Termin: 23.–25. September 2009
Ort: Dachfoyer des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, Minoritenplatz 1, 1010 Wien
Veranstalter: Institut für Geschichte der Universität Wien,
FWF Projekt P 18215-G08,
Institut für Österreichische
Geschichtsforschung, Österreichisches Staatsarchiv
Leitung: PD Dr. Peter Rauscher, Univ.-Prof. Dr. Dr. h.c. Thomas Winkelbauer
War der Staat in den letzten Jahrzehnten schon als Auslaufmodell
angesehen worden, werden angesichts der globalen Finanzkrise Rufe nach
Eingriffen des Staates und einem Ausbau seiner Verantwortung
unüberhörbar. Die Interventionen der politischen
Entscheidungsträger sind jedoch keineswegs selbstlos. Denn wie die
jüngsten Entwicklungen gezeigt haben, sind Finanz- und
Staatskrisen oft kaum zu trennen. Bereits in der Frühen Neuzeit,
der Formierungsphase moderner Staatlichkeit, hatten die Finanzen immer
wieder direkte Auswirkungen auf die innere Stabilität und
äußere Handlungsfähigkeit von Staaten.
Über wenige Sachverhalte der frühneuzeitlichen Geschichte
besteht mehr Übereinstimmung zwischen der Einschätzung der
Zeitgenossen und der modernen historischen Forschung als hinsichtlich
der fundamentalen Bedeutung der Finanzen für die Durchsetzung von
Herrschaft. Wurde seit dem 16. Jahrhundert auch in Mitteleuropa Geld
als der sprichwörtliche Nerv aller Dinge bezeichnet, dem die
entstehende politische Theorie immer größere Aufmerksamkeit
widmete, wird in der Geschichtswissenschaft ein direkter Zusammenhang
zwischen der Entwicklung der Staatsfinanzen und dem Wachstum der
Staatsgewalt selbst gesehen, der in Begriffe wie
„Finanzstaat“ oder „Steuerstaat“ gefasst wurde.
Obwohl in jüngst abgehaltenen internationalen Tagungen zu Themen
wie „Hofwirtschaft“ (Gottorf 2006) oder „Fiscal
Systems in the European Economy from the 13th to the 18th
Centuries“ (Prato 2007) finanzgeschichtliche Fragen aus
verschiedenen Blickwinkeln aufgenommen wurden, ist Finanzgeschichte
verglichen mit anderen Bereichen der Geschichtswissenschaft besonders
im mitteleuropäischen Raum ein bisher wenig beachtetes und kaum
institutionalisiertes Forschungsfeld.
Ziel der Tagung ist es, aktuelle Forschungsinitiativen
zusammenzuführen, laufende Projekte zu unterschiedlichen Aspekten
der frühneuzeitlichen Finanzgeschichte zu diskutieren,
gegenwärtige Trends auszuloten und Perspektiven für
zukünftige Forschungen zu entwickeln. Darüber hinaus soll ein
Forum zur stärkeren Vernetzung innerhalb der
Finanzgeschichtsschreibung geschaffen und somit auch eine Basis
für weitere Kooperationen gelegt werden.
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