Cod. 8964, fol. 688r-689r
Zeitung aus München vom 27. April 1591
Der seit einigen Jahren umtriebige Alchemist und Goldmacher Marco Bragadino [eigentlich Marco Antonio Mamugná] wurde in München hingerichtet. Bragadino hatte zwischen 1588 und 1590 mehrere italienischen Herzögen und Herrschaften (darunter der Herzog von Mantua, der Herzog von Ferrara und die Herrschaft Venedig), mit dem Versprechen, mit Hilfe des Steins der Weisen große Mengen an Gold zu erzeugen, um etliche zehntausend Scudi betrogen. Nach längerem Aufenthalt in Venedig, wo er in Pomp und auf Pump in einem Palazzo residierte, floh er, nachdem sich erster Verdacht regte, über Padua nach München, wo er für Herzog Wilhelm V. von Bayern Gold machen sollte. Nachdem er auch hier seinen Versprechungen nicht nachkommen konnte, wurde er als Betrüger enttarnt und am Weinmarkt hingerichtet. Die Hinrichtung geriet zum Desaster, weil es dem Scharfrichter erst beim dritten Schlag gelang, das Haupt vom Rumpf zu trennen. Die Fuggerzeitungen verfolgen den Werdegang von Marco Bragadino sehr genau und berichten wöchentlich über seine Taten in Venedig. In dieser Zeitung findet sich nun ein detaillierter Bericht über die letzten Stunden des Hochstaplers.
Auß Mönchen von 27. Appril anno etc. 91
Auf deß herrn begehrn, was sich mit dem weitbeschraydten, vermaindten goldmacher Mammugnano genannt, an gestern freytags alhie verlauffen, habe ich zum thail inn eyl, wie volgt verzaichnet.
Erstlich haben ire fr. G. alhie auf dem weinmarckht gegen dem rathhaus uber ein zimlich hoch halsgericht mit roter farb angestrichen, auch einen daran hanngenden strüeckh, so mit geflündertem, falschem züttergold uberzogen, aufrichten lassen.
Unnd hat man den armen goldtmacher mit einem khlaydt irer fr. G. hof farb, als blaw unnd weiß, ime zue mehrerem spott (wegen seines vermßlichen betrugs) bekhlaydet, inn welcher khlaydung man ine durch die stattkhnecht ausser der gefanngkhnuß neben starckher beglaydtung der zugeordneten, bewöhrter guardia auf obbemellter richtstatt gefüert, gleichwol er zuvor starckh gebetten, man ine inn der gefanngkhnuß hinrichten wölle, des aber durch ire fr. G. ime abgeschlagen unnd die verordnete beuchtvätter, auch vilen gaistlicher herrn, so zue ime inns gefanngkhnus ganngen, füeglich ausgeredt, mit dieser vertrösstung, daß wa mit ime offentlich inn gegenwerth gannzer versammlung gemainen volckhs procediert, werde es wegen vile deß gemainen gebetts ime unnd seiner seelen neben stanndhafter fraydigkhait nit wenig ersprießlich sein, darin er sich dann willig ergeben.
Als nun der vermeldt arme gefanngen mann duch die stattkhnecht der khlayder auf der richtstatt (wie zum schwerdt contemierte, arme synnder gebreuchig) enndtblößt worden, ist er als dann erst dem nachrichter, die urthel zue exequiern, an hanndt uberanndtwurth, aber durch bemelten maister sehr übel, erbärmlich, ganz abscheulich gericht unnd tractiert worden, als daß der umbstanndt zuesehenden volckhs veruhrsacht, gegen ime nachrichter, wie vor zeiten gebreuchig, mit gebüerender straff auch zu procedieren leuchtlich ervolgen mögen, irer fr. G. mit aufplasung aines thrumetters, khain hanndt anzulegen, ernnstlich mandiert worden, darauf sich dann die gemaind (als gehorsame) zue rhue unnd nach haus begeben.
Nach vollenndung der sachen hat man den toten leichnam alsbaldt mit ainem schwarzen thuech bedeckht unnd auf der richtstatt bis abends vesper zeit umb ihre meingelich sachen mögen ligenndt verbleiben lassen, volgendts von der bruederschafft, N: genannt, auf den gottsackher inn seinen manntel, die strückh mit flennder gold tumbwunden eingeschlagen unnd also zuer erden bestättigt.
Dieser Mammugnano solle vor disem den herzogen von Ferrara beredt haben, da er 30.000 cronen unnderhannden haben, sollte ime nit fählen, oder manglen, er wollte sein goldkuns dermassen inns wergkh sezen unnd bringen, dessen sich die gannze weltt zuverwundern, darauf gedachter herzog ime 50.000 chronen an gold par geben lassen, mit wölchem er zue venedig inn großer pomppo ankhommen, auch den anfanng seiner kunst etlich proba mit lauttern gold zary selbiger herrschafft erwisen, aber doch aus des obgemelten herzogen von Ferrara seckhel, also hat der gedachte goldmacher sein lohn darüber empfangen und werden die potentaten unnd heren was auf solche ungewise, grundlose künstler zuhalten gewüzigt.