Auf Grund des Abschlusses der Erschliessung der 27 Bände der Fuggerzeitungen in der Österreichischen Nationabibliothek und der Anfang einer Forschungsphase durch anderen Bibliotheken und Archiven wird in den nächsten Zeit keine Veröffentlichung der Fuggerzeitungen des Montas stattfinden.

Unser Projekt wird gemeinsam mit anderen Wiener Forschungsprojekten an einer Posterausstellung im Rahmen der 3. jährlichen Tagung von SCIENTIAE in Wien teilnehmen. Mehr Informationen zur Tagung + Programm siehe http://scientiae.co.uk

Wo: Juridicum (Schottenbastei 10-16, 1010 Wien) – Google Maps

Wann: Mittwoch, den 23.4 bis Freitag, den 25.4. 2014

Hier unser Poster zum anschauen und herunterladen:

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Neuer Menüpunkt “Karten”

K-11-Einzugsgebiet-PragAls erstes Ergebnis der Erschließung des Bestandes der Wiener Fuggerzeitungen werden kartographische Auswertungen veröffentlicht, die die Geographie handschriftlicher Zeitungen in neuer Form darstellen.

Zu finden sind sie unter dem Menüpunkt “Materialien > Karten“.

Projektmitarbeiter Nikolaus Schobesberger hat 13 Karten zu den wichtigsten Absendeorten, Nachrichteneinzugsgebieten sowie Informationsnetzwerken erstellt.

Fuggerzeitung des Monats: Jänner 2013

Cod. 8957, fol. 2r

Aus Hamburg vom 22.12.1583

Diese Fuggerzeitung aus Hamburg vom 22. Dezember 1583 berichtet von einem dubiosen Schiffsunglück, das sich einige Wochen zuvor südlich von England zugetragen hat. Anfang Dezember war eine Flotte aus 12 Schiffen Richtung Lissabon ausgelaufen. Die Handelsverbindungen der Hansestadt mit Portugal waren traditionell sehr gut. Die Portugiesen waren Ende des 16. Jahrhunderts in Hamburg stark präsent. So zählte die ‘natio lusitana’ etwa 600 Mitglieder, womit sie die größte Ausländergemeinde von Hamburg war, das damals rund 30 000 Einwohner hatte.

Die Zeitung berichtet, dass das schönste und beste Schiff dieser Flotte bei klarer Sicht und gutem Wind plötzlich sank. Zuvor wurde von der Besatzung, die sich retten konnte, ein böser Geist an Bord gesehen – untrüglich ein Zeichen für Zauberei. Der Bürgerschaft von Hamburg entstand ein hoher Schaden und ein weiterer Mythos für die Umtriebe des Klabautermanns war geboren.

Aus Hamburg von 22. December

Die verganngne tag haben wir sehr beese zeyttung aus Engellandt bekhomen, wie von den 12 schiff, so von hieher vor 3 wochen nach Lisabonna ablieffen das aller böste unnd schöneste schiff auf der spies unnder Enngellandt von 200 last getraidt zue grundt ganngen, soliches alles hieigen burgern zuegehörig, davon allain die schiffer salviert unnd alher khomen, die geben aus, das solliches schiff bei schönem lichten tag vor windt gebliben seye unnd sollen inn solichem schiff den beesen gaist leibhafftig gesechen haben, daraus sy judicieren wellen, das solliches schiff allain durch zauberey verdorben unnd zue grundt ganngen seye.

Fuggerzeitung des Monats: Dezember 2012

Cod. 8961, 515r

Aus Antwerpen vom 20. August.

Mit dieser Zeitung wird die Niederlage der spanischen Armada bestätigt. Durch den Wind wird vermutet, dass die Armada hinter den britischen Inseln herum, wieder nach Spanien segelt. Alessandro Farnese, dem Herzog von Parma, wird wegen unterlassener Hilfeleistung für die Flotte allgemein die Schuld an der Niederlage gegeben. Der Zeitungsschreiber erwähnt, dass Alonso Pérez de Guzmán, der Duque de Medina Sidona, bereits einen Boten nach Spanien entsandt habe, um den Philipp II. von den Ereignissen im Ärmelkanal zu unterrichten.

Die Zeitung gibt sehr gut die Nachrichtenlage zur Spanischen Armada wieder. Die Entscheidung, über den Nordatlantik nach Spanien zurück zu segeln war erst wenige Tage vor dem Verfassen der Zeitung getroffen worden.Auch zeigt die Zeitung, dass der primäre und schnellste Informationsweg von den spanischen Niederlanden nach Madrid über Frankreich lief und nicht über die Seewege.

Die Reise um Schottland und Irland herum stellte sich jedoch als sehr verlustreich für die Spanier heraus. Der Gesamtverlust der Spanier im Juli und August 1588 belief sich auf 64 Schiffe und mindestens 12.000 Mann.

Aus Antorf von 20. dito.

Demnach der wind ettliche tag nordt und nordt osst gewehet, will man erachten, die Spanisch Armada werde mit disem wind widerumb nach Engellandt gelauffen, und vil der opinion werde hinder Engellandt forth nach Spannia oder Lisabona iren lauf genommen haben. Dieweil der Duca de Parma inen nit zu hilff khommen khönden, dessen die spannischen, so noch auf derselben armada sich befinden, gleichsfals die ihenigen so gefangen seindt, gar ubel auf den herzog von Parma zu friden, der wirdt zweifelsohne bey dem Konig von Spannia hart verclagt werden, wie dann der Duca de Medina Sidona, der Spannischen Armada general obgedachter armada, den Principe de Ascoli auf der posst durch Frankreich nach Spannia abgefertiget, derselben Majestät den verlauf der spannischen armada anzuzeigen.

Fuggerzeitung des Monats: November 2012

ÖNB Cod. 8965, fol. 65r

Wien, 25.1.1592

Elisabeth von Österreich, die verwitwete Königin von Frankreich, ist am 22. Jänner 1592 zwischen 11 und 12 Uhr Nachts in Wien verstorben. Sie erbat vor ihrem Tod von ihrem Bruder, Erzherzog Ernst, dem Statthalter in Wien, dass sie in ihrem schlechtesten Kleid, unbalsamiert, in einem hölzernen Sarg in der Erde begraben werden solle. Ihr Wunsch zeigt, dass die später übliche Begräbnisprozedur der Habsburger noch nicht etabliert war. Erst unter Ferdinand III. wurden die Mitglieder der Familie Habsburg in der Kapuzinergruft bestattet, wobei Körper, Herz und Eingeweide getrennt voneinander bestattet wurden. Zu Elisabeths Zeiten hatte sich dieser Brauch noch nicht durchgesetzt. Sie wurde ganz nach ihrem Wunsch in dem von ihr gegründeten Kloster St. Maria, Königin der Engel unter einer einfachen Marmorplatte beigesetzt. Nach der Auflösung des Klosters durch Kaiser Joseph II. wurden ihre Gebeine in die Fürstengruft unter dem Stephansdom umgebettet.

Aus Wien vom 25. Jenner, Anno 1592

Auf den 22. dis inn der nacht zwischen 11 und 12 hat Got der allmachtig die frombe künigin aus frankhreich Elisabeth zue sich in die ewige freuden genomben. Sy hat vor irem endt 4 stückh von irem herrn bruedern erzherzog Ernstn begert. Man soll ir das schlechteste klaidt anlegen, zuem anderen iren laib gannz lassen und nit balsamieren, zum driten nur in ain hilzine truchen legen, zuem vierten in das erdreich eingraben, wie andere christgläubige machen. Sy hat ain schönes lob hindert ir gelassen und vilen leuthen zue früe gestorben. Got der allmechtig verleihe ir ein fröliche uferstehung unnd unns allen ein seeligs stündlein. Amen.

 

 

Fuggerzeitung des Monats: September 2012

 

ÖNB, Cod. 8954, f. 504r-504v Zeitung aus Rom 14. Oktober 1581

Neben vielen anderen Ereignisse über Rom und die päpstliche Kurie, berichtet diese Zeitung vom Todsurteil eines Novellanten, Lupertio, und der Folter eines anderen aus Friaul, Pelliccia. Der Bericht klärt über die Professionalisierung von Novellanten und den Vorbehalt der Macht gegenüber die Zirkulation von Nachrichten auf.

Fuggerzeitung des Monats: August 2012

Cod. 8964, fol. 437r-437v

Aus Frankfurt vom 4. August 1591

In dieser Zeitung wird nach einer Reihe von Berichten über die Anwerbung von Truppen im Reich für Heinrich von Navarra auch diese kurze Anekdote geschildert: Zwei Reiter, offenbar von Adel, wollten bei einem Plattner in Frankfurt zwei Rüstungen erwerben. Als sie zwei schussfeste Harnische anprobierten, liefen sie plötzlich aus dem Laden, sprangen auf die Pferde und ritten zum Stadttor. Dort wurden sie von der Torwache jedoch festgehalten und schließlich gefangen genommen. Zur Strafe mussten sie entweder 100 Gulden zahlen, oder zur Schmach in Stiefel und Sporen aus der Stadt gehen, wobei ihre Pferde zurück blieben.

Diese Anekdote zeigt auch einen der seltenen Fälle, in denen aus einem Informationszentrum der Fuggerzeitungen über die Geschehnisse vor Ort direkt berichtet wird. Welche der zwei Bestrafungen die beiden Möchtegern-Ladendiebe wählten, wird nicht weiter erwähnt, auch nicht, wie sie in voller Rüstung dem Plattner davonlaufen konnten.

Auss Franckhfurth von 4. augusty anno 91.

(…)

Vergangnen donnerstag seindt zwen reytter (gleich wol vom adell sein sollen) hiefür eines blatnersladen geriten khommen, den den pferdten abgestannden, inn laden gangen, begert inen 2 harnisch anzuelegen und kauffen zuegeben. Als sie nun 2 guete schüssfreye harnisch angehabt, seinndt sie ein mal 3 im laden hin und wider gangen, volgendts geschwündt einen lauff für sich genommen, sich uf die pferdt geschwungen und der porto zugerennet. Als nun das volckh hinnach gevolgt, dessen der auf der schüldtwaacht wahr genommen, den schranckhen fürfallen lassen. Wo sie nun nit forth gekönndt, haben sie auf hiessige soldaten schiessen wellen, die seindt aber von inen übergweltigt unnd gefangen, inn rüemer für die herren burgermeister gefüerth worden, alda sie sich noch mit ungebürlichen hören lassen, deswegen sie gefangen gesezt, die roß inn gemainer statt stall gestölt, sie widerumb ledig sein. Solle jeder zue straff 100 fl. bezalen, oder in stüffel und sporn zur statt hinus gehen und die pferdt dahinden lassen.

Fuggerzeitung des Monats: Juli 2012

Cod. 8964, fol. 163r

Wien vom 26. Oktober 1592

Diese Zeitung aus Wien berichtet über ein Scharmützel in Slawonien (Windischland), bei dem Grenztruppen unter dem Hauptmann Stefan Graswein einen Plünderungstrupp der Osmanen geschlagen und gute Beute gemacht haben, darunter fünf Kanonen, die von den Türken im Wald vergraben worden waren um sie später zu holen. Zudem wird über anhaltende Erdbeben und einen blutroten Himmel über Wien geschrieben, der nichts Gutes verkündet. Als Kuriosum findet sich die Geschichte von einem katholischen Priester, der mit einer Botschaft ins Osmanische Reich unterwegs war und in Ofen zum Islam übertrat.

Diese Zeitung stellt einen relativ guten Überblick über die verschiedenen Themenbereiche der Wiener Fuggerzeitungen dar. Sie beinhaltet detaillierte Kriegsberichte von der Türkengrenze ebenso wie „Naturphänomene“, Berichte über die Geschehnisse vor Ort und kurze, erheiternde Geschichten. Wir erfahren sogar die persönliche Meinung des Autors, wenn er schreibt, dass der zum Islam übergetretene Priester seinen Lohn bekommen wird.

Auß Wienn von 26. Oktober anno 91

Über jüngst würdet durch ein anders, des haubtmans Großweynns schreiben, der schaden im Wündischlanndt unnd daß die türggen bey 20 dörffer geblindert und verhört haben, daß auch der bassa von Bosen im abzug nüt wenig geklopfft worden, mit particularitets confirmiert. unnd da der unseren hinderhalt nit zue baldt ausgesprenngt, sonnderen was wenigs hinderhalten wären, die türggen gleich mütten unnder sie khommen, unnd mit irem höchsten schaden geschlagen worden, gleich wol ohne das geschechen, der türggen etlich unnd 60 gefanngen, 250 köpff, 112 roß, 20 fahnen, vil zuerhawen hörtrumell, item 5 stuckh geschütz aud rödern, welliche gleich wol durch die türggen inn die wäldt vergraben, durch die unnseren gefunden, unnd also neben noch einem falckhenet, so der bassa unnder eroberung aines haus (so dem Herren Tohi zuegehörig) bekhommen, inen den türggen abgedrungen und alles nach haus gebracht worden.

Heut dato umb 3 unnd 4 uhren morgens hat man alhie den hymmell ganz bluet roth gesehen, welliches meniglich ganz erschrockhenlich gewest.

Sonsten bey jungst abgeraister pottschafft nach Türggey ist ir predicant, wellicher ein cathollischer priesster gewesen, zue Ofen zu einem Mammoluckhen unnd türggen worden. Der mechte mit der zeyt seinen lohn bekhommen.

So will es mit dem erdbüdem noch nit gar außsezen, Gott verhiet könnfftig übell.

Fuggerzeitung des Monats: Juni 2012

Cod. 8964, fol. 688r-689r

Zeitung aus München vom 27. April 1591

Der seit einigen Jahren umtriebige Alchemist und Goldmacher Marco Bragadino [eigentlich Marco Antonio Mamugná] wurde in München hingerichtet. Bragadino hatte zwischen 1588 und 1590 mehrere italienischen Herzögen und Herrschaften (darunter der Herzog von Mantua, der Herzog von Ferrara und die Herrschaft Venedig), mit dem Versprechen, mit Hilfe des Steins der Weisen große Mengen an Gold zu erzeugen, um etliche zehntausend Scudi betrogen. Nach längerem Aufenthalt in Venedig, wo er in Pomp und auf Pump in einem Palazzo residierte, floh er, nachdem sich erster Verdacht regte, über Padua nach München, wo er für Herzog Wilhelm V. von Bayern Gold machen sollte. Nachdem er auch hier seinen Versprechungen nicht nachkommen konnte, wurde er als Betrüger enttarnt und am Weinmarkt hingerichtet. Die Hinrichtung geriet zum Desaster, weil es dem Scharfrichter erst beim dritten Schlag gelang, das Haupt vom Rumpf zu trennen. Die Fuggerzeitungen verfolgen den Werdegang von Marco Bragadino sehr genau und berichten wöchentlich über seine Taten in Venedig. In dieser Zeitung findet sich nun ein detaillierter Bericht über die letzten Stunden des Hochstaplers.

 

 

Auß Mönchen von 27. Appril anno etc. 91

Auf deß herrn begehrn, was sich mit dem weitbeschraydten, vermaindten goldmacher Mammugnano genannt, an gestern freytags alhie verlauffen, habe ich zum thail inn eyl, wie volgt verzaichnet.

Erstlich haben ire fr. G. alhie auf dem weinmarckht gegen dem rathhaus uber ein zimlich hoch halsgericht mit roter farb angestrichen, auch einen daran hanngenden strüeckh, so mit geflündertem, falschem züttergold uberzogen, aufrichten lassen.

Unnd hat man den armen goldtmacher mit einem khlaydt irer fr. G. hof farb, als blaw unnd weiß, ime zue mehrerem spott (wegen seines vermßlichen betrugs) bekhlaydet, inn welcher khlaydung man ine durch die stattkhnecht ausser der gefanngkhnuß neben starckher beglaydtung der zugeordneten, bewöhrter guardia auf obbemellter richtstatt gefüert, gleichwol er zuvor starckh gebetten, man ine inn der gefanngkhnuß hinrichten wölle, des aber durch ire fr. G. ime abgeschlagen unnd die verordnete beuchtvätter, auch vilen gaistlicher herrn, so zue ime inns gefanngkhnus ganngen, füeglich ausgeredt, mit dieser vertrösstung, daß wa mit ime offentlich inn gegenwerth gannzer versammlung gemainen volckhs procediert, werde es wegen vile deß gemainen gebetts ime unnd seiner seelen neben stanndhafter fraydigkhait nit wenig ersprießlich sein, darin er sich dann willig ergeben.

Als nun der vermeldt arme gefanngen mann duch die stattkhnecht der khlayder auf der richtstatt (wie zum schwerdt contemierte, arme synnder gebreuchig) enndtblößt worden, ist er als dann erst dem nachrichter, die urthel zue exequiern, an hanndt uberanndtwurth, aber durch bemelten maister sehr übel, erbärmlich, ganz abscheulich gericht unnd tractiert worden, als daß der umbstanndt zuesehenden volckhs veruhrsacht, gegen ime nachrichter, wie vor zeiten gebreuchig, mit gebüerender straff auch zu procedieren leuchtlich ervolgen mögen, irer fr. G. mit aufplasung aines thrumetters, khain hanndt anzulegen, ernnstlich mandiert worden, darauf sich dann die gemaind (als gehorsame) zue rhue unnd nach haus begeben.

Nach vollenndung der sachen hat man den toten leichnam alsbaldt mit ainem schwarzen thuech bedeckht unnd auf der richtstatt bis abends vesper zeit umb ihre meingelich sachen mögen ligenndt verbleiben lassen, volgendts von der bruederschafft, N: genannt, auf den gottsackher inn seinen manntel, die strückh mit flennder gold tumbwunden eingeschlagen unnd also zuer erden bestättigt.

Dieser Mammugnano solle vor disem den herzogen von Ferrara beredt haben, da er 30.000 cronen unnderhannden haben, sollte ime nit fählen, oder manglen, er wollte sein goldkuns dermassen inns wergkh sezen unnd bringen, dessen sich die gannze weltt zuverwundern, darauf gedachter herzog ime 50.000 chronen an gold par geben lassen, mit wölchem er zue venedig inn großer pomppo ankhommen, auch den anfanng seiner kunst etlich proba mit lauttern gold zary selbiger herrschafft erwisen, aber doch aus des obgemelten herzogen von Ferrara seckhel, also hat der gedachte goldmacher sein lohn darüber empfangen und werden die potentaten unnd heren was auf solche ungewise, grundlose künstler zuhalten gewüzigt.