Gender Kolleg der Universität Wien

 

 

 
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Theoretisch-methodischer Rahmen: Brüche - Geschlecht - Gesellschaft

Das Gender Kolleg ist ein interdisziplinär ausgerichtetes Graduierten Kolleg mit Schwerpunkt Gender Studies an der Universität Wien. Der Zugang zu diesem Hauptfeld in Forschung und Lehre erfolgt über das Thema der epistemologischen und sozio-kulturellen "Brüche" ("Ruptures"), denn es sind gerade Umbruchssituationen, in denen zuvor Verborgenes sichtbar wird. Diese "Transversale" der "Brüche" soll verschiedene Zugangsweisen zu "Geschlecht" als anthropologische und wissenschaftstheoretische Kategorie in drei Themenbereichen eröffnen:

1. Umstrittene Geschlechteridentitäten
2. Implizites und explizites Wissen
3. Sozio-kulturelle Konstituierung von Wirklichkeit

Diese drei Themenfelder sind als vernetzte Arbeits- und Forschungsfelder zu verstehen, während die Transversale "Brüche" eine übergeordnete Perspektive und Fragestellung darstellt, welche die drei Forschungsgebiete gleichsam durchkreuzt.

Das Themenfeld der umstrittenen Geschlechteridentitäten (Contested Gender Identities) beleuchtet soziale, kulturelle und anthropologische Bedingungen für die Bildung von Geschlechteridentitäten aus der Perspektive der "Brüche" heraus. Die umstrittenen, brüchigen Geschlechteridentitäten umfassen das Spannungsfeld von individuellen und kollektiven Identitäten. Innerhalb dieser Spannungsfelder werden die wechselseitigen Verhältnisse zwischen sex, gender und Sexualität analysiert, was eine dynamischere Sichtweise der Konstituierung und Instituierung von gesellschaftlichen Identitäten, ja des Identitätsbegriffs überhaupt eröffnet.

Der Themenbereich implizites und explizites Wissen setzt sich mit den heterogenen und vielschichtigen Interaktionen verschiedener Wissensformen unter Bezugnahme auf Geschlechterverhältnisse auseinander. Diese Wissensformen erzeugen gesellschaftliche Phänomene, wobei gleichzeitig der gesellschaftliche, kulturelle und soziale Kontext seinerseits dieses Wissen entscheidend prägt. Diese Zirkularität ist für die Analyse der Geschlechterverhältnisse ebenso zentral wie für die sie betreffenden Legitimationen, "Dispositive" und diskursive De/Konstruktionen. Brüche durchziehen die Produktions-, Verteilungs- und Vermittlungsstrukturen von Wissen und treten besonders augenscheinlich in der Grenzziehung zwischen explizitem Wissen und impliziten Wissen, zwischen mündlichem und schriftlichtem Wissen usw. zu Tage.

Das Themenfeld der sozio-kulturellen Konstitutierung von Wirklichkeit wird über die Transversale "Brüche" in gesellschaftspolitischen Konflikten, in der medialen Vermittlung und in institutionalisierten sowie nichtinstitutionalisierten Bereichen des Politischen und der Geschlechterpolitik eröffnet. Die Wirklichkeit des Geschlechterimaginären wird als Werk wie auch als wirkmächtige Hervorbringung analysiert. Dabei stehen Diskontinuitäten, Veränderungen und Um/Brüche zwischen unterschiedlichen Formen des meist asymmetrischen Verhältnisses zwischen Mannsein und Frausein im Zentrum der Analyse.

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Innovationspotential in Forschung und Lehre

Les doctorand/e/s du Gender Kolleg appartiennent à plusieures disciplines au sein de la faculté des sciences sociales et humaines (Human- und Sozialwissenschaftliche Fakultät) et de la faculté des sciences de la culture (Geistes- und Sozialwissenschaftliche Fakultät), quelques un/e/s à l'université des sciences économiques et à l'Université téchnique de Vienne. Dans le cadre des séminaires du Gender Kolleg les recherches et les questions méthodologiques des doctorandes sont présentées et discutées dans un cadre inter- et transdisciplinaire.

Die DoktorandInnen des Gender Kollegs kommen aus einem breiten Spektrum wissenschaftlicher Disziplinen an den beiden Fakultäten "Human- und Sozialwissenschaften" und "Geistes- und Kulturwissenschaften" der Universität Wien, vereinzelt aber auch von der Wirtschaftsuniversität und der Technischen Universität. Im Rahmen der Lehrveranstaltungen des Gender Kollegs wird die Forschungsleistung dieser DoktoratsstudentInnen fächerübergreifend gebündelt und zur Diskussion gestellt.

Die Schaffung eines interdisziplinären Rahmens für die graduierte Geschlechterforschung stellt eine in Österreich einzigartige Innovation in Forschung und Lehre dar und wurde 2001 mit dem Anerkennungspreis für Innovation in der Lehre, Kategorie "Besonders hohes Innovationspotential" der Universität Wien ausgezeichnet. Die Qualitätssicherung dieser geschlechter-fokussierten Lehre und Forschung wird durch die interdisziplinäre Zusammensetzung der Faculty des Gender Kollegs mit österreichischen Spitzenkräften gewährleistet:

  • Ulrike Felt (Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung, Universität Wien)
  • Andre Gingrich (Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie, Universtität Wien; Mitglied der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und Wittgenstein-Preisträger des Jahres 2000)
  • Univ.-Prof. Dr. Gariella Hauch (Univ-Prof. für Frauen und Geschlechterforschung an der Johannes Kepler Universität Linz)
  • Eva Kreisky (Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien; Preisträgerin des österreichischen Staatspreises für wissenschaftliche Leistungen, die der Geschlechterdemokratie förderlich sind (Gabriele Posanner-Preis) des Jahres 1999)
  • Dr. Elke Mader (Institut für Ethnologie, Kultur- und Sozialanthropologie, Universtität Wien)
  • Univ.-Prof. Dr. Alice Pechriggl (Institut für Philosophie und Gruppendynamik, Universität Klagenfurt)
  • Dr. Birgit Sauer (Institut für Politikwissenschaft, Universität Wien)
  • Mona Singer (Institut für Wissenschaftstheorie und Wissenschaftsforschung, Universität Wien)
  • Dr. Ruth Wodak (Prof. für Angewandte Sprachwissenschaft am Institut für Sprachwissenschaft der Universität Wien)

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Transdisziplinarität

Das Forschungsseminar: "Trans- und Interdisziplinarität in der Geschlechterforschung" stellt den Kern des vom Gender Kolleg weiterentwickelten Transdisziplinaritätskonzepts dar. Diese Lehrveranstaltung ist, wie alle anderen Lehrveranstaltungen des Gender Kolleg, innerhalb des Doktoratsstudiums angesiedelt und bildet zugleich die praktische Grundlage eines gemeinsamen Lehr- und Betreuungsprojekts, das auf die Weiterentwicklung inter- und transdisziplinärer Ansätze in der Geschlechterforschung sowie auf kollektives Mentoring im Sinne der Entwicklung der Geschlechterdemokratie in den und durch die Wissenschaften ausgerichtet ist.

Im Zentrum stehen die neuesten Ansätze zu inter- trans- und pluridisziplinärer Geschlechterforschung, sowie die Eröffnung neuer Forschungsperspektiven, die sich durch die Überschreitung und teilweise Auflösung der Disziplinengrenzen und der damit verbundenen Probleme ergeben. "Legitimität" und "Disziplin" sind dabei zentrale Gegenstände einer kritischen Auseinandersetzung. Das Seminar ist so aufgebaut, dass es die Vertiefung von Methodenproblemen unter anderem am Leitfaden der Thematik der jeweiligen interdisziplinär angelegten Ringvorlesung ("Ritualisierung von Geschlecht" im WS 2003/2004, "Leibes/Übungen" im SoSe 2003, "Globale Transformationen" im WS 2001/02, Lokale Fragmentierungen im SoSe 2002) in Hinblick auf Brüche in den Geschlechterverhältnissen und dem diesbezüglichen "Wissen" ermöglicht. Dabei wird der Unterschiedlichkeit von Wissensformen und -generierungsprozessen besonderes Augenmerk geschenkt.

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Internationalität

Neben interdisziplinärem Forschungsseminar und Ringvorlesung bietet das Gender Kolleg mindestens einmal jährlich je ein Seminar und eine Spezialvorlesung, die von GastprofessorInnen angeboten werden, womit sich das Themenspektrum nie erschöpft. Zudem veranstaltet das Gender Kolleg Gastvorträge international renommierter WissenschafterInnen, und Veranstaltungen mit internationaler Besetzung zu Schwerpunktthemen ergänzen das Ausbildungsangebot des Gender Kollegs. Hier wären zuletzt der Gastvortrag des berühmten französischen Historikers Pierre Vidal-Naquet im Mai 2003 oder der "Gedankenaustausch zu Gender Studies und EU-Osterweiterung" mit Beiträgerinnen aus Prag, Budapest und Wien im Juni 2003 zu nennen (http://www.univie.ac.at/dieuniversitaet/uni/wissen.html).

Das Gender Kolleg ist international vernetzt und hat es verstanden, seine günstige geographische Lage v.a. für intensive Kontakte zu WissenschafterInnen in postkommunistischen Staaten Ostmittel-Europas zu nutzen. Die Ergebnisse eines vom Bundesministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur geförderten Kooperationsprojekts zwischen Feministinnen aus Ost und West liegen nun in publizierter Form vor:

Alice Pechriggl/Marlen Bidwell-Steiner (Hg.), Brüche. Geschlecht. Gesellschaft. Gender Studies zwischen Ost und West. Materialien zur Förderung von Frauen in der Wissenschaft, Band 16. Wien 2003.

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