6. Was ist das Anforderungsprofil für den/die Geschichtslehrer/In im jeweiligen Modell? Welche Kompetenzen muss er/sie mitbringen, um in dieser Form erfolgreich zu arbeiten?

7. Was sind die zentralen Abwehrmechanismen/ Widerstände im jeweiligen Modell, mit denen Einsichten in den historischen Wandel behindert oder irritiert werden können?

Den Vergleich zwischen hierarchischer, teamorientierter und prozessorientierter Lernorganisation finden Sie hier: