FV Jus

Gerichtspraxis

Personen, die die wissenschaftliche Berufsvorbildung abgeschlossen haben und zur Führung des akademischen Grades eines Magisters oder einer Magistra der Rechtswissenschaften berechtigt sind, haben Anspruch auf die Zulassung als Rechtspraktikant/in am Gericht. Für die klassischen JuristInnenberufe ist die Absolvierung des Gerichtsjahres überdies Pflicht. 

Man hat Anspruch auf Gerichtspraxis für fünf Monate. Während dieser Zeit wird man einem Richter/einer Richterin zugeteilt und bekommt Einblicke in die richterliche Praxis (hauptsächlich Aktenbearbeitung, Verfassen von Entwürfen von Beschlüssen oder Urteilen, Abhaltung der Amtstage, Schriftführen in Strafverhandlungen). 

Informationen zur Gerichtspraxis findet ihr unter dem Link rechts oben (Stand: Mai 2012) oder auch unter http://gerichtspraxis.justiz.gv.at/ .

Update: Brauche ich bei der Anmeldung bereits den Magisterbescheid? (Stand April 2013)

"Für die Anmeldung, die bis Ende des vorvorigen Monats vor Beginn der Gerichtspraxis erfolgen muss, reicht der vorläufige Mag.-Bescheid. Fehlende Dokumente können bis zum 15. des Folgemonats nachgereicht werden" (von einem engagierten Forenbenutzer beim OLG erfragt)

Antrag auf Zulassung 

Der Antrag auf Zulassung zur Gerichtspraxis ist am zuständigen Oberlandesgericht abzugeben (für das OLG Wien: Schmerlingplatz 11, 1016 Wien). Dem Gesuch beizulegen sind:

- zwei Lichtbilder (in Passbildformat) 
- Geburtsurkunde 
- ev Heiratsurkunde 
- ev. Geburtsurkunden der Kinder 
- Staatsbürgerschaftsnachweis 
- Meldezettel 
- Maturazeugnis 
- Computerauszüge aller Studienabschnitte 
- 1. , 2. und 3. Diplomprüfungszeugnis 
- Magisterbescheid und allenfalls Doktorbescheid 
- ev Nachweis weiter Studien (zB LL.M., M.A.S) 
- Gehaltskontoerklärung 
- Sozialversicherungsnummer (Kopie der e-card) 
- ev Bekanntgabe eines bestehenden Dienstverhältnisses 
- E-mailadresse 
- Beleg über die Entrichtung der Verwaltungsabgabe (€ 18,20) 

Die Dokumente sind in Kopie und im Original mitzubringen (die Kopien werden zurückbehalten), das Gesuch ist persönlich abzugeben (für das OLG Wien: Pers.Abt. 2, 5. Obergeschoß, Zimmer 5002, Mo - Fr 8:30 - 11:30, Di und Do zusätzlich 13:00 - 14:30). 

Zusätzlich zum Gesuch ist handschriftlich ein tabellarischer Lebenslauf zu verfassen und zu unterschreiben. Im Gesuch ist auch anzugeben, ob das Richteramt angestrebt wird (also ob man "AufnahmewerberIn" sein möchte) und das Datum des gewünschten Dienstantritts. 

Das Gesuch muss spätestens am letzten Arbeitstag ein Monat vor Dienstantritt abgegeben werden, es muss sich somit immer ein ganzer Monat zwischen Anmeldung und gewünschtem Dienstantritt befinden. 

Man kann auch angeben, zu welchen Gerichten man zugeteilt werden will, solche Bitten werden nach Möglichkeit gerne berücksichtigt. 

Dienstantritt 

Zum Dienstantritt sind allenfalls eine Erklärung über die Eigenschaft als AlleinverdienerIn oder AlleinerzieherIin, eine Bescheinigung über den Bezug von Familienbeihilfe und des Kinderabsetzbetrages für eigene Kinder und eventuell eine Erklärung zur Berücksichtigung der Pendlerpauschale. 

Ablauf der Ausbildung

Es gibt grundsätzlich 2 Zuteilungen, an ein LG und ein BG für je 2 bzw 3 Monate, wobei eine Zuteilung zu einem Gericht für Strafsachen erfolgt.

AufnahmewerberInnen werden zu den Terminen 01.03, 01.06, 01.09, 01.12 zugelassen. 
Alle anderen werden zu den Terminen 01.01, 01.02, 01.03, 01.04, 01.05, 01.06, 01.07, 01.08, 01.09, 01.10, 01.11, 01.12 zugelassen.

Wenn jemanden die Zuteilung bei der Staatsanwaltschaft besonders interessiert, dann hindert sie oder ihn natürlich nichts, im Zulassungsgesuch eine Präferenz für die Zuteilung zur Staatsanwaltschaft abzugeben. Dann wird man zumeist die Funktion eines/einer Bezirksanwalts/anwältin ausüben. AufnahmewerberInnen werden jedoch nicht zur StA zugeteilt.

Die Dienstzeiten sind prinzipiell Montag bis Freitag, von 7.30 - 15.30 Uhr. 

Ausbildungsbeitrag 

Ein/e Rechtspraktikant/in verdient im Kalendermonat einen Ausbildungsbetrag von € 1.035 brutto, für Pendler gibt es einen Absetzbetrag oder einen Fahrtkostenzuschuss. Vierteljährlich wird zusätzlich noch das 13. und 14. Monatsgehalt aliquot ausbezahlt. 

Freistellung/Unterbrechung/Beendigung 

Rechtspraktikant/innen haben auch einen Freistellungsanspruch, der im Verhältnis zur zurückgelegten Dienstzeit erworben wird (jeden Kalendermonat bekommt man zwei Tage). Während dieser Zeit bekommt man den Ausbildungsbetrag  weiter ausbezahlt. 

Daneben kann man die Gerichtspraxis auch unterbrechen. Während dieser Zeit bekommt man den Ausbildungsbeitrag nicht. Durch eine Erklärung kann man wieder fortsetzen, hat man jedoch länger als 27 Monate unterbrochen, so gilt die Gerichtspraxis als beendet. 

Man kann die Gerichtspraxis allerdings auch durch Erklärung beenden. Wer derzeit noch im alten 9-monatigen Modus ist kann die Gerichtspraxis so schon nach 5 Monaten beenden und sie gilt trotzdem als vollständig absolviert. 

Eine beendete Gerichtspraxis kann man nur durch neuerlichen Antrag auf Zulassung fortsetzen. Dann hat man weiterhin nur einen Anspruch auf Fortsetzung, bis man insgesamt die Höchstdauer von fünf Monaten absolviert hat.

Infos für AufnahmewerberInnen

AufnahmewerberInnen bekommen in der ersten Woche ein Schreiben über die in den ersten drei Monaten verpflichtend zu besuchenden Kurse am jeweiligen LG. Am Ende dieser Kurse gibt es einen schriftlichen Test, oder eine mündliche Prüfung, je nach LG (Am LG ZRS in Wien- ein schriftlicher Test). Danach folgen die wöchentlichen OLG-Kurse. 

Zwei mündlichen Prüfungen finden im 5. Monat statt. Prüfungsstoff ist entweder Zivilrecht oder Strafrecht, je nachdem in welchem Fach man die erste Zuteilung hatte. Die anderen beiden mündlichen Prüfungen finden nach der zweiten Zuteilung über das andere Fach statt. Zwei bis drei Monate später finden dann die beiden schriftlichen Prüfungen statt. Bitte beachte, dass die Prüfungstermine immer individuell bestimmt werden und daher variieren!

Sind alle Prüfungen erfolgreich bestanden, folgt das psychologische Auswahlverfahren und eine ärztliche Untersuchung. Während dieser Zeit wird man weiter verlängert. Zum Schluss finden die Bewerbungsgespräche beim OLG und BMJ statt.

Die Neuerungen sollen zu einer Verkürzung der Zeit bis zur tatsächlichen Aufnahme als RiAA führen (welche bisher bis zu 16 Monaten betrug).

 

Qualität für Doktorat & PhD


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