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21. Mai 2003, 18:00-20:00 Uhr
Hörsaal 48, Universität Wien Hauptgebäude,
Dr. Karl Lueger-Ring 1
1010 Wien
(Der Hörsaal ist per Lift vom Audimax aus erreichbar.)
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(Vortrag in englischer Sprache)
Das Thema wird über zwei Achsen behandelt:
Das tragische Theater wurde oft als Spiegel der Polis
betrachtet. Es stellt sich aber die Frage, ob dies auf der Ebene
der direkten politischen Anspielungen tatsächlich der Fall
ist. Für Aischylos ist die Antwort zweifelhaft, noch mehr für
Sophokles, eher positiv wird sie im Falle des Euripides zu beantworten
sein.
In einer zweiten Annäherung wird die Tragödie
vor dem Hintergrund der Polis als "Männer- und Bürgerclub"
betrachtet, eine Sphäre, aus der die Frauen herausgehalten
werden, ebenso die Jungen und die Sklaven. Doch dieser Hintergrund
kann die Frage nach dem Wirken der Kategorie Geschlecht in der Tragödie
nicht hinreichend erhellen.
Wie sollen wir beispielsweise erklären, dass
Kreon und Haimon sich gegenseitig als Frauen bezichtigen? Es geht
dabei nicht nur um Beschimpfungen, also Sprechakte, sondern um Variationen
eines Codes.
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Pierre Vidal-Naquet ist einer der einflussreichsten
und engagiertesten Historiker Frankreichs und war bis vor kurzem
directeur d'études an der école des hautes études
en sciences sociales. Er gehört, gemeinsam mit Jean-Pierre
Vernant oder Nicole Loraux, zu den wichtigsten VertreterInnen der
strukturalanthropologischen "Pariser Schule" der "HistorikerInnen
des Imaginären".
Nicht nur im Bereich der griechischen Altertumswissenschaften
tätig, widmete er sich auch der Zeitgeschichte, etwa mit seinem
im Vorjahr auf Deutsch erschienenen Buch Die Schlächter
der Erinnerung. Essays über den Revisionismus oder mit
seinen Studien über die Rolle der Armee und ihre Anwendung
der Folter während des Algerienkrieges. Ebenso bahnbrechend
waren seine Auseinandersetzung mit dem Werk von Flavius Josephus
oder seine Essays über Juden und jüdische Geschichte etwa
in Les juifs, la mémoire et le présent.
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